Huaraz – Trujillo, tief gesunken

Den ganzen Vortag ueber hat es geregnet. Auch nachts regnet es weiter. Am Morgen ist der Himmel ungewohnt wolkenverhangen. Bis heute war es jeden Morgen schoen, erst nachmittags kamen die Wolken und der Regen. Aber es regnet nicht mehr. Um 6.30 Uhr sind wir startklar. Nach fast 2 Monaten in Huaraz sitzen wir wieder auf dem Bike. Wir verlassen Huaraz, knappe 3100 m.ue.M., es geht tendentiell runter, aber immer wieder haben wir fiese kleine Steigungen zu bewaeltigen. Ab und zu regenet es ein wenig. Die Strasse ist in hundsmiserablem Zustand. Aber das wissen wir ja. Mit dem Bus sind wir nun ja doch schon einige Male da durchgefahren. Doch auch mit dem Bike muessen wir den Schlagloechern manchmal auf die andere Strassenseite ausweichen. Und irgendwo auf dieser Truemmerstrasse macht sich meine Matamoscas davon. Was fuer ein Verlust… Und heute wuerden wir den Huascaran nochmals aus der Naehe sehen, ein letztes Mal, doch da gibts leider absolut rein gar nichts zu sehen. Die Wolken haengen tief. Aber je tiefer wir kommen, desto waremer wird es. Gegen 11 Uhr erreichen wir Caraz. Eigentlich wollten wir dort uebernachten, doch es ist noch etwas frueh, um zu stoppen. Wir fahren weiter. Nun geht es mehrheitlich runter. Und bald beginnt es zu troepfeln. Doch es hoert bald wieder auf. Spaeter jedoch beginnt es richtig zu regnen.  Wir montieren die volle Regenbekleidung. Nun fahren wir in den Cañon del Pato ein. Eine tolle Schlucht. Hier naehern sich die Cordilliera Blanca und Negra manchmal bis auf 6 m. Nur getrennt vom Rio Santa.

Im Cañon del Pato, Cordilliera Negra und Blanca fast vereint

Wir fahren durch die ersten Tunnels. 34 davon hat es in der ganzen Schlucht. Im ersten laengeren fahre ich ohne Licht. Ein spezielles Gefuehl. Ich sehe absolut rein gar nichts, habe keine Ahnung wie der Boden aussieht und wohin ich fahre. Es holpert auf dem Schotter. Die Strasse ist einspurig. In einem anderen Tunnel sehe ich, dass die eine Fahrrille etwa 30 cm tiefer liegt als die andere. Ob die grossen Busse da manchmal die Waende abkratzen? Die Schlucht wird immer enger und es regenet nun staerker. Schade eigentlich, die Schlucht ware bei Sonnenschien sicher noch eindrucksvoller. Und die Kamera ist ja manchmal auch etwas wasserscheu. Bei Regen nimmt man sie einfach nicht so gerne raus. Gegen 15.30 Uhr erreichen wir wir ziemlich nass Huallanca. Dort suchen wir ein Hostal. Das guenstigste ist voll, beim 2ten niemand da, das dritte ist zu teuer. Ich frage im Laden um die Ecke nach, wo die Señora des 2ten sei. Diese sei weg, komme aber irgendwann wieder. So langsam wirds in den nassen Kleidern kalt. Doch die Señora des Ladens bietet uns einen Raum in ihrem Haus an. Dort koennen wir unsere Matratzen auslegen und es ist trocken. Und das fuer 10 Soles pro Person. Nicht billig, aber besser als nass auf die Señora des 2ten Hostals warten…

Bei schoenstem Wetter verlassen wir Huallanca. Und es ist schon morgends um 6 Uhr warm. Kaum aus dem Dorf raus, beginnt der Schotter wieder. Doch die Strasse ist gut, der Regen hat sie richtig hart gepresst. Es geht runter. Wir fahren an diversen Kakteen vorbei.

