Somoto – Antigua, drei Grenzübertitte und viel Glück

23.07. – 01.08.2011. 648 km. Nun also wie versprochen der zweite Teil. Nach Nicaragua überfahren wir die Grenze nach Honduras, wo wir nur gerade 1,5 Tage verbringen. Dann folgt El Salvador, welches wir der Länge nach durchqueren. Teilweise der Steilküste entlang, welche wirklich schön ist. Dann folgt auch schon Guatemala, wo das Abenteuer beginnt. Inklusive Doppelpanne im Nirgendwo. Schlussendlich erreichen wir Antigua, nach langer Zeit wieder einmal auf der Ladefläche eines Pickups.

Route in Nicaragua: Somoto – El Espino
Route in Honduras: El Espino – Choluteca – San Lorenzo – Nacaome – El Amatillo
Route in El Salvador: El Amatillo – Santa Rosa de Lima – San Francisco Gotera – Chapeltique – Jucuapa – Usulután – Zacatecoluca – La Libertad – El Majahual – Cara Sucia – La Hachadura
Route in Guatemala: La Hachadura – Chiquimulilla – Ixpaco – El Cuje – Antigua

23.07.2011. Bei blauem Himmel verlassen wir Somoto. Die Temperatur ist hier oben noch ganz angenehm. Die Strecke bis zum Abzweig zum Cañon de Somoto ist die gleiche wie gestern. Hügelig rauf und runter. Danach geht es eine ganze  Weile rauf, wohl etwa auf 1’o00 m.ü.M. Nach ca. 20 km erreichen wir El Espino, und somit die Grenze zu Honduras. Wir suchen die nicaraguensische Migración und finden sie bald. Dies ist ein eher kleiner Grenzübergang, es hat fast keine Leute. Gut so. Und wieder müssen wir bezahlen. 2 $ je. Und zwar in Dolares. Dann geht’s auch in Cordobas, 50 je. Normalerweise wären das 44. Doch der eher mühsame Beamte ignoriert unsere Erklärungen. Ich strecke ihm 100 Cordobas hin, nun will er Dolares. Idiot. Die Cordobas werden von einem nebenan lauernden Geldwechsler gewechselt. Ok. Nun noch Geld wechslen. Natürlich ist der Kurs auch hier zum Davonlaufen. Dann geht’s weiter über die Grenze zur hondurischen, hondurensischen, oder wie auch immer, Migración. Auch dort bezahlen wir nochmals je 3 $, doch der Beamte ist anständig. Dann weiter, doch der Weg ist schon wieder versperrt. Aduana. Wir müssen die Pässe zeigen, ein Formular ausfüllen, fertig. Nichts bezahlen? Nein. Nichts wie weg hier. In Honduras erwartet uns ein straker Wind, und man glaubt es kaum, es ist Rückenwind. Es geht hügelig weiter, wir fahren nochmals ein ganzes Stück hoch. Die Landschaft in Honduras ist schroffer, es gibt mehr Felshänge. sonst bleibt alles grün. Aber es ist schön hier oben. Die Leute erscheinen fast netter als in Nicaragua, grüssen freundlich, sogar überschwenglich. Und ich warte auf das erste anzügliche Wort eines Mannes, hoffe, es kommt nicht. Doch lange lässt es dann nicht auf sich warten. Aber am Tag 1 sind die Männer hier etwas zurückhaltender. Wir machen eine Pause, im Schatten ist es mit dem Wind sogar kalt. Danach geht es nochmals eine Weile rauf, dann bietet sich die Sicht von oben auf Honduras. Grün.

Grüner Weitblick auf Honduras

Nun beginnt die Bajada. Sicher 15 – 20 km. Cool. Runterfetzen. Und es wird immer wärmer und wärmer. Wie komisch… Im Schatten einiger Bäume machen wir Mittagspause, dann sausen wir noch die letzten Meter runter. Nun ist es hiess. Flach geht’s noch ca. 20 km bis nach Choluteca. Nun keine Bäume mehr am Strassenrand, die Sonne brennt herunter. In Choluteca schauen wir uns am Ortseingang ein Hotel mit Pool an. Leider mit 35 $ fürs Zimmer viel zu teuer. Dafür gibt’s als Honduras-Einstand ein Glace. Dann suchen wir die Bomberos. Hier haben wir Glück und dürfen beleiben. Die Station ist relativ gross und interessant ist, dass gerade Kinder unterrichtet werden. Hier rekrutiert man künftige Bomberos schon früh. Auch Mädels sind dabei. Nach der Arbeit wollen die Kids natürlich noch ihr Englisch praktizieren. Ich unterhalte mich eine ganze Weile mit einigen, währen mir die 3 Monate alte Labradorhündin Morita in den Arm beisst. Sie soll zur Rettungshündin ausgebildet werden. Später gibts noch eine Tüte Chips, wir sind ja wieder in einem neuen Land, und in Costa Rica und Nicaragua verzichteten wir auf die sündigen Dinger. Aber so Papas Lays sind schon fein. Zum Abendessen gibt’s dann Pupusas, das sind gefüllte Tortillas und eine frittierte Hühnerbrust. Für einmal ist es viel zu viel, vor allem nach fast einer Tüte Chips. Zurück bei den Bomberos geht gerade der Alarm ab, ein Haus brennt. Und zwei der Kinder-Bomberos verbringen sogar die Nacht im Cuartel. Früh übt sich. Aber es ist ja Samstag, da geht so was schon.

In Honduras erscheinen mir die Leute fast etwas freundlicher als in Nicaragua. Alle winken, die Leute grüssen von sich aus und strahlen und winken fast überschwenglich, wenn man winkt. Auch die Frauen grüssen offen und freundlich. Und lange kommt von den Männern kein gepfeiffe und Gerufe. Ich hatte schon Hoffnungen. Doch ich habe mich zu früh gefreut. Auch hier fängt es bald an, jedoch etwas unaufdringlicher. Doch bis jetzt hat noch keiner nach Geld gefragt. Schade, dass wir nur kurze Zeit in Honduras verbringen werden. Aber das sind nun vielleicht alles die berühmten „Tag-1-Eindrücke“. Am ersten Tag bin ich immer total unvoreingenommen. Die bis jetzt gesehenen Pferde und Esel sind gut genährt, dies war in Nicaragua meist nicht so. In den Dörfern stehen teilweise ganz edle Häuser und auch in kleinen Dörfen hat es eine Badeanlage. Die Einfahrt ins grössere Choluteca ist amerikanisch, Pizza Hut, Wendy’s, American Coffee. Honduras scheint etwas wohlhabender zu sein, obwohl in Choluteca dann auch eine ganze Familliensippe nach Essen bettelt. Aber auch hier wird noch Entwicklungshilfe geleistet.

