Medellín – Cartagena, auf kolonialem Umweg in die Karibik

12.05 – 27.05.2011, 1185 km. Nach einer letzten Bergetappe nach Medellín fahren wir runter in die Küstenregion. Dort geht es meist flach weiter, wir überschreiten an mehreren Tagen die 100 km Marke. Und natürlich ist es heiss da unten. Dann der erste Wegweiser in Richtung Karibik. Die erreichen wir schlussendlich nach einem Abstecher nach Mompós in Santa Marta. Von dort geht es runter nach Cartagena. Unsere letzte Station in Kolumbien und Südamerika.Um 6.30 Uhr stehen wir auf, packen den Rest unserer Sachen. Dann macht uns Rosita Frühstück. Es gibt frisch gepressten Toronjasaft. Auch die haben gestern noch Platz im Jeep gefunden. Und dieser Saft soll ja die Fettverbrennung fördern. Zudem schält Rosita meine Pomelo und wir verpacken die riesigen Stücke in einen Plasiksack. Dann beladen wir die Bikes. Listo. Nun warten wir noch auf Oliva, die auch noch kommmen will, um sich von uns zu verabschieden. Dann ist es soweit, nach 1,5 Wochen mit all diesen netten Leuten heisst es Abschied nehmen. Noch ein paar Fotos, Santiago versucht sich noch auf meinem bepackten Bike.

Abschiedsfoto in Medellín

Dann gibt es noch einen Tintico. Nun aber definitv die letzten Umarmungen. Oliva will uns noch vorfahren, bis wir auf der Hauptverkehrsachse gegen Norden sind. Wir fahren los und mit Vorfahrerin kommen wir tiptop aus dem Gewühl raus. Nun verabschiedet sich auch Oliva, wir fahren weiter aus der Stadt raus. Kein Wunder hängt hier immer eine dicke Smogglocke über der Stadt. In dem dichten Verkehr fällt mir das Atmen schwer. So schlimm war’s wohl noch nie in einer Stadt. Ich möchte nicht wissen, was da alles in die Lungen geht. Wir fahren durch Bello, wo wir noch Brot kaufen. Natürlich sind wir gleich umzingelt von mindestens 10 neugierigen Männern und Frauen. Weiter geht’s, kolumbianisch hügelig. Wir machen eine kleine Rast und essen etwas von der Pomelo.

Kommt nicht aus dem Schlachthaus

Netter Pausenplatz

Dann beginnt die Steigung, ca. 12 km lang. Wir finden gleich noch einen hübschen Lunchplatz. Zur Abwechslung mal wirklich nicht gleich an der Strasse. Danach geht’s weiter hoch, bald beginnt es leicht zu regnen. Und regnet weiter und weiter. Es wird langsam kühl, vor allem weil mittlerweile alles nass ist. Doch für die Regenjacke ist es zu heiss. Gegen 16 Uhr erreichen wir ein paar Häuser, wir befinden uns kurz vor Don Matias. Da oben gibt es ein Residencial. Wir sind nass, es ist kalt, da wollen wir nicht mehr runterfahren. Das Zimmer wird gerade noch saubergemacht, in der Zwischenzeit bekommen wir einen heissen Tintico. Die Betten sind hart und die Dusche schön heiss. Das tut jetzt wirklich gut. Zum Abendessen gibt’s eine Bandeja Paisa. Ein Teller mit Fleisch, Reis, Bohnen, Spiegelei, Salat. Ein typisches Gericht von hier.

Am Morgen sind wir in Nebel gehüllt, es ist kühl. Zuerst geht es kurz runter, dann hügelig weiter. Die Hügel sind hier grösser, es gibt längere Subidas und Bajadas. Bei einer dieser längeren Subidas ist plötzlich Monis Hinterreifen platt. Da gibt’s nur eins, ranfahren und flicken. Ein Chico auf einem kleinen Velo fährt vorbei und leistet Pannenhilfe. Ist ja schon sehr nett, aber manchmal macht man diese Dinge doch lieber selbst… Aber dann ist der Reifen wieder drin, die Weiterfahrt kann in Angriff genommen werden. Kurz nach Santa Rosa beginnt es zu regnen. Und der Regen wird immer stärker. Da es hier oben auch recht kühl ist, ziehen wir unsere Regenjacken an. So fahren wir im Regen weiter, rauf und runter. Da wir kein Brot für den Zmittag haben, halten wir bei einem Restaurant. Dort gibt’s ein Pan de Queso, zudem eine heisse Schoggi. Die tut richtig gut, denn wir sind recht durchnässt, mich friert’s nun auch ein wenig. Regen in kalten Regionen ist ok, da zieht man einfach die Regenmontur an. Doch hier ist es zu warm für alles und doch zu kalt für nichts. So sind nun meine Hosen und Schuhe patschnass. Nach der Pause geht’s weiter, der Regen, der gerade kurz aufgehört hatte, setzt nun natürlich wieder ein. Auch die Hügel setzen sich fort. Wir fahren an einem Hotel vorbei. Bleiben? Bis Yarumal folge nur noch eine Bajada plus eine Lominita bis zum Dorf. Ok, wir fahren im Regen weiter. Der hört nach einer Weile auf. Bei einer kleinen Pause werde ich plötzlich von vielen schwarz-roten Schmetterlingen belagert. Der eine will nicht mehr von meiner Jacke weg, andere haben es sich auf meinen Taschen und dem Waschlappen gemütlich gemacht. Und wieso ist eigentlich mein Coleman auf? Oh nein, habe ich den wohl nach dem Regenjackeanziehen nicht mehr zu gemacht? Die Frage nun, fehlt was? Klopapier da. Dreckige Wäsche da, Cornflakes da, doch nein, Scheisse, meine heissgeliebte braun-orange-weisse Maloja Jacke ist weg. Mit ihr im Plastiksack war mein treues Odlo T-Shirt. So ein Mist. Ich könnte mich ohrfeigen In welch geistiger Umnachtung habe ich den Coleman nicht zugemacht. Umkehren bringt’s auch nicht, die Strecke ist viel zu lang. Wir fahren weiter runter, dann folgt der Abzweig nach Yarumal. Und diese kleine Lominita ist extrem steil wir fahren im Zickzack hoch. Uff, ganz schön anstrengend. Nun scheint auch noch die Sonne. Ich will noch den „blinden“ Passagier, einen der Schmetterlinge, in die Wiese setzten. Doch der will nicht, erst nicht vom Waschlappen runter, dann klammert er sich an meine Hand. Doch dann ist er einsichtig und fliegt davon.

Blinder oder besser fauler Passagier

Ins Dorf gibt es zwei Strassen, eine direkte und eine mas descansadita. Die letztere nehmen wir. Doch auch die ist immer noch extrem steil. Im Dorf werden wir von ein paar Jungs begleitet. Zudem fahren wir in den Nebel. Ein kleiner Junge schiebt plötzlich mein Bike von hinten. Sehr nett. Und der kleine hat Kraft. Ich fliege bergauf. Dann geht’s allein weiter, auf Hotelsuche. Bei den Bomberos klappt’s wieder nicht, die haben hier seit einiger Zeit eine Klausel, die so etwas so quasi verbietet. Mittlerweile regnet es auch wieder. Moni sucht ein Hotel, in Begleitung eines zahnloses Helfers. Ich warte, langsam friere ich. Da setzen sich 2 kleine Jungs zu mir, einer schenkt mir eine Mango. Moni kommt nach einer Weile zurück, sie hat ein günstiges Hostal gefunden. Wir stossen die Bikes 2 steile Quadras hoch, der Zahnlose und die Jungs helfen schieben. Dann helfen sie das Gepäck rauftragen und dann wollen sie natürlich alle eine Moneda. Nun gut, wir geben jedem etwas. Aber manchmal ist diese ungefragte, fast aufdringliche Hilfe etwas lästig. Ich ziehe kurz eine warme Jacke an, dann suche ich ein Taxi. Ich habe die Jacke noch nicht ganz aufgegeben. So versuche ich wenigstens, sie wiederzufinden. Ein Chauffeur kann mich den ganzen Weg langsam hochfahren. Wir nehmen auch gleich noch seine Mutter mit. Er fährt langsam, damit ich nach dem weissen Plastiksack, in der die Kleider stecken, Ausschau halten kann. Doch ich sehe nichts. Wir erreichen den Punkt, wo ich die Regenjacke angezogen hatte. Nun fahren wir noch kurz die Mama ins nahe Santa Rosa, dann wieder zurück. Mittlerweile ist es dunkel. Doch wir fahren auch nochmals langsam runter. Ich sehe hin und wieder eine weisse Tüte, doch meist ist es Abfall, manchmal eine weggeschmissene Babywindel. Dann der Ort, wo ich den Verlust bemerkt hatte. Nichts. Schade, schade. Aber ich hab’s versucht. Gegen 20 Uhr und fast drei Stunden Tütensuche bin ich wieder im Hotel. Wir kochen noch ein paar schnelle Fideli, dann falle ich ziemlich müde ins Bett.

