Cuernavaca – Zacatecas, ein Wiedersehen mit Freunden oder die ungeplante Reise der Kristalle

31.10. – 27.11.2011. 746 km . Nach Cuernavaca folgt eine ziemlich panamesiche Steigung hoch nach Toluca. Dann ist wieder alles beige, flach und smogig. Nicht sehr schön. Zudem schleicht sich noch etwas anderes ein. Schwindel. Und der will nicht mehr weggehen. So wird aus unserem Besuch bei unseren Freunden in Querétaro ein etwas längerer Aufenthalt. Mit der Diagnose Vertigo. Danach geht’s weiter in Richtung Aguascalientes. Weiterhin in beige-brauner Landschaft mit vielen Kakteen. Vor Zacatecas wird es bergiger. Und in Zacatecas werden wir von eisigen Temperaturen erwartet. Die machen die allerorts herrschende Weihnachtsstimmung etwas realer.

Route: Cuernavaca – Huitzilac – Santa Lucia* – Toluca – Ixtlahuaca* – Atlacomulco* – San Juan del Río – Querétaro* – San Miguel de Allende* – Dolores Hidalgo – San Felipe* – Ocampo – Ojuelos – Aguas Calientes – Cosío* – Zacatecas*

31.10.2011. Nun klingelt der Wecker also wieder um 5.15 Uhr. Puh! Und um 6.30 Uhr ist es auch schon wieder hell. Gegen 6.45 Uhr verlassen wir das Hostal. Raus aus Cuernavaca. Es folgt die Subida a Chalma. Der Name macht dieser Strasse alle Ehre. Steil führt sie nach oben. Kilometer um Kilometer. Einige Abschnitte erinnern an Panamá. Nur noch im Zickzack geht’s hoch. Nun folgen die ganzen Bonzenvillen. Klar, über dem Smog lebt es sich sicher besser. Aber meinen Husten beeindruckt das nicht, der wird wieder stärker. Nun wird’s waldiger, ein sehr erfreulicher Anblick. Dann ist diese Steigung geschafft, es geht kurz runter, dann folgt die nÄchste Subida. Die Häuser weichen nun ganz dem Wald, dem Pinienwald. So bekommen wir doch noch etwas von dem berühmten, mexikanischen Pinienwald mit. Er soll der höchste der Erde sein.

Auf schmaler Strasse durch den Pinienwald

Die Steigung ist nun etwas moderater. Wir machen Pause. Da kommt uns von untern ein Radler entgegen. Ha! Das ist doch tatsächlich der Señor vom Hostal. Er meinte noch, er werde uns nachfahren. Nicht schlecht. Er begleitet uns noch bis zur Abzweigung nach Ocuitlan. Ein kauziger Typ, der Señor. Nun folgt eine Abfahrt, doch bald schon geht es wieder rauf. Eine gute Weile lang. In den schattigen Abschnitten fliegen mir nun plötzlich ganz fiese Bichos ums Gesicht rum. Extrem lästig, die Viecher. In der Sonne verschwinden sie jedoch wieder. Doch meistens fahren wir hier im Schatten. Temperaturmässig tiptop, aber die Flugwesen sind echt furchtbar. Na ja. Dann ist auch hier ein höchster Punkt erreicht. Da oben hat es zwei Tiendas. Jetzt ein Fresca? Es hat welche, da lautet die Antwort klar: ja. Wir hängen uns in die Sonne, es ist frisch hier oben. Und idyllisch gemütlich. Die Landschaft ziemlich schweizerisch. Nach einer Weile fahren wir weiter. Ein Auto fährt an uns vorbei, später bleibt der Wagen stehen und die Leute winken uns heran. Die Gegend sei gefährlich, wir sollten auf keinen Fall in dem Dorf bleiben und so schnell wie möglich aus dem Gebiet verschwinden. Ok.

Gefährlich, aber mit schöner Aussicht

Rauf und runter geht es weiter bis zu einer Abzweigung. Links oder rechts? Wir halten einen Wagen. Links und rechts gibt’s im hiesigen Wortschatz nicht, es heiss immer nur „por aha“. Typisch mexikanisch. Wir fahren nach Ocuitlan rein, vor einer Kirche machen wir Mittagspause. Dort wird uns wohl niemand überfallen. Auch hier ist alles in Vorbereitung für den Dia de los Muertos.

