Potosi, lebendige Stadt mit kolonialer Vergangenheit

Am ersten Tag in Potosi laufen wir ein bisschen in der Stadt herum, durch die engen Gaesschen hoch und spaeter wieder runter. Die Plaza ist sehr lebendig, sie wird von Touristen und Einheimischen bevoelkert. Eine interessante Mischung. Ich koennte stundenlang dort sitzen und die Leute beobachten. Vor allem die Indigena-Frauen mit ihren Babies. Die Kleinen werden in die farbigen Tuecher gewickelt und schwungvoll auf den Ruecken bewegt. Aber die Kinder scheinen sehr zufrieden zu sein, man hoert sozusagen kein Schreien oder Weinen. Die Haueser um die Plaza sind in prachtvollem Kolonialstil gebaut. Sehr beedindruckend.  Ebenfalls sehr interessant die kleien Busse, die die Strassen fuellen. Viele sind mit chinesischen oder japanischen Schriftzeichen bemalt. Bolivien muss wohl alte Busse aus China oder Japan kaufen. Spaeter suchen wir ein Buero fuer Minentouren. Wir wollen fuer den naechsten Tag eine Tour buchen. In einem  Buero duerfen wir schon in einem sehr schoenen Fotoband blaettern. Die Bilder sind auch sehr eindrucksvoll. Das Leben eines Mineurs ist hart und kurz. Daher ist die Buchung des Trips etwas zwiespaeltig. Aber gemaess Aussagen sind die Bedingungen hier um vieles besser als in anderen bolivianischen Minien. Das Schlimmste sollte man den Touristen ja nicht gerade zeigen. Dann schlendern wir noch durch den Mercado Central. Dort gibt es an kleinen Marktstaenden fast alles zu kaufen: Kleider, Schuhe, Kosmetika, Lebensmittel, Fleisch, Gemuese und Fruechte. Dies scheint der Supermercado der Einheimischen zu sein.
Abends suchen wir ein Restaurant. Wir sehen eine Pizzeria, in der viele Einheimische sitzen. Ich moechte eigentlich keine Pizza essen, die letzte in Uyuni hatte meinem Magen nicht sehr gut getan, lasse mich aber dann doch dazu ueberreden. Wir haben gerade bestellt, als ploetzlich Lot und Koen neben uns stehen. Was fuer eine Ueberraschung. Wir hatten sie ja auf dem Salar de Uyuni verloren, im kleineren Uyuni nicht getroffen, dafuer hier. Wir essen zusammen zuAbend und verabreden uns fuer den naechsten Tag ebenfalls fuers Abendessen.

Die Minentour des 2ten Tages ist im Artikel: Potosi, Einsichten in die dunklen Seinten des Cerro Rico, nachzulesen.

Nach 2 Tagen in Potosi  brechen Moni und Flo mit dem Bike nach Oruro, La Paz auf.  Und ich bleibe wohl oder uebel in Potosi zurueck. Ich wechsle das Hostel und stosse mein bepacktes Bike ein paar Quadras hinauf. An einer Strassenkreuzung schaut mich ein Gringo ziemlich bloed an. Ich stosse weiter den Berg hoch, auch die Einheimischen schauen mich etwas komisch an. Ich komme richtig ins Schwitzen. Dann erreiche ich das neue Hostel. Ich stelle gerade das Bike ab, als der Gringo auf mich zurennt. Es ist Martin aus der Tschechischen Republik, ebenfalls mit dem Bike unterwegs. Seit 1,5 Jahren. Wir reden ein bisschen, auf Spanisch, dann verabreden wir uns fuer den Nachmittag auf einen Kaffee. Ich bringe mein Gepaeck ins Zimmer, dann suche ich ein Internetcafe mit Skype. Das einzige, das Skype hat, funktioniert heute nicht. Aber Manana. Mal sehen. Ich schreibe ein paar E-Mails, bestelle meine Ersatzachse bei Simpel und bleibe in Kontakt mit der Casa de Ciclistas in La Paz. Dorthin werden meine Ersatzteile geschickt. Dann laufe ich ein bisschen herum und geniesse die Sonne. Es ist richtig warm hier. Um 16 Uhr holt mich Martin beim Hostel ab und wir suche ein Cafe. Doch heute ist Sonntag und vieles ist geschlossen. Im Mercado Central gibts dann doch noch einen Kaffee und wir unterhalten uns ueber unsere bisherigen Reisen und Plaene. Dann gehe ich zurueck zum Hostel, denn um 18.30 Uhr treffe ich mich mit Lot und Koen. Wir wollen was essen und dann ins Kino. Martin gesellt sich gerne dazu. Um 18.30 Uhr treffen wir uns auf der Plaza und suchen ein Restaurant. Doch auch hier, fast alle sind geschlossen. Wir finden eine Pizzeria, ich bestelle Tacos. Dann laufen wir zum Kino. 4 Filme stehen zur Auswahl. 3 kommen nicht in Frage, der 4te koennte es sein: La escafandra y la mariposa. Wir haben keine Ahnung, wovon er handelt, nur das er in Franzoesisch mit spanischen Untertiteln gezeigt wird. Martin will den Film nicht sehen, Lot, Koen und ich kaufen ein Ticket fuer 10 Bolivianos (CHF 1.60) und Popcorn. Mein erster Kinobesuch in Suedamerika… Der Film ist sehr schoen, aber auch sehr traurig. Das hatten wir nicht erwartet. Etwas benommen verlassen wir das Kino. Eine Bar suchen ist wohl zwecklos, da wird auch alles geschlossen sein.