Die Nacht war kühl, der Morgen ist es auch, als der Wecker um 5 Uhr klingelt. Ächz, jetzt aufstehen? Der Himmel sieht klar aus, also gut. Gegen 6.30 Uhr verlassen wir Yarumal, es geht nochmals 5 km nach oben. Dann die Bajada. Nein. Es geht wieder hoch. Und nochmals. So geht es hügleig weiter, bis nach Ventanas. In dieser Gegend stehen am Strassenrand immer wieder mal ziemlich bonzige Häuser, und ein paar Kilometer weiter ein winziges Hüttchen aus Holzbrettern mit einer Plastikplane als Dach. Schon extrem, diese Gegensätze.

Einfallsreicher Kioskname in Ventanas

Bereit für die Abfahrt

Nach Ventanas geht’s dann tatsächlich nur noch runter. Doch dann plötzlich Stau. Ein Lastwagen ist von der Strasse gekippt und wird gerade von zwei Abschleppern hochgezogen. Aber die Aktion ist kurz, es geht bald weiter.

Tja, dumm gelaufen

Die Bajada ist lang. Und es wird langsam heisser und schwüler. Sogar vom Runterfahren schwitze ich. Nach 37 km und einem Höhenverlust von ca. 2’500 Metern erreichen wir Puerto Valdivia. Eine gute Bajada. Dort überqueren wir den Rio Cauca. Diesem folgen wir nun, mehr oder weniger flach. Und es ist heiss hier unten. Zum Glück ist der Himmel bedeckt. Bald tröpfelt es wieder. Nun eine schöne Abkühlung. Hier unten braucht’s nun keine Regenbekleidung mehr, so warm ist es. Der Regen hört auf, dann beginnt er wieder. So geht’s weiter. Da sitzt plötzlich ein riesiger, grüner Leguan vor mir auf der Strasse. Doch er ist kamerascheu, kaum ist diese draussen, rennt er davon. Nach der Mittagspause regnet es fast durchgehend. Einmal schlägt ein Blitz gleich daneben im Fluss ein, der Donner grollt so laut über uns, dass wir beide den Kopf einziehen. Nun sehe ich vor mir auf der Strasse einen riesigen Käfer, sicher 10 cm lang, ohne Fühler und Beine. Es regnet immer noch, nun stärker. Wir wollen bis El Jardin fahren, doch bei Puerto Belgica sehen wir ein Hotel. Nun schifft es ziemlich stark, wir sind total nass. Ich schaue mir das Zimmer an. 10’000 Pesos. Ok, nehmen wir. Soagar das Bett ist weich. Während es ununterbrochen weiterregnet, trinken wir einen Tinto und essen etwas. Dann waschen wir den ärgsten Dreck aus den Kleidern. Die schwarze Brühe, die da jeweils rauskommt, ist schon obereklig. Draussen hat es eine Wäscheleine, doch bei Regen hat das wohl keinen Sinn.

Indoor-Improvisations-Wäschetrocknungsanlage

So mache ich halt aus dem Bett eine Wäscheleine. Zusammen mit dem Deckenventilator funktionert das gar nicht so schlecht.

Gegen 6.30 Uhr starten wir. Am Himmel einige Wolken, sonst blau. Es geht hügelig weiter, kleine Hügel. So ist es ganz agenehm. Auch hier hat es viel geregnet, die Wiesen sind immer noch überschemmt, der Rio Cauca führt viel Wasser.

Morgenstimmung am Rio Cauca

Der Strassenrand wird von Mangobäumen gesäumt. Klar, da werden auch die Früchte verkauft. An einem Strassnstand kaufen wir zwei, zwei bekommen wir geschenkt. Wir fahren weiter, der Rio Cauca rechts, links grüne Wiesen mit Cebukühen. Nahe am Fluss essen wir die Mangos. Mangos sind ja schon fein, aber die Fasern, die da immer in den Zähnen hängen  bleiben… Und die Zahnseide ist immer noch nicht in der Lenkertasche. Ein alter Mann mit Fahrrad kommt auf uns zu. Wir hatten ihn eine Weile zuvor überholt. Er will uns was sagen. Dass hier „Tierra caliente“ sei, sprich, hier sei es gefährlich. Ok. Wir fahren weiter. Hügel hoch, Hügel runter, flach. Es wird immer heisser. Wir erreichen Caucasia. Im dortigen Exito halten wir und decken uns mit Snacks und Brot ein. Die Sonne brennt nun richtig runter, wir fahren weiter. Nach links, da geht’s in die Karibik.

Die Richtung stimmt

Die Karibik. Schon cool. Wir fragen hier noch bei einem Polizisten, wie es denn jetzt mit der Sicherheitslage stehe. Er meint, dass es Bandenkriege gäbe, die Strasse jeodch sei sicher. Gut. In Caucasia biegt der Rio Cauca nach rechts ab, wir fahren nach links, nun durch grünes Wiesenland. Alles ist flach, nach einer Weile wird die Landschaft eher etwas eintönig. Nun ist es drückend heiss. In La Apartada gibt’s einen kurzen Wasserglacestopp. Dann weiter in der Hitze. Links kühlen sich ein paar Büffel im Wasser ab. Die machen es richtig.

Besser als radfahren

Im Schatten einer noch nicht fertig gestellten Tankstelle machen wir Mittagspause. Und auch so kommen da recht viele Leute vorbei und sind natürlich neugierig. Das bringt ein bisschen Unterhaltung. Dann geht’s wieder in die Hitze, rauf und rutner. Ich bin schweissnass, ständig muss ich mir das Gesicht trockentupfen. Nun müssen wir auch noch in der prallen Sonne fahren. Auf der Gegenseite hätte es schattenspendende Bäume. Auf der Gegenseite. Na ja. Bei einer Tankstelle frage ich, ob ich Wasser nachfüllen kann. Bis Planeta Rica sind es noch 20 km. Der Chico lässt uns die Flaschen am Hahnen nachfüllen und schenkt uns je einen Beutel Wasser. Hier gibt es ja Wasser in kleinen Petflaschen, aber auch in kleinen Plastikbeuteln. Viel weniger Abfall. Mit so einem Beutel kühle ich nun zuerst den ganzen Kórper, dann trinke ich das kühle Nass. Weiter geht’s. Vor uns sieht der Himmel nun ziemlich düster aus. Und bald beginnt’s zu tröpfeln, dann schüttet es. Aber so ist der Regen eine ganz angenehme Abkühlung. Und schon bald scheint die Sonne wieder. Da hat’s rechts ein Hotel mit Pool. Sieht teuer aus. Und ist teuer. Schade. Wir radeln weiter. Beim nächsten Truckstopp folgen noch 3 Hotels. Da finden wir ein günstiges Zimmer. Gerade als alles im Zimmer verstaut ist, beginnt’s zu Donnern, Blitzen und dann schifft’s in Strömen. Es schïttet gnadenlos. Schüttet es. Gnadenlos.

