Jujuy – Susques, ein atemberaubender Aufstieg

Gegen 9.30 Uhr verlassen wir Jujuy. Es ist bewoelkt. Wir folgen dem Rio Xibi Xibi fuer eine Weile. Heute soll es 1200 Meter rauf gehen. Zuerst geht es gerade aus, dann steigt die Strasse. Gruen in Form von Pflanzen und Baeumen saeumt den Weg. Fast ein bisschen tropisch. Wir treffen Antonio, einen Einheimischen, aelteren Biker. Er faehrt auch nach Purmamarca, jedoch ohne Gepaeck. Er gibt uns einen Tipp fuer eine Abkuerzung und 3 noch warme Poulet-Curry-Empanadas. Die Strasse steigt nun stetig. Auf 1800 M.u.M. machen wir Mittagspause. Wir gewinnen Hoehenmeter um Hoehenmeter. Wir erreichen die Abkuerzung und danach geht es fuer laengere Zeit geradeaus. Wir sind mittlerweile auf 2000 M.u.M. Dann eine Kurve und ploetzlich sehen wir Kakteen, die an den Berghaengen wachsen. Eine total andere Landschaft. Wir fahren an Bergformationen in allen Farben vorbei: gelb, rot, orange, violett, gruen und tuerkis. Ein Augenschmaus. Schon den ganzen Tag haben wir Rueckenwind, der uns gut vorantreibt. Wir erreichen den Abzweig zum Paso de Jama, da blaest der Wind auf einmal von vorn. Wir steigen noch auf 2300 M.u.M., dann erreichen wir Purmamarca. Gleich am Ortseingang gibt es einen „lugar para acampar“, 2 hollaendische Radler sind schon da, Tom und Tom. Beim Abendessen unterhalten wir uns mit den beiden. Sie sind unterwegs nach Cartagena, Kolumbien. Dann gehen wir schlafen. Ich verbringe meine erste Nacht allein im Zelt. Der Camping ist gleich neben der Strasse und die ganze Nacht ueber hat es sehr viel Truckverkehr. Zuerst leuchten sie mir die ganze Hoehle aus, dann fahren sie mit enormem Laerm vorbei. Ich mache kein Auge zu diese Nacht.

Am Morgen kochen wir Wasser fuer unseren Cocatee. Zudem laden wir Wasser fuer 3 Tage auf, jeder traegt etwa 9 Liter mit sich. Wir verlassen Purmamarca mit seinen farbigen Felsen bei schoenem Wetter und mit mehreren Fotostopps. Es geht bergauf. Die ganze Zeit. Wir kommen nicht mehr so schnell voran wie am Vortag. Spaeter beginnt sicht die Strasse in Serpentinen hochzuwinden. Wohl nicht gerade die ideale Strecke fuer meine Erkaeltung. Wir ueberschreiten 3000 M.u.M. Ich bekomme Atemprobleme. Dies mag an der Erkaeltung liegen. Bei 3400 M.u.M. kann ich fast icht mehr, ich bin ziemlich geschafft. Auch Monika kaempft. Sie hat zudem seit dem Mittagessen Kopfscherzen. Wir suchen nach einem Campplatz, da nun auch der Wind extrem zugenommen hat. Wir haben Gegenwind. Wir finden eine Stelle in einer Kurve. Ich baue das Zelt auf. Nicht so einfach allein bei diesem Wind. Wir kochen und essen, dann gehen wir schlafen. Kurz nach 00 Uhr gehe ich kurz raus, als ich mich wieder hinlege bekomme ich fast keine Luft mehr. Das geht etwa zwei Stunden so. Auch danach bekomme ich kein Auge zu. Die zweite schlaflose Nacht. Der Wind laesst auch Nachts nicht nach.

