Villa O’Higgins – Coyhaique, unterwegs auf der Carretera Austral

Artikel: vollstaendig, 2010.03.26

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Am Morgen regnet es in Stroemen, aber wir muessen los. Sonst gehen uns unsere chilenischen Pesos aus. Wie ueblich dauert Fazls Packeinlage sehr lange. Gegen Mittag und bei Regen steigen wir also ein in die beruehmte Carreterra Austral. Passenderweise, denn hier soll es ja viel regnen. Wir passieren den Lago Cisnes, die Schotterstrasse fuehrt dierkt am Ufer entlang. Auch bei Regen ein schoner Anblick, bei schonem Wetter sicher atemberaubend. Wir ueberqueren den Rio Mayer. Es geht rauf und runter. In einer Regenpause machen wir eine kleine Lunchpause, dann gehts wieder weitr im Regen, nun ebenfalls mit Gegenwind. Nach ca. 55 km biegen wir rechts in eine kleine Seitenstrasse ein, Simons Tipp nach einer Uebernachtungsgelegenheit folgend. Auf dem Schotterplatz bauen wir das Zelt auf, den Feuerstellen nach zu untreilen sind wir nicht die Ersten, beschweren alle Heringe mit Steinen, essen noch etwas und gehen dann schlafen.

Am naechsten Morgen hat der Regen etwas nachgelassen. Wir fruehstuecken und Fazl schafft es, kurz nach 9 Uhr ein bepacktes Bike zu haben. Unglaublich. Gleich zu Beginn haben wir ein p[aar Steigungen zu bewaeltigen. Mit dem schweren Gepaeck muessen wir jetzt schon teilweise schieben. Immer wieder gehts bergauf. Wir treffen auf einige andere Radler und waehrend unserer Mittagspause passiert uns ein Motorradfahrer und fragt, ob alles ok sei. Auf einer steilen Bergabfahrt haelt Faz ploetzlich und zeigt mir an, langsamer zu fahren. Das steht naemlich ein Huemul. Die patagonische Version eines Rehs. Und es zeigt keine Anstalten wegzulaufen. Es steht einfach da, schaut uns an und frisst weiter. Die letzten 20 km zum Faehrhafen Rio Bravo geht es mehr oder weniger gerade aus, jedoch auf extrem holpriger Strasse. Die Handgelenke und Arme haben viel zu tun. Wir geniessen die tolle Landschaft und ein wenig Sonnenschein.

Gegen 18.30 Uhr erreichen wir den Faehrhafen von Rio Bravo, bzw. eine Betonrampe in den See und ein geschlossenes Wartehaeuschen. Hier treffen wir wieder auf den Motorradfahrer. Charles, der Polizist aus Porto Allegre in Brasilien hat die 13 Uhr Faehre verpasst. Wir essen etwas Brot und Kaese un teilen mit Charles. Dann fahren wir die Bikes auf die Faehre, wo wir auf Raoul treffen. Raoul vermietet Cabanas in Puerto Yungay – auch ein Tipp von Simon. Kurz vor 19 Uhr legt die Faehre ab. Die ueberfahrt ist gratis. Am anderen Ufer zeigt uns Raoul die Cabana. Charles moechte ebenfalls in Puerto Yungay uebernachten, da er wegen der verpassten Faehre zu spaet dran ist, um noch nach Cochrane zu fahren. In der Cabana sind schon 2 andere Biker, Juan, der Spanier, der drinnen raucht und ein Franzose. Raoul zeigt uns drei am Boden liegende Matratzen. Doch Faz passt der Raucher nicht und die Matratzen sind auch nicht gerade ansprechend. Faz schaut sich noch den Strand an, won man gratis zelten kann. Dort steht ebenfalls eine Scheune, in der wir ebenfalls umsonst zelten duerfen. Wir beschliessen zu zelten und fahren zum Strand. Dort baut gerade ein franzoesischen Paar das Zelt auf. Die 2 fahren von Anchorage, Alaska, nach Ushuaia. Wir stellen das Zelt in der Scheune auf, Charles folgt uns. Er hat ein Zelt und einen Schlafsack dabei, das Zelt jedoch noch nie aufgestellt. Juan leiht ihm noch seine Schlafmatte und wir helfen ein bisschen beim Zeltaufbau. Dann koche ich fuer alle Suppe mit Nudeln und Faz macht ein Feuer. Zusammen mit den Franzosen essen wir zu Abend.

Schon waehrend der Nacht beginnt es zu regnen. Ich hoere den Regen auf das Scheunendach prasseln. Faz will wieder einmal nicht aufstehen, also koche ich Fruehstueck. Gegen 9 Uhr steht dann auch Faz auf. Wir fruehstucken mit Charles und hoeren einiege interessante Geschichten aus dem brasilianischen Polizeialltag. Charles schoenste Verhaftungen sind die von Polizisten aus den eigenen Reihen… Dann macht sich Charles bereit. Es regnet immer noch in Stroemen, wir wollen noch etwas abwarten. Charles macht sich auf den Weg nach Puerto Tranquillo. Wir warten immer noch, der Regen laesst nicht nach. Gegen Mittag wird es kalt in der Scheune. Wir wollen Raoul fragen, ob wir doch in die Cabana mit Ofen ziehen koennen. Kein Problem. Und wir haben sie fuer uns allein, die richtigen Betten sind frei. Wir waermen uns zuerst etwas auf, dann gehe ich runter zum Strand und packe das Zelt und den Rest zusammen. Puerto Yungay ist ein Militaerstuetzpunkt fuer die Instakndhaltung der Carretera. Pedro vom Stuetzpunkt bringt uns spaeter noch mehr Feuerholz und laedt uns um 18 Uhr zum Kaffee ein. Er moechte gerne etwas Englisch sprechen, die Sprache verbessern – oder laut Faz‘ Aussage einfach nur die blonde Frau zum Kaffee einladen. Ich wasche noch ein paar Kleider, dann gehen wir rueber zu den Soldaten. Da steht ein Tisch mit 4 Gedecken bereit. Es gibt Kaffee und von Viktor selbst gebackene Broetchen. Viktor, 18, macht seinen 1 Jahr und 2 Monate dauernden Militaerdienst in Puerto Yungay, in der Kueche. Dann moechte er gerne etwas im Zusammenhang mit Ernaehrung studieren. Die Broetchen schmecken fantastisch. Spaeter kopiert Faz noch ein paar englische Filme auf Pedros Computer, zum Englisch-Ueben. Viktor bringt einen USB-Stick, der ihm Juan, der Spanier, geschenkt haben soll. Mit Fotos und GPS-Daten drauf… Spaeter treffen weitere Radler ein. Faz und Viktoer gehen raus. Viktor will ihnen die Cabana andrehen, er haette einen Schluessel. Nun, Raoul versicherte uns, wir haetten die Cabana fuer uns, und so liegen unsere Sachen ueberall rum. Dies sagt Faz den anderen Radlern und zeigt ihnen die Scheune. Spaeter plagt ihn das schlechte Gewissen, denn es hat ja noch Platz in der Cabana. Er geht zur Scheune runter um mit den Bikern zu reden. Nun, die Biker wollten ueberhaupt nicht in die Cabana, denn sie trafen Juan und ein franzoesisches Paar, dessen GPS verschwand. Und Juan empfahl, nicht in der Cabana zu schlafen, denn da wuerden Dinge verschwinden. Viktor soll etwas laengere Finger haben. Waehrend unserem Kaffeebesuch verschwand Viktor ein paar Mal fuer laengere Zeit draussen. .. Wir pruefen natuerlich sofort, ob etwas alles da ist. Doch es scheint nichts zu fehlen. In der Nacht stellen wir den Tisch vor die Tuer…