Die Blumenspur führt zum Opfergabentisch

Dann geht’s wieder aus dem Dorf raus und weiter hoch. Gemäss dem kauzigen Señor sollte es nach Ocuitlan flach werden. Doch wir steigen weiter, Kilometer um Kilometer. Bei einem Haus füllen wir mal Wasser nach. Langsam wird es Zeit, nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Bei einem Dorf fragen wir nach der Presidencia. Die sei weiter unten, aber hier hätte es eine Delegacion. Und bei der Kirche sei gerade jemand, den wir fragen könnten. Den Glöckner. Wir warten mal, dann sehe ich mir die Delegacion an. Ausgestorben. Doch beim danebenliegenden Centro de Salud steht die Tür auf. Ich warte kurz, da kommt eine Señora raus. Sie fragt ob ich einen Termin brauche. Nein, aber ich suche einen Platz zum Übernachten. Ich frage, ob wir in ihrem Garten zelten dürfen. Klar. Ich hole Moni und das Bici. Die Doctora zeigt uns das ganze Centro. Sieht ziemlich modern aus. Und es ist wohl eines der wenigen Centros de Salud mit Hund. Polvo. Ein lieber und extrem schmusebedürftiger Kerl. Dann meint die Doctora, wir sollten besser drinnen schlafen. Es werde kalt, zudem sei es unsicher. Ok. SpÄter erklärt sie, dass in der ganzen Gegend hier nach der Wahl eines Politikers Unruhen herrschen. Das mache die Gegend unsicher. Wir gehen mit ihr einkaufen, da will sie sogar unser Essen zahlen. No way, das übernehmen wir. Wieder zurück stellt sie uns extra die hiesse Dusche an, dann macht sie uns Quesadillas und einen heissen Tee. Ich bin platt ab soviel Gastfreundschaft. Klar, die junge Doctora ist sicher happy, mal etwas Gesellschaft zu haben, aber diese Herzlichkeit ist trotzdem unglaublich. Später koche ich für alle, dann wird’s Zeit für die Matte. Monika legt sich in das Krankenbett, ich mache es mir auf dem kalten Boden gemütlich.

01.11.2011. Die Nacht auf dem Boden wird wieder kalt. Ich friere. Auch der Morgen ist kalt, obwohl wir im Hauss drinnen sind. Als ich die ersten Gepäckstücke rausbringe, erstarre ich fat. Saukalt. Nun, wir sind hier wohl auf ca. 2’800 m.ü.M. Wir vermummen uns, kurz vor 8 Uhr verabschieden wir uns von unserer liebenswerten Gastgeberin. Es geht weiter hoch, so wird der Körper langsam warm. Die Sonne wärmt zusätzlich. In den schattigen Stellen des Waldes hat es Reifen. Bald erreichen wir Santa Martha. Eine Señora stellt gerade Stühle und Tische raus. Ob’s da wohl Kaffee gibt? Nein, aber heisse Schockolade. Noch besser. Es dauert eine Weile, aber dann kommt das heisse, selbtgemachte Getränk. Dazu gibt’s zwei warme süsse Brötchen. So wärmt es sich gut auf. Gestärkt und gewärmt machen wir uns auf den Weiterweg. Ab jetzt soll es plano sein. Na ja, bald folgt wieder ein Steigung. Rauf und runter geht es nun durch kleine Dörfer. Die Landschaft wird hellbeige, immer wieder sind die Felder voll mit Bündeln aus trockenen Maispflanzen oder ähnlichem.

Gebündeltes Beige-Grün

Dann erreichen wir Santiago. Dort machen wir kurz Pause. Ich sehe einen Rennradler mit Rucksack vorbeifahren. Er winkt, ich winke zurück. Bald fahren wir weiter. Zum Hellbeige der Landschaft gesellt sich nun das Blau-Braun des Himmels. Vor mir liegt wieder einmal die Smogschicht. Ihh! Wir erreichen eine Kreuzung, da fährt der Rennradler wieder an uns vorbei. Er fährt in diesselbe Richtung. Zu dritt befahren wir die Cuota in Richtung Toluca und Mexiko. Der Rennradler, Margo, ist auf dem Weg nach Jalisco. Seine Freundin hat ihn gerade verlassen, nun ist er auf einer Art persönlichen Pilgerfhart oder ähnlichem. Um sie zu vergessen? Hinten an seinem Rucksack ist ein Teppich und Fotos von ihr angebracht. Nach einer Weile fragt er mich, ob er einige Tage mit uns fahren könne. Er wolle nicht alleine fahren. Nun, das muss ich erst mit Monika besprechen, solche Entscheidungen kann ich nicht alleine fällen. Und langsam wir der arme Kerl auch nervig. Dies findet auch Monika. Wir erreichen eine Caseta, dort will uns der Security nicht durchlassen. Das allererste Mal. Dann geht es doch, wir müssen aber auf die andere Strassenseite und oben beim Gebäude durch. Gut. Dann machen wir doch gerade auch noch Mittagspause. Danach müssen wir von der Cuota runter, unter einer Brücke durch und dann wieder rauf auf die Cuota. Damit uns die Polizei nicht sieht? Klar, und hier hat es nun nochmals eine kleine Caseta. Nun will uns auch dieser Security nicht durchlassen. Margo redet auf den Typen ein, dann dürfen wir doch noch durch. So geht es weiter durch hellbeiges, versmogtes Flachland. Irgendwie riecht es auch konstant nach Kloake. Recht ecklig.