24.07.2011. Bei strahlenden Himmel verlassen wir die Bomberos. Das wird wieder ein heisser Tag. Über eine Brücke raus aus der Stadt, dann wird die Strasse hügelig, später wieder flach. Ich fahre weider an vielen Leuten vorbei, die meisten winken wieder energetisch, die Kinder rufen: „Gringo. Gringo!“ und winken fröhlich. Doch vereinzelte gucken eher grimmig, nehmen kaum Notiz. Und heute werden einige Männer wirklich fast schon lästig, brüllen und grölen ihre Sprüchlein. Ein Betrunkener, der mitten auf der Strasse läuft, macht mich übel an. Dann eine Schar Jugendlicher, sie kreisen mich ein, betatschen mich. Das ist definitv ein Eingriff in meinen persönlichen Freiraum. Gestern fand ich es noch schade, dass wir nur so kurze Zeit in Honduras sein werden, heute ist der Gedanke eher positiv. Vielleicht etwas beschränktes Denken, aber so fühle ich heute. Wenigstens haben wir seitlichen Rückenwind. Wir erreichen San Lorenzo, dort macht die Strasse eine Biegung, Gegenwind. Und sogar ziemlich starker. Doch nur für ein paar Kilometer, bis zur nächsten Kurve. Wir fahren über einige ziemlich moderene Brücken, in den Flüssen waschen die Frauen Kleider.

Waschtag

Wir erreichen Nacaome, dort tanken wir Wasser nach. Heute fliesst der Schweiss wieder in Strömen, da muss viel Wassernachschub her. Weiter geht’s, nun folgen teilweise grössere Steigungen. Bei dieser Hitze fast schon grenzwertig, mein Kopf scheint platzen zu wollen. Dann, nach 87 km, El Amatillo, Abzweigung zum Zoll. Wir werden zur Migración gelotst, die Señora schaut die Pässe an, Stempel drauf, fertig. Ohne etwas zu bezahlen. So geht’s auch. Wir wechseln unsere Lempiras in Dolares, was für ein Verlustgeschäft, denn die Lempiras waren die gewechselten Cordobas. Von dieser Perspektive aus gesehen ist der Dollar schon einfacher zu handhaben. Vor allem jetzt, wo er so tief ist. Dann weiter nach El Salvador, zur dortigen Migración. Auch dort alles schnell, unkompliziert, kostenlos. So schnell waren wir wohl noch nie über einer Grenze.

Willkommen in El Salvador...

In El Salvador kaufen wir uns als erstes ein Gatorade. Das rehydriert vielleicht etwas schneller als warmes Wasser. Dann rein in ein neues Land, in Richtung Santa Rosa de Lima. Die Strasse bleibt hügelig, es ist immer noch heiss, die Leute winken freundlich, die Männer pfeiffen und rufen, aber irgendwie ganz anständig. Tag-1-Eindruck? Es folgt wieder mal eine Steigung, in der Kurve steht ein Auto, zwei Señores stehen davor und halten uns je ein Gatorade und ein Wasser entgegen. Was für ein Streckenposten. Und was für ein Willkommen in El Salvador. Sie würden uns und unser Tun bewundern, meinen sie. In Santa Rosa wollen sie uns noch zu einem günstigen Hotel bringen. Auch gut. Sie fahren schon mal vor, wir strampeln die letzten Hitzekilometer runter. Wir erreichen den Abzweig in den Ort, doch da ist niemand. Wir fahren rein, schon bald hupt’s neben uns. Wir folgen dem grossen, schwarzen Pickup bis zum Hotel Larius oder ähnlich. Hm, sicher nicht unsere Preisklasse. 30 $ für ein Zimmer. Wir fragen, ob sie uns zu etwas Günstigerem fahren könnten. Da zückt der eine einen 20iger, sagt dem Typen vom Hotel, es solle uns ein anständiges Zimmer geben. Wir protestieren, doch da kommt nur, er wolle, dass wir gut ausruhen. Na dann. Wir bekommen ein Zimmer mit Doppelbett, das eine oder andere funktioniert nicht, doch einem geschenkten Gaul… Nun wollen uns Nelson uns Santos, so heissen die beiden, auch noch zum Nachtessen einladen. Ok, na gut. Wir wollen zuerst duschen und Kleider waschen. Aber um 17.30 Uhr sind wir bereit. Überpünktlich klopft es an der Tür. Mit dem Pickup fahren wir zu Burger King. Mann, ich war schon ewig lange nicht mehr in einm Burger King. Soweit ich mich erinnere, war das 1994 in Amsterdam, auf der Maturareise… Es gibt natürlich ein Hamburger-Menu. Wir plaudern mit den zweien, klar kommt bald die Frage nach unserem Männerleben. Wir haben schon vorher beschlossen, dass wir einfach sagen werden, wir seinen beide verheiratet. Dies tun wir auch, somit sind wir wohl nicht mehr ganz so interessant. Aber wir dürfen trotzdem noch ein Dessert aussuchen. Schon etwas peinlich, wir bestellen was wir wollen und ein so quasi Wildfremder muss bezahlen. War aber schliesslich seine Iddee. Dann zeigen uns die beiden das Dorf, auf der Plaza essen wir unser Glace und bald werden wir heimchauffiert. Die zwei verabschieden sich, wir bedanken uns tausendmal. Wieder im Zimmer klingelt das Telfon. Der junge Dueño des Hotels. Er will uns zwei Wasser bringen. Und ein bisschen schwatzen. Bald kommt er, fragt, ob wir schon gegessen hätten sonst würde er uns zum Nachtessen einbladen. Oder zur mexikanischen Grenze fahren. Dem Typen muss extrem langeilig sein. Mal sehen, was El Sanlvador sonst noch bieten wird.

25.07.2011. Wieder einmal strahlt der Himmel blau, als wir Santa Rosa verlassen. Es geht hügelig weiter, immer wieder fahren wir lange hoch. Dann die Abzweuigung auf die „Ruta de la Paz“ nach San Francisco Gotera. Es hat immer noch viel Verkehr, doch keinen Seitenstreifen mehr. Dann San Francisco Gotera. Wir fahren ins Zentrum, suchen die Touristeninfo. Durch den farbigen Markt, weiter zur Casa de la Cultura. Diese Region hat im Bürgerkrieg eine wichtige Rolle gespielt, daher gibt es auch die Ruta de la Paz. Doch die geht in Richtung Honduras und Museum gibt’s hier keins. Während Moni diese Infos in der Casa holt, warte ich draussen und werde bald von einem Señor angequatscht. Er redet von einer verflossenen schottischen Liebe und fragt nach einer Weile, ob ich meine Sonnenbrille abnehmen könnte. Klar. Dann haut es ihn fast um, als er meine blauen Augen sieht. Genau wie seine Verflossene. Schön für ihn, ich sage ihm mal, dass ich schon verheiratet bin. Wir fahren weiter in Richtung Yamabal. Die Strasse wird schmaler, der Verkehr nimmt rapide ab. Zum Glück, denn die Strassenbauer waren wohl Panamesen, einige Stücke sind so steil, dass sie nur im Zickzack zu bewältigen sind. Und das bei dieser Hitze. Aber die Aussicht ist ganz schön, mit Blick auf den Volcán de San Miguel.

