Cali – Medellín, mitten durchs Kaffeeland

Nach einer abenteuerlichen Ausfahrt aus Cali haben wir einige flache Kilometer vor uns. Dann geht’s ins Herzen des Kaffeelandes, wir passieren die Eje Cafetero. Kaffeepflanzen wohin man schaut. Das gefällt mir sehr. Es folgt die längste Steigung Kolumbiens, danach geht’s runter nach Medellín. Dort werden wir von Santiagos Familie schon sehnsüchtig erwartet. Und natürlich sogleich nach Strich und Faden verwöhnt.

Nach ein paar weiteren ruhigen Tagen in Cali geht es wieder auf die Strasse. Am Vorabend verabschieden wir uns schon von Miller und Daniel, da beide das Haus früh verlassen werden. Wir stehen erst um 6.30 Uhr auf. Allzu früh müssen wir nicht losfahren, da wir nicht in der morgendlichen Hora Pica landen wollen. Nach dem Frühstück prüfe ich noch schnell meine Mails. Ich muss noch wissen, ob ich das alte Rohloff-Getrieb zurückschicken muss oder ob ich es entsorgen kann. Wie vermutet wollen sie es wiederhaben. Blöde nur, dass ich die Antwort erst jetzt bekomme, gestern hätte ich alles in Ruhe auf die Post bringen können. Nun muss ich das Ding wohl mitschleppen. Zusätzliche 1,5 Kilos. Und irgendwie ist auch der Rest des Gepäcks wieder mehr geworden. In Medellín muss ich mal wieder ausmisten. Gegen 9 Uhr sind wir startklar.

Die grosse Familie der Casa de Ciclistas in Cali

Abfahrbereit

Wir verabschieden uns von allen, dann geht’s auf der Calle 5 in Richtung Norden. Wir folgen lange der Buslinie, dann müssen wir irgendwo links abbiegen. Wir biegen wohl falsch ab, fragen bald wieder nach dem Weg. Der Señor hat keine Ahnung, fragt aber einen anderen Señor, der wiederum einen anderen Señor fragt. Der erklärt uns den Weg. Kurz danach hält ein Wagen, eine junge Faru steigt aus und fragt ob wir Englisch sprechen.  Sie meint sogleich, dass es hier extrem gefährlich sei und dass wir hier auf keinen Fall durchfahren sollten. Hier werden wir ausgeraubt. Sie und ihr Vater bieten uns an, uns aus der Stadt herauszueskortieren. Das nehmen wir gerne an. Beim ersten Rotlicht winkt mich eine Polizeistreife auf Motorrad heran. Sie meinen, dass dies eine sehr schlechte Gegend sei und dass wir hier ausgeraubt werden. Ok. Nun begleiten uns auch die zwei noch. Mit Polizei im Rücken und Vorfahrzeug kommen wir sicher aus der schlechten Gegend raus. Die beiden Polizisten verabschieden sich. Das war sehr nett. Das Auto begleitet uns bis zur Stadtgrenze. Dort erklärt uns der Señor, dass wir besser auf der Panamericana und nicht auf der von uns gewählten Panoramica fahren sollten. Auf der Panoramica hätte es sehr wenig Verkehr, das könnte gefährlich sein. Wir wollten auch genau aus dem Verkehrsgrund da durch, aber nun gut, wir folgen der Panam. Vater und Tochter verlassen uns nun, wir folgen der Strasse in Richtung Flughafen. Da, ein Wassermelonenstand. So ein erfrischender Schnitz Melone kommt jetzt genau richtig.. Es ist schon wieder heiss. Und die Melone ist lecker, richtig süss. 2 Señores schlachten daneben eine Mango. Die wird richtiggehend mit der Machete zerhackt. Der eine Señor, der auch aus Jack Sparrows Gefolge stammen könnte, gibt uns die Mango. Auch die ist süss. Als wir sie bezahlen wollen, meint der Verkäufer, dass diese vom Piraten spendiert wurde. Muchas Gracias. Wir fahren weiter, es ist schön flach. Und heiss, aber die Hitze ist erträglich. Dann verläuft parallel zur Strasse sogar eine Ciclovia. Die müssen wir natürlich ausprobieren. Dann folgt der Abzweig nach Rozo. Immer noch alles flach. Ein guter Einstieg. Meine Sehnen machen auch mit. Langsam wird’s links und rechts dunkel, erste Donner grollen. Es folgt die Ausfahrt nach Buga. Und da steht eine farbige Box. Glace. Ok, heute gibt’s eins. Nun beginnt’s zu troepfeln. Wir fahren weiter in Richtung Zentrum. Am Ortseingang der Cuerpo de Bomberos. Wir fahren vorbei, kehren aber wieder um. Wir können  ja fragen. Die Station sieht recht luxuriös aus. Mit Garten, Kinderspielplatz, Springbrunnen, Fitnessraum und Torkontrolle. Dort fragen wir, ob wir zelten oder übernachten dürfen. Nun müssen Anrufe getätigt werden, wir warten. Schlussendlich dürfen wir im Übeungsturm schlafen. Der wird auch schon gewischt. Heute ist Dienstag, da ist bei den Bomberos jeweils Weiterbildung angesagt. Sprich alle Bomberos treffen sich im Cuerpo. Wohl etwas 80 Leute. Die arbeiten hier alle ehrenamtlich. Und normalerweise haben 10 Männer Schicht. Heute ist aber Full House, sonst könnten wir woanders schlafen. Wir stellen die Bikes in den Veloraum, dann heisst es, wir müssen warten. Der Übungsturm sei nicht ideal. Wir gehen rauf in den Fitnessraum, da bieten sie uns den Platz hinter dem Billardtisch an. Auch gut. Vielleicht etwas laut, weil die Weiterbildung auch da stattfindet. Und die dauert so bis ca. 23 Uhr. Dann bekommen wir einen echt guten Tinto. Nun kommen der Comandante mit dem Capitán auf uns zu. Auch hier  sei kein guter Ort für uns. Aber sie hätten ein Zimmer, wo wir ganz in Ruhe schlafen könnten. Ok. Zuerst zeigen sie uns den grossen Männerdorm, mit klassischer „Runterrutschstange“, dann wird extra für uns kurz der Alarm ausgelöst. Damit wir wissen, wie es tönt. Dann zeigen sie uns unser Zimmer. Wow. 5  Betten und Privatbad für uns alleine. Hier schlafen sonst die Ranghöheren. Und heute wir. Der Capitán ist wohl extra unseretwegen in den Dorm gezogen. Echt supernett.

