El Calafate – El Chalten, eine windige Begegnung

01.01.2010 – 05.01.2010

Am ersten Tag des neuen Jahres starten wir bei schoenstem Wetter in Richung El Chalten. Und weil Faz wie gewoehnlich am Morgen etwas laenger braucht, fahren wir erst gegen 11 Uhr los. Die ersten 32 km geniessen wir Rueckenwind. Auf dieser Strecke sehen wir auch das kleine Guanaco, das seine Hinterbeine an einem der Weidezaeune eingeklemmt hatte. Diese Zaeune saeumen in Argentinien sozusagen saemtliche Strassen. Anscheinend weil das Land den Farmern gehoert, aber Vieh ist hier im Sueden hoechst selten anzutreffen und bewirtschaftet wird das Land auch nicht. Doch fuer die Lamas sind die Zaeune oft toedliche Fallen. Faz schneidet den Zaun durch und das Lama kriecht davon. Wir wissen nicht, ob seine Beine gebrochen sind, aber wir koennen es schlussendlich nur seinem Schicksal ueberlassen.
Nach den angenehmen 32 km biegen wir auf die beruehmt beruechtigte Ruta 40 ein, als wir einen anderen Radler sehen. Natuerlich ein Schweizer. Wir schwatzen ein bisschen und er gibt uns ein paar gute Tipps fuer die Strecke El Chalten – Villa O’Higgins. Dann gehts weiter, nun mit etwas staerkerem Seitenwind und die Wolken verdichten sich zunehmend. Immer wieder sehen wir den tuerkisblauen Lago Argentino zu unserer linken Seite. Gegen Abend faengt es dann an zu regnen, mit dem einen Vorteil: kein Wind mehr. Wir finden an der Strassee keinen geeigneten Windschutz und Boden fuer unser Zelt, darum fragen wir an dem Baustellenposten „La Irena“, ob wir zelten duerfen. Wir duerfen, bekommen heisses Wasser fuer eine Suppe und ein Hund markiert unser Zelt zweimal.
In der Nacht hatte der Regen aufgehoert und der typische patagonische Wind eingesetzt. Bei blauem Himmel verlassen wir „La Irena“. Mit Seitenwind, teilweise Rueckenwind kommen wir gut voran. Der Rio La Leona schlaengelt sich hier wie ein hellblau-tuerkis farbenes Band durch die wuestenartige Canyonlandschaft. Ein echt faszinierender Anblick. Und immer wieder sehen wir die wilden Guanacos (wilde Lamas), spaeter eine ganze Nandufamilie. Gegen Mittag nimmt der Wind zu. Wir machen beim Parador „Luz Divina“ eine kurze Pause, bei sehr guten, und auch sehr teurem Kaffee (13 Pesos fuer eine Tasse), und einem leckeren Rosinenkuchen. Dafuer gibts Birnensaft und heisses Wasser fuer die Thermos umsonst.  Hier ware auch ein schoner Camping, windgeschuetzt am Flussufer, aber es ist noch etwas zu frueh… Wir stellen uns wieder dem Wind. Die Strasse biegt sich nun immer unguenstiger, der Wind kommt von seitlich vorn oder von vorn. Es ist nicht so einfach, ein voll bepacktes Bike in der richtigen Schraeglage gegen den Wind zu balancieren. Eine Boe reisst mich mit und ich lande samt Bike auf dem Boden. Der Wind ist nun so stark, dass wir die Bikes teilweise schieben muessen. Wieder einmal stellen wir fest, dasss wir einfach zu viel Gepaeck haben. Gegen Abend erreichen wir den Parador „La Leona“ und geben den Kampf gegen den Wind fuer heute auf, dier gibts einen etwas windgeschuetzten Camping. „La Leona“ liegt am gleichnahmigen Fluss, wie eine kleine Oase mit einigen Windschutz spendenden Baeumen. Zudem lebt hier ein halber Zoo: Paco, das zahme Lama, Schafe, Ziegen, 3 Hunde, 9 Katzen, Huehner, ein grosser farbiger Hahn, Gaense und ein Sobrino (Stinktier). Und als uns Monica den Zeltplatz zeigt, folgt ihr die ganze Tiermeute. Ein echt lustiger Anblick.