Flach, hügelig, Volcán de San Miguel

In Yamabal gibt’s Gatorade, da muss gleich je eins her. Rehydrierungsnachschub. Dann weiter nach Guatajiagua, hügelig. In Chapeltique biegen wir in Richtung Ruta 1 ab, die Strasse wird wieder breiter, der Verkehr nimmt zu. Doch der Asphalt ist mehr Löcher- und Flickenteppich, es geht langsam vorwärts. Schlussendlich erreichen wir die Ruata 1 in Richtung San Salvador. Viel Verkehr, mieser Seitenstreifen und es geht noch kilometerlang hoch. Das war wohl ein etwas zu hoch geschätztes Ziel heute, bis nach El Trifuno zu fahren. Aber hier gibt’s nichts anderse mehr. Die Strasse führt zwar wieder runter, doch El Trifuno ist nicht dort, wo wir es gemäss Karte vermuten. In Richtung Jucuapa soll nach 1,5 km ein Autohotel folgen. Wir wollten zwar eine anderen Strasse über die Vulkane an die Costa nehmen, doch diese führt auch auf die andere Seite. Aus den 1,5 km werden auch noch gute 4 km, dann das Auto-Hotel Sueño Real. Ein Pittbull begrüsst uns bellend. Ein Auto-Hotel ist ja auch Motel oder Stundenhotel. Daher werden wir vom mit Sturmgewehr  bewaffneten Señor gefragt, ob wir 1 oder 3 Stunden bleiben wollen. „Die ganze Nacht.“ Das kostet 12 $. Das geht ja noch. Wir haben unsere eigene Garage, von der aus führt eine Treppe ins Zimmer. Auf er anderen Seite noch eine Zimmertür mit Holzbox dran, für den Service. Dieser ist 24 h per Telefon erreichbar, einfach die 0 wählen. Wir trinken auf unserem Ledersofa ein Gatorade und weil’s so gut tut, wähle ich die 0 und bestelle gleich noch zwei. Die werden bald anonym in die Box geliefert. Nicht schlecht. Natürlich gibt’s hier nirgends ein Restaurant, also werde ich nach fast 95 km in Hitze und über steile Hügel noch kochen müssen. Und wie es sich für ein Stundenhotel gehört, tue ich dies nackt. Alles andere wäre trotzt Klimaanlage zu heiss.

26.07.2011. Wir fahren die letzten paar Kilometer hoch nach Jucuapa. Dort fragen wir nach dem Weg nach Santiago de Maria. Tja, das liegt nicht auf dem Weg. Wir befinden uns auf einer anderen Strasse, die auf der Karte nur als Schotterpiste eingezeichnet ist. Auf bestem Asphlat fahren wir noch 5 km weiter hoch, dann folgt schon die Bajada. Wir überqueren hier die das Land durchquerende Vulkankette. Die Bajada ist cool, schnell, mach viel Spass. V.a. das Hunde-aus-dem Weg-Hupen. Nach 15 km Runtersausen erreichen wir die grössere Stadt Usulután. Überall Stände mit Früchten, Essen und Sonstigem. Und ein grosser Supermercado. Da gehe ich schnell einkaufen, Mittagessen und ein paar persönliche Dinge. Dann durch das Gewühl aus der Stadt raus. Wir fahren nun auf der Carretera Principal 2. Hier mit breitem, holperfreiem Seitenstreifen. Wie schön. Und hier an der Costa ist es auch nicht heisser als vorher. Aber natürlich immer noch heiss. Der Schweiss läuft. An der Strasse werden immer wieder Wassermelonen verkauft.

Überall Melonen, gross aber eher fade

An einem Stand kaufen wir uns einen Schnitz. Der sieht schon nicht sehr süss aus, das Fruchtfleisch weisslich, er ist dann auch eher geschmackslos. Aber etwas Flüssigkeitsnachschub. Die Strasse geht flach oder minim hügelig weiter, vorbei an weiteren Vulkanen oder trocknendem Mais. Der liegt einmal einfach so auf dem Seitenstreifen einer der Hauptachsen durchs Land.

Maistrocknen auf salvadoreñisch

Langsam macht sich wieder Hunger breit. Ich hätte Lust auf Pupusas. Dies sind eben die gefüllten Tortillas, aus Reis- oder Maismehl hergestellt und gebraten. Wir hatten in Honduras schon solche probiert, die in El Salvador sollen besser sein. Meinte natürlich ein Salvaroreño. Wir fahren an einigen Pupuserias vorbei, doch es gibt gerade noch keine. Dann halt eine Pipa. Hier wird das Kokoswasser in Tütchen gefüllt, das noch glibbrige Fruchtfleisch kommt mit dazu. Und dieses ist eindeutig Geschmackssache. Meiner ist es nicht. Weiter geht’s, dann am Strassenrand ein Stand, und die Señora macht gerade frische Pupusas. Mit Käse und Bohnen gefüllt. Perfekt. Es ist 11.30 Uhr, könnte gleich das Mittagessen sein. Wir bestellen mal je eine. Die Teile sind so lecker, dass noch 3 folgen. Sie sind hier wirklich besser als in Honduras. Die Señora setzt sich zu uns und wir schwatzen eine Weile. Eine sehr interessante Frau. Dann kommt ihre 5-jährige Enkelin. Die kleine ist sehr neugierig, fragt und fragt. Dann will sie wissen, warum meine Ausgenbrauen- und wimpern weiss seien. Ich erkläre ihr, dass Leute in Europa verschiedene Augen-, Haar- und Hautfarben haben. Plötzlich  beginnt sie zu weinen. Ich würde ihr Angst machen. So was, das passiert mir auch das erste Mal. Die Señora meint, dass Evelin noch nie jemanden wie mich gesehen hätte. Tja, es gibt immer ein erstes Mal. Aber vielleicht hat auch die Schlange, die auf meiner Tasche sitzt, noch etwas mit der Angstattacke zu tun.

Mein knallgrüner Begleiter. Ganz schön gfürchig.