Cuerpo de Bomberos in Buga

Wir bringen unsere Sachen rauf, dann kommt der Capitán und meint, falls wir dreckige Wäsche haetten, könnten wir sie hier waschen und trockenen. Wirklich supernett. Eigentlich wollte ich heute mit dem Getriebe auf die Post, aber nach all dem Hin und Her ist es viel zu spät. Wir duschen, dann nutzen wir das Waschangebot. Wenn schon so eins besteht. Dann schauen wir uns noch die Basilica del Señor de los Milagros an. Auch Buga ein bekannter Pilgerort.

Basilica Señor de los Milagros in Buga

Wir spazieren noch eine Weile weiter, dann ruft das Hungergefühl. Hier gibt es kein 4’000 Pesos Menu mehr, aber mit 7’000 Pesos sind wir dabei. Ok, ist halt ein touristischer Ort. In dem Restaurant laufen gerade die Nachrichten. In ganz Kolumbien gibt es überschwemmte Regionen. Wir haben ja schon einiges gesehen, aber die Situation muss noch viel schlimmer sein. Nun beginnt es auch zu regnen. Wir laufen zurück zu den Bomberos. Da wird’s langsam voll. Der Pförtner erklärt uns noch anhand unserer Karte den weiteren Weg. Und bald stehen einige Männer um uns herum, reden wild durcheinenader und jeder weiss es besser. Männer halt. Aber wir werden wohl auf der Panam weiterfahren und später bei der Polizei nochmals nachfragen. Es ist Zeit für der Wechsel der Wäsche in den Trockner und langsam ruft das bequeme Bett.

Am Vorabend wurden unsere Räder noch eingeschlossen. Zur Sicherheit, da doch viele Leute rumliefen. Als wir kurz nach 7 Uhr die Bikes beladen wollen, ist der Señor mit dem Schlüssel zum Büro noch nicht da. Wir warten, trinken noch einen Tintico. Hier in Kolumbien ist die Verkleinerungsform ja nicht mehr -ito, sondern oft -ico. Da gibt’s eben einen Tintico oder man wartet einen Momentico. Und gegen 8 Uhr verlassen wir Buga. DerHimmel ist grau. So ist es wenigstens nicht so heiss. Auch heute geht es flach weiter. Nun aber mit einigen kleinen Hügeln.