Am Morgen haben wir immer noch starken Wind. Wir starten in weitere Serpentinen. Gegenwind, Rueckenwind, Gegenwind, Rueckenwind. Ich habe immer noch Atemprobleme, meine Erkaeltung ist aber auch schlimmer geworden. So wird die Auffahrt zur Questa de Lipan zur reinen Tortur. Ich strecke den Daumen raus, ein Toyota Pickup faehrt vorbei, haelt aber weiter vorn. Die 2 Herren laden das Bike hinten rein, die Taschen vorn. So erspare ich mir die letzten 6 km und 300 Hoehenmeter. Auf 4170 M.u.M., der Questa de Lipan, lassen sie mich wieder raus. Dort warte ich windgeschuetzt auf Moni und Flo, trinke Cocatee und unterhalte mich mit vorbeifahrenden Touristen. Dann erreichen die beiden die Questa, wir machen ein Passfoto, dann gehts runter. Doch zu frueh gefreut. Mit dem Gegenwind ist auch runterfahren langsam. Nun erblicken wir den Salar. Zudem fahren wir wieder durch farbige Felslandschaften. Weiter unten nimmt der Wind weiter zu. Fahren ist muehsam, obwohl es etwas bergab geht. Kurz vor dem Salar Salinas Grandes sehen wir einen kleinen Hof. Wir fragen, ob wir da zelten duerfen. Wir koennen die Zelte in einem leeren Schaf- oder Ziegengehege aufbauen, etwas geschuetzt von einer Mauer aus Schaf- und Ziegenkotziegeln. Doch die feinenFasern werden vom Wind tuechtig herumgewirbelt und geraten in alle Taschen und Zeltritzen. Abends laesst der Wind nach und unsere Nachbarn, Schafe und Ziegen, ziehen in die anderen Staelle.

Am Morgen messe ich 4 Grad im Zelt. Schon waehrend der Nacht hatte ich etwas gefroren. Und natuerlich wieder nicht geschlafen. Dies muss die Auswirkung der Hoehe auf meinen Koerper sein. Wir sind wieder auf 3465 M.u.M. Ich wuerge ein paar Haferflocken mit kaltem Wassr und Milchpulver runter. Ich bin nicht sehr hungrig und meine Nase ist verstopft. Dann packe ich das Zelt zusammen, alles ist voll mit Kotstaub. Der Senor kommt auch nochmals vorbei. Er kalgt ueber Ruecken- oder Nierenschmerzen, Moni „bezahlt“ ihn mit ein paar Voltaren-Tabletten. Dann fahren wir los. Es ist kalt. Doch es windet nicht. Zuerst geht es ein bisschen runter zum Salar, die Strasse fuehrt quer durch die Salinas Grandes. Wir erreichen die Salzflaeche und testen die Salzkruste. Wir fahren an den Salinas vorbei. Kurze Zeit spaeter endet der Salar, es folgt eine sandige, mit salzresistenten Pflanzen bewachsene Ebene. Es geht fast geradeaus. Wir kommen gut voranb, bis Flo einen Platten feststellt. Er repariert, ich fahre schon mal voraus. Ich fuehle mich nicht fit und fahre sehr langsam. So muessen die beiden nicht immer auf mich warten. Bis zum Mittag fahren wir 45 km. Nicht schlecht. Bei einer Mauer in der Naehe einer Huette machen wir Mittagspause. Wir haben gerade fertig gegessen, als eine alte Indigena-Senora vorbeilaeuft. Ich glaube, sie strickt im Gehen. Sie kommt auf uns zu und fragt etwas. Wir verstehen sie nicht, sie fragt nochmals: De donde son? A donde van? Que hacen? Wir sagen,dass wir hier essen und das wir aus der Schweiz sind. Sie murmelt etwas von mucho plata, geht, kommt wieder, als wir gerade gehen. Hier sind die reichen Touristen wohl nicht mehr willkommen. Nun geht es einen Huegel hoch, dann wieder runter. Und auch in dieser Einoede immer wieder kleine Lehmhaeuser. Nun beginnt die Steigung auf den Paso Malo. Natuerlich setzt genau jetzt der Wind ein, Gegenwind. Und der Wind nimmt zu. Die Steigung ist steil, wirklich ein Paso Malo. 400 Meter geht es rauf. Es geht ganz gut mit der Erkaeltung, obwohl ich nun mehrmals Nasenbluten habe. Wir erreichen 3800 M.u.M. Wir ziehen die Jacken an, nun gehts runter. Nun, es geht runter, dann wieder rauf. Mit fiesem Gegenwind. Es geht weiter rauf. Auf 3875 M.u.M. Wieder runter. Mit dem Wind nur mit 7 km/h. Dann wieder rauf auf 3880 m.u.M. Wann haben wir denn die Passhoehe erreicht? Es geht wieder runter. Und runter. Langsam. Noch 8 km bis Susques. Da wollen wir hin. Ich bin muede. Ich will nicht mehr rauffahren. Wir starken uns mit etwas Schockolade. Weiter gehts, runter. Und wieder rauf. Dann endlich runter nach Susques. Ein kleines, hochandines Wuestendorf. Wir suchen ein Hostel. Wir schauen uns ein paar an und bleiben im San Andreas, da ist schon ein anderer Biker untergekommen. Waherend der Fahrt durchs Dorf werden wir von einem Jungen auf einem Fahrrad begleitet. Er will alle Teile der Bikes anfassen und ausprobieren. Und das GPS kaufen… Im Hostal dann endlich eine schoene heisse Dusche. Dann gehen wir essen. Matthias, der deutsche Biker kommt mit. Besser gesagt, wir suchen ein Restaurant. Nicht so einfach. Schlussendlich finden wir eins, es gibt Milanesa mit Reis. Die Jungs goennen sich sogar noch eine 2te Portion. Dann gehen wir schlafen. Ich kann wieder nicht schlafen.