Wir dürfen noch eine Tortilla mit Käse probieren und trinken ein Natural de Chan. Schmeckt wie Kaugummiwasser. Dann tauchen drei Leute auf, eine sehr amerikanische wirkende Tussie, 2 Latinos. Sie ist Philippinin, lebt mit ihrem salvadoreñischen Mann aber in Kanada. Sie lavert eine Weile, ich gehe mal zahlen. 2 $ will die Señora für 8 Pupusas, der Rest ist offereiert. Wow, sehr nett. Dann brechen wir auf, vollgefressen rein in die Hitze. Ächz. Etwa 12 km vor Zacatecoluca ein weiteres Auto-Hotel. Wir müssen in keine Stadt, also bleiben wir da. Dieses wird von einem Rottweiler bewacht. Es ist 14 Uhr, es bleibt Zeit fürs Kleiderwaschen, eine kleine Siesta und Routenplanung nach Guatemala. Dann koche ich wieder, das ist der einzige Nachteil von Auto-Hotels. Meist ist kein Restaurant in der Nähe. Und Auto-Hotels sind hier in El Salvador eine gute, günstige, und saubere Übernachtungsmöglichkeit. Empfehlenswert. Auch für Nicht-Paare…

27.07.2011. Noch knappe 12 km fahren wir bis nach Zacatecoluca. Es geht leicht rauf, meine Beine fühlen sich irgendwie müde an. Und der Himmel strahlt ein weiteres Mahl freundlich blau, es ist schon warm. Rechts weitere Vulkane.

Morgenstimmung mit Vulkan

Es folgen diverse Abzweigungen für die Umfahrung von Zacatecoluca. Dann auf der Gegenseite zwei Ciclistas. Moni fährt wieder mal an ihnen vorbei, sieht sie nicht. Ich halte, schwatze eine Weile mit Paul, Amerikaner, und Javier, Spanier. Javier ist unterwegs von Alaska nach Ushuaia, Paul, von Washington nach Brasilien. Dann muss ich weiter, ich kann ja nicht allzu lange schwatzen, Moni wird warten. Leicht hügelige Strasse , flache Landschaft, heiss. Bis zur Abzweigung nach La Libertad. Nun wird die Landschaft bergiger, viel Wald am Strassenrand. In Talca kaufen wir in einem von zwei schwer bewaffnteten Securities bewachten Supermercado ein paar Dinge. El Salvador soll eines der Länder mit der höchsten Kriminalitätsrate in Lateinamerika, sogar weltweit sein. Es gibt eine sehr hohe Bandenkriminalität. Diesen Banden wie z. B. der Mara Salvatrucha gehören sogar Kinder an. Unter solchen Umständen versteht sich auch die grosse Absicherung überall. Dann folgt schon La Libertad. Ich sehe wieder einmal den Pazifik. Er güggselt aus den Häuserlücken hervor. In fast türkisblau. Und es hat grosse Wellen hier. Der ganze Küstenabschnitt soll ein Surferparadies sein. In El Majahual beschliessen wir, ein Hotel zu suchen. Doch hier zahlt man für den Tag und für die Nacht. Der Chico vom Santa Fe schlägt vor, wir könnten uns für je 2 $ draussen verweilen, im Pool oder so, und um 17 Uhr das Zimmer beziehen. Dann zahlen wir nur die Nacht. Welche mit 24 $ auch nicht billig ist, aber wir werden das Meer eine Weile nicht mehr sehen. Wir essen an einem Restauranttsich zu Mittag, der Chico hängt zwei Hängematten für die Siesta auf. Die etwas böse Überraschung kommt später, als wir noch je 2 $ für die Hängematten bezahlen müssen. Man sollte doch immer nach dem Preis für alles fragen. Dann noch eine kurze Abkühlung im Pool. Später gehen wir zum Strand runter. Die Strandpromenade ist ziemlich ausgestorben. Auch alle Restaurants sind menschenleer.  Doch auch in der Leere geistern schwerbewaffnete Securities rum. Wir gehen ans Wasser, laufen eine Weile über den schwarzen Lavasand und schauen den Riesenwellen zu. Da sind sicher 5- 6 Meter hohe dabei. Ein paar Einheimische spielen Fussball, andere grillen. Am Strand herrscht doch etwas mehr Leben.

Am Strand von El Majahual

In einem der ausgestorbenen Restaurants wird uns dann auch noch ein Abendessen serviert. Reis, Rührei und Bohnen, püriert. Hier gibt’s wohl keine ganzen Bohnen mehr. Im Hotel springen wir nochmals in den Pool, wenn’s schon mal einen hat. Dann kuschle ich mich in die warme Steppdecke, die Klimaanlage dröhnt über mir. Verrückt, aber gemütlich.

28.07.2011. In der Nacht regnet es, natürlich gerade heute, als unsere Räder draussen stehen. Halb so schlimm, wir begeben uns wieder auf die Strasse. Rauf und runter geht es durch die weitern Strandorte, El Zunzal, El Palmarito, etc. Da hätte es Surf-Guesthouses gegeben, die sicher nicht Tages- und Nachtpreise haben. Das Geräusch der sich brechenden Wellen begleitet uns. Dann eine lange Steigung, oben ein Mirador auf der Steilklippe.

Steilküste und Wellenblick

Faszinierend

Wir schauen den Wellen eine Weile zu, dann geht’s weiter. Ein paar Meter weiter oben Restaurants. Ein Kaffee mit Wellenblick wäre schon cool. Doch alle sind noch zu. Doch nein, da ist jemand, das Restaurant El Navegator ist schon auf. Wir setzen uns an einen Tisch mit Meerblick. Für 3 $ gäbe es noch Frühstück. Sollen wir? Nicht billig, aber wieso auch nicht. Wir bestellen zwei Desayunos tipicos, Eier, Platanos, Bohnenpaste, Crema und Tortillas. Dazu einen Kaffee und ein Jugo. Die Frühstückszubereitung dauert eine ganze Weile, wir blicken fasziniert auf die Wellen. Cool, wenn wieder ein Set von grossen Wellen kommt, dann ist’s wieder eine Weile ruhiger. Dann kommt unser zweites Frühstück.

Desayuno tipico

Nicht gerade eine Riesenportion für 3 $, aber danach bin ich pappensatt. Mit vollen Bäuchen machen wir uns wieder auf den Weg. Es geht runter nach El Zonte, dann folgen viele lange Subidas und Bajadas. Die Bergausläufer reichen hier bis an die Steilküste, es ist gut hügelig . Und heiss. Immer wieder halten wir an Miradores und bestauenen das Meer.

Schon schön, die Steilküste El Salvadors

Zudem geht’s insgesamt durch fünf Tunnels,der längste ist 500 Meter lang. Drinnen ist’s jeweils stockdunkel, Fledermäuse schwirren umher. An den Eingängen sammeln Einheimische das aus dem Gestein fliessende Wasser. Wasser scheint hier sowieso ein Thema zu sein. Die Leute laufen mit grossen Behältern rum, müssen Wasser entfernt vom Haus holen. Die Frauen tragen die Last dann oft auf dem Kopf. Wir stramplen weiter durch die extreme Hitze, dann wird’s flach. Zeit für die Mittagspause. Kaum angehalten, werde ich von Moskitos nur so angefallen. Die Stirn, Augenbrauen,  Haare, Beine, Arme, einfach überall. Sauviecher. Doch vor dem Antimoskito muss ich die Sonnencreme neu auftragen. Gelegenheit für noch mehr Stechattacken. Dann endlich Autan einsprühen, dieses verätzt einem dafür fast die Schleimhäute. Nun werde ich aber in Ruhe gelassen. Noch 30 km fehlen bis Acajutla. Diese sind flach, die Sonne brennt gnadenlos runter.