Am naechsten Morgen hat der Regen aufgehoert und wir machen uns bereit. Faz braucht wieder ewig lange um zu packen und desto ungeduldiger ich werde, desto langsamer packt er, wir streiteh heftig. Erst kurz vor 11 Uhr koennen wir losfahren. Heute erwarten uns 3 harte Steigungen, gleich von Beginn weg. Die erste ist dann wirklich extrem hart, ich kann das Rad kaum schieben und verfluche jedes Teil des schweren Gepaecks. Gerne wuerde ich jetzt alles Unnoetige in die Buesche werfen. Unsere Vorbereitung war ja wirklich nicht gerade gut… Aber irgendwann ist die letzte Steigung dann auch geschafft und nun geht es wieder den Berg runter, die Strasse gleich neben tief abfallenden Schluchten. Landschaftlich ist die Carretera Austral fantastisch. Wir erreichen die Kreuzung mit dem Abzweig nach Caleta Tortel und folgen dieser. Kurz nach dem Abzweig moechte Faz campen. Es sind noch 20 km bis nach Tortel, ich wuerde gerne weiterfahren, aber um nicht wieder erneut zu streiten willige ich zum Campen ein. Wir biegen in eine Seitenstrasse ein und folgen ihr bis zum Fluss, dem Rio Baker. Dort steht ein Haeuschen und der Senor baut gerade ein Boot, das er in Tortel verkaufen moechte. Wir duerfen unser Zelt auf einer Kiesflaeche weiter oben aufstellen. Etwas exhibitioniert, kein Wind- und Regenschutz. Darum muessen wir die Heringe wieder mit Steinen beschweren. Die beiden Toechter, Michaela, 9, und Clarissa, 15, helfen uns. Und weichen uns nicht mehr von der Seite. Faz macht ein Feurer und kocht Reis mit Linsen. Gegen Abend setzt dann der Regen ein.

Die ganze Nacht regnet es. Wir schlafen etwas laenger, denn bis Tortel ist es nicht mehr so weit. Faz entfacht das Feuer erneut und kocht Fruehstueck: Kaffee und Porridge. Dann kommt die Sonne langsam hervor, ebenso erscheinen die 2 Maedchen wieder. Ich packe ein trockenes Zelt zusammen und wieder einmal warte ich auf Fazl. Wir schenken den Maedchen einen Schweiz-Aufkleber und eine Postkarte von Davos, dann radeln wir bei Sonnenschein los. Die Strasse ist meistens eben, doch der Belag teilweise extrem schlecht und holperig. Wir treffen 2 Radler aus Neuseeland, die uns die Hospedaje Charito empfehlen. Gleich beim Parkplatz mit Paltz fuer die Bikes. Denn Tortel hat keine Strassen, nur Holzstege und –treppen. Nicht geeignet fuer Bikes. Wir fahren weiter und gegen 15.30 Uhr erreichen wir Tortel und quartieren uns im Charito ein. Dann gehen wir etwas spazieren, einkaufen und suchen das Restaurant „Sabores Locales“, wo es gemaess und Chris und Sameena guten Lachs geben soll. Wir finden das Restaurant und bestellen natuerlich Lachs. Da einige Herren drinnen rauchen traegt Faz einen Tisch nach draussen. Essen mit Aussicht. Wir sehen einige Piqueaflores, kolibriaehnliche Voegel, und geniessen dann Lachs mit Oregano-Butter-Kartoffeln und Pfirsichsaft. Wir unterhalten uns noch mit Maritza, der Restaurantbesitzerin, die in Tortel geboren wurde. Dann gehen wir zurueck in die Hospedaje. Mittlerweile sind 4 Israelis eigezogen. Nicht sehr freundliche Menschen. Zudem scheinen sie weder Tueren, noch Lichtschalter und Duschvorhaenge zu kennen. Tueren bleiben auf, das Licht an und der Badezimmerboden ueberschwemmt.

Ich freue mich auf einen Ruhetag in Tortel, um das Stegdorf zu erkunden. Doch schon in waehrend der Nacht hoere ich den Regen aufs Dach prasseln. Am Morgen regnet es immer noch. Wir fruehstuecken und es regnet den ganzen Tag weiter. Schade. Unsere chilenischen Pesos werden knapp, darum koennen wir nicht laenger bleiben. Gegen 17 Uhr mache ich mich trotzdem fuer einen Spaziergang im Regen bereit. Rauf und runter ueber die Stege laufe ich bis zum Strand und wieder zueruck. Ganz schoen anstrengend, das viele Treppensteigen. Faz bleibt den ganzen Tag in der warmen Stube und fuettert den Ofen fleissig mit Holz.

Bei leichtem Regen verlassen wir am naechsten Morgen Caleta Tortel. Und kaum auf der Strasse, zeigt sich dann die Sonne. Ausserhalb des Dorfes fuellen wir unsere Wasserflaschen an einem kleinen Wasserfall. Zuerst fahren wir entlang des Rio Baker, dann wieder durch die Sumpflandschaft mit den toten Bauemen und schliesslich erreichen wir wieder den Abzweig. Nun fahren wir weiter in Richtung Cochrane. Es geht flach oder etwas abwaerts weiter. Sehr angenehm. Nach einiger Zeit hoere ich komische Gerausche vom Vorderrad. Die rechte Lowridertasche haengt schief. Die Schraube hat sich durch das viele Ruetteln geloest. Die Schraube ist zum Glueck noch da. Ich ziehe sie an und weiter gehts.Auf diesem Teil der Carretera wird gerade fleissig gebaut und ausgebessert. Viele Lastwagen passieren uns und kommen uns entgegen. Die Strasse besteht oft aus Sand oder Lehmmatsch. Am Ufer des Rio Baker essen wir zu Mittag. Dann gehts weiter, vorbei an Fluessen und einem impressionanten Wasserfall direkt neben der Strasse. Gegen Abend suchen wir nach einem Campplatz. Am liebsten neben einem Fluss. Wir finden den Fluss und einen flachen Platz unter Baeumen etwas abseits der Strasse. Etwas weiter steht ein Stall oder eine Huette, aber niemand scheint darin zu wohnen.