Überall viel Wasser, auch im Rio Tuluá.

Und das erste Mal rufen mir die Leute „Mona“ nach. Wie uns Angelica in Bogotá erklärte, ist das überhaupt nicht negativ gemeint. Heisst also nicht „Äffin“, sondern bezeichnet einfach eine blonde Frau. Und da die meisten Herren sowieso nicht erkennen, ob jemand mit Velohelm blond ist oder nicht, rufen sie diesen Begriff wohl einfach allen Gringas nach. Wir sind zügig unterwegs. Kurz vor Zarzal passieren wir einen Unfallort. Ein auf die Seite umgekippter Lastwagen. Wie der Chauffeur das wohl geschafft hat? Etwas später machen wir im Schatten eines Baumes Mittgspause. Schon bald haben Blattschneiderameisen unsere Anwesenheit entdeckt, oder besser die Anwesenheit von Brot- und Crackerbrösmeli. Diese werden sogleich abtransportiert. Und wir helfen mit dem Nachschub auch ein bisschen nach. Und irgendwie scheint die Sonne hier viel stärker zu sein. Meine Arme sind etwas rot, trotz gewohntem Sonnencreme einschmieren. Auch meine Lippen sind nach 2 Tagen schon wieder verbrannt, trotz Sunblockert. Seltsam. Und nicht so gut. Wir fahrern weiter, nun hat die Panam viele Baustellen. Sie wird von 2 auf 4 Spuren ausgebaut. Mal fahren wir rechts, dann wieder links, dann sind die 4 Spuren da, dann wieder nur 2. Ein rechtes Hin und Her. Der Wegrand wird nun von Zuckerrohrfeldern gesäumt. Wir passieren immer wieder Trenes de Cañero, oder sie fahren an uns vorbei. Gigantische Lastwagen. Ein normaler, grosser Lastwagen plus 3 extra Anhänger. Ein Riesending. Und alles voll mit Zuckerrohr. Wirklich eine eine „Carga larga“.

Wirklich eine lange Ladung. Und man sieht ja nur die Hälfte, der Rest kommt noch.

Das flache Geradeausfahren ist irgendwie auch anstrengend, etwas eintönig. Und es ist heiss. Nun wird am Strassenrand frischer Traubensaft angeboten. Ich stehe nicht besonders auf Traubensaft, abr der ist ganz fein. Wir fahren schlussendlich durch bis nach Cartago. 120 km. Soviel zu den eigentlich kurzen Etappen, die wir fahren wollten. Am Ortseingang frage ich bei der Polizei nach dem weiteren Weg. Es gibt immer noch 2 Varianten. Wie üblich stehen immer mehr Männer um uns herum. Und jeder sagt was anderes. Nun beginnt es zu regenen, wir stehen unters Dach und bald schüttet es. Die Polizisten schwatzen und witzeln. Irgendwie kaum ernstzunehmen, einige zumindest. Aber alle sehr nett. Der Regen hört auf, wir fahren zu den Bomebros. Doch die sind am Umbauen, da können wir nicht schlafen. Sie schicken uns zum Cruz Roja. Der junge Chico ist sehr nett, aber nur der Präsidsent kann entscheiden, ob wir dort schlafen dürfen. Und der ist nicht da. Der Chico fragt nach, was wir jetzt machen würden, da wir ja wohl fast kein Geld hätten. Fast peinlich. Wir suchen ein günstiges Hotel. Er empfiehlt uns zwei, dann meint er, falls wir nichts finden würden, sollen wir wieder zurückkommen, er würde dann bei seinen Freunden nach einem Übernachtungsplatz für uns suchen. Süss. Wir suchen ein Hotel, nun regnet es natürlich wieder. Nach einer Weile finden wir etwas Günstiges. Ist mittlerweile auch schon spät. 18.15 Uhr. Nun wollen wir nur noch duschen, essen und schlafen. Wir sind ziemlich kaputt.