Taller de Bicicletas am Strassenrand

Wir hoffen, auf dem kleinen Stück Ruta 12 ein Auto-Hotel zu finden, denn Acajutla wäre eine Sackgasse. Gleich an der Abzweigung nach Cara Sucia ein Hotel. 16 $ pro Person. 1 km weiter in Richtung Acajutla das Auto-Hotel Puerto Escondido. Da kostet die Nacht 17 $. Das nehem wir, zumal nur noch ein Zimmer frei ist. Dieses Hotel scheint gut besetzt zu sein. In der Garage höre ich dann auch das laute Stöhnen der Nachbarin. Na ja, das gehört eben an so einem Ort dazu. Das Zimmer ist fast schon nobel, grosses Sofa, Raum zweigeteilt. Im Preis ist noch ein Getränk inbegriffen. Dieses wird natürlich wieder durch die hier sehr grosse Anonym-Box geliefert.

Boxlieferung

29.07.2011. Wir fahren wieder zurück zur Kreuzung, dann nehmen wir die Strasse nach Cara Sucia. Nun hat es viel Truckverkehr. Acajutla ist der wichtigste Hafen El Salvadors, und 13 km nach Cara Sucia folgt die grenze zu Guatemala. Die Strasse zieht sich ganz leicht hügelig bis flach durch die Landschaft. Der Himmel ist bewölkt, in der Nacht hatte es geregnet. Wir kommen gut voran. Dann stellt Moni wieder mal ein etwas plattes Hinterrad fest. Hoffentlich hilft nachpumpen, bis Cara Sucia ist es nicht mehr weit. Dort treffen wir gegen 8.30 Uhr ein. Heute wollen wir noch einen kleinen Ausflug in den Parque Nacional El Imposible machen. Doch im Dorf weiss niemand, wie man dorthin kommt. Aber in der Alcaldia soll man uns weiterhelfen können. Moni repariert ihren Platten, während ich mich auf den Weg in die Alcaldia mache. Das Gepfeiffe der Männer wird nun auch hier ziemlich  lästig. Ich finde die Alcaldia nach ein paar Umwegen und falschen Wegbeschreibungen, gehe rein und werde gleich nach meinem Bedürfnis gefragt und hochgeführt. Da findet gerade eine Sitzung statt, aber ein älterer Señor nimmt sich meinen Fragen an. Nun, es fährt ein Bus zum Dorf San Migualito, von dort muss man noch hochlaufen und zudem ist die Rückfahrt etwas ungewiss. Der Señor hat aber noch einen Amigo, der uns für 20 $ hochfahren, warten und runterfahren könnte. Hm, dann noch je 6 $ Parkgebühr und der Guía wird auch noch kosten. Ganz schön teuer. Ich berede das mal mit Monika, wir werweisen eine Weile, und beschliessen, in den Park zu fahren. Ich gehe wieder in die Alcaldia, nun sind alle weg, doch ein junger Chico ruft den alten Señor an, der nun auf der Placita auf uns wartet. Also mit Rad, dahin, der Señor ruft den Amigo an, in 20 Minuten soll’s losgehen. Schnell ins Hotel, Velos verstauen, Sachen packen, in der Panaderia was fürs Mittagesen kaufen. Diese übrigens auch von einem Security mit Flinte bewacht. Da stehen auch ganz lecker Kuchen drin. Dann zur Placita. Doch wir sind etwa 10 Minuten zu spät, werden schon gesucht. Der Pickup kommt angefahren, wir springen locallike auf die hintere Ladefläche mit Holzbank. Dann geht’s los, ganz schön windig und wenigstens nicht mehr heiss. Der Pickup biegt auf eine Schotterpiste ein. Auf Schotter, Riesenpflastersteinen, Asphaltstückchen und Bachbettstrasse geht’s langsam hoch. Immer wieder vorbei an Häusern. Zum Glück sind wir da nicht mit den Bicis rauf. Wir hätten ganz schön geflucht und wahrscheinlich für die 15 km eine Woche gebraucht. Mit Pickup geht’s eine knappe Stunde, dann der Parkeingang. Eintritt je 6 $. Im Park bekommen wir eine Guía. Heute hat’s hier oben auch eine Riesenschar Schüler. Noch schnell aufs Klo, in dieser Zeit laufen die Kids los. Schlechtes Timing, denn bald treffen wir wieder auf die Schüler, oder besser den Schülerstau, und der ist lange. Tja, da haben wir einen schlechten Tag erwischt. Einige der Chicas laufen doch tatsächlich in Ballerinas, eine meint schon jetzt:“Me duele todo.“ Ich denke nur, warte mal den morgigen Tag ab… Bei der Abzweigung zum Piedra Ballena können wir überholen. Der Wald ist nun dicht, eigentlich ganz schön cool. Doch leider beginnen meine Sehnen in den doch etwas zu grossen Turnschuhen zu schmerzen. Die Guía erklärt nicht gerade viel, wir jagen über den Trampelpfad nach unten. Wir erreichen den Fluss, ein freidlicher Ort, zwei Naturpools.

Natur pur

Schnell ins Badekleid und rein in den tieferen Pool. Puh, das Wasser ist kalt. Und die Sonne scheint auch nicht mehr. Wir drehen ein paar runden und knapp vor dem ersten Schüler sind wir wieder angezogen. Bald sind wir umlagert. Wir essen noch kurz was, da reicht uns eine Señora einen Becher Kaffee. Was die alles mitschleppen… Mittlerweile tröpfelt es. Wir machen uns auf den Weg, schauen uns noch eine Petroglyphe an. Dann wieder hoch. Bald regnet es, nun ist es fast schon finster in dem dichten Wald. Dann strömt es, in Kürze sind wir total durchnässt. Na ja, so sparen wir uns die heutige Dusche. Die Weglein werden zu Bächen, die Schuhe sind bald durchnässt. Der Vorteil von nassen Schuhen, man kann einfach durch Bäche laufen. Wir haben da keine Hemmungen mehr, die Guía ist anfangs noch etwas zögerlich. Das Laufen durch den wortwörtlichen Regenwald mit seinen Sturzbächen macht doch irgendwie auch Spass. Dann erreichen wir das Rangerhaus. Schade. Und der Regen lässt auch langsam nach. Unser Fahrer ist auch noch da, wir machen uns auf den Rückweg. Oben beim Parkeingang gibt’s auch ein Hostal und Cabañas. Der Park ist wirklich schön und vielleicht verbringt man eher ein paar Tage in Ruhe da, als an einem halben Tag irgendwohin zu hetzen. Im Hostal gibt’s erst mal trockene Kleider, dann laufen wir etwas durch Cara Sucia. Internet wäre nicht schlecht, doch um 17.30 Uhr ist alles schon zu. Später laufen wir zur Pupuseria auf der anderen Strassenseite. Käse-Bohnen-Pupusas. Perfekt. Und die drei Señoras extrem nett. Ich schaue der einen interessiert beim Pupusamachen zu. Das will ich daheim auch ausprobieren. Und zum Üben darf ich schon mal eine machen. Die dürfen wir nachher auch noch essen. Ist natürlich die beste von allen!