Frueh werden wir durch Kuhmuhen geweckt. Wir stehen auf und fruehstuecken. Auf der anderen Flusseite steht eine ganze Kuhherde, die uns neugierig beaeugt. Nach und nach durchqueren alle den Fluss und kommen auf unsere Seite. Es ist Zeit zu gehen. Bis Faz gepackt hat und sein Bike bereit ist dauert es wieder etwas laenger. Wir beginnen den Tag mit einer kleinen Steigung. Der Himmel ist etwas verhangen, spaeter beginnt es zu regnen. Gegen Abend beginnt die Suche nach einem regengeschuetzten Campplatz. Ich sehe rechts neben der Strasse einen kleinen Wald. Ein guter Platz. Wir sehen uns um und es scheint mehr oder weniger trocken zu sein. Und wir sind nicht die ersten hier, andere Leute haben schon Windschutz und Feuerstelle aufgebaut. Faz schaut sich noch etwas um und findet etwas oberhalb, von der Strasse her nicht sichtbar, einen besseren Campplatz. Unter Baeumen und in ziemlicher Schraeglage baue ich das Zelt auf waehrend Faz Wasser holen geht. Faz macht eine Feuer und wir kochen Suppe mit Reis.

Bis Cochrane ist es nicht mehr weit, daher schlafen wir etwas laenger. Gegen 12 Uhr verlassen wir den Campplatz, gerade rechtzeitig, bevor eine Kuhherde unsere Wiese erobert. Bei bedecktem Himmel fahren wir los, kleine Steigungen rauf und runter. Mit einem Mal aendert sich die Landschaft. Wir fahren durch saftige Blumenwiesen, am Wegrand kleine Farmen , es sieht aus wie in der Schweiz. Am spaeten Nachmittage erreichen wir Cochrane. Endlich koennen wir chilenische Pesos rauslassen, denn hier steht der erste ATM auf dieser Strecke. Wir suchen nach dem empfohlenen Campplatz. Die Senora ist geradenicht da, aber Tyson, der kanadische Radler, kommt zum Zaun um etwas zu plaudern. Wir schauen uns noch einen anderen Campingplatz an, kehren dann aber zum ersten zurueck. Auf diesem steht ein Kirschbaum, ein Baeumchen mit schwarzen Johannisbeeren, ein Apfelbaum und weiter hinten hat es einige Himbeerbuesche. Zudem leben da zwei Hunde und drei Katzen. Eine davon ist extrem neugierig und schaut sich am liebsten alle neu aufgestellten Zelte von innen an. Ich stelle unser Zelt gleich neben einem kleinen Dach auf, Faz geht einkaufen. Es gibt Spaghetti mit Tomatensauce. Lecker. Wir unterhalten uns mit Tyson, der in White Rock in der Naehe von Vancouver wohnt, und von Ushuaia nach Quito, Ecuador, radelt. Spaeter beginnt es zu regnen. Wir sind froh, dass wir das kleine Dach neben dem Zelt haben. So koennen wir im Trockenen zu Ende essen.

Die ganze Nacht ueber regnet es heftig, zudem ist es extrem kalt, um die 0 Grad. Auch am Morgen dauert der Regen an. Ich gehe kurz Fruehstueck einkaufen. Tyson gesellt sich wieder zu uns, sein Ladegeraet fuer dern Akku der Fotokamera scheint nicht mehr zu funktionieren. Ich lade seinen Akku mit unserem Pixo, ein echt gutes, multifunktionales Ladegeraet… Dies dauert eine Weile, so unterhalten wir uns noch etwa 2 Stunden. Dann macht sich Tyson auf den Weg, mittlerweile bei Sonnenschein. Ich gehe ins Zelt, um die Lueftungsfenster zu oeffnen. Ich liege auf die Schlafmatte und da hoere ich eine lautes „Plopp“. Ich denke, oh nein, nun ist das erste Loch zu flicken. Doch es ist kein Loch, eine der Trennwaende ist geplatzt. Ich gehe zur Bibliothek, um das Internet zu nutzen und den Defekt zu melden, doch die Verbindung hier ist so langsam, dass ich nach 30 Minuten aufgebe. Abends platzt dann noch eine zweite Trennwand in meiner Matte. Ich verbringe eine etwas unbequeme und kalte Nacht, da sich die Matte nicht mehr voll aufpumpen laesst.

Am naechsten Morgen stehe ich frueh auf, bei Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Wir fruehstuecken und dann gehe ich zum Internetcafe, ich moechte den Mattendefekt melden bevor wir wieder in kommunikationslose Gegend aufbrechen. Doch es ist Samstag, das Cafe oeffnet erst um 17 Uhr… Das ist etwas zu spaet. Bis Faz sein Gepaeck organisiert hat ist aber auch 13 Uhr. Als wir aus dem Camping fahren, treffen wir Belinda und ihren Mann, aus Belgien, die mit einem umgebauten Ford Transit Van unterwegs sind. Wir unterhalten uns ueber die Route und die Schoenheit der Landschaft hier. Wir kommen einstimmig zum Schluss, dass man dies nicht mit Worten beschreiben oder auf Fotos wiedergeben kann. Wir kaufen noch 1,5 kg Broetchen, dann fahren wir los. Bald geht es auch schon wieder den Berg rauf. Die passierenden Fahrzeuge hinterlassen nun jedes mal ein riesige Staubwolke, atemberaubend. Doch genauso atermberaubend sind die Aussichten, immer wieder muesen wir anhalten. Ein Fotostop folgt dem naechsten. Und eine Steigung folgt der naechsten. Wir muessen teilweise schieben. Aber immer geniessen wir den Blick auf en tuerkisfarbenen Rio Baker. Abends beginnt wieder die Suche nach einem Campplatz und Wasser. Wir passieren eine Bruecke, doch das Wasser fliesst durch eine tiefe Schlucht. Unerreichbar. Nach der Bruecke geht es auch schon wieder den Berg hoch. Wir sehen eine Seitenstrasse, die nach rechts abbiegt. Doch auch da koennen wir das Wasser nicht erreichen. Wir folgen der Strasse eine Weile, bis wir die Farm sehen. Wir wollen fragen, ob wir campen duerfen, doch wir koennen nicht zur Farm fahren, da ein Bach zu ueberqueren waere. Da kommt uns aber ein 4×4 entgegen und faehr etwas weiter oben durch den Bach. Wir fragen den Besitzer, der zum Glueck auch im Auto sitzt, ob wir zelten duerfen. Wir duerfen, wir duerfen sogar ein Feuer machen, wenn wir vorsichtig sind. Ich stelle das Zelt auf, Faz versucht sein Anglerglueck im nahen Fluss. Er hat sich in Cochrane eine neue Rute gekauft, nachdem er die erste in Urugay verschenkt hatte. Doch es gibt nur Reis zum Abendessen.