Smog, beige und dann und wann eine Flasche

Bei einer Pemex halten wir. In Querétaro wollen wir Sjef und Pati besuchen. Wir haben die zwei mit ihren Kindern und der weiteren Familie letztes Jahr in Ecuador kennengelernt. Nun hatten wir in Cuernavaca etwas zuviel Zeit bis nach Querétaro eingeschätzt. Aber wir sind viel schneller unterwegs als angenommen. Also müssen wir mal kurz bei ihnen anrufen. Das dauert eine ganze Weile. Margo wandert umher, scheint langsam gelangweilt zu wirken. Irgendwann sagt er mir, er habe Freunde gertroffen und fahre mit diesen weiter. Moni sagt er anscheinend, er fahre schon mal voraus. Ok, wie auch immer, ich wünsche ihm eine gute Fahrt und ¡Suerte! Wir fahren auch wieder weiter, nach 5 km folgt eine weitere Pemex, nach weieren 15 km nochmals eine. Mit schöner Wiese. Wir fragen, ob wir campen dürfen. Klar, auf dem Parkplatz. Nun haben wir aber kein freistehendes Zelt. Auf der Wiese geht’s nicht, weil unter dem perfekten Rasen Bewässerungskanäle liegen. So ein Pech! 1 km weiter hat es noch eine Pemex. Und hinter dem Gebäude finden wir ein gutes Rasenstück für das Zelt. Tiptop. Und nun mal schauen, wie kalt es wird.

02.11.2011. Es wird sehr kalt. Ich ziehe sämtlich Kleider an, dann geht’s in 3 Schlafsäcke. Gegen Mitternacht wache in fröstelnd auf. Ich ziehe nochmals ein paar Socken an und lege die Jacke über die Körpermitte. Mehr habe ich nicht mehr. Dann träume ich von meinem Daunenschlafsack. Es war doch ein Fehler, mir diesen nicht nach Querétaro schicken zu lassen. Nun, die Nacht bleibt kühl, aber ich friere nicht mehr die ganze Zeit. Am Morgen ist das Zelt voller Kondenswassertropfen. Und aussen gefroren. Kein Wunder. Das Zusammenpacken dauert in der Kälte ein bisschen länger und im Oxxo gibt’s natürlich noch einen heissen Kaffee. Dann geht’s wieder auf die Strasse. Flach, beige und smogig. Der Smog macht mir auch schon wieder zu schaffen. Hust, hust. In Atlacomulco hört die Cuota auf. Oder wir finden die richtige Ausfahrt nicht. Bis Acambay wird die Strasse eng, es geht rauf und runter, der Verkehr donnert dicht an mir vorbei. Manchmal wird es sogar sehr eng. Doch dann beginnt eine Strasse im Bau. Steine hindern Autofahrer daran, darauf zu fahren. Doch mit Bici kann man schön darauf ausweichen.

Gesperrte Strasse. Ideale Bicipiste.

