Cartagena, letzte Station in Südamerika

28.05. – 11.06.2011. Cartagena ist eine schöne Stadt mit vielen wirklich tollen Kolonialhäusern im Centro Historico. Wir warten hier vor allem auf unser Boot nach Panama und erledigen letzte Dinge, bevor es weiter nach Mittelamerika geht. Es ist heiss und feucht, allzu viel kann ich an einem Tag sowieso nicht tun, ohne im Schweiss zu ertrinken. Und Kolumbien bleibt bis zum Schluss das Land der Missverständnisse.

Unser erster Morgen in Cartagena. Etwa um 6 Uhr donnert es laut über uns. Immer wieder. Dann setzt Regen ein, und es regent stundenlang weiter. So bleibt man gerne etwas länger im Bett.  Später hängen wir uns lange in ein kühles Internet Cafe, dann müssen wir einkaufen. Als Preiskompensation für unser teures Hostalzimmer wollen wir hier selbst kochen. So gibt’s wieder mal Pasta. Wohl nicht das letzte Mal. Abends laufen wir wieder durchs Centro, die Tänzer sind auch wieder da. Dann geht’s weiter durch die Gassen.

Magische Nacht

Unspektakulärer Tag

Wow. Hier stehen wirklich wunderschöne Kolonialhäuser. Es geht hoch auf die Fortmauer, auf der laufen wir eine Weile um die Stadt herum, dann wieder kreuz und quer durch die Gassen, bis die Füsse schmerzen. Ich muss sagen, mir gefällt die Stadt bei Nacht fast besser als bei Tage. Die dunklen Gässchen und die Beleuchtungen haben schon was an sich. Zudem ist es zu Nachtzeit temperaturmässig um einiges erträglicher als am Tag. Daher laufen wir wohl meist abends oder nachts durch die Strassen, oder dann frühmorgens.

Sonst sind die Tage ausgefüllt mit Blogschreiben und heiss haben. Und wenn man dann, um dem Heisshaben zu entrinnen, in eine kuehle Mall oder das klimatisierte Internet fluechtet, kommt die Quittung bald. Ich habe mir eine fiese Erkaeltung eingefangen. Aber ich glaube ja, dass diese Person, die mir an den 2 Computern der Casa Viena mal gegenuebersass und mich nonstop angehustet hat, schuld ist. Na ja. Auch egal.

Am dritten Morgen stehen wir früh auf und radeln nach Bocagrande an einen Strand. So ein Morgenbad im Meer ist schon toll. Zudem ist der Strand und das Meer hier um einieges sauberer als in Santa Marta. Später schauen wir uns weitere Hostals und Hotels an. Die Casa Viena ist doch ein bisschen teuer. Wir laufen am Boutique Hotel Swiss Residial vorbei. Aus Spass klingeln wir mal. Mal sehen, wie so ein teures Hotelzimmer aussieht. Der Dueño ist natürlich Schweizer, seit 2,5 Jahren in Cartagena. Das Zimmer ist wunderschön, aber wie gedacht jenseits unserer Preisvorstellung. Aber wir unterhalten uns noch lange mit dem Schweizer. Über die Geschichte, Politik und vieles mehr. Ganz interessant. So vergeht die Zeit ganz schnell. Zudem erzählt er uns, dass Cartagena ausserhalb des Zentrums und Bocagrande gefährlich sei. Er sei in der Nähe der Mall Caribe Plaza überfallen worden. Ok. Gut zu wissen. Und ein billigeres Hostal finden wir auch nicht. Es gibt zwar minim günstigere, aber immer ist ein Bett schlecht, meist auch nicht mit Privatbad. Wir kommen zum Schluss, dass wir wohl den Casa Viena Preis akzeptieren werden. Die Casa Viena ist nämlich wirklich schön, wir haben ein grosses Zimmer mit Fenster und eigenem Bad und 2 bequemen Betten. Und bei dieser Hitze ist ein eigenes Bad schon Gold wert. Wir hüpfen unter die Dusche wann immer wir wollen. Zudem gibt’s im Hause eine saubere, gut ausgerüstete Kücke, gratis Kaffee, Wi-fi, 2 Computer mit Internet, Book Exchange und ganz nettes Personal. Ansonsten suchen wir hier unser Boot nach Panama. Zwei werden wir und in Kürze anschauen, ein drittes, die Stahlratte, ist auch noch im Angebot. Mal sehen.