30.07.2011. Der Himmel ist bewölkt, als wir Cara Sucia um 6 Uhr verlassen. Flach-hügelig geht es weiter und nach guten 10 km folgt schon La Hachadura, die Grenze zu Guatemala. Wir fahren zur salvadoreñischen Migración, dort steht schon eine lange Schlange. Schlechtes Timing, sind wohl gerade Busse angekommen. Und diese transportieren wie es scheint v.a. ältere Leute. Denn Personas de tercer Edad dürfen nach vorn, in eine separate Schlange. Und von Drittaltrigen hat es ziemlich viele. Wir warten eine Weile, dann sind wir dran. Die Ausreise ist ganz einfach und kostenlos. Nach dem obligaten Geldwechsel geht’s über die Puente Internacional nach Guatemala. Wir sind vor den Bussen da, bei der guatemaltekischen Migración ist niemand. Auch hier alles ganz einfach, kein Geld fliesst und nach ca. 1 Stunde sind wir über der Grenze. Die Grenzübertritte sind doch jedesmal spannend, irgendwie erwarte ich nach wie vor etwas Neues im nächsten Land. Die Leute sind sehr freundlich, winken und grüssen sehr aufgeschlossen. Das Tag-1-Phänomen? Die Landschaft bleibt gleich, die Hügel werden etwas höher, es bleibt heiss, denn mittlerweile scheint die Sonne.

Auch in Guatemala ist es hügelig grün

Wahlkampfstrassenkampagne

Und hier finden Ende September ebenfalls Wahlen statt. Der ganze Strassenrand wird als Werbefläche genutzt. Dann eine Umleitung. Auf Schotter geht’s weiter, oder holpert es weiter. Eine nette Abwechslung. Dann eine durchlöcherte Asphaltstrasse und wir sind wieder zurück auf der CA2. Bald folgen ein paar Tiendas, in einer gibt’s genau noch zwei Gatorades. Die sind für uns. Dann wieder aufgestanden. Die Beine schmerzen schon etwas von der gestrigen Wanderung. In einer anderen Tienda macht eine Señora gerade eine Tortilla. Sieht gut aus. Warum nicht probieren, ist sowieso bald Zeit fürs Mittagessen. Tortilla con Queso y Pollo. Ganz schön gross, so eine Tortilla. Und ziemlich lecker. An der Esstechnik können wir sicher noch feilen. Aber wir sind ja noch ein lange Zeit in der Tortillaregion. Nun müssen wir mit vollen Bauch wieder in die Hitze. Uff, ganz schön heiss. In der Mittagspause haben wir noch kurzerhand beschlossen, über Chiquimulilla zu fahren. Die Abzweigung folgt, es geht hoch. Schweiss rinnt. Gemäss Karte sollte die Stadt in ein paar Kilometern folgen, doch wir sind gleich mittendrin. Wir fragen mal nach den Bomberos, doch oh nein, die sind ganz unten auf der anderen Seite. Alles wieder rutner? Nö. Wir suchen eine Unterkunft und finden bald etwas Günstiges. Kein Luxuszimmer, aber mit 50 Quetzales (ca. 6 $) ziemlich günstig. Und kaum sind wir drinnen, öffnet der Himmel seine Schleusen.

31.07.2011. Nach Chiquimulilla geht’s kurz runter, dann steigt die Strasse. Und hört nicht mehr auf zu steigen. Einzelne Abschnitte sind extrem steil. Ich wusste, dass es heute raufgehen wird, aber so ganz unverhofft und so steil… Wir sind beide etwas überrumpelt. Vor allem meine immer noch schmerzenden Waden. So geht es rauf, es hat wenig Verkehr und der Wald, durch den wir fahren ist eigentlich ganz schön. Wir erreichen eine Kuppe, gleichzeitig auch lokale Müllentsorgung.

Lokale Müllkippe am Strassenrand

Müllentsorgung ist hier wie schon in vielen Ländern zuvor etwas gewöhnungsbedürftig und sicher noch verbesserungsfähig. Alles wird einfach irgendwo in die Natur geschmissen. Dann geht’s runter, wieder rauf, runter, rauf. Wir erreichen den Abzweig nach Ixpaco. Eine steile Schotterstrasse führt hoch. Schottrig soll’s gemäss Einheimischen weitergehen, zudem müssten wir einen Bach druchqueren. Oder auf Asphalt bleiben? Wieder mal etwas Abenteuer kann nicht schaden. Wir nehmen die steile Schottersteigung in Angriff. Puh! Dann wird’s flacher. Bei den ersten Häusern essen wir ein paar Cracker, rauffahern macht hungrig. Wir werden von vielen bunten Schmetterlingen umflattert.

Diesem Exemplar gefällt mein Lenker, oder der Schweiss, der darauf klebt

Dann weiter. Es folgt ein Stück Carretera empedrada mit steiler Steigung. Da geht nur noch schieben. Aber der Abschnitt ist kurz. Zum Glück. Auf den Steinen finde ich mit den Sandalen eher rutschigen Halt.

Carretera empedrada, da ist hochstossen angesagt

Danach ist Monis Hinterreifen wieder eher platt. Sie pumpt nach, in der letzten Zeit eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Danach fahren wir wieder durch Schwärme von Schmetterlingen. Das ist echt cool. Der Himmel verdunkelt sich schon länger. Nun fallen die ersten Tropfen. Wir stehen gerade neben einer Tienda und einem Unterstand. Fahren oder unterstellen? Unterstellen. Kaum sind wir unter dem kleinen Dach, schifft es in Strömen. Unterstellen war eine gute Entschiedung. Da stehen wir nun und schauen dem Regen zu. Als dieser etwas nachlässt, gehen wir zur kleinen Tienda. Heute braucht’s kein Gatorade, eine heisse Tasse Kaffe wäre besser. Macht uns die Señora. Bezahlen müssen wir den Kaffee auch nicht. Geschenkt. Neben uns zwei betrunkene Señores. Immer wieder kommen sie näher, doch die Señora weist sie zurecht und zurück. Wir trinken den heissen Kaffee und schauen weiter dem Regen zu. Der lässt nach, wird wieder stärker, usw. Doch ewig können wir hier nicht stehenbleiben. 12 km sind es noch bis zum Pueblo Neuvo Viñas. Als der Regen wieder mal nachlässt, machen wir uns auf den Weg. Runter, rauf, dann eine weissliche Lagune und Schwefelgeruch. Schade, dass es hier regnet, die Lagune sieht ziemlich interessant aus.