Es schifft

Auch die Zimmerdecke scheint diesem Regen nicht gewachsen zu sein, an mehreren Stellen tropft es rein. Wir trinken im Restaurant einen sehr dünnen Mangosaft. Auch da regnet’s von den Seiten rein, es wird sogar kühl. Die Strasse verwandelt sich langsam in einen braunen Fluss. Aber wir haben ja jetzt Schirme. Zum Trocknen stellen wir diese vor die Zimmertüre. Schon bald wird meiner von einer kleinen, scharzen Katze angegriffen. Sie springt immer wieder auf den aufgespannten Schirm und rutscht mit ausgefahrenen Krallen runter. Wenn das mal gut geht…

Zum Schlafen stellen wir den Deckenventilator ein. Der bläst ganz schön. Gegen 23.30 Uhr erwache ich, vor der Tür rumpelt’s herum. Dann höre ich, wie die Nachbarstür aufgeht, das Licht im Gang wird eingeschaltet. Dann stellt die Person das Licht wieder aus, das Rumpeln geht weiter. Immer wieder knallt’s gegen unsere Tür. Ich stelle mal den Ventilator aus, es ist sowieso kühl. Da knallt wieder etwas gegen die Tür. Ich vermute ein Schirm. Zudem vermute ich, dass die 3 kleinen Katzen irgendwie am Lärm beteiligt sind. Ich bewaffne mich Stirnlampe und öffne die Tür. Und leuchte auf ein Gewirr von 2 Schirmen mit zwei Kätzchen mittendrin. Das eine rennt weg, das andere schaut mich unschuldig an. Mein Schirm ist total zerlöchert, zwei Speichen total verbogen. Monis Schirm scheint ok zu sein. Sie hat von all dem sowieso nichts mitgekriegt. Ich rette die Schirme mal ins Zimmer. Der Rest der Nacht verläuft ereignislos, bis wir um 5.30 Uhr aufstehen. Eine Stunde später fahren wir los, der Himmel ist noch immer wolkenverhangen. Gut so. Es geht flach weiter, vorbei an Planeta Rica. Dann wird’s hügelig. Und langsam verziehen sich die Wolken. Es wird noch heisser. Der Schweiss tropft mir von Armen und Gesicht. Meine Haut findet diese Mischung aus Hitze, Sonnencreme und Schweiss ja nicht gerradetoll. Die Pickel spriessen im Geischt wie wahnsinnig. Zudem bin ich auf 50er Sonnencreme umgestiegen, nachdem ich mir vor Cali mit der 30er einen Sonnenbrand geholt hatte. Und der 50er Blocker hinterlässt auf der Haut eine viel dickere Schicht. Aus sonneschutztechnischer Sicht gut, aber aus schweisstechnischer eher nicht. Das Wasser verdunstet kaum und wird wohl tropfenweise durch die Schicht gepresst. Mit der Folge, das ich meist bachnass bin. Na ja. Vor einer Peaje steht ein Stand mit Ananas. Wir lassen uns eine aufschneiden. Die ist extrem süss, fast ohne Säure. Megagut. Dann geht’s weiter, Hügel hoch, Hügel runter. Ganz allgemein geht’s eher hoch, auf einen Miniberg. Nun verdunkelt sich der Himmel. Der Hunger ruft auch wieder. Auf einer Tribüne vor einem kleinen Betonfussballfeld essen wir ein paar Cracker. Ein alter Mann warnt uns vor Schlangen. Nachdem ich gestern schon eine tote falsche Korallenschlange gesehen habe, kein Wunder. Es geht weiter, dann fahre ich mitten in die Regenfront. Ah, eine schöne Ankühlung. Das tut gut. Doch bald ist es wieder trocken.

Wäschetrocknen auf kolumbianisch

Später fahren wir noch durch eine zweite Regenfront. Gegen Mittag erreichen wir Sahagún. Dort wollen wir bleiben. Ein früher Stopp. Wir fahren ins Zentrum, wo uns bald ein Ex-Marine belagert. Wir essen in einer Panaderia was, die Belagerung geht weiter. Dann fährt uns der Señor zu einem Hotel. Das ist etwas teuer, aber gleich daneben steht eine günstige Hospedaje. Später finde ich im Zentrum noch einen neuen Schirm, der alte ist wirklich nur noch Schrott.

In der Nacht habe ich wieder mal starke Halsschmerzen, ich schlafe exterm schlecht. Zudem ist es heiss im Zimmer. Gegen 6.30 Uhr fahren wir weiter, der Himmel ist leicht bewölkt. Nach 2 km kommt ein lautes Geräusch von Monis Rad vor mir. Hört sich an wie Pffffff. Und Pfff ist es auf, inklusive Platten. Da muss was grosses auf der Strasse gelegen haben. Wir stellen das Zeug unter ein kleines Dach. Moni repariert den Paltten, ich unterhalte mich mit der Männerrunde, die uns natürlich bald umzingelt. Einer spricht von diversen Früchten, dann läuft er weg. Bald kommt er mit einer Augun, oder ähnlich, zurück. Für uns. Die cherimoya-ähnliche Frucht ist sehr lecker. Dann ist auch der Platten behoben, wir fahren weiter. Nun scheint die Sonne. Es ist heiss. Wieder einmal. Und geht hügelig weiter. Wieder einmal. Ein alter Señor bietet mir einen Tinto an. Ich hätte ja schon Lust auf einen Kaffee, aber Moni ist schon davongebraust. Wir fahren durch Chinú, dann durch Sampués. Dort werden viele Artesanias verkauft. Möbel, Hüte, Papageien und andere Figuren aus Holz, Hängematten und noch vieles mehr. Am Dorfausgang eine Staute eines für Kolumbien so typischen Hutes.

Coole Mitbringsel, wenn man Platz hat

Ausfahrt aus Sampués

Wir fahren wieter. Nun fahren wir auf einen kleinen Hügel hoch. Dort oben befindet sich Sincelejo. Eine grössere Stadt mit extrem viel und chaotischem Motorradverkehr. Wir halten vor einer Panaderia, da kommt ein Señor auf uns zu. Er schenkt uns je zwei Hut-Ohrringe und einen Armreif. Der ist aus dem gleichen Material wie die grossen Hüte. Andenken an sein Land. Er hat anscheinend gesehen, wie wir die Hutstatue in Sampués fotografiert haben. Eine sehr nette Geste. Wir kaufen in der Panaderia Brot fürs Mittagessen und einen kleinen Snack. Dann geht’s weiter, den Hügel runter. Die Strasse wird breit, 4-spurig, der Verkehr nimmt zu. Nun erfolgt auch die erste Regenabkühlung. Später gibt’s noch eine zweite. Ein Mann bietet uns Wasser an und meint, wir sollen doch etwas ausruhen. Wieder muss ich „nein danke“ sagen. Wir erreichen den Abzweig nach San Pedro. Eigentlich wollten wir so schnell wie möglich nach Cartagena fahren, aber ein anderer Ciclista empfahl uns, Mompós zu besuchen. Dann machen wir das doch mal. Darum verlassen wir hier die Ruta 25, der wir nun nonstop seit Ipiales gefolgt sind. Nun schient wieder die Sonne. Die Nebenstrasse wird holpriger, der Verkehr nimmt ab. Und die kleinen Hügel werden steiler. Ich schwitze wie blöd. Gegen 15 Uhr erreichen wir San Pedro. Hier gibt’s nur eine Unterkunft, die ist natürlich teuer. Na ja, 30’000 Pesos. Aber für das, was geboten wird zu teuer. Weg von der Hauptverkehrsachse kann man wohl solche Preise verlangen. Wir nehmen das Zimmer, wollen aber aus Kostenspargründen selber kochen. Da ist ein kleiner Hund angebunden. Und freut sich riesig über etwas Zuneigung und Gesellschaft. Hose und Shirt sind bald noch dreckiger. In den Regenabschnitten tönt meine Kette jeweils ganz furchtbar, ich werkle daher etwas am Rad rum. Auch ein kleiner Junge freut sich über die Gesellschaft. Er kapiert jedoch das Wort „nein“ nicht, fasst alle Werkzeuge und das Bike an. Immer wieder. Trotz mehrmaligen „neins“. Bis ihn die Señora vertreiben muss. Auch er bekommt wohl nicht sehr viel Aufmerksamkeit. An dieser Stelle noch etwas zu den Zimmern in Kolumbien. Meist haben sie Privatbad, jedoch wurde die Badezimmertür nicht hier erfunden. Die existiert nämlich meist nicht. Manchmal hängt ein Vorhang da, aber meist sind die Badezimmer einfach offen. Doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Um 6.30 Uhr sind wir startklar. Doch wo ist der Zimmerschlüssel? In Monis Hose, in einer Hintertasche. Tja. Sie muss nochmals kurz abladen, ich trinke derweil einen Tinto. Dann geht’s los. Es ist heiss, die Sonne scheint schon. Nach einer Weile erreichen wir Managué, den grössten Ort auf dieser Strecke. Im grossen Supermercado decken wir uns mit ein paar Dingen ein. Moni geht rein in die schöne Kühle des Ladens, ich warte. Bald bin ich von neugierigen Männern umzingelt, alle reden gleichzeitig. Der eine erklärt den weiteren Weg nach Mompós. Dem höre ich zu. Nicht einfach wie gedacht der Strasse folgen, sondern hier bei der Plaza links nach Yapi abbiegen. Die Fähre da sei grösser und viel besser für die Bicis geeignet. Da kommt auch schon Moni, die Fahrt geht weiter. Bis zur Plaza, dann links. Der Verkehr hier ist ziemlich chaotisch, fast schon peruansich. Wir fragen wieder nach dem Weg, ein Motorrad will uns vorfahren. Wir biegen in ein Schottersträsschen ein und landen auf der richtigen Strasse nach Yapi. Und treffen auf unseren alten Bekannten, den Rio Magdalena. Auch hier hat’s zuviel Wasser. Nun wird die Stasse von einer Cebu-Kuherde eingenommen. Kein Durchkommen mehr.

Kuhstau

Gegen 10 Uhr erreichen wir Yapi, dann folgt eine Bootsanlegestelle. Ein Señor kommt gleich auf uns zugelaufen:“Mompós?“ „Si.“ Wir sollen die Bicis abstellen und warten. Das tun wir. Eine ganze Weile lang. Nun wird ein Kühlschrank angeliefert und einfach so abgestellt.

Der Kühlschrank will auch mit

Moni lässt sich von ein paar Herren den Weg nach Mompós erklären, ich von ein paar anderen. Zudem heisst es nun, das Boot fahre um 12.30 Uhr. Uff, nochmals eine Stunde warten. Dann kommt Bewegung in das Ganze, Leute steigen ins Boot. Wir sollen auch einsteigen, die Bicis stehenlassen, die würden am Schluss eingeladen. Ok. Wir steigen ins Boot, Sitzbrett um Sitzbrett setzen sich Leute vor uns hin. Wir sind eingekesselt.

Das Boot wird voll

Dann werden Motorräder eingeladen, nun folgt der Kühlschrank. Nun Monis Rad. Dann meins. Das steht aber hoch oben, ich sehe nur den Lenker rausragen. Zum Glück, oder auch nicht, steht der Kühlschrank davor, so sehe ich nicht, wo das Bike genau steht. Will ich vielleicht besser nicht wissen. Ich hoffe, es hält. Das Boot legt ab und es steigen noch mehr Leute ein. Dann überqueren wir den riesigen Rio Magdalena. Er führt viel Wasser, Bäume stehen halb unter Wasser. Nach einer halben Stunde erreichen wir die andere Seite. Da wartet schon eine riesige Menschenmenge. Nun werden die Bikes natürlich zuerst ausgeladen und wir sitzen in der Mitte des Bootes fest. Moni will sich rausdrängen. Da fragt der Chico, der während der Fahrt Gitarre gespielt hatte, ob sie ihm ein Autogramm aufs Hemd geben kann. ??? Weil wir Ausländer sind. Von mir will er natürlich auch noch eins. Na gut. Dann steige ich aus. Die Bikes stehen an einen Lastwagen gelehnt bereit. Und wurden anscheinend bewacht. Hier ist es glaube ich noch heisser. Wir fahren los. Auf beiden Seiten der Strasse das hochstehende Wasser des Rio Magdalena. Sind wir nun eigentlich auf einer Insel oder nicht? Es geht flach weiter. Wir passieren einige kleine Dörfer. Dann wider ein Engpass. Da wurde wohl die Strasse weggeschwemmt, nun wird sie mit Sand aufgeschüttet.

Schon wieder Stau

Wir warten noch einen Moment, dann können wir rüberfahren. In Talaigua Nuevo machen wir auf der kleinen Plaza Mittagspause. Bald sind wir von einer Schaar Kinder umzingelt. Es kommen ein paar Erwachsene dazu. Zu Beginn betrachten sie uns stumm, dann stellen sie scheu ein paar Fragen.

Wie im Zoo

Nach der Rast geht unsere Fahrt weiter. Nun wird die Asphaltstrasse immer wieder von Schotterabschnitten mit riesigen Schlaglöchern unterbrochen. Irgendwie tut es gut, wieder mal auf Schotter zu fahren, das Holpern ist eine Wohltat. Nun folgen auf beiden Seiten überschwemmtes Land und unter Wasser stehende Häuser. Einige Leute haben Notunterkünfte auf der Strasse aufgestellt. Aber alle grüssen freundlich, sie scheinen mit der Situation zu leben. Immer wieder steht auch Wasser auf der Strasse. Diesmal etwa 15 cm tief mit losem Steinuntergrund. Kein Problem. Wir fahren einfach durch. Ich bekomme netterweise noch Schubhilfe. Dann wollen die Señores, die da arbeiten, noch Wegzoll. Für eine Gaseosa. Ok, sie reparieren ja schliesslich auch noch die Strasse.

Land und Haus unter Wasser

Wasserüberquerung mit Schub

Bald geht’s durch den nächsten Fluss über die Strasse, diesmal mit Strömung und Abbruchkannte. Dann wird die Strasse wieder gut, glatter Asphalt. Und bald erreichen wir Mompós. Gemäss einigen Aussagen sollen wir hier noch eine andere Fähre nehmen. Doch die gibt’s nicht, wir können direkt ins Dorf fahren. Auch ok. Wir gehen auf Hostalsuche. Die ersten sind schön und teuer. Während ich warte, kommen natürlich wieder einige Leute auf mich zu, jeder hat einen anderen Hoteltipp. Zudem ist da noch ein Señor, der ein Zimmer in seinem Haus vermietet. Für 25’000 Pesos. Ok, das nehmen wir. Es müffelt zwar etwas modrig im Zimmer und Kakerlaken hat es auch. Der Rest ist ok, Edgardo, der Señor, scheint nett zu sein. Wir duschen, waschen Kleider, dann wollen wir etwas essen. Edgardo will uns zu einem günstigen Restaurant führen. Doch zuerst besuchen wir seine Nachbarin im Boutique Hotel. Da gäbe es ein Sandwich mit Saft für 10’ooo Pesos. Zuviel. Und die Nacht in dem Hotel kostet jetzt in der Nebensaison 194’000 Pesos! Genau unsere Preislage… Aber das Hotel ist wunderschön. Wir schwatzen eine Weile mit der Señora. Wir könnten morgen auch zum Mittagessen kommen. Für 20’000 Pesos. Schluck. Wir erklären ihr, dass wir nicht so viel Geld fürs Essen bezahlen können, da wir Langzeitreisende sind. Nun offeriert sie uns für morgen ein Spezialfrühstück für je 2’500 Pesos. Für die Valientes (die mutigen Damen). Ok, da sagen wir doch zu. Nun lassen wir uns aber von Edgardo zu einem Stand mit günstigem Essen führen. Fleisch, Yuca und Tomate für 3’000 Pesos. Mein Fleisch ist zäh und fettig, aber die Strassenhunde freuen sich darüber.

Um 8.30 Uhr gehen wir also mit Edgardo rüber ins schöne Boutique Hotel. Dort frühstücken bereits die zwei einzigen Gäste, Manuel, Kolumbianer und Rudolf, Deutscher. Beide leben aber seit Jahren in Madrid. Wir bekommen unser Spezialfrüstück. Omelette, 2 kleien Arepas mit Käse, Saft und Kaffee. Schmeckt sehr gut. Und schon während des Essens beginnt eine Unterhaltung mit den 2 Jungs. Edgardo spricht von seinem Amigo, den wir gestern schon getroffen hatten. Dieser bietet eine Bootstour in den Cienaga an. Die Señora spricht ebenfalls von einer Boutstour, wir sagen mit den Jungs zusammen zu, in der Annahme, dass es sich um die selbe Tour des Amigos handelt. Dann schauen wir uns das Dorf an. Mompós liegt als nun doch auf einer Insel, sprich die Insel ist auf allen Seiten von Flüssen begrenzt. Mompós ist ein hübsches Kolonialdorf.

In den Strassen von Mompós

Der Blick in die Häuser immer sehr spannend. Da zeigen sich oft wahnsinnig schöne Innenhöfe. Vorne meist ein paar Korbgeflechtstühle, oft sicher auch gleich das Wohnzimmer. Wir schauen uns eine Kirche an, dort taucht der Amigo auf, und fragt, ob wir heute die Tour mit ihm machen würden. Wir fragen, ob er der Guía des Hotels wäre. „Ja, der sei er.“ Gut, dann würden wir die Tour ja eh mit ihm machen. Wir laufen zur Kirche Santa Barbara. Die ist sehr schön.

Iglesia Santa Barbara

Gleich gegenüber ist der Rio. Und der führt ja Hochwasser. Wären da nicht Mauern, stünde Mompós unter Wasser, denn de facto liegt es nun unter dem Wasserspiegel des Rio Magdalena. So steht die ganze Uferpromenade unter Wasser. Wir laufen eine Weile dem FLuss entlang hoch, dann wieder zurück. Es ist heiss. Dann biegen wir ab in Richtung Zentrum. Da steht die Kirche Santo Domingo. Und ein Saftstand. Dort gibt’s einen erfrischenden Ananas-Mangosaft.

Schultaxi

Wir besuchen den schönen Cementerio, dann laufen wir zur Plaza Bolívar. Klar, auch hier war der gute Mann. Dann zur nächsten Kirche, gegenüber steht ein tolles, leider sehr baufälliges Kolonialhaus. Anscheinend soll daraus ein Centro Comercial werden. Nun ist es aber Heim von Obdachlosen. Denen statten wir ungewollt einen Besuch ab, als wir in den ersten Stock hochsteigen. Dann gehen wir zurück zum Haus. Dort sollen wir mit Edgardo Mittagessen. Fisch. Zu einem Spezialpreis von 6’000 Pesos. Und dann kommt der Teller. Da liegt ein ganzer Fisch drauf. Aus dem Rio. Ok. Gut. Ist mein erster ganzer Fisch, ich muss Edgardo fragen, wie man den isst. Geht dann aber ganz gut. Nach dem Essen kommt der Amigo vorbei und fragt, ob wir jetzt mit ihm auf die Tour kommen. Wir fragen nochmals, ob er denn jetzt die Tour mit dem Boutique Hotel mache. „Nein.“ Die Verwirrung wir grösser und grösser. Wir haben für die Tour zugesagt, die nun doch eine andere ist. Ist nicht das erste Mal, dass wir in Kolumbien Verständigungsschwierigkeiten haben. Um das Ganze aber definitv zu klären, gehen wir gemeinsam ins Hotel rüber. Dort sitzen die Jungs und die Señora. Da wurde von zwei verschiedenen Dingen gesprochen. Beides waren Bottstouren, jedoch mit anderem Programm. Ok. Wir wollen die Tour mit dem Amigo machen. Die Jungs schliessen sich an. Das wäre gelöst. Es bleibt noch etwas Zeit, bis uns der Amigo um 14.40 Uhr abholt. Rudolf kommt dann doch nicht mit, aber Manuel ist mit von der Partie. Zudem eine Familie mit 3 Kids. Wir laufen zum Fluss, dort steigen wir in das Metallboot. Dann geht’s los. Wir sehen Mompós vom Wasser aus, dann fahren wir der anderen Flusseite entlang.

Mompós vom Wasser aus

Auch hier gibt's grosse Exemplare

Sowie Mangobeschwörer

Dort sitzen grüne Leguane in den Bäumen. Oder besser gesagt verstecken sich. Die sind ganz schön gross. Aber das Boot fährt viel zu schnell, um einen genaueren Blick auf die Tiere werfen zu können. Schade. Wir fahren weiter, vorbei an überfluteten Feldern, dann geht’s per Boot eine ehemalige Strasse hoch, vorbei an weiteren unter Wasser stehenden Häusern.

Früher Strasse, heute Seeweg

Da sitzen trotzdem die Leute in den Häusern und grüssen. Ich hatte hier sowieso oft das Gefühl, dass die Leute gelassen mit der Situation umgehen. In Europa wäre das ein Riesendrama mit Klagerufen ohne Ende, hier lebt man einfach damit. Bewundernswert. Über ein Wasserfussballfeld geht’s auf den eigentlichen Fluss. Anscheinend war das alles im Novermber und Dezember 2010 überflutet, dann ging im Januar 2011 das Wasser zurück um jetzt alles wieder von neuem zu überfluten. Aber so lebt man wohl, wenn man so nahe am und sicher auch oft vom Fluss lebt. Wir brettern durch Seepflanzen. Und halten auf einer Insel. Dort lebt die Familie eines der Jungs vom Boot. Wir besichtigen 2 Papageien, dann laufen wir über die Insel. Auf riesigen Mangobäumen schwingen 3 Affen über unseren Köpfen durch. Und lassen Mangos runterfallen. Die sind klein, süss und lecker. Und frisch vom Baum. Ich esse etwa 3. Dann gibt’s noch einen Tinto und weiter geht die Fahrt. Auf eine andere Insel. Auch hier Mangobäume. Ich sammle die unbeschädigeten Früchte vom Boden auf. Die Inselfamilie bringt andere Mangos. Mangos de Piña. Hier gibt’s ja einige verschiedene Sorten Mangos und jetzt gerade ist Temporada. Da fällt mir eine fast auf den Kopf. Die will wohl gegessen werden. Schon cool, die Früchte direkt vom Baum zu essen. Frischer geht’s nicht. Dann geht’s per Boot raus in den Cienaga.

Weiterfahrt

Dort dürfen wir baden. Moni und ich sind gleich im trüben Wasser. Die anderen wollen nicht. Das Wasser ist warm, erfrischt kaum. Aber es tut trotzdem gut. Nach einer Weile sind dann auch die anderen von diesem Bad überzeugt. Alle planschen im Wasser, bis wir raus müssen. Ich ziehe mich hoch. Irgendwie ist die Kante extrem scharf. Autsch. Ich handle mir zwei grosse Kratzer und ein paar Beulen ein.

Unterseite des Oberschenkels malträtiert

Ein Strassenbad oder in der Badestrasse

Dann fahren wir zürurck nach Mompós. Einige Jungs baden „auf der Strasse“. Wir sehen weitere Affen und Vögel. Der Amigo Guía ist auf der Rückfahrt nicht mehr zu gebrauchen. Der Steuermann jedoch macht uns auf alle Tiere aufmerksam. Zurück in Mompós verabreden wir uns mit Manuel fürs Abendessen. Nun ist auch Rudolf wieder dabei. Es wir ein netter Abend, der mit einem gemütlichen Bier beim Fluss endet.

Kurz nach 6.30 Uhr verabschieden wir uns von Edgardo. Wir fahren wieder 6 km zurück, zur Fähre nach Peñoncito. Da wir ja jetzt tatsächlich auf einerInsel sind, müssen wir wieder aufs Festland. Da warten schon ein paar Leute, ein paar Boote stehen bereit. Und heute geht’s schnell, 2 Motorräder werden raufgefahren, unsere 2 Bikes und noch ein anderes Fahrrad. Dann geht’s auch schon los. Ist natürlich auch ein kleineres Boot.  Auch Peñoncito ist überflutet, wir legen direkt vor der Kirche an.

Bootsanleger in Peñoncito

Wir fahren an Land, dann sind wir auch schon auf dem Weg durch die verschlungenen kleinen Gässchen aus dem Dörfchen. Schlussendlich landen wir auf einem schmalen, sandigen Weg. Nur mit Motorrad und Fahrrad passierbar. Macht Spass, auf diesem Weg zu fahren. Vorbei geht’s an Wiesen, Kühen und Bäumen.

Auf dem Sandweg

Pijiño

Dann fahren wir durch Pijiño, ein weiteres kleines Dorf. Hier sieht es nun komplett anders aus, wirklich ländlich. Und wenn da keine Stromkabel verlaufen würden, wäre man nicht sicher, ob es den hier überhaupt gibt. Später treffen wir auf die von Santa Ana kommende Strasse. Dort trinken wir einen Maracuja-Saft, den uns ein nicht zur Schule gehender Junge verkauft. Dann geht’s weiter. Ein paar Meter Asphalt, dann wieder Schotter. Es ist immer noch schön, auf Tierra zu fahren. Auch heute scheint die Sonne, nach nun 2 Tagen ohne Regen. Es ist heiss. Doch durch das Geholper macht sich mein Waschlappen unbemerkt von dannen. Was für ein Pech. Er war doch mein Schweisstrocknungsassistent. Na ja. Shit happens. Immer wieder, so wie’s aussieht. Wir fahren an einer Schule vorbei. Die Kinder und der Lehrer stehen am Zaun und winken.

Kurzer Schulbesuch

Wir halten und unterhalten uns eine Weile. Natürlich auch über die Schulpflicht hier. Nun, wenn die Eltern die Kinder nicht in die Schule schicken wollen, dann tun sie es einfach nicht. So ist das. Der Lehrer fragt, ob wir nicht einen Tag bleiben wollen. Wäre sicher spannend für die Kinder und interessant für uns. Aber wir wollen weiter. Aber auch so schwatzen wir wohl etwa 1,5 Stunden. Dann reissen wir uns los. Und tauchen wieder in die Hitze. Die vorbeifahrenden Autos stauben uns wieder mal tüchtig ein. Dies ist in dieser Hitze mit all dem Schweiss einfach viel ekligfer als z.B. im kühleren Peru. Wir passieren weitere kleine Dörfer. Im Schatten eines Baumes machen wir Mittagspause, dann geht’s weiter. Vorbei an mehr Kuhweiden und Bäumen. Die Strasse führt oft fadengerade durch die Landschaft.

Holprig hüglig geradeaus

Rauf und rutner. Die Strasse ist teilweise recht mies, es holpert gewaltig. In einer kleinen Tienda trinken wir was Kühles. Die Staubstrsasse zieht sich hin. Ca. 70 km. Dann erreichen wir in La Gloria Asphalt. Und in La Gloria hat’s tatsächlich keine Unterkunft. Wir müssen noch 9 km weiter nach El Dificil fahren. Dort finden wir ein Hotel. Es ist auch schon fast 17 Uhr. Und selten habe ich mich so auf eine Dusche gefreut. Die Schienbeine sind so staubig, dass ich fast als Morena durchgehe.

Wir stehen um 5 Uhr auf, Frühstück, 6 Liter-Wassersack in unsere Flaschen umfüllen. So sind wir um 6.20 Uhr startklar. Wir kommen gerade auf die andere Strassenseite, als Moni Luftverlust im Vorderreifen feststellt. Aber platt ist er nicht. Ich rate, es mal mit Pumpen zu versuchen. Das klappt, wir fahren weiter. Die Strasse steigt, am Ortsausgang fragen wir bei der Polizei nach der Strasse nach Algarrobo. Tierra, etwa so wie gestern. Gut. Wir fahren über weiter Hügel, 15 km lang. Dann folgt die Abzweigung auf die Schotterstrasse. Diese Strasse ist eine Abkürzung, wohl längentechnisch, aber nicht zeitlich. Aber sicher mit weniger Verkehr. Die Strasse ist gut, dann folgen ein paar megasteile Auffahrten. Der Schweiss rinnt. Der Himmel ist wieder fast wolkenlos und die Sonne brennt runter. Nach einer Weile gibt’s einen Mangostopp. 2 kleine, 2 Mangos de Piña. Die sind megalecker und schmecken tatsächlich etwas nach Piña. Auch heute fahren wir an Kuhweiden und Bäumen vorbei. Teilweise tragen die Bäume schöne rote und gelbe Blüte.

Farbige Baumallee

Mit schönen Blüten

Die Strasse hat etwas mehr Kurven als gestern. Dann wird die Strasse schlechter. Grosse Laster haben ihre Radspuren in Matsch gedrückt, in den Rillen fahren wir nun.

Schotterrillen

Es wird heisser und heisser. Die Landschaft ändert sich, nun stehen Kakteen am Strassenrand, es ist fast wüstenartig. Dann wird die Strasse wieder besser, flach geht’s über eine sandige Piste. Nun fahren wir durch dichten grünen Wald. Wir passieren eine Brücke, da fahren gerade einige Einheimische auf Rädern drüber. Wir halten kurz und in 30 Sekunden sind wir von sicher 20 neugierigen Männern umringt. Die Kolumbianer sind ja überhaupt nicht kontaktscheu. Wir reissen uns los, der ganze Trupp folgt uns ins nächste Dorf. So fahren wir mit den eher chaotischen Señores weiter. Im Dorf verschwinden sie so plötzlich wie sie gekommen sind. Wir passieren das Dorf. Ein paar Kilometer weiter machen wir unter ein paar Palmen Mittagspause. Von denen stehe hier ganze Haine, wohl für die Palmölproduktion. Wir putzen uns den ärgsten Dreck von Gesicht, Armen und Beinen. Die Sonne brennt so stark hier, dass ich unbedingt nochmals Sonnencreme einschmieren muss. Zudem habe ich überall riesige rote Flecken. Die Sonnenallergie kommt wohl doch noch. Danach geht’s weiter auf der Rumpelpiste. Es wird anstrengend. Nach 55 km Schotter treffen wir in Bellavista wieder auf die Hauptstrasse. Wir trinken etwas Kühles. Als wir weiterfahren, beginnt es zu tröpfeln. Schön. Dann regnet es etwas stärker. Richtig angenehm. Nach ein paar Kilometern pumpt Moni ihren Vorderreifen nochmals nach. Doch diesmal ist der Reifen danach platt. Nun muss sie doch noch den Schaluch wechslen.

Platt zum Dritten

Und weil der Mantel auch ziemlich durch ist, wechselt sie den auch noch. Das dauert. Nach mehr als einer Stunde fahren wir weiter. Nun wird’s anstrengend, ich bin müde. Und Gegenwind kommt auf. Aber die Temperatur ist nun ganz angenehm. Wir verpassen die Einfahrt nach Fundación, so fahren wir durch bis nach Aracataca, wo wir etwa um 18 Uhr ankommen. Ein langer Tag, gute 110 km und 7,5 Stunden im Sattel. Wir bleiben gleich in der Hospedaje am Ortseingang und gönnen uns eine grosse Portion zum Nachtessen.

Um 4 Uhr morgens dreht irgend so ein Vollidiot die Musikanlage voll auf. Der hat sie wohl nicht alle. Um 5 Uhr ist dann sowieso Tagwache, um 6 Uhr sind wir startklar. Es ist noch angenehm kühl und etwas bewölkt. Es geht wie gewohnt hügelig bis flach weiter. Die Bergkette rechts kommt langsam näher. Die Sierra Nevada de Santa Marta beginnt.

Die Berge kommen näher

Es tut gut, wieder mal grössere Erhebungen im Gelände zu sehen. Links mehr Palmenhaine für die Ölproduktion. Am Strassenrand werden überall Mangos verkauft. Wir kaufen 4 kleine. Beim ersten Stopp essen wir sie. Wow, süss und megafein. Es geht weiter, nun scheint die Sonne. Wir kommen gut voran und erreichen die Abzweigung nach Santa Marta. Noch 25 km. Hm. Auch gut. Gemäss Karte wären es noch 45 km. Auf der anderen Strassenseite kommt mir ein Jeep mit norwegischem Kennzeichen entgegen. Und dahinter ein Bündner. Da winke ich doch gleich mal. Sie winken zurück. Kurze Zeit später wieder ein Fruchtstand. Die Mangos waren so lecker, wir kaufen nochmals ein Dutzend. Nun brennt die Sonne runter. Wieder ein keiner Hügel und dann: Juhuiii! Das Meer. Das karibische Meer. Wir sind in der Karibik. Die Wasserfarbe etwas trüb und dunkel, aber es ist das Meer.

Erster Kontakt mit der Karibik. Na ja.

Hier wird wohl Öl gefördert, einige kleine Bohrtürme stehen im Wasser. Wir fahren weiter, nun vorbei an riesigen Luxushotel- und Appartementanlagen. Dann biegt die Strasse in Richtung Berge ein. In einem kleinen Restaurant trinken wir noch etwas Kühles. Monis Magen ist schon hier etwas komisch drauf. Es fehlen noch wenige Kilometer. Und gegen Mittag erreichen wir Santa Marta. Wir suchen ein günstiges Hostal.

In Santa Marta

Im El Titanic finde ich eine gute Bleibe. Und gerade als alles im Zimmer ist, beginnt es zu regnen. Mittlerweile benimmt sich auch mein Magen etwas komisch. Aber die Leute auf den Inseln in Mompós haben ja gesagt, dass Mangos abführend wirken. Und unser Konsum schoss ja in der letzten Zeit extrem in die Höhe. Könnte also ein Zuviel an Mangos sein. Wir wollen heute unbedingt noch im Meer baden gehen, so schmieren wir mal vorsorglich Sonnencreme ein. Schon wieder eine leer. Der Sonnencremeverbrauch ist hier schon extrem hoch. Es regnet weiter. Dann machen wir halt noch eine Siesta. Die tut richtig gut. Danach essen wir zu Mittag. Gegen 17.30 Uhr laufen wir zum Strand. Wir wollen ja immer noch im karibischen Meer baden. Es regent nicht mehr, aber die Strassen sind halb überschwemmt. Das mit den Wasserabläufen klappt hier wohl nicht so richtig. Der Strand ist Müllübersät, das Wasser riecht etwas streng.

Santa Marta

Zudem ist es jetzt natürlich bewölkt, wenn man mal etwas Sonne vertragen könnte. wir steigen wieder aus dem Wasser, nachdem ein Fisch zweimal meinen Po angeknabbert hat. Es ist fast schon kühl. Beim Zurücklaufen beschwert sich sogar ein Kolumbianer über seine Landsleute und ihre Müllentsorgung am Strand. Es ist ihm peinlich. Aber da gibt’s anscheinend noch viele, denen das egal ist. Auch sonst finde ich Santa Marta nicht speziell. Auch nicht schön. Nur weil einige Leute von dem Ort schwärmten. Na ja. Nun noch eine Dusche, Wäsche einweichen, etwas Kleines zum Abendessen suchen und dann fallen wir müde in die bequemen Betten.

Wir schlafen aus. Oh, was für ein Zimmer… ruhig, dunkel, mit funktionierenden Ventilatorabstufungen. Perfekt. Das Hostal ist sowieso ganz gut. Wir bezahlen 20’000 Pesos für unser Zimmer. Ausser dass sie unten im Hof einen angeketteten Raubvogel und 3 Wasserschweine halten. Das ist nicht gut.Wir laufen durch die Stadt. Heute, Montag, lebt die Stadt, überall Früchte-, Arepa- oder Tintoverkäufer. Es ist heiss. Später fahren wir per Taxi zur Ocean Mall. Dort hat es ein Kino. Und der neue „Pirates of the Caribbean“ ist draussen. Den müssen wir sehen, sowieso, da wir ja jetzt in der Karibik sind. Der Film ist unterhaltsam, der Kinosaal eine Tiefkühltruhe. Danach gibt’s noch ein feines Glace. Morgen wollen wir in den Parque Nacional Tayrona fahren. Und von Calabazo über Pueblosito an den Strand von Cabo San Juan wandern. So den Plan. Im Hostal fragen wir, von wo aus die Busse fahren. Der Señor erklärt uns auch den Weg im Parque. Von Calabazo nach Pueblosito müssten wir einen Guía nehmen. Da dürfe man nicht alleine rauf. 20’000 Pesos. Parkgebühr je 35’000 Pesos. Plus Buskosten. Also mehr als 100’000 Pesos für eine kleine Wanderung und ein bisschen baden von einem schönen Strand aus. Das ist uns zuviel. Und wir wollen auch nicht mehr als einen  Tag im Park verbringen. Ok. Andere Option. Per Bus ins Fischerdorf Taganga fahren, von dort zur Playa Grande laufen. Soll auch ein netter Strand sein. Das werden wir dann wohl tun.

Gegen 7.30 Uhr nehmen wir einen Bus nach Taganga. 20 Minuten später erreichen wir das kleine Fischerdörfchen. Ganz hübsch da, im Hafen liegen viele farbige Fischerboote. Wir trinken einen viel zu dünnen und zu teuren Saft, dann laufen wir zur Playa Grande. Die Playa ist ganz nett, aber kein Bilderbuchkaribikstrand.

Playa Grande

Und nach den Galapagos mit ihren unglaublich traumhaften Stränden muss ein Strand in meinen Augen sowieso extrem viel bieten, um sehr schön zu sein… Der Weg führt noch weiter, wir folgen ihm. Auf und neben dem Weg immer wieder Eidechsen. Die Männchen in wunderschönem türkis-gelben Balzkleid. Und viel zu schnell für die Kamera. Auch nicht Galapagos. Der Weg geht runter zu einer Fischerhütte, später wieder eine. Der Weg führt noch weiter, doch wir wollen hier mal umkeheren. Am für uns in dem Fall nördlichsten Punkt Südamerikas.

Mein höchster Norden im Süden

Zurück an der Playa Grande geht’s ins Wasser. Riecht viel besser hier. Nach nichts. Dann essen wir was, neben uns fangen ein paar Kinder Krebse, die sie dann kämpfen lassen. Mit Hilfe von Stecken oder Löffeln werden sie angestubst oder umgerührt. Oder getötet. Nicht schön. Aber sie machen auch weiter, als eine Señora und wir was sagen. Vielleicht sind sie noch zu jung, um zu begreifen was sie tun. Oder es ist ihnen egal. Wir fahren per Boot zurück nach Taganga, dort nehmen wir den Bus nach Santa MArta. Hier schlendern wir eine Weile durch die Strassen und schauen uns die Artesanias an. Wunderschöne, gehäkelte Taschen gibt es hier.

Im Exito hatte ich mich mit einer neuen Sonnencreme eingedeckt. Lichtschutzfaktor 100. Meine 50er Nivea Light Feeling, die ja die normale Nivea 50 abgelöst hatte, war schon in meinem Korb. Die Dame, die mich auch betreffend Anti-Moskito beraten hatte, empfahl mir jedoch die Tanga 100. Na ja, versuchen kann ich sie ja mal, obwohl ich noch zu der Señora sagte, dass ich die Nivea kenne und keine Probbleme mit ihr habe. Heute geht die Fahrt weiter in Richtung Cartagena und ich teste die Tanga 100. So wird dieser Tag zur Ode an die Sonnencreme. Kurz nach 6 Uhr verlassen wir Sant Marta. Die Hauptstrasse umfährt die Stadt in grossem Bogen, vorbei an slumartigen Hütten. Dann befinden wir uns auf bekanntem Terrain, wir fahren wieder zurück zur Kreuzung Bogota – Baranquilla. Nun biegen wir in Richtung Baranquilla ab. Bald fahren wir durch die Stadt Ciénaga. Dann fahren wir auf so eine Art Damm. Teile des Damms wurden künstlich aufgeschüttet und haben wohl ein ökologisches Desaster angerichtet. Denn dieses Gebiet ist Cienaga, sprich so etwas wie Mangrovenlandschaft mit Fluss-und Seensystemen mit geringen Wassertiefen. Und auf der anderen Seite das Meer. Nun kann natürlich zwischen Meer und Cienaga kein Austausch mehr stattfinden. Von Wasser und Tierwelt. Aber das ganze soll mit Brücken und Tunellen entschärft werden. Im Schatten eines Baumes machen wir kurz Pause und essen einen Keks. Vom Strand her kommt uns ein Mann entgegen und macht beim Herlaufen schon die hohle Hand. Als er bei uns ist, sagt er uns in ziemlich forschem Ton, wir sollen ihm etwas vom Keks geben. Sicher nicht. Er läuft davon und schwafelt oder flucht etwas über Norteamericanos. Die erste unfreundliche Begegnung in Kolumbien. Wir fahren schnell weiter, nun stehen links Hütten am und im Wasser oder in Müllhaufen. Ziemlich slumig.