Mit der Warnung vom Schweizer Dueño im Ohr, fragen wir nun jedesmal, ob es sicher sei, wenn wir die Centrogrenzen verlassen. Wir wollen die Caribe Plaza Mall besuchen. Aber das sollte ok sein. Mit dem Bus fahren wir dorthin, ich finde einen Ersatz für mein verlorenes Odlo T-Shirt. Etwas Langärmliges suche ich hier wohl vergebens. Wer braucht hier schon lange Ärmel? An einem anderen Tag suchen wir die Bicicleterias. Die sind alle in der Nähe des Mercados. Das nun wirklich keine gute Gegend. Wir nehmen nur ein paar Pesos mit und suchen die Bicicleterias. Nicht immer so einfach. Monika findet schlussendlich eine neue Trinkflasche, aber auch hier keine neue Bikejacke. War zu erwarten. Und passiert ist auch nichts, niemand wollte uns ausrauben. Ein weiters Mal wollen wir die sicheren Grenzen verlassen und die Bikes waschen gehen. Die Lavadora soll irgendwo hinter dem Fort sein. Es dauert eine Weile, bis wir sie finden, aber dann dürfen wir die Bikes da umsonst waschen. Sehr nett. Und auch dieser Ausflug verläuft ohne Probleme.

Am Donnerstag, den 2. Juni schauen wir uns gegen Mittag unser erstes Boot an. Die Gipsy Moth. Von ihr hatten wir von Elke im Cafe Gato Negro erfahren. Sym, der Kapitän holt uns beim Club Nautico ab, wir fahren raus zum kleinen Boot. Dort warten bereits seine Frau Amy und die 9 Monate alte Ally. Ein sympathische Familie. Das Boot ist klein, aber gemütlich. Es gefällt uns. Wir sagen noch nicht gerade auf der Stelle zu, da wir uns noch den Katamaran von Gisbert anschauen wollen. Doch für uns beide ist wohl hier der Fall schon klar. Wir nehmen an, dass die 2 Plätze für uns reserviert sind. Wir fragen aber nicht danach, Sym sagt auch nichts anderes, auch nicht, dass dem nicht so ist. Wir wollen den beiden am Abend oder am nächsten Morgen Bescheid geben. Später am Nachmittage treffen wir uns noch mit Gisbert, dem zweiten Kapitän. Er bringt uns zu seinem Katamaran Santana. Grösser, auch nett. Aber für uns ist beide klar, dass wir auf die Gipsy Moth wollen. Abends bestätigt Moni dies gleich per Mail, Gisbert sagen wir fairerweise gleich ab.

Am nächsten Morgen machen wir bei Elke die Anzahlung für die Gipsy Moth, dann kaufen wir Plastikplanen für die Bikes. Die wollen wir einpacken, von anderen Radlern haben wir schon von verrosteten Ketten etc, gehört. Alles ist perfekt. Doch nachmittags kommt Moni ganz bestürzt ins Zimmer. Die Plätze auf der Gipsy Moth seien schon weg, sie hätte gerade ein Mail gekriegt. Zudem ist natürlich nun auch Gisberts Boot voll. So eine Scheisse. Das kann doch nicht sein. Nicht die feine englische Art von Sym. Wir sind beide ziemlich verärgert, hatten wir uns doch auf eine baldige Abfahrt gefreut. Von Elke kommt auch so ein saloppes Mail im Stil von:“ Hey Girls, es hat wohl keinen Paltz mehr auf dem Boot.“ Nachdem wir doch gerade eine Anzahlung und Bestätigung bei ihr gemacht hatten. Sie ist wohl einfach zu neu und unerfahren in dem Geschäft. Moni schreibt nochmals ein Mail an Sym, da kommt die Antwort, dass die Plätze nicht reserviert gewesen seinen und jemand anderes halt schneller war. Das Blöde ist nun, dass wir ohne Boot dastehen. Wir lassen uns in der Casa Viena gleich in die Liste für den 9ten eintragen. Dies wohl das Problem. In der Casa Viena läuft alles organisiert, es gibt Listen und gültige Reservationen. Bei anderen wohl nicht. Man lernt halt doch nie aus. Und zudem, wenn einem etwas gefällt, sollte man einfach zugreifen. Aber was nun? Wir hatten noch zwei Plätze auf der Stahlratte reserviert. Wenn dem denn noch so ist. Die geht aber erst am 11ten. Soll aber ein tolles Boot sein. Wir beschliessen, dort zuzusagen. Mal sehen, ob dies klappt. Abends kommt dann dort die Meldung vom Kapitän, dass er unser Bestätigungsmail blöderweise ungelesen gelöscht hätte…