Am naechsten Tag wollen Martin und ich die Casa de Ciclistas besuchen. Zuerst suchen wir eine Strasse, in der der richtige Bus fahert. Wir finden eine, steigen ein und bleiben bis zur Endstation sitzen. Dort laufen wir etwas zurueck, zur Calle Eucaliptos. Bei der Nummer 24 suchen wir eine Klingel. Nichts. Wir laueten im Laden nebean. Dort sind wir richtig. Die Senora bittet uns in die Backstube rein. Den die Tienda ist auch eine Panaderia. Wir treten ein in die warme Backstube. Da wird gerade Brot aus dem Ofen genommen und Teig reingeschoben. Es riecht gut. Wir duerfen ein warmes Broetchen essen. Der Senor beginnt zu erzahelen. Seit 1992 ist sein Haus eine Casa de Ciclistas. Er zeigt uns seine Alben, wir blaettern interessiert darin. Spaeter laedt er uns ein, mit ihm, seiner Frau und der 4jaehrigen Carolina zu Mittag zu essen. Es gibt eine Gemuesecremesuppe und Pasta mit einer pikanten Sauce. Sehr lecker. Spaeter ertoent die Klingel des Ladens die ganze Zeit, darum verabschieden wir uns. Wir nehmen einen Bus zurueck ins Zentrum. Der Bus haelt vor einem Museum. Wie waere es mit einem Museumsbesuch? Gute Idee, aber dieses zeigt religioese Relikte. Nicht so mein Ding. Wir suchen eine anderes. Es gibt eins ueber ethnische Gebraeuche. Hoert sich besser an. Wir laufen dahin. Gemaess Oeffnungszeiten sollte es offen sein, ist es aber nicht. Gegenueber befindet sich die Panaderia „Los Manjares“. Ob es da Manjar (Dulce de Leche) gibt? Wir gehen rein. Es gibt Miguelitos, mit Manjar gefuellte, suesse Teilchen. Wir nehmen eins, plus einen Brownie. Dann sehe ich Vollkornbroetchen… Davon muss ich einfach welche kaufen. Mit Honig sind sie gemacht, nicht mit Zucker. In einem Raum hinter dem Laden duerfen wir die Suessigkeiten essen. Die Senora sah, dass wir ins Museum wollten. Sie meint, wir sollen an der Tuer nebenan klingeln. Machen wir. Einmal. Zweimal. Da schaut eine Senora aus dem Fenster und meint, heute sei das Museum geschlossen, aber Manana koennten wir kommen. Doch kein Museumsbesuch heute. Wir laufen zurueck, ich verabschiede mich von Martin, er fahert morgen weiter. Dann versuche ich mein Glueck in dem Internetcafe mit Skype. Und siehe da, es funktioniert. Abends laufe ich noch etwas durch die Strassen. Abends wimmelt es jeweils nur so von Leuten in den engen Gaesschen. Ein Durchkommen ist teilweise fast schon schwer. Und es sind Einheimische, keine Touristen. Sehr speziell.

Am nachsten Tag besuche ich noch die „Casa Nacional de la Moneda“ oder Mint. Ein prachtvoller Kolonialbau mit 160 Raeumen, wovon heute 30 Museum sind. Darin sind Gemaelde, erste Muenzen, riesige Holzpressen, mit denen das Silber phasenweise geplaettet wurde, Mineralien und andere Gegenstaende zu sehen. Frueher wurden hier die Muenzen fuer das spanische Reich gepraegt, spaeter die bolivianischen Muenzen. Heute ist aber die ganze bolivianische Geldproduktion aus Kostengruenden ins Ausland verlegt worden. Am Eingang haengt eine riesige, grinsende Bacchus-Maske. Diese wurde 1865 erstellt. Das ironische Grinsen soll dem Abzug der Spanier gelten. In der gefuehrten Tour erfahre ich einiges ueber die Geschichte des Hauses. Ein lohnenswerter Besuch.
Spaeter fahre ich mit einem Bus zum neuen Terminal. Hier herrscht wieder lautes Rufen ueberall. Die Bueros preisen so ihre naechsten Fahrten an. Ich kaufe eine Ticket nach La Paz fuer den naechsten Tag, dann gehts per Bus zurueck ins Zentrum.

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