Wasser-Müll-Slum

Wir machen ein Foto, als ein Polizeimotorrad neben mir hält. Wir sollen hier nicht fotografieren, sonst würden wir ausgeraubt. Dies sei eine Gegend mit sehr armen Leuten. Das sehen wir. Wenn wir jedoch noch mehr Fotos machen wollten, würden sie uns begleiten. Wir werden darauf verzichten und fahren weiter. Nach der Peaje keine Hütten mehr, der künstliche Damm zu Ende. Links Cienaga und Wälder, rechts das Meer.  Doch auch hier ist die Strasse natürlich aufgeschüttet und bildet eine Barriere zwischen Meer und Cienaga. 60 km lang. Das Fahren hier wird mit der Zeit ziemlich öde und unbequem. Aber vom Meer her weht eine kühle Brise, es ist trotz Sonnenschein nicht so heiss. Und mit der Tanga 100 schwitze ich nicht so stark, oder der Schweiss verdunstet besser. Positiv. Dafür bin ich heute dreckig wie schon lange nicht mehr.

Auf dem Foto sieht man ja gar nicht, wie eklig der Dreck wirkich ist

Kurz vor Branquilla trinken wir etws Kühles. Es ist 11 Uhr und wir haben 80 km auf dem Tacho. Habe ich da Sonnenbrand auf den Armen? Und die Oberschenkel sehen ziemlich schitter aus. Die Allergie ist so schlimm wie noch nie. Taugt Tanga 100 doch nichts? Ich putze kurz den Dreck weg. Alles rot. Zum Glück habe ich auch noch die Nivea gekauft. Die Tanga schenke ich gleich der Señora, die will ich nicht mehr. So verschwendet man Geld. Wir fahren weiter, nun folgt eine Doppelbrücke über den Rio Magdalena. Wow. Der ist hier unten gigantisch. Echt eindrücklich.

Gigantischer Rio Magdalena

Auf der Insel zwischen den zwei Armen armselige Hütten, ein Taxifahrer warnt uns. Besser keine Fotos mehr. Dann fahren wir nach Baranquilla rein. Das Chaos einer Grossstadt empfängt uns. Wir fragen uns durch, wir wollen heute noch nach Puerto Colombia. Die Druchfahrt dauert eine Weile und irgendwie gibt es nun keine Wegweiser nach Puerto Colombia mehr. Dann links ein BMW Point of Sale. Mit gebrauchten Automobilen. Hah! Da werden doch Erinnerungen an alte Zeiten bei Interbrand wach.

Erinnerung an alte Zeiten

Wir biegen auf eine andere Strasse ein, nun gleich ein Schild mit Puerto Colombia. Es fehlen noch 13 km. Wir fahren an internationalen Schulen und Unis vorbei. Ziemlich noble Anlagen. Die 13 km ziehen sich hin und gegen 16 Uhr erreichen wir nach 140 km Puerto Colombia. Streckenrekord. Und wir etwas kaputt. Es war zwar fast nur flach, aber die Hitze und immer etwas Gegenwind setzen auch zu. Die Hotelsuche gestaltet sich auch nicht so einfach, der Ort ist teuer. Aber wir bekommen einen Spezialpreis, weil wir am Morgen wiedergehen. Kurz duschen, dann ab an den Strand. Schon cool, nach einem langen Tag auf dem Rad im Meer baden zu gehen. Dieses ist hier nicht so salzig und hat mehr Wellen. Einfluss des nahen Rio Magdalena. Und so endet der Tag der Ode an die Sonnencreme. Besser auf altbekanntes Vertrauen als neues Testen. Auf jeden Fall in Beziehung auf Sonnencreme. Ich würde ja gerne wissen, wie sich meine geliebte Daylong 25 verhalten würde…

Wegen der massiven Sonnenallergie ziehe ich meine beigen Icepeak-Hosen an. Die sind etwas länger. Ich packe noch den Rest meiner Sachen und bücke mich. Kchrrr. Uh. Ein Schranz. Im Bein. Ein ziemlich grosser. Das Füdli war ja schon dreimal geflickt worden, aber nun ist wohl das definitive Aus der Hose nahe. Aber sie hat auch lange gehalten, 1 Jahr und 8 Monate mit fast täglichem Gebrauch auf dem Fahhradsattel. Extremeinsatz. Gute Qualität. Im Moment scheint aber alles kaputt zu gehen oder ich verliere es. Ist das jetzt eine Zeit- oder Hirnerscheinung? Oder einfach generell das Alter? Hm. Na ja, kurz nach 6 Uhr verlassen wir Puerto Colombia und fahren wieder zuruück auf die Hauptstrasse. Heute soll’s hüglig werden und die ersten Erhebungen folgen bald. Nach all den flachen Tagen sind dies schon fast Berge. Es geht eine ganze Weile rauf, teilweis ganz steil. Zum Glück ist es noch früh. Dafür folgt aber auch eine längere Bajada. So geht’s weiter, dann werden die Hügel flacher.

Wieder mal ein neues Tierstrassenschild

Aber der gestrige Tag und das eher öde Geradeausfahren lassen einige Körperteile schmerzen. V.a. mein Ellbogen tut wieder mal weh. Wie eingerostet. Auch das Alter? Zudem finde ich es heute schwüler als sonst. Der Schweiss rinnt frisch oder eben weniger frischfröhlich. Langsam bewölkt sich der Himmel, aber dadurch wird es fast noch schwüler. Der Plan für heute ist, kurz vor Cartagena zu stoppen und morgen in die Stadt reinfahren. Es folgen ein paar Luxushotelresorts. Dann Arroyo de Piedra. Auch nichts. Gegen Mittag erreichen wir La Bocilla. Zwei Chicos rennen gleich auf uns zu, wollen uns das Restaurant der Mama andrehen. Aber Preise wollen sie keine nennen. Klar. Ich habe Hunger, wir fahren ihnen mal nach an den Strand. Plötzlich gibt es Preise, natürlich viel zu teuer. Wir wollen weiter, der eine Chico kennt natürlich auch ein günstiges Restaurant. Nun ist der Preis ok, der Chico will natürlich noch eine Propina. Leider sind auch die Hotels hier zu teuer. Man hatte uns gesagt, hier sei es billiger als in Cartagena. Dann fahren wir halt schon heute nach Cartagena. Es ist 14 Uhr, wir haben auch heute noch genug Zeit für die Hotelsuche. Und wir sind ja eigentlich schon da. Vorbei an ein paar Luxusappartements geht’s dem Meer entlang in die Stadt. Der Anblick erinnert mich an Montevideo. Da steht eine Tafel: 14:46 Uhr, 32 Grad. Heiss. Dann ein riesiges Fort und wir biegen ins Zentrum ab. Im dichten Taxiverkehr fragen wir uns ins Barrio Getsemaní durch. In der Calle Media Luna schaue ich mir diverse Hotels und Hostals an. Cartagena ist definitv teuer und überzeugen kann mich kein Hotel. Wenn sie günstig sind, sind die Betten meist zwei harte Pritschen. Und die Sauberkeit lässt auch zu wünschen übrig. Wir fahren noch zur Casa Viena, dort gibt’s ein schönes grosses Zimmer, aber auch das eigentlich weit über unserem Budget. Aber wir bleiben hier, mal sehen, ob wir noch was anderes suchen bzw. finden oder ob wir uns einfach mit den Cartagena-Preisen abfinden werden. Nun gibt’s eine schöne kalte Dusche. Ich habe immer noch Durst, trinke 600 ml Wasser in einem Zug aus. Heute waren es wohl 6 Liter bis jetzt. Abends spazieren wir in Richtung Centro und beim Torre del Reloj stossen wir auf Tanztruppen.

Strassentanz in Cartagena

Schneller Trommelrhytmus, schnelle Bewegungen

Denen schauen wir lange zu. Faszinierend. Und ganz sicher mit afrikanischen Einflüssen. Zu schnellen Trommelrhytmen schütteln sich die Körper über den Asphalt. So schnell bewegte Körper habe ich noch selten gesehen. Nach einer Weile laufen wir zurück und ich falle in mein bequemes Bett.

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