Schwefellagune

An Häusern vorbei geht es runter, die Strasse gleicht eher einem Bach. Ein richtiger Bach folgt bald, die Brücke über diesen wurde vor einiger Zeit weggeschwemmt. Einige Einheimische stehen ratlos auf beiden Seiten. Ich laufe in den Fluss, um die Tiefe zu testen. Knapp knietief, in der Mitte mit stärkerer Strömung.

Flusstiefentest

Wir tragen die Vordertaschen und die Lenkertasche rüber. Die Einheimischen schauen uns zu, dann wagen sich erste rein. Wir helfen ihnen bei der Durchquerung. Immer mehr wollen nun rüber, wir sind eine ganze Weile mit Helfen beschäftigt. Aber zum Glück hat der Regen aufgehört, die Sonne drückt sogar durch. Dann holen wir die Bicis, zu zweit schieben wir eins nach dem anderen duch die braune Brühe. Dann nochmals helfen, während die Chicos einfach nur dumm dastehen und zugucken. Hombres. Dann machen wir uns auf den Weg, sonst stehen wir noch ewig hier. Das Schottersträsschen führt an Kaffeeplantagen vorbei, wieder schwirren ganze Schmetterlingsschwärme durch die Luft. Es geht nun eine Weile runter und beginnt wieder zu tröpfeln. Dann ist Monis Hinterreifen wieder platter, nachpumpen hilft nicht mehr. Tja, der nächste Boxenstopp ist angesagt. Die folgen mittlerweile fast im Zweitagesrhytmus. Ich nehme statt Box ein Bäumchen, dass den Regen wenigstens ein bisschen abhält und werde von fiesen Stechbiestern angefallen. Ein vorbeifahrendes Auto hält, die Insassen fragen, ob wir Hilfe brauchen. Dann passieren uns ein paar Motocrossmotorradfahrer. Nach einer Weile kommt der erste zurück. Und hält. Er meint, wir sollten hier nicht zu lange stehen, es sei gefährlich. Tja, das wusste der Platten leider nicht. Die anderen folgen, der eine hilft Moni beim Pumpen und alle zusammen bilden unseren Schutzring.

PS-starker Schutz

Dann ist der Schlauch gewechselt, Gepäck wieder drauf. Wir bedanken uns beim Schutztrupp und fahren weiter. Noch ein bisschen runter, dann folgen ein paar fiese Steigungen. Ein Bicho sticht mich in den kleinen Finger. Nach guten 7 km erreichen wir Asphalt. Das Pueblo Nuevo Viñas liegt 1,5 km zurück, wir sind schon in El Cuje. Hier gibt’s keine Unterkunft, aber ein Kirche. Moni geht fragen, ob wir dort schlafen können, ich begrüsse das halbe Dorf, das auf dem Weg in die 16-Uhr-Messe ist. Moni bleibt eine halbe Ewigkeit weg, ich beginne sogar zu frieren. Wir sind doch etwas aufgesteigen heute. Dann kommt Moni wieder, wir können in einem Raum übernachten, es gibt einfach kein fliessend Wasser. Dieses hole ich in einer nahen Tienda in Form von 25 400-ml-Wasserbeutelchen. Moni kriegt einen Lachanfall, als sie mich mit dem Wassersack kommen sieht. Mein kleiner Finger schmerzt zudem irgendwie, oh weh, der ist ja total geschwollen. Was das wohl für fiese Bichos sind? Keine Mücken, sondern Reisenzancudos, auf jeden Fall Saubiester. Und wie soll es anders sein, später giesst’s wieder in Strömen.

01.08.2011. Unser heutiges Tagesziel ist Los Dolores. Die Dolores folgen noch, doch in ganz anderer Form. Nun, wir velassen unser kirchliches Nachtlager kurz nach 6 Uhr und fahren in den Nebel rein. Gleich eine fiese Subida, dann geht’s flacher weiter. Ich bewundere die schöne Morgenstimmung.

Ein nebliger Morgen

Der eine Motorradfahrer von gestern hatte mir  erklärt, dass wir nicht wie auf der Karte eingezeichnet auf die Panam müssten, um nach Los Dolores zu fahren. Bei San Sebastian gäbe es eine Abzweigung und somit einen direktern Weg. In San Sebastian fragen wir nach diesem. Drei Mal mit drei verschiedenen Antworten. Doch der dritte Señor ist Busfahrer und erklärt uns lange den Weg, macht eine Skizze, ruft zwei Freunde an, um die Kilometer zu erfragen. Jetzt wissen wir Bescheid. Danke. Noch 0,5 km fahren, dann folgt der Abzweig, eine neue Asphaltstrasse. Es geht wieder steil hoch, meine Waden finden dies immer noch nicht so lustig, dann runter, hoch und runter. Nun richtig steil. Ich halte, mache ein Foto.