Gegen 7.30 Uhr verlassen wir Cartago. Wir fahren in Richtung Pereira, es geht gleich mal hoch. Ich hatte mich gestern schon gefragt, warum ich die kleinen Steigungen im ersten Gang hochfahren muss. Heute ist die Sache plötzlich glasklar. Mir fehlen die kleinsten Gänge. Die Schrauberei an der Schaltbox war wohl etwas suboptimal. Schlecht. Ganz schlecht. Ich fahre wohl im 4ten oder 5ten Gang. So ist rauffahren superanstrengend. Es passieren wieder viele Rennvelofahrer. Der bemerkenswerteste ist ein Schwarzer mit nur einem Bein. Hut ab. Und ich wiess jetzt auch, warum die Strasse, die wir nehmen wollen, härter ist. Weil da noch ein Berg kommt. Mit den fehlenden Gängen? Wir fahren bis zur Kreuzung, dort werden Ananas verkauft. Frisch vom Feld. Wir lassen uns eine aufschneiden. Süss und saftig ist diese Frucht. Und wir fahren nun doch in Richtung Pereira, die andere Route als geplant. Es geht hügelig weiter bergauf. Dann umfahren wir Pereira, nun folgt eine Abfahrt, dann wieder eine Steigung. Ich kämpfe mit dem Berg, meine Beine leisten Schwerstarbeit. Aber die Aussicht ist schön. Ueberall Kaffeepflanzen. Auf diesem Weg bekomme ich die Zona Cafetera doch noch zu sehen. Dann rechts eine Stadt. Pereira? Tja. Dann dauert der Aufstieg wohl doch noch etwas länger. Wir haben heute kein Brot fürs Mittagessen. Da fahren wir an ein paar Restaurants vorbei. Menu fuer 5’000 Pesos. Ok. Wir setzen uns darussen hin, Bikes im Blickfeld. Das Essen ist gut, wir müde. Nach dem Essen sind wir noch müder, denn normalerweise essen wir am Mittag nicht so viel. Jetzt wäre eine Siesta perfekt. Nun, ein Tinto tut’s schlussendlich auch, dann folgt anstelle der Siesta die weitere Steigung. In dieser Hitze. Fuer mich wird’s nun brutal, die Steigung wird steil. Dann plötzlich ein paar heftige Rucke im Getriebe und es geht etwas leichter. Etwa 3ter Gang nun. Nun, so schaffe ich den Berg und abends muss ich unbedingt das Problem lösen. Oder es zumindest versuchen. Es geht weiter hoch, wir nähern uns einer runden Betonbrückenkonstruktion. Die Kolumbianer scheinen Ahnung vom Stassenbau zu haben. Es geht zuerst durch einen Tunnel, dann sind wir auf der Brücke.

Schwebekurve in Sicht

Und bald ist der höchste Punkt erreicht. Das waren doch auch 40 km Steigung. Wir fahren runter nach Santa Rosa, dann geht’s mal rauf und wieder runter. Nun befinden wir und wirklich in der Zona Cafetera. Kaffeepflanzen wohin man schaut. Ein schöner Anblick.

Mitten in der Zona Cafetera

Auch der Libelle scheint die Aussicht zu gefallen

Kaffeefrüchte

Gegen 15.30 Uhr erreichen wir Chinchiná. Da wir uns beide noch mit den Rädern beschäftigen müssen, suchen wir ein Hotel. Nach einer Weile ist eins gefunden. Ich widme mich der Rohloff-Manual-Lektüre, Moni putzt ihre Kette und pumpt Reifen. Nach einer Weile werde ich fündig. Ich schraube die Box ab, verschiebe die Schaltung amLenker. So einfach. Nicht mal das bereitgelegte Werkzeug kam zum Einsatz. Hätte ich das gewusst… Na ja, in der Theorie habe ich wieder 14 Gänge, die Praxis folgt morgen.

Kurz nach 6.30 Uhr verlassen wir Chinchiná. Das Hotel war wirklich gut, doch die Señora eine Zicke. Bevor wir alles Gepäck aus dem Zimmer geräumt haben, ist das Bett schon abgezogen und die Handtücher weg. Auch sonst ist sie eine unfreundliche Person, die wohl richtig froh ist, als wir weg sind. Na ja, was soll’s. Wir fahren in Richtung Medellín, dann biegen wir ab, da wir nicht über Manizales fahren wollen. Es geht heute eigentlich nur runter, doch auf kolumbianisch heisst das, dass immer wieder Steigungen, teilweise auch recht lange, zu bewältigen sind. Aber meine Schaltung funktioniert wieder, ich habe wieder 14 Gänge. Vor allem habe ich die kleinsten wieder, wie schön. Es ist heiss, der Schweiss tropft mir von Gesicht und Armen. Wir verlieren langsam an Höhe. Die Landschaft ist satt grün, nun mit viel Zuckerrohr und Bananen. Wir erreichen Irra, dort überqueren wir den Rio Cauca. Auch er führt ziemlich viel Wasser. Eine braune Brühe. Nun folgen wir dem Fluss, erst hügelig, dann wird’s flacher.