Nachdem wir in der Nacht den Odeur des Stinktiers erriechen durften, will ich um 7 Uhr aufstehen. Aber Faz, der „Lazy Bum“ behauptet, es habe zu viel Wind und zudem schmerzten seine Beine… Um 9 Uhr stehen wir dann auf und es blaest fast kein Wind. Wir verbringen also einen ruhigen Tag auf „La Leona“ und gegen Mittag frischt der Wind dann wieder zu gewohnter Staerke auf.Am Abend trifft ein anderer Radler ein, Frederico aus Italien. Faz kocht fuer uns alle und wir verbringen einen netten Abend zusammen.

Am naechsten Morgen verlassen wir „La Leona“ sehr frueh, um die Stunden mit wenig Wind zu nutzen. Aber heute morgen blaests natuerlich schon morgens. Die restlichen 30 km auf der Ruta 40 kommen wir aber sehr gut voran, der Wind steht guenstig. Aber dann biegen wir auf die Ruta Provincial 23 ab, und das heisst: von nun an Gegenwind. Und wie ueblich hier in Patagonien in ganz ordentlicher Staerke. Aber schon von weiten koennen wir die Bergkette von Chalten ausmachen. Ein schoener Anblick. Gegen Abend muessen wir nach einem geschuetzten Platz fuers Nachtlager Ausschau halten. Wir erreichen die Estancia „La Margerita“ und fragen, ob wir das Zelt aufstellen duerfen. Sandra, die Koechin, verweist uns auf eine in 2 km folgende Estancia. Wir fragen nochmals, und on wir den Patron sonst fragen koennen. Nun funkt Sandra den Chef an und wir duerfen unser Zelt etwas windgeschuetz neben der Feuerstelle aufbauen. Doch bevor wollen wir noch eine Nudelsuppe essen. Das Wasser der Thermos ist nicht mehr so heiss, daher werden die Nudeln nicht weich. Und da ruft auch schon Sandra, ob wir mit ihr und den Arbeitern essen wollen. Es gibt Eintopf mit Schffleisch. Da sagen wir gerne zu. Unsere Nudeln lassen wir in unseren Tassen draussen stehen. Wir essen mit den Arbeitern der Estancia und zum Dessert bringe ich noch meine restliche Tafel Schweizzer Schockolade. Die ist im Nu weg… Wieder draussen sind unsere Tassen verschwunden, nicht auffindbar. Einer der Hunde muss sie gestohlen haben. Wir schluepfen in unser kuehles Zelt und hoeren dem Wind zu.

Am nachsten Morgen ist der Himmel bedeckt und der Wind blaest schon frueh morgens. Wir haben noch 40 km bis Chalten zu fahren und stellen uns auf ein langsames Vorankommen ein. Wir verabschieden uns von Sandra und machen uns auf den Weg. Noch einmal gegen den Wind fahren. Doch als wir von der Estancia auf die Strasse einbiegen sehen wir den Fitz Roy und die anderen Berge. Ein toller Anblick. Wir radeln entlang des Lago Viedma und bald sehen wir acuh den Glaciar Viedma, der in den Lago fliesst. Die Landschaft hier ist farblich sehr schoen: Tuerkis, beige, gruengelb, weiss und himmelblau. Eine ansprechende Kombination. Eine Zeit lang kommer wir sogar richtig gut voran, der Wind weht auf diesem Streeckenabschnitt nicht so stark. Dann beginnt der aufstieg nach Chalten. Es gibt noch eine Steigerung von Gegenwind. Das ist aufwaerts fahren mit Gegenwind. Ein hartes Stueck Arbeit, das Bike auf der Strasse zu halten ohne abzudriften. Doch um 16 Uhr erreichen wir schlussendlich Chalten, frueher als erwartet. Wir schauen uns nach einer Unterkunft um und stellen unser Zelt schliesslich auf dem Camping El Refugio auf. In dieser Nacht frischt der Wind dann noch um einiges auf.

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