Kakteenvalley

Da scheinen noch andere von den Kakteen begeistert zu sein

Farbige Aussichten

Die Schlucht, durch welche wir nun fahren hat viele farbige Felswaende. Auch schoen. Spater passieren wir einige Cochenille-Plantagen. Aus den Cochenilleschildlaeusen wird roter Farbstoff gewonnen. Ebefalls stehen da unzahelige Mangobaeume. Doch die Fruechte sind noch nicht reif. Schade eigentlich. Und es wird warm. Spaeter heiss. Schon vormittags kommt ein kraeftiger, warmer Wind auf. Natuerlich von vorn. Woher denn sonst. Es geht weiter runter und nun drueckt die Hitze. Fuer die Mittagspause finden wir zum Glueck ein schattiges Plaetzchen. Dann gehts weiter, nun hat der Wind nochmals aufgefrischt. Wir haben starken Gegenwind und der Pistenzustand ist auch nicht gerade fabelfaft. So kommen wir, obwohl es runter geht, nur langsam voran. Und die Autos und Busse stauben uns wieder einmal kraeftig ein. Ein entgegenkommender Jeep haelt. Mit Berner Kennzeichen. Wir schwatzen eine Weile mit dem Paar, das uns netterweise noch 1,5 Liter Wasser schenkt. Durch den Regen der letzten Tage ist der Rio Santa eine braune Bruehe, ebenso die kleinen Baeche, die von den Bergen her kommen. Dann gehts weiter im Kampf gegen den Wind. Wir passieren das ziemlich ausgestorbene Kaff „Mirador“. Und dann. So was. Mein erster Platten. Nach mehr als einem Jahr. Nicht schlecht. Ich repariere diesen, jedoch nicht in Windeseile. Danach gehts weiter, es ist schon fast 17 Uhr. Wir fragen Autofahrer nach Wasser, denn wenn wir campen, haben wir zu wenig. So bekommen wir nochmals 1,5 Liter zusammen, doch alle Fahrer meinen, dasss in Kuerze ein Dorf komme. Ich bin vom Reifenwechsel ziemlich dreckig, der Staub hat auch noch sein Dazugehoeriges getan, und ich wuerde mich natuerlich gerne waschen. Wir fahren weiter, mal sehen, ob wir das Dorf erreichen. Und dann ploetzlich Asphalt und das Ortsschild: Chuquicara. Gleich beim Ortseingang fragen wir bei der Polizei, wo wir schlafen koennen. Da gaebe es eine Señora, die haette einen Schluessel zu einer kleinen Holzhuette. Die Señora ist da, doch nach langer Wartezeit findet sie den Schluessel zu der Huette nicht. Was nun? Sie hat auch noch einen Abstellraum mit Betten. Wohl auch noch das Getraenkelager. Aber auch gut. Fuer 5 Soles pro Person ok. Wir essen noch bei ihr im Restaurant, natuerlich Pollo con Arroz, fuer nochmals je 5 Soles pro Person. Das war dann wohl doch noch die Gringoabzocke. Weil wir fuer einmal nicht zuerst nach dem Preis gefragt hatten.

Um 6 Uhr sind wir startklar. Doch leider haben wir am Vorabend vergessen, Wasser aufzufuellen. Und heute gehts in die Wueste und das Restaurant der Señora ist noch zu. Ich frage bei den Poliziesten nach, und dort bekommen wir unsere Flaschen mit gefiltertem Wasser aufgefuellt. Sehr nett. Dann fahren wir los, runter. Nach 8 km folgt die Bruecke uber den Fluss, der Beginn der Privatstrasse. Das Tor ist noch zu, aber bald werden wir durchgelassen. Ueber diese Privatstrasse koennen wir Chimbote umfahren. Wir fahren an einer Riesenschaar Arbeiter vorbei, natuerlich mit entsprechendenm Pfeiffkonzert. Dann gehts etwas hoch und runter, auf gutem Schotter. Doch bald ist die Strasse nass, wegen Bauarbeiten befeuchtet worden. Nun fuehlt sich die Strasse wie Schmierseife an und die lehmaehnliche Fahrban pappt sich zentimerterdick an die Reifen.

Einmal gut eingepappt

Zudem schwirren nun Zancudos zu hunderten herum. Die winzigen blutgierigen Monster. Und ich bin zu langsam mit dem Antimoskito. Und wir haben schon wieder Gegenwind. Weiter gehts, rauf und runter. Nun wird es linkerhand gruen, dank Bewaesserung, mit Reis- und Maisfeldern.

Maishaufen ...

Maishaufen ...

... und Reisfelder

Rechterhand der Strasse Wueste. Dann ein kleiner Huegel, eine Rechtskurve und wir sind beidseitig in der Wueste. Es ist heiss. Doch bald schon haben wir wieder Gegenwind. Der ist zum Glueck nicht zu warm und kuehlt wenigstens ein bisschen. Weniger angenehm sind die Fliegen, die mir nun um den Kopf schwirren. Kein Wunder. Da werden sicher wenige schweisstriefende Gringos durchkommen. Unter einem Bauemchen mit Minischatten machen wir Mittagspause. Danach fahren wir weiter duch die Hitze. Dann sehe ich ploetzlich Nevados aus Sand und dann endent die Privatstrasse.

Wieder einmal in der Wueste

Und Sandnevados

Wir biegen nach langer Zeit wieder auf die Panamericana ein. Das heisst, nun folgt so etwas wie Autobahn. Und schon donnern Lastwagen und Busse im Sekundentakt an uns vorbei. Zudem haben wir natuerlich auch hier Gegenwind. Was sonst? Teilweise kommen die Sandduenen nahe an die Strasse. Und die Lastwagen wirbeln den Sand meterhoch auf. Ich glaube, es gibt heute keine Koerperstelle, die nicht total versandet oder eingestaubt wurde. Zudem brennt die Sonne hier ganz schoen stark. Ich habe 2 mal von meiner 50er Sonnencreme eingeschmiert und trotzdem sind die Arme ein bisschen rot. Gegen 15.30 Uhr erreichen wir Chao. Dort wollen wir bleiben. Wir suchen ein Hostal, das erste passt uns gleich, dann gibts eine wohlersehnte Dusche, um die doch ziemlich dicke Drechschicht abzuwaschen und dann ein Helado.