Grüne Hügel

Neugieriger, kleiner Radbewunderer

Bei einem kleinen Bach machen wir Mittagspause. Das Wasser ist sauber, da kühlen wir uns gleich mit einer „Dusche“ ab. Dann geht’s weiter. Es ist immer noch heiss. Plötzlich sehe ich zwei Bäume voll mit weissen Dingern. Ah, alles kleine Reiher, die Bäume sind voll mit nistenden Vögeln. Cool.

Weisser Fluff?

Nein. Hunderte weisse Reiher.

Es geht weiter. Bei einem kurzen Halt stelle ich fest, dass mein Hinterreifen Luft verliert. Ich will nachpumpen, doch da gibt’s nichts mehr zu pumpen. Nun beginnt es auch noch zu tröpfeln. Ich schiebe das Bike zu einer Ausbuchtung in der Strasse, alles Gepäck runter, Reifen begutachten. Ein kleiner Draht war wohl der Bösewicht. Ich wechsle den Schlauch, geht alles ganz reibungslos.

Pannenstop. Gehört auch dazu...

Gepäck wieder rauf und weiter geht’s. Der Regen war auch kaum ernstzunehmen, es ist schon wieder trocken. Doch oh weh, nach ein paar Kilometern merke ich, dass ich Señorita Ardilla vergessen habe. Jetzt ist mein aufblasbares Haustier weg. Wie schade. Gegen 16 Uhr erreichen wir La Pintada. Schon wieder haben wir fast 110 km gemacht. Uff. Die Beine merken die harten 4 Tage schon. Und morgen folgen 30 km reine Subida. Wir suchen ein Hotel und wollen duschen. Das Wasser kommt von einem Bach und ist wegen der vielen Regenfälle ganz braun. Die Señora will uns sauberes Wasser des Tankes geben. Dazu müssen irgendwelche Hahnen zu- und andere aufgemacht werden. Was damit endet, dass in der Dusche Wasser aus dem Boden kommt, das Bad überflutet und ins Zimmer rinnt. Draussen im Gang stürzt plötzlich Wasser bachartig von der Decke. Hilfeeee. Ich schreie nach der Señora, wo ist sie? Ich finde sie schlussendlich, sie dreht ein paar Hahnen zu. Nach einer Weile kommt das Wasser wieder nur noch aus der Dusche, so braun wie zu Beginn… Die Señora nimmt alle Böden auf, alles wieder gut.

Um 6.45 Uhr verlassen wir La Pintada. Heute sind 30 km hochfahren angesagt. Und die Steigung beginnt gleich nach dem Dorf. Und zwar steil. Zum Glück ist der Himmel bedeckt, so ist es nicht ganz so heiss. Aber der Schweiss rinnt mir trotzdem bald von Armen und Gesicht, tropft mir in die Augen. Dann wird die Steigung etwas flacher, dann geht’s sogar runter. In diesem Rauf und Runter geht es etwa 10 km weiter. Dann muss nachher eine brutale Steigung folgen, denn wir müssen einiges an Höhe gewinnen. Gute 1’500 Höhenmeter. Dann gibt’s keine Abfahrten mehr, es geht definitiv nur noch hoch. In den Kurven teilweise ziemlich steil. Ich habe die letzten Tage in den Beinen, vor allem die Steigung mit den fehlenden Gängen. Aber ich habe auch keine Eile, so fahre ich langsam hoch. Kurz nach Mittag erreichen wir Santa Rosa, unser Tagesziel. Hier wollen wir bleiben. Wir suchen ein Hotel, dann gibt es wieder mal eine heisse Dusche, dann Mittagessen. Danach suchen wir eine Peluqueria. Haareschneiden wäre sicher auch wieder mal gut. Der Señor scheint auch die Wünsche unser beider Personen zu verstehen. Schon mal gut. Der letzte Peluqueriabesuch in Peru ging etwas in die Hose. Ich bin zuerst dran, das Resultat ist wie besprochen. Dann darf Moni auf den Drehstuhl. Zum Schluss zahlen wir je 5’000 Pesos (ca. 2,80 CHF). Dann laufen wir etwas im Dorf rum, vertreiben unsere Zeit im Internet und laufen wieder im Dorf rum. Ein Señor macht uns plötzlich auf zwei andere Radler aufmerksam. Anita und Andi sind umzingelt von Kindern. Wir unterhalten uns eine Weile mit ihnen und später trinken wir noch was zusammen. Ein wirklich netter Abend.