Waehrend der Nacht setzt der Wind ein und es regnet, doch am Morgen ist es trocken. Wir fruehstuecken und bald hoeren wir wieder einmal Kuhmuhen. Bald schaut ein riesiger schwarzer Bulle auf uns herunter, gefolg von der ganzen Herde. Wir besetzen schon wieder Kuhterritorium. Die Kuehe finden einen anderen Weg auf unsere wiese und wir machen uns auf den Weg. Dieser beginnt mit einer kraeftigen Steigung. Wir arbeiten uns den Berg hoch. Es ist richtig heiss heute. Auf der anderen Seite gehts wiedr runter, um danach wieder anzusteigen. Wieder fahren wir entlang des tuerkisblauen Rio Baker. Der sich hier seinen Weg durch eine Schlucht sucht. Mit Blick auf den Fluss und viel Wind machen wir Mittagspause. Danach gehht mit Gegenwind weiter um eine Kurve. Von hier aus sehen wir eine Stelle des Rio Baker, an der sicht die Farbe von tuerkis zu tiefblau aendert. Fantastisch. Wir folgen dem nun blauen Rio Baker, erneut durch saftige Blumenwiesen. Einzig die staubaufwirbelnden Fahrzeuge trueben unseren Blick. Wir errreichen Puerto Bertrand am spaeten Nachmittag. Ein nettes kleines Dorf direkt am Rio Baker. Wir fahren weiter, wir wollen etwas spaeter campen. Wieder geht es den Berg hoch. Meine Beine sind muede, aber ich kaempfe gegen den Berg an. Wir naehern uns dem Lago Bertrand. An dessen Ufer wollen wir campen und Faz moechte erneut sein Anglerglueck versuchen. Doch das ganze Seeufer ist eingezaeunt oder bewohnt, keine Chance fuer einen Campplatz. Wir muessen weiter, wieder einmal bergauf. Vom hoechsten Punkt sehen wir nun das erste Mal den Lago General Carrera. Wow. In der Senke gibt es nun zwei Moeglichkeiten zur Weiterfahrt. Ueber Puerto Tranquillo entlang der Ruta 7 oder dem Lago entlang nach Chile Chico. Eigentlich wollten wir via Puerto Tranquillo der Carretera Austral folgen, doch Juanjo, ein spanischer Radler, den wir kurz nach Chochrane trafen, empfahl uns, nach Chile Chico zu fahren, da der Ausblick auf den See fantastisch sei. Wir treffen auf der Anhoehe auf 2 englische Radler, die von Puerto Tranquillo her kommen. Ebenfalls eine tolle Strecke. Sie haetten gehoert, Chile Chico sei toll, aber extrem steil… Faz scheint dies zu ueberhoeren, denn er beschliesst, nach Chile Chico zu fahren. Weil es dem See entlang geht und er angeln moechte. Das dies nicht heisst, dass wir dem Unfer entlang fahren, ueberhoert er wohl auch. Kurz nach El Maiten, der Wegkreuzung, suchen wir nach einem Campplatz. Wir finden nur einen Weg, der zu einem Haus fuehrt. Faz geht runter, um die Besitzer zu fragen. Er kommt zurueck und sagt, das Haus sei leer und niemand da. Wir fahren also runter, direkt an den See. Das Haus ist leer, die Fensterscheiben fehlen teilweise, eine Tuer zu einem Heuraum steht offen, die zur Stube mit umgekipptem Ofen ist abgeschlossen. Auf dem Bodem rund ums Haus liegen Knochen und an der Feuerstelle haengt ein Kalbfell. Alles ist etwas unheimlich. Ich baue das Zelt hinter der geschuetzten Feuerstelle im hohen Gras auf. Faz kocht Reis. Wir essen und gehen schlafen. Ich auf der defekten Matte. Etwas unbequem. Ich schlafe schlecht. Doch dies mag auch an der Umgebung liegen.

Am Morgen raeume ich das zelt auf, Faz holt Wasser am See. Als er zurueck kommtfragt er, ob ich etwas gehoert haette. Er habe gerade einen komischen Fuchs vom Zelt weglaufen sehen… Wir machen uns auf dem Weg, der wieder mit einer Steigung beginnt. Einer sehr steilen. Ich muss schieben. Auf der anderen Seite wieder runter, mit Blick auf den Lago. Bald treffen wir in Puerto Guadal ein. Ein etwas groesseres Dorf mit Plaza und Supermercado. Wir kaufen etwas Proviant ein und machen uns auf die Suche nach Brot. Eine aeltere Senora baeckt gerade, doch schliesslich finden wir ein Haus, das Brot hat. Wir kaufen 10 Broetchen, die, wie wir spaeter feststellen, einen leichten Seifengeschmack haben. Wir verlassen Puerto Guadal, wieder bergaufwaerts, mit kraeftigem Gegenwind. Um uns herum dicke, dunkle Wolken, in der Ferne sehen wir Regen. Wir fahren weiter, rauf und runter. Wir machen eine kurze Mittagspause mit Blick auf den See. Als wir wieder aufbrechen, faengt es an zu regnen. Wir montieren die Regenausruestung. Doch schon 20 Minuten spaeter ist der Himmel blau und die sonne scheint. Immer wieder halten wir auf dieser Strecke, um den tollen Ausblick auf den Lago Generla Carrera zu geniessen. Gegen Abend regnet es wieder und wir muessen nach Wasser und Campplatz suchen. Wir treffen auf eine Bruecke ueber den Rio El Maiten, doch der Fluss kommt aus einer Schlucht und verlaeuft weit unten. Doch ein steiler Weg fuehrt runter zum Flussdelta. Faz geht runter, um sich umzuschauen. Etwa 100 m vom Fluss entfernt hat es Baeume und an einem Ort bildet sich ein kleiner geschuetzter Raum. Mit Feuerstelle. Wir sind also nicht die ersten, die da campen. Ich stelle das Zelt auf, Faz macht ein Feuer und kocht. Es ist kalt.

Am nachsten Morgen schint die Sonne doch es ist kalt im Flussdelta. Faz entfacht das Feuer erneut und bis wir startbereit sind, ist es wieder einmal 12 Uhr. Wir muessen die Taschen den steilen Weg hochtragen und oben auf der Strasse auf die Bikes montieren. Dann fahren wir los, den Berg hoch. Nach kurzer Fahrt erreichen wir Mallin Grande, einen sehr kleinen Ort. Wir kaufen ein paar Fruechte und Dulce de Leche und fahren weiter. Nach einer langen Steigung essen wir etwas, dann geht es wieder runter. Die Strasse ist hier spektakulaer in den Fels gehauen, der Abgrund tief. Hier heisst es mit viel Vorsicht uber den teilweise sehr ueblen Schotter zu fahren. So kann auch runterfahren sehr anstrengend sein. Schon jetzt suchen wir nach einem Nachtlager, schwierig in dieser steilen, kahlen und felsigen Gegend. Wir passieren ein Huette, doch jemand scheint sie zu nutzen. Wir fahren weiter, als der Regen einsetzt. Die Strasse fuert steil runter zum Seeufer, um danach wiedr anzusteigen. Ich bin muede. Es ist kalt. Faz fragt in einem engegenkommenden Auto, ob es auf der Strecke campmoeglichkeiten gaebe. Der Fahrer meint, nach der Steigung gaebe es eine Hospedaje. Die wuerden uns campen lassen. Der Gedanke an einen warmen Raum und ein richtiges Bett lassen mich weiter den Berg hochkaempfen. Faz faehrt voraus und ich sehe sein Bike an einem Zaun, der aus alten Reifen besteht, stehen. Er fragt bei dem Haus, ob wir zelten duerfen, da er dachte, dies sei die Hospedaje. Es ist keine Hospedaje, aber Hayde, die Besitzerin, laesst uns unter einem Baum campen. Ich stell das Zelt auf, doch der Regen wird immer heftiger. Der Footprint ist schon total nass und ich sehe, dass das Regenwasser nicht abfliesst und Paddeln bildet. Das wir eine nasse Angelegenheit werden. Faz versteht meine Zweifel und fragt Hayde, ob wir allenfalls im Heustall schlafen koennen. Doch da wohnen die Pferde. Hayde zeigt uns einen Geraeteunterstand, da koennten wir das Zelt hinstellen. Doch da ruft Susanna, ihre Tochter, aus dem Haus, wir sollen reinkommen, sie haetten Platz im Haus. Hayde raeumt etwas auf und legt uns eine Matratze auf den Boden. Das ist sehr nett und hilfsbereit, wir sich ja schliesslich Fremde. Wir duerfen in der warmen Kueche kochen. Spaeter kommt Pablo, der Sohn, zum Essen vorbei und Faz zeigt allen ein paar fotos von uns. Dann gehen wir schlafen. Als ich gerade ins Bad gehe, wuehlt Pablo in einer Kiste in unserem Schlafraum. Faz sagt spaeter, dass Pablo, als ich im Bad war, eine Flinte aus der Kiste holte und in sein Zimmer mitnahm…

Am naechsten Morgen laeuft Pablo um 7 Uhr durch unser Nachtlager, da wir gleich im Raum neben dem Bad schlafen. Wir stehen schnell auf und Fazl geht in die Kueche. Als ich nachkomme um einen Kaffee zu machen, sagt Faz, dass Pablo mit der Flinte raus sein, da ein Wolf oder Fuchs die Schafe bedrohe. Nun denn. Ich packe das nasse Zelt ein, das wir am Abend zuvor einfach draussen stehen liessen, dann verabschieden wir uns von allen und machen uns auf den Weg. In der Nacht hat es bis weit nach unten geschneit. Es ist kalt. Wieder auf der Stasse stellt Fazl fest, dass eine Speiche seines Vorderrades gebrochen ist. Doch er beschliesst, dies spaeter zu reparieren. Nach einiger Zeit halten wir an einem Clafate-Busch mit besonders vielen Beeren. Fruehstuck. Dann gewoht es in gewohntem Stil weiter. Blick auf den Lago General Carrera, rauf und runter. Gegen Mittag aendert sich die Landschaft. Wir fahren in ein weites Tal, die Pflanzen erinnern an das argentinische Patagonien: Buesche, Gras und keine Baeume. Es ist immer noch kalt und als wir in der Talsohle einen Fluss ueberqueren beginnt es zu schneien. Wir erreichen en Abzweig nach Fachinal, dort wird auch ein Camping angezeigt. Junajo hatte gesagt, der sei ganz schoen. Wir schauen uns den Platz an, doch fuer 4000 Pesos gibt es etwas Rasen, kein heisses Wasser, nichts. Wir fahren weiter. Etwas spaeter machen wir windgeschuetzt Mittagspause, als Belinda und ihr Mann wieder an uns vorbeifahren, auf dem Rueckweg von Chile Chico. Wir schwatzen ein bisschen und die beiden zeigen uns stolz ihren selbst umgebauten Van. Sieht sehr gemuetlich aus. Ein bequemes Bett und ein solides Dach ueber dem Kopf waren manchmal ganz schoen. Danach haben wir wieder eine laengere Steigung zu bewaeltigen. Nach einer Kurve sehe ich am rechten Strassenrand zwei Zelte stehen. Ich halte an und da kommt mir auch schon Helena, die Franzoesin entgegen. Sie, ihr kanadischer Freund, von Quebec, und ein schottisch-Neuseelaendisches Paar suchten da am Tag zuvor Schutz vor dem Regen und die Neuseelaenderin kuriert einen Durchfall. Helena gibt uns den Tipp, in Chile Chico in der Hospedaje „No me olvides“ zu uebernachten. Die sei gut und guenstig. Wir fahren weiter und suchen bald auch nach einer Campmoeglichkeit. Ein paar Kilometer und Steigungen weiter hat es ebene Grasflaechen umringt von Bueschen. Wir brauchen wieder einmal Windschutz. Hier am Strassenrand hoeren wir ploetzlich das Miauen einer Katze. Und da sitzt sie auch unter einem Busch, abgemagert, etwas verzottelt und dreckig. Wir schauen, ob sie verletzt ist, aber dies scheint nicht der Fall zu sein, denn nun folgt sie uns auf Schritt und Tritt. Ich schauen mich etwas in der Gegend um, Faz ruehrt etwas Milchpulver an. Dies ist im Nu weg. Die Katze muss sehr hungrig sein. Wahrscheinlich wurde sie ausgesetzt, denn hier ist weit und breit kein Haus zu finden. Ich bleibe bei der Katze, waehrend Faz die andere SEite nach einem Campplatz absucht. Er kommt zurueck, mit einem kopflosen, aber noch warmen Hasen in der Hand. Fuer die Katze. Die macht sich sofort uber den Hasen her. Endlich Futter. Faz hat auch einen guten Platz fuers Zelt gefunden. Wir muessen die Bikes etwas durch die Busche schieben, dann erreichen wir ein von Bueschen umringtes flaches Stueck Wiese. Ich stelle das Zelt auf, nicht so einfach bei dem starken Wind, waehrend Fazl auf Wassersuche geht. Nach einer Stunde kommt er zurueck, die naechste Schluch mit Wasser war ca. 3 km entfernt. Doch das Wasser hat einen seifigen Geschmack.

Wir beschliessen einen Tag in unserem Camp auszuruhen. Faz baut eine riesige, windgeschuetzte Feuerstelle, dann wollen wir die Gegend etwas erkunden. Vielleicht erreichen wir den Lago, um den Wasservorrat etwas aufzustocken. Wir machen uns auf den Weg. Nahe des Zeltes finden wir einen Weiher, leider mit stehendem Wasser. Wir laufen Richtung LAgo, doch der befindet sich tief unten am Ende einer steilen Klippe. Wir wollen einen WEg nach unten suchen. Doch zuerst finden wir zahlreiche Busche mit grossen, suessen Calafate-Beeren. Wir sammeln Calafates, waehrend wir versuchen, zum Seeufer vorzudringen. Wir erreichen einen Felsen mit kleiner Schlucht, da koennte es klappen. Ich schaue mir noch die andere Seite des Felsens an, als ich zurueckkomme, ist Faz verschwunden. Er ist sicher zum Wasser runtergeklettert… Ich klettere auf die andere Seite der Schlucht und rufe ihn. Doch keine Antwort. Ich rufe weiter, nichts. Nach einer Weile hoere ich ich zum Glueck von weit unten rufen, er sei am Wasser. Ich warte und sehe ihn bald auf der anderen Seite raufklettern. Wir versuchen uns zu treffen und suchen nach einem Weg hoch. Beides nicht so einfach. Aber schliesslich erreichen wir das Plateau, der Rueckweg war etwas einfacher und schneller. Doch auch das Seewasser hat diesen seifigen Geschmack.

Faz entfacht ein Feuer und ich mache etwas Brotteig. Wir wollen endlich versuchen, Brot auf dem Feuer zu backen. Dies klappt auch ganz gut, in der Pfanne, und das Brot ist im Nu wieder aufgegessen. Ebenfalls kochen wir die Haelfte der Calafates, Marmelade. Wir packen unsere Sachen und gehen frueh schlafen. Am nachesten Tag wollen wir Chile Chico erreichen.

Frueh brechen wir am nachsten Morgen auf. Gleich zu Beginn geht es steil bergauf. Vorbei an der Galganta del Diablo, der Teufelsschlucht. Wir passieren einige komisch anzusehende Salzpfannen und immer wieder sehen wir nun Minen. Wir erreichen die Laguna Verde. Am Mirador, mit Blick auf die Laguna und die Minenstadt machen wir Mittagspause. Wir treffen 2 Italiener und 3 Franzosen, dann gehts weiter. Wir fahren nun wieder duch steppenartige Canyonlandschaft. Lange Zeit fuehrt die Strasse leicht abwaerts. Echt cool. Doch dann wieder eine Steigung, die es in sich hat, dann weitere 5 km Downhill. Eine scharfe Kurve, ploetzlich Asphalt und wir befinden uns in Chile Chico. Wir fahren gleich zur empfohlenen Hospedaje mit Camping „No me olvides“. Das Haus ist blau und tuerkis gestrichen, den 2 Farben des Lago General Carrera. Maria Sanchez kommt uns entgegen. Wir schauen uns den Zeltplatz an, ein sandiger Garten mit Apfel-, Birnen- und Kirschbaeumen, Bienen, Hennen und einem Hahn. Doch Maria hat auch freie Betten in der Hospedaje, fuer 3000 Pesos (ca. 6 CHF). Das ist extrem guenstig. Da schlafe ich lieber in einem Bett als auf meiner kaputten Matratze. Wir gehen einkaufen und goennen uns ein ausgiebeiges und seh spaetes Fruehstueck. Maria fragt uns, ob wir am naechsten Tag mit ihr mittagessen wollen. Carne de Vaca y Papas. klar. Warum nicht. Schon abends bereitet Maria den Rindbraten zu. Das riecht lecker.

Eine Sache ist speziell an Chile Chico. Die Regierung vor Pinochet veranlasste, in den Strassen Obstbaeume zu pflanzen. So stehen da Apfel-, Birnen- und Pfirsichbaeume. Beim Spital finden wir einen riesigen Aprikosenbaum. Und jeder darf die Fruechte pfluecken. Chile Chico hat normalerweise ein mildes Mikroklima, in dem all diese Fruechte gedeihen. Doch wie ueberall in Patagonien ist der diesige Sommer schlecht. Kalt, viel Regen und mehr Wind als ueblich. Und leider sind die Fruechte noch nicht reif als wir da sind…

Am naechsten Tag wasche ich unsere Waesche, denn Chile Chico hat keine Lavanderia. Dann essen wir zu Mittag. Rindsbraten mit selbstgemachtem Kartoffelstock. Lecker. Und Maria erzaehlt und erzaehlt. Von ihrer Kindheit und Jugendzeit in Chile Chico, wie man Kaese macht und vieles mehr. Es macht Spass, ihr zuzuhoeren. Mit besseren Spanischkenntnissen sicher noch viel interessanter, aber wir versetehen auch so ziemlich viel. Danach legen wir uns fuer eine Sieste hin. Eine lange Siesta. Als wir wieder aufstehen, hat Maria aus den Sauerkirschen vom Garten einen feinen Kuchen gebacken. Fuer uns. Und wieder essen wir und sie erzaehlt. Herrlich. Als wir nach dem Preis fuer das Mittagessen fragen, winkt sie ab. Am naechsten TAg wollen wir dafuer Pizza fuer alle Backen. Am Abend treffen Freunde von Maria in der Hospedaje ein, Silvia und Armando, der vor der Pinochet-Regierung nach Italien floh und mittlerweile wieder in Chile lebt.

Es ist Sonntg. Ich bereite den Pizzateig zu. Etwas zu viel. Wir wollen noch Brot backen. Maria kocht fuer ihre Freunde, wir teilen die Pizza mit allen. Das Brot wollen wir spaeter backen. Wir muessen die Faehre nach Puerto Ibanez buchen. Wir fahren zum Faehrbuero und schon auf dem Weg sehen wir diverse Leute, die sagen, dass die Faehre bis Donnerstag ausgebucht sei. Wir wollen eigentlich am Dienstag weiterreisen. Die Senora im Buero kann uns dann nicht sagen, ob es am Donnerstag auch Platz fuer die Bikes hat. Wir muessen am Montag Morgen wieder kommen, da sei die Senora da, die Bescheid wisse.

Frueh am Montag Morgen gehen wir zum Faehrbuero. doch wir sind zu frueh. Wir warten draussen. Viele Leute gehen rein. Als es Zeit ist, gehen wir auch rein und natuerlich stehen nun all diese Leute vor uns in der Schlange. Schliesslich koennen wir 2 Tickets inkl. Bikes fuer Mittwoch Morgen, 7 Uhr, kaufen. Wir haben einen Extra-Tag in Chile Chico. Wir ueberlegen, ueber die argentinische Grenze nach Los Antiguos zu fahren. Doch es gibt auch sonst noch einiges zu erledigen. Maria kocht wieder, Huehnereintopf, wir unterhalten uns mit ihr, Silvia und Armando und wir backen mehr Brot, unser neues Hobby. Abernd machen wir die Bikes parat, da wir am naechsten Morgen um 6.30 Uhr im Hafen sein muessen. Wir duerfen die vollbepackten Bikes in einem anderen Zimmer unterstellen. Bevor wir schlafen gehen, sagen wir noch aus Spass, ob wir nicht bleiben sollen, im Garten helfen, ein Gewaechshaus bauen, etc. Es gefaellt uns bei Maria…

Kurz nach 5 Uhr stehen wir auf und fruehstuecken. Selbstgebackenes Brot und Kaffee. Maria ist ebenfalls auf, wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zum Hafen.

Da stehen viele Fahrzeuge, es kommen immer mehr Passagier, aber nichts tut sich. An der Faehre haengt ein Zettel, der sagt, dass die Faehre wgen zu viel Wind nicht um 7 Uhr losfaehrt, um 8.30 Uhr werde die Situation neu eruiert. Wir ueberlegen, ob wir nochmals zu Maria fahren, denn es ist kalt und windig. Aber wir wollen sie nicht nochmals aufwecken. Wir fahren ein bisschen herum, dann wieder zum Hafen.Und kurz vor 9 Uhr heisst es Embarcacion: zuerst die Fussgaenger und Rucksacktouristen, dann die Lastwagen. Diese muessen auusserst passgenau ruckwaerts auf die Faehre farhren. Dann die Personenwagen, dann die zu spaet gekommenen und am Schluss duerfen auch noch die Bicicleata drauf. Der Kapitaen will unsere Paesse. Faz gibt ihm seinen Pass, ich den Fuehrerschein. Doch wir bekommen sie nicht zurueck, erst nach der Ueberfahrt. Und wir scheinen die einzigen zu sein, die den Pass abgeben mussten. Faz wird etwas nervoes und fragt herum, aber die meisten Reisenden scheinen Chilenen zu sein. Wir werden abwarten muessen. Unter Deck finden wir noch 2 Sitzplaetze. Die Faehre legt ab und nach einiger Zeit wird der Wellengang heftiger. Das komische Gefuehl im Magen ist wiedr da. Aber nach einiger Zeit laesst es wieder nach. Nach ca. 2,5 Stunden erreichen wir Puerto Ibanez. Als wir unter Deck herauskommen, sind alle LKWs und Autos weg und der Kapitaen gibt uns unsere Dokumente zurueck. Hier hat der Lago General Carrera im Gegensatz zu Chile Chico, wo er blau ist, wirklich eine Tuerkisfarbe. Bei viel Wind, aber auf Asphalt machen wir uns auf den Weiterweg. Wir passieren das Dorf von Puerto Ibanez, dann haben wir eine laengere Steigung zu bewaeltigen. Am Anfang geht das ganz gut, aber je weiter wir hochkommen, desto staerker wird der Gegenwind. Ich muss schieben und die starken Boeen stehend mit angezogenen Bremsen abwarten. Sonst blaest der Wind das Bike rueckwaerts. Ein langsames vorankommen. Im mag diesen Wind nicht und wuensche mir, dass ein Pick-up haelt und uns mitnimmt. Kaum fertiggedacht, haelt tatsaechlich eine Camionetta mit 3 Arbeitern. Sie fragen, ob sie uns bis zur Kreuzung oder nach Cerro Castillo mitnehmen koennen. Da muss ich nicht ueberlegen. Die Maenner laden die vollbepackten Bikes auf die Ladeflaeche, wir springen ebenfalls hinten auf. Und so entrinne ich dem Wind… kurze Zeit spaeter erreichen wir Villa Cerro Castillo. Die Bikes werden wieder abgeladen und wir suchen eine Unterkunft. In der Hospedaje Austral fragen wir nach freien Betten und Preisen. 5000 Pesos pro Person fuer ein schaebiges Bett und und einen Raum ohne Tuer. Aber die Senora behauptet, sie sei die guenstigste im ganzen Ort. Und wir schauen uns leider nicht wie ueblicherweise weitere Unterkuenfte an. Selbstschuld, aber diese Unterkunft sollte man meiden. Wir essen etwas, gehen spazieren und dann legen wir uns fuer eine Weile hin. Gegen 21.30 Uhr stehen wir kurz auf, essen nochmals etwas und gehen dann schlafen. So gut es geht. Unsere israelischen Nachbarn schauen bis tief in die Nacht hinein lautstark fernsehen.

Am naechsten Morgen wollen wir frueh aufstehen, um die Kueche und das einzige Bad vor allen anderen zu benutzen. Eine weise Entscheidung und kurz nach 8 Uhr machen wir uns auf den Weg. Der Cerro Castillo zeigt sich wolkenlos, ein schoener und warmer Tagesanfang. Wir fahren 9 km aufwaerts zur Kreuzung nach Puerto Ibanez, dann geht es weiter kurvig bergauf.An einem Mirador machen wir ein kurze Pause. Dort treffen wir einen deutschen Radler, der ebenfalls den Berg rauffaehrt. Eine weile faehrt der mysterioese Deutsche mit uns, dann faehrt er voraus, um spaeter wieder zu halten und uns zu fotografieren… Wir erreichen 1120 M.ue.M., den bisher hoechsten Punkt der Carretera Austral. Dann geht es den Berg runter. Wir kommen gut voran. Gegen Nachmittag jedoch nimmt der Gegenwind zu. So fahren wir eine Weile gegen den Wind, nun auf der Suche nach einem Nachtquartier. Doch wir befinden uns wieder in Gebiet mit Zaeunen auf allen Seiten. Bei einer Farm fragen wir einen jungen Mann auf einem Pferd, Juan, ob wir zelten duerfen. Er meint, wir sollen beim Haus fragen, es sei jemand zu Hause. Wir oeffnen das Gatter, gehen zum Haus. Der 13jaehrige Armando oeffnet die Tuer und sagt, wir koennen unser Zelt etwas windgeschuetz hinter einer Holzbeige aufstellen. Wir fahren zur Beige, da kommt Americo, der Vater, nach Hause. Auch er hat nichts dagegen. Ich baue das Zelt auf, mit einigen Problemen bei dem Wind. Faz kauf bei der Familie Eier und eine Zwiebel. Als er zurueckkommt folgen ihm alle Huehner und Truthennen. Muss wohl der Plastiksack sein… ein koestlicher Anblick. Faz kocht ein Eier-Curry und als die Sonne untergeht, wird es kalt. Die Jungs der Farm treiben die Tiere in die Staelle, die Schafherde rennt fast uebers Zelt. Und eines der Schafe schafft es nicht bis in den Stall, es wird gleich nebenan geschlachtet. Farmleben live. Zwei Wochen reiche das Fleisch eines Schafes. Ich finde den Anblick des gehaeuteten, aufgehaengten Schafes doch etwas unappetitlich. Frueh gehen wir schlafen. Ich wusste nicht, dass Kuehe nachts so viel Laerm machen koennen, zudemm galloppieren die Pferde immer wiedr am Zelt vorbei. Kurz nach Mitternacht muss ich kurz raus, pinkeln. Es ist stockfinster und sternenklar. In dem weiten Tal sehe ich einen fantastischen Sternenhimmel. Ich bin so begeistert, dass ich Fazl wecke. Auch er ist fasziniert.

Die Nacht war sternenklar, doch am Morgen regnet es. Wir stehen frueh auf. Wir wollen gegen Mittag Coyhaique erreichen, da Faz noch einige Telefonate machen muss. Und mit der Zeitverschiebung sollte dies vor 13 Uhr geschehen. Zeitig verlassen wir die Farm, es geht nun laengere Zeit bergabwaerts, wir kommen gut voran. Dann wieder ein paar Steigungen und gegen Mittag erreichen wir die Zona Urbana von Coyhaique. Wir halten kurz, um ein paar Feigen au essen, als uns etwa 4 Hunde umringen und anbellen. Faz mag Hunde nicht. Dann fahren wir in das Stadtgebiet, nach langer Zeit die erste groessere Stadt, und Faz wird angehupt, weil er in der Strassenmitte faehrt. Faz mag Coyhaique von Beginn weg nicht… Wir suchen ein Centro de Llammados, das erste hat gerade keine Telefonverbindungen, beim zweiten klappts. Faz taetigt seine dringenden Anrufe, dann suchen wir im Regen eine Unterkunft. Am besten etwas entfernt vom Zentrum. An einer Kreuzung stehen wir etwas ratlos herum, als ein Truckfahrer fragt, ob wir eine Hospedaje suchen. Wir sollen die Strasse hochfahren, da gaebe es eine gute. Der Truck faehrt ebenfalls den Berg hoch. Wir folgen ihm und vor an einem Haus sehen ihn spaeter vor einem Haus stehen. Jonnys Mama hat eine Hospedaje, klar. Doch die Zimmer sind hell und sauber, wir bleiben. Bei der Einfahrt in die Stadt hatten wir ein deutsches Paar getroffen, das meinte, ihr Hostel sei mit 11000 Pesos pro Person eines der guenstigsten. Wir zahlen hier 7000 Pesos inkl. Fruehstueck. Und Reina, die Mama, Taty und Danco, die ganze Familie ist extrem nett. Doch leider haben wir nicht gesagt, dass wir 2 Naechte bleiben wollen. Ich hoere Taty am Telefon sagen, dass am naechsten Tag eine Gruppe komme und sie keinen Platz mehr habe… So ist es, auch nicht fuer uns. Ich gehe zur Post, endlich kann ich meine ueberfluessigen, schweren Sachen nach Hause schicken. Dies klappt tiptop, doch es ist auch sehr teuer. Ich finde ebenfalls eine neue Schlafmatte, eine fuer mich etwas zu kurze Therm-a-rest, aber sicher das Beste, was zu finden war. Ebenfalls sehr teuer. Beim heimgehen treffen wir Silivia und Armando wieder, die Freunde von Maria Sanchez aus Chile Chico. Wir schwatzen ein bisschen, dann fahren sie mich zum guenstigsten Supermarkt. Silvia und Armando hatten 9 Jahre in Coyhaique gelebt. Dann haben wir alles erledigt. Wir koennen eigentlich am naechsten Tag weiter.

Doch am naechsten Morgen wache ich mit Halsschmerzen auf. Ich wuerde nun doch gerne einen Tag ausruhen. Obwohl Faz den Ort nicht mag, hat er Erbarmen mit mir. Aber zuerst muessen wir eine neue Unterkunft suchen. Wir schauen uns einige Hospedajes an, treffen die laermigen Israelis von Villa Cerro Castillo wieder, und quartieren uns schliesslich in der Hospedaje Estefani ein, wo wir einen Hausteil fuer uns allein haben. Mit eigenem Holzofen. Gut zum Ausruhen.

Wir haengen noch einen Tag an, denn wir haben sogar Wi-Fi in unserem temporaeren Heim. Zeit zum Blog auffrischen und lange faellige E-Mails schreiben. Zudem wir haben einen Backofen. Wir gehen intensiv unserem Hobby Brotbacken nach. Und Faz macht den Vorschlag, ob wir nicht nach Chile Chico zu Maria Sanchez zurueckkehren wollen, um dort ein paar Wochen zu arbeiten: Fruchternte, Haus neu streichen, Gewaechshaus fuer Tomaten bauen, etc. Interessanterweise hatte ich schon aehnliche Gedanken…

 

2 Gedanken zu “Villa O’Higgins – Coyhaique, unterwegs auf der Carretera Austral

  1. Hola, soy Juanjo (España). Coincidí con vosotros en la carretera, en la salida de Cochrane, nos hicimos una foto, ¿os acordáis?. Yo también iba en bici. Me han gustado mucho vuestras fotos, y quería saber si todo os va bien, si no os ha afectado el terremoto. Un saludo

  2. Nicht vergessen – wir hatten das Tor mit eigenen Schloss verschlossen. Also, das wuerde sicher verhindert haben, dass Jemand im Cabana einfach hereinkommen konnte.. :-)

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