Kurz nach 6 Uhr verlassen wir Chao. Der Himmel ist bedeckt, es ist kuehl. Weiter gehts auf der Panamericana, weiter werden wir im Sekundentakt von Lastwagen und Bussen ueberholt. Es geht weiter mehr oder weniger geradeaus. Nach einer Weile wird das Fahren ziemlich langweilig. Mit dem tristen Grau des Himmels eine ziemlich oede Angelegenheit. Und wieder rechterhand Wueste, linkerhand bewaesserte Kulturanlagen. Hier werden gerade ueberg zig Kilometer Spargeln geerntet. In Viru faehrt ploetzlich ein Polizeiwagen hinter mir. Und ich fahre auf dem Seitenstreifen. Der Wagen folgt mir eine ganze Weile, dann faehrt er an mir vorbei. Die 2 Herren laecheln aus dem Fenster raus und erklaeren mir, dass sie uns durch die Peaje begleiten werden. Dann fahren sie zwischen uns hinein und ruecken zu Monika auf. Bis zur Peaje, dort heisst es dann, wir sollen ihnen folgen. Und so gehts sicher und problemlos durch die Mautstation. Obwohl ich nicht weiss, was da haette passieren sollen. Kurz vor Trujillo passieren wir eine weitere Strassenpatroullie. Die 2 Polizisten halten uns an und erklaeren uns ausfuehrlich, wie gefaehrlich die Grossstadt sein kann. Dann fahren wir runter nach Trujillo, links kann ich das Meer sehen. Wir sind fast auf 0 m.ue.M. gesunken. Minus gute 3000 Hoehenmeter. Dann langsam in die Stadt hinein. Und wir sind definitiv in einer Grossstadt. Noch mehr Verkehrschaos als sonst. Wir fragen einen Polizisten nach dem Weg. Er erklaert uns den Weg und meint, dass uns sein Kollege auf dem Motorrad begleiten koenne. Dies geschieht dann doch nicht. Aber wir finden den Weg zur Casa de Ciclistas auch so problemlos. Dort angekommen, teilt uns der Nachbar gleich die schlechten Neuigkeiten mit. Luchos Vater ist letzte Nacht gestorben, im Moment wird gerade die Totenwache gehalten. Ein denkbar schlechter Moment fuer unsere Ankunft. Und Lucho ist nicht da. Wir warten, dann kommt seine Tocher, dann seine Frau. Wir schlagen vor, ein Hostal zu suchen, aber das wird abgelehnt. Seine Frau begleitet uns rein. In dem Zimmer sind schon zwei Ciclistas, Maurizio, oder kurz Mao, aus Kolumbien und Luana aus Mexiko. Und schliesslich kommt auch noch Lucho, begruesst uns und fragt, ob wir ihm helfen koennen. Klar. Keine Frage. Lautsprecher muessen in die Kirche und wieder zurueck transportiert werden. Lucho wird waehrend der Messe mit Freunden Musik machen. Wir duschen kurz, dann warten wir und unterhalten uns mit Mao und Luana. Spaeter sucht Lucho noch jemanden, der in der Kirche filmen kann. Gut. Das kann ich machen. Er drueckt mir eine Kamera in die Hand, spaeter noch ein Stativ. Moni, Mao und Luana fahren mit dem Soundequipment zur Kirche, ich soll warten. Dann wird der Sarg abtransportiert. Ich beginne zu filmen. Sehr zoegerlich, es ist ja eine Beerdigung und ich habe all die Leute noch nie zuvor gesehen. Dann per Taxi zur Kirche, dort wieder filmen. Ich frage, ob es noch mehr sein soll. Ja, die ganze Messe. Ich stelle mich auf und filme wie gewuenscht die ganze Messe. Dann wird der Sarg rausgetragen. Dann ruft es auf einmal: Martina, hierher, schnell, stell dich vorne hin, nein da, etc. Und schon sitze ich im Bus zum Friedhof. Da soll ich auch noch die Beerdigung filmen. Ich tue dies aus „sicherer“ Distanz, es ist mir immer noch etwas unangenehm. Dann nimmt Lucho die Kamera fuer einen Moment und filmt alle Leute von Nahem. Lieber er als ich. Auf dem Rueckweg unterhalte ich mich mit Lucho, ein echt netter, interessanter und sympathischer Kerl. Ich hatte ihn mir irgendwie ganz anders vorgestellt. Spaeter setzt er sich zu uns ins Zimmer, wir unterhalten uns, dann trommel er auf Luanas Trommel, dann stoesst auch noch seine Tochter dazu. Eine kommunikative und sehr nette Familie. Und so endet dieser Tag muede in der beruehmtesten Casa de Ciclistas in Suedamerika und mit meiner zweiten Beerdigung auf dieser Reise.

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