Als wir aufstehen, regnet es, als wir losfahren tröpfelt es noch leicht. Und es geht weitere 17 km und ca. 600 Höhenmeter den Berg hoch. Bald bietet sich eine Aussicht ins verregnete Tal, dann geht’s auch schon runter.

Feuchter Morgen

Wir üblich halt. Die Strasse ist nass und schlammig, der Dreck spritzt überall hoch und das Rad schlittert teilweise ganz schön. Dann geht’s auch schon wieder hoch. Nun beginnt es zu regnen. Regenjacke anziehen? Nein, das wäre viel zu heiss. Also nass werden. Solange man fährt, geht das ja. Und nach einer Weile hört der Regen auch wieder auf. Die nassen Kleider trocknen schnell wieder. Wir passieren eine Peaje, danach sind plötzlich viele Rennradler auf der Strasse. Sie kommen uns entgegen oder überholen uns. Klar, heute ist Sonntag. Zudem scheinen ein paar Läufer diesen Huegel zu bezwingen. Ganz Irre. Aber alle feuern uns an. Noch ein paar Meter, dann ist die längste Steigung von Kolumbien bezwungen. Monika ist schon von einer Schaar Radlern umzingelt, mir passiert sogleich dasselbe. So erzählen wir die immer gleiche Geschichte noch ein paarmal. Dann heisst es Windjacke anziehen und runterfetzen. Doch fetzen ist nicht so einfach, die Strasse ist sehr kurvig, immer werde ich von grossen Lastwagen gebremst. Da muss man eine Weile hinterherfahren und dann überholen. Zudem ist die Strasse ein rechter Löcher- und Flickenteppich. Bald sind wir unten angekommen, es ist wieder warm, mittlerweile schient die Sonne. Wir essen noch kurz was. Ich schaue an mein Bike. Da hängt vorne ein loser Kabelbinder. Nein!!! Wo ist meine Chica Superpoderosa?? Weg, geklaut! Sonst wäre der Kabelbinder kaum noch da. Das war sicher der Bub aus dem Hotel in Santa Barbara. Frecher Kerl. Und alles Weg. Señorita Ardilla und die Chica. Was für ein Frust. Aber dafür gibt’s ja seit den Galapagos noch E.T. Oder besser gesagt E.T. im Körper einer Tortuga.

E.T. Tortuga, letzter verbleibender Begleiter

Hoffentlich bleibt er mit noch eine Weile erhalten. Sonst… Über zwei grosse Hügel geht es in die Vorstadt von Medellín. Lange fahren wir rein. Wir sollen uns an der Metrostation Expociciones mit Santiago treffen. Santiago ist ein Freund einer Freundin von Monika. Und wir sollen bei seiner Familie wohnen. Wir fahren der Metrolinie nach, als diese abbiegt, fährt Moni einfach geradeaus weiter. Ich habe das Rufen schon lange aufgegeben. So fahren wir halt eine groesser Kurve und ein paar Umwege und irgendwann stehen wir vor der Station Expociciones. Dort warten wir eine Weile, dann taucht Santiago mit dem Bike auf. Er leitet uns zu sich nach Hause, wo die ganze Familie schon gespannt wartet. Wir werden herzlich begrüsst. Dann dürfen wir unter die Dusche und schon gibt’s Mittagessen. Den Rest des Tages machen wir nicht mehr viel, abends spazieren wir mit Rosita, der Mama, einer Schwester und Santiago durch eine nahe Mall. Dann schauen wir noch eine Weile fern, Berichte über den Tsunami in Japan. Ganz schön eindrücklich. Dann fallen wir müde in Santiagos Bett, das er uns netterweise zur Verfügung gestellt hat.

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