Aussicht ins beige Tal

In Acambay machen wir Mittagspause. Wie üblich ist mein Magen danach unglücklich. Ich weiss nicht, ob es am Brot liegt, aber er stört sich an irgend etwas. Nun beginnt eine längere Steigung und Magenkrämpfe. Und immer wieder habe ich Schwindelattacken, die einige Minuten dauern. Wenigstens hat es einige Leute, die mir zurufen:“Ánimo! Ánimo!“ Das ermuntert mich wieder ein wenig. Die Strasse bleibt eng. Bei entgegenkommendemVerkehr können Lastwagen und Busse nicht mehr überholen. Aber sie bleiben geduldig und warten. Bei freier Fahrt jedoch fetzen einige Trucker definitv zu nahe an mir vorbei. Zweimal gerate ich ins Wanken. Eine nervige Strasse. Ich bin auch sonst genervt. Der Smoghusten ist mühsam, die Magenkrämpfe auch. Nun geht’s mal runter, und immer wieder hoch. Gegen den späten Nachmittag passieren wir die Abzweigung nach Atulco, bald folgt eine Pemex. Hier bleiben oder weiter? Die 90 km bis Querétaro sollten wir morgen gut schaffen, es sollte ja flacher werden. Hinter einem Gebäude hat es einen perfekten Campplatz. Ich frage bei der Tankstelle, ob wir dort zelten dürfen. Der Angestellt muss kurz den Bruder des Dueños fragen. Der gibt sein ok, kommt mit uns zur Wiese. Die ist perfekt, etwas geschützt. Luis, so der Name des Dueño-Bruders, meint, die Nacht werde kalt. Wissen wir. Dann überlegt er kurz und zeigt uns einen Raum. In dem wäre es wärmer. Wow, das ist natürlich noch besser. Der Raum hat sogar ein Bad. Entschuldigend meint Luis, dasss das Heisswasser nicht funkti0niere. Aber er zeigt uns eine andere Dusche. Mit heissem Wasser. Nun, so ein Angebot kann man ja nicht ausschlagen. Die Dusche ist perfekt. Und tut wahnsinnig gut. Dann meint Luis, wenn wir kochen wollen, sollen wir bei ihm vorbeikommen, da gäbe es Herdplatten etc. Also machen wir uns nach der Dusche mit Pfanne, Kelle und einem Sack Pasta auf den weg zu ihm. Er schaut den Sack fragend an. Ja, das wollen wir essen. Er gibt uns die Pasta wieder. Für morgen. Er mache uns jetzt eine Torta. Das ist eine Art Sandwich mit speziellem Brot, Würstchen, Käse, Zwiebeln, Tomaten und Chillies. Echt lecker. Dazu bekommen wir noch ein Apfelrefresco. Wir unterhalten uns eine Weile mit Luis, dann treten erste Müdigkeitserscheinungen auf. Ich möchte die Tortas bezahlen, doch sie sind offeriert. Und wieder staune ich ab so viel Gastfreundschaft. Unglaublich.

03.11.2011. Die Nacht in dem Zimmer ist wärmer als gedacht. Es wird sogar richtig heiss mit all den vorsorglich angezogenen Kleidern. Zudem war die Torta wohl doch nicht gerade die geeignete Mahlzeit für meinen sowieso schon gereizten Magen. Die ganze Nacht über habe ich höllische Bauchschmerzen, irgendwann weiss ich überhaupt nicht mehr wie liegen. Eine furchtbare Nacht. Am Morgen sind die Bauchschmerzen immer noch da. Ich packe meine bereitgestellten Granola wieder ein. Kein Früchstück heute. Gegen 8 Uhr fahren wir los. Nun bekommt die Strasse wenigsten einen guten, breiten Seitenstreifen. Wir kommen gut voran, die Bauchschmerzen lassen langsam nach. Auf leicht hügeligem Gelände nähern wir uns langsam San Juan del Río. Im Hintergrund ist der Smog von Querétaro zu sehen. Kein Wunder, in dem ganzen Tal blüht die Industrie.

Es bleibt beige und smogig

Bei einer Pemex machen wir Pause und melden uns nochmals bei Pati. Nun beginnt dieser komische Schwindel wieder. Auch mit etwas Essen wird’s nicht besser. Eine seltsame Sache. Wir fahren weiter, der Verkehr nimmt zu. Und der Schwindel verschwindet nicht mehr. Immer wieder kreuzen Ein-und Ausfahrten die mittlerweile sechsspurige Autopista. Ich schuae zurück, ob ein Auto kommt. Huch, es dreht sich alles und ich falle vom Rad. Nicht gut! Der Schwindel wird immer stärker, ich fühle mich, als ob ich besoffen bin. Bin ich aber definitv nicht. Ich muss es einfach noch bis Querétaro schaffen. Bei den Ein- und Ausfahrten halte ich von nun an an. Eine üble Sache, dieser Schwindel. Zudem sehe ich auch nicht mehr scharf in die Ferne, alles bewegt sich. Ich muss mich ganz aufs Fahren und den Boden konzentrieren. Wir erreichen ein Abzweigung, Cuota nach San Miguel de Allende. Es führen zwei Autopistas durch Querétaro, eine in Richtung San Miguel. Wir biegen ab. Ich finde es etwas komisch, denn es fehlen noch ca. 20 km bis Querétaro. Der Verkehr nimmt ab, links und rechts Felder. Das soll eine Stadtautopista sein? Das Ganze wird mir immer suspekter, ich schaue mal auf die Karte. Shit, das sind wir falsch! Auf der Mex 57 D geht’s in weitem Bogen um Querétaro nach San Miguel. Ok. Auf die andere Seite der Autopista und die 7 km wieder zurückfahren. Wieder mal so ein total unnötiger Umweg. Wieder auf der Mex