Aber von der Stahlratte bekommen wir am nächsten Morgen eine Zusage. Gut, dann warten wir eben noch etwas länger hier. Es wird einfach langsam etwas langweilig. Obwohl wir eigentlich noch nicht wirkich etwas angeschaut haben. Aber tagsueber ist es einfach zu heiss. Aber irgendwie kriegen wir auch diese Tage noch rum. Denn erledigt ist nun eigentlich alles. Am Montag zeigt uns Ludwig, der Kapitän der Stahlratte sein Boot. Ein grosser Stahlsegler aus dem Jahre 1903. Sicher ein spezielles Boot. Die Crew ist gerade am Entrosten, sicher eine der Hauptbeschäftigungen mit so einem alten Stahlboot.

Zudem entwickelt sich nun hier ein neues Regenmuster. Ich wollte ja eigentlich früh morgens mal in das Centro, um die schönen Häuser zu fotografieren. Nun regnet’s einfach jeden morgen. Die Tage sind aber auch nicht mehr so heiss, da es meist auch tagsüber bewölkt bleibt. Das ist nicht so schlecht, denn der Schweiss rinnt mir ja nur schon vom Nichtstun runter. Tja, und jetzt mal sehen, was es sonst in Cartagena noch zu tun oder sehen gibt. Schlussendlich klappt es dann auch noch mit dem regenlosen Morgen. Früh geht’s los, es ist Sonntag, die Stadt noch nicht zum Leben erweckt.

Einige schlafen noch

Wir laufen durch die Gässchen des Centros, kreuz und quer, dann geht’s rauf auf die Stadtmauer. Auf ihr kann man die Stadt streckenweise umrunden.

Die Stadtmauer

Ganz schön breit, diese Mauern

Mittlerweile erwacht die Stadt, die Plätze und Strassen füllen sich langsam mit Farben und Leben. Und störenden Autos.

Weiss

Gelb

Rot

Ich laufe noch weiter durch die Gassen, nochmals zur Plaza San Pedro. Die stummen Schachspieler vertreiben sich weiter die Zeit, die schwarzen Fruchtverkäuferinnen, Palenqueras genannt, mit ihren farbigen traditionellen Kleidern machen sich bereit für ihren Tag.

Gelangweilt?

Farbenfrohe Palenqueras

Später gehts über die Plaza Bolívar wieder langsam zurück nach Gestsemaní, unser Wohnquartier. Dies uebrigens ein sehr nettes Quartier, viel authentischer und lebendiger als das Centro.

Weiter schauen wir uns das Castillo San Felipe de Barajas an. Das Fort steht in strategisch guter Lage auf dem kleinen Hügel San Lazaro.  Gebaut wurde das Castillo von den Spaniern unter Don Pedro Zapata de Mendoza im Jahre 1657 nach Plänen des Holländers Ricardo Carr. Später erweiterte Don Antonio de Arévalo die militärischen Mauern. Von hier aus wurde Cartagena de Indias von den verschiedensten Piratenangriffen der rivalisierenden Imperien geschützt.