Gebremst, um ein Foto zu machen

Danach wirken meine Bremsen plötzlich nicht mehr so richtig, ich möchte bei Gelegenheit halten und sie nachziehen. Doch die Strasse fällt immer steiler ab, ich fahre langsam, voll auf den Klötzen. Doch nun bremst nichts mehr, ich werde schneller. Dann eine Kurve, shit, noch eine, ich stemme den rechten Fuss auf den Boden. Ich kriege die Kurve, doch oh nein, da unten beginnt der Schotter und die Strasse ist total zerfurcht. Ich rase voll darauf zu! Vielleicht mit 30, 35 km/h. Meine Gedanken rasen. Was tun? Ich sehe Moni da unten stehen, sie starrt zu mir hoch. Ich muss von der Strasse weg, links? Nein. Rechts ein Kiesabhang. Ok, den nehme ich. Nun kann ich nicht mehr genau sagen, an was ich gedacht habe. Ob und wie ich das überlebe? Nichts? Ich knalle auf dem Boden auf, spüre, wie sich meine linke Körperhälfte ins Kies schleift. Dann Stille. Ich lebe noch. Fühlt sich alles ok an. Moni und ein Motorradfahrer stürzen auf mich zu, ich überlege in dem Moment, ob ich weiterfahren kann. Irgendwie. Seltsamer Gedanke. Dann schaue ich mal an mir runter, ein paar blutige Stellen am Ellbogen, an den Knien, aber sonst bin ich wirklich noch ganz. Nichts gebrochen. Puh, da hatte ich wirklich einen Schutzengel, das hätte auch ganz übel enden können. Nun das Bike. Einige Taschen wurden weggeschletzt, liegen im Graben rum, aber schlussendlich haben sie wohl meinen Sturz gedämft, so quasi Ortlieb-Airbags. Moni hilft mir, alles rauszuheben, ich stelle alles auf die andere Seite. Der Lenker des Bikes ist ziemlcih verbogen, den Rest schaue ich später an. Moni selbst hatte wohl auch Pech, etwa an der gleichen Stelle, ihr ist der Schlauch geplatzt. Totalplatten. Und wie sie später feststellt, ist das Felgenband ziemlich im Eimer. Komische Sache. Ich laufe zum nahen Haus und frage nach etwas Wasser, um mir den Dreck von Armen und Beinen zu waschen. Die zwei jungen Chicos bringen mir sofort welches. Dann versorge ich die blutenden Wunden, alles nicht so schlimm. Die grösseren Schwellungen an Ellbogen, Fussrücken und -seite tun mehr weh. Zudem ist die Schulter etwas mitgenommen. Nun schaue ich mir das Bike etwas genauer an. Die eine Schraube des hinteren Highriders ist gebrochen, High-und Lowrider ziemlich verbogen. Zudem kann ich den Lenker nicht zurückbiegen. Weiss nicht, was das Problem ist. Aber in dem Bikezustand fahre ich sowieso nirgends mehr hin. Auch Monis Panne ist etwas schwerwiegender, sie müsste ein Felgenband basteln. Und diese Doppelpanne haben wir wirklich am Arsch derWelt. Unsere Abenteuerstrasse findet ein jähes Ende im Nichts. Die Strasse ist zu steil um wieder hochzulaufen, die andere Seite ebenfalls. Wir müssen jemanden finden, der uns zur Strasse hochfährt. Ein Pickup kommt runter, der Fahrer fährt in 3 bis 4 Stunden wieder hoch. Zudem ist es dieser Señor, der uns auf unseren heutigen Nationalfeiertag, den 1. August, aufmerksam macht… Tja. Da kommt der nächste Pickup. Zwei Señores, ein älterer und ein jüngerer. Sie können uns mitnehmen. Bis zur Panam, dort sehen wir weiter. Wir würden gerne nach Antigua, unsere eigentliches Ziel. Mit Hilfe einiger Einheimischer packen wir alles auf die Ladefläche, wir klettern auch noch hinten rauf. Dann geht’s alles wieder hoch, wir halten mal kurz, damit der junger Señor den Abfall entsorgen kann. Der landet natürlich einfach am Strassenabhang. Es tut schon weh, solchen Aktionen zuzusehen. Dann geht’s weiter zur Panam. Dort diskutieren wir das weitere Vorgehen mit dem älteren Señor. Er könnte uns nach Antigua fahren. Wäre natürlich ideal. Wir bieten mal 20 $. Er will mehr, der Sprit sei so teuer. 40 $. Das ist ihm immer noch zu wenig, es seien ja schliesslich 120 km. Er will sage und schreibe 150 $. Mir bleibt die Spucke weg. Der Katholik, der nur helfen will, will uns gnadenlos abzocken. Am liebsten würde ich an Ort und Stelle aussteigen und nach einer anderen Möglickeit suchen. So ein Arschloch! Doch was für Möglichkeiten haben wir? Jemand anderen suchen? Mit dem Bus fahren und mit zwei fahruntüchtigen Bikes im Terminal stranden? Ziemlich verzwickte Lage. Wir bieten 100 $. Bei 125 $ sind wir uns einig. Doch der Señor ist mir je länger je unsympathischer. Wir ziehen noch etwas Warmes an, dann geht’s auf die Panam. Erster Tankstopp. Weiter in Richtung Guatemala City, stop bei einem Mc Donald’s. Wir wollen nichts, der Typ ist wohl darauf aus, dass wir ihm und seinem Kollegen noch was spendieren. Soweit kommt’s noch. Langsam beginnt es zu tröpfeln, Regen ist im Anmarsch. Ich setze mich nun vorne rein, Moni wickelt sich hinten in eine Plastikplane. Weiter geht’s, durch den Stadtverkehr der Capital. Dann wieder ein Stop. Bei einer Pollobude. Wir wollen immer noch nichts, aber wir warten ewig da. Dann fährt die Tochter des Señors vor. Aus welchem Grund auch immer, aber dass zwei Bikes und unser Gepäck nicht in einen PW passen, sollte jeden klar sein. Endlich fahren wir weiter, nun regnet es. Arme Monika. Ich darf mir derweil das Geschwafel des Typen anhören. Er nervt immer mehr. Dann endlich Antigua. Wir fahren in die Stadt rein. Pflastersteinstrasse. Ich gebe dem Señor die erste Adresse unseres Footprints, denn gemäss Deal muss er uns jetzt in der Stadt rumfahren, bis wir ein Hostal gefunden haben. Doch der Typ hat keine Ahnung der Strasses, fragt jemanden und fährt doch noch falsch. Er muss wieder fragen. Doch diese Señora ist hilfreich, meint, unser gesuchtes Hostal sei eher ein Stundenhotel. Sie gibt uns andere Hostales an und dann fahren sie und ein Kollege sogar vor. Ganz kostenlos. Der Señor nörgelt langsam herum, dass sie Hunger hätten. Ich bin langsam ziemlich genervt, meine nur, dass wir zweimal lange genug gehalten hätten. Moni hat sich zwei Hostals angeschaut, die Posada Refugio II ist ok. Ziel erreicht. Gepäck und Bikes werden abgeladen, wir tragen alles in unser winziges Zimmer. Wir zahlen dem Alten noch die restlichen Dolares, 60 $ hatten wir ihm schon auf der Panam gegeben, fürs Benzin. Alles ist verstaut, als der Jüngere nochmals ins Hostal reinschleicht. Und mich doch tatsächlich fragt, ob ich ihm 10 $ fürs Mittagessen geben könnte. Wie bitte? Nun muss ich mich wirklich behherrschen, genug ist genug. Das sage ich ihm auch, er zieht ab. So eine bodenlose Frechheit. Der Alte hatte unsere Notsituation schon gnadenlos ausgenutzt, aber das ist nun wirklich unter aller Sau. Die 125 $ sind wohl sowieso das, was mich an der Sache am meinsten nervt. Aber nun denn, wir sind heil in Antigua angekommen, ich bin noch ganz, eine warme Dusche wartet. Hier sind wir ja doch auf gut 1’500 m.ü.M., es ist endlich ein bisschen kühler. Später laufen wir zum Mercado. Huh, da eine Pasteleria mit ganz feinen Sachen. Ein Schoggigugelhöpfchen darf’s jetzt schon sein. Lecker. Dann schlendern wir durch den Mercado. Schön, endlich wieder ein richtiger Mercado, indigene Frauen mit ihren bunten Trachten und die Kinder werden wieder in Tüchern auf dem Rücken getragen. Das habe ich wohl in Ecuador, oder sogar Peru, das letzte mal gesehen. Ist in heissen Gebieten sicher eher unüblich. Und mir gefällt Antigua, scheint eine schöne Stadt zu sein. Später essen wir noch etwas, dann darf mein schmerzender Körper endlich ruhen. „Me duele todo“, sage ich nun doch auch.

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