Wir ruehen einen Tag in Susques. Susques ist ein kleines, hochandines Doerfchen. In den Strassen sind wohl mehr Lastwagen als Einwohner zu finden, da hier die Zollabfertigung fuer den Schwerverkehr stattfindet. Susques wird als Tor zu den Anden bezeichnet und die Einwohner sind vorwiegend Indigenas. Wir stocken unsere Vorraete auf und ich frage nach einer Apotheke. Es gaebe einen Laden, der auch einige Medikamente verkaufe. Ich haette gern ein Heissgetraenk oder ein paar Hustentropfen. Doch der Laden ist zu. Ich frage ein paar andere Leute und die meinen, ich solle doch ins Hospital gehen. Gut. Fragen wir da. Wir gehen zum Hospital. Da gibts eine Farmacia. Sieht doch gut aus. Aber niemand da. Wir warten. Da kommt ein Herr und fragt was wir brauchen. Ich sage, etwas gegen die Erkaeltung. Schon werde ich ins Warezimmer zitiert. Der Herr, wohl Arzt, untersucht mich, Hals, Lunge und Fieber messen. Der Hals sei entzuendet. Dann bietet er mir 2 Injektionen an, in den Po. Ich zoegere, denn ich kenne die Mittel nicht. Dann sucht er nach Pastillen, die waeren mir lieber. Doch vom einen Mittel gibts keine. Also Spritze oder nichts. Ich willige ein. Die Nadel ist steril verpackt. Dann gibt er mir noch Diclofenac-Pillen, ein Muskelschmerzmittel, wie Matthias von seiner Schwester, der Krankenschwester erfaehrt. Etwas seltsam gegen eine Erkaeltung. Dies wahr wohl sowieso die intensivste Erkaeltungsbehandlung, die ich je hatte. Und umsonst, wie in Argentinien ueblich. Ich spende aber 20 Pesos ans Hospital. Spaeter steigen Moni, Flo und ich noch zum Pilger-Mirador hoch. Da stehen kleine Kapellen in jeder Kurve, 12 insgesamt. Von da oben sieht man 4 relativ gruene Flusstaeler, wir wundern uns wohin das Wasser fliesst… Dann gehen wir ins Internetcafe, sogar das gibts hier oben. Dann gibts nochmals Milanesa mit Reis und eine weitere Nacht ohne Schlaf.

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