Höchster Punkt im Castillo

Modernes und geschichtliches Cartagena

Weg über das Fort

Nach dem teuern Eintritt lassen wir uns noch breitschwatzen und nehmen einen Guía. Der soll sehr langsam sprechen, extra für Gringas. Die Gruppe wird immer grösser und grösser und der Guía spricht zwar langsam, aber in einem sehr unverständlichen Dialecto Costeño. Oder vielleicht liegt es einfach daran, dass der Señor doch nicht mehr ganz jung und eher zahnlos ist. Die wenigen Wortfetzen, die wir verstehen sind jedoch ganz interessant. Schade, wuerde man alles verstehen, waere es noch viel interessanter. Wir laufen auf dem Fort herum, und immer wieder geht’s in die Eingeweide des gewaltigen Baus. Die unteriridischen Gänge sollen 4 km lang sein. Alles ist strategisch so konstruiert, dass der Feind überraschend umgebracht werden konnte und mit cleveren Bauwinkeln und hervorstehenden Mauern wurde ein einfaches Eindringen des Feindes verhindert.

Als weitere Touristenattraktion schauen wir uns den Convento Santa Cruz de la Popa auf dem Cerro de la Popa an. Dieser kleine, fast 150 Meter hohe Hügel ist die höchste Erhebung in Cartagena und man hat einen tollen Blick über die ganze Stadt. Das darauf gebaute Kloster, der Convento, wurde im Jahre 1606 vom Augustinermönch Alonso García Paredes gegründet.

Klösterlicher Blick auf Cartagena

...

Auch hier oben stürzt sich natürlich gleich ein Guía auf uns. Wir schildern die Probleme des gestrigen Guías im Castillo und das wir das nicht wiederholt haben möchten. Der Señor spricht jetzt schon viel verständlicher und wir lassen uns führen. Es gibt einige interessante Informationen zur Stadt und zum Kloster. Dazu gehört, wer alles zeitweise in dem Kloster gewohnt hat, unter anderem Alexander Humbolt und Simon Bolívar.

Bienvenidos im Convento

Im Klosterhof mit Zugang zum Wasserreservoir

Natürlich gibt es in der klostereigenen Kapelle auch eine Virgen, die Virgen de la Candelaria, die Cartagena von der Pest und den feindlichen Piraten beschuetzt haben soll. Auch interessant ist, dass Cartagena bis zum Bau des künstlichen, 114 km langen Canal del Dique im Jahre 1582, keinen Zugang zu einem Süsswasserfluss hatte. Der Kanal schaffte aber eine Verbindung zum Rio Magdalena. Bis dahin wurde hier als Trinkwasser Regenwasser gesammelt, durch den Steinboden gefiltert und in riesigen Wasserzysternen gelagert. Heute kommt das Wasser von einem Aquadukt im Kanal. Aber wegen dieses Kanals soll das Meer um Cartagena seine türkisblaue Karibikfarbe verloren haben.

Nun brechen die letzten Tage hier in Cartagena an. Dies sind nicht nur die letzten Tage in Cartagena, sondern auch in Suedamerika. Nach 1 Jahr, 8 Monaten und ein paar Tagen auf dem suedlichen Kontinent geht es weiter nach Mittelamerika. Ich habe in der Zeit hier unten viele interessante Kulturen entdeckt, nette Menschen kennengelernt, mich mit den verschiedensten Castellano-Dialekten rumgeschlagen, Hoehen und Tiefen erlebt, wunderschoene Landschaften gesehen und einmalige Erfahrungen gesammelt. Auf die viel gestellte Frage hin, wo’s denn am schoensten war, habe ich nach wie vor keine Antwort. Jedes Land hatte etwas spezielles, einmaliges. Und ich hoffe, dass es in Mittelamerika so weitergeht, darauf bin ich nun schon sehr gespannt. So endet ein Teil dieser Reise, damit der naechste beginnen kann. Cool. Adios Sudamrica y hasta luego en Centoamerica.

Buenos Aires (Argentinien)  – Urugay – El Calafate (Argentinien) – Cartagena (Kolumbien), 03.10.2009 – 11.06.2011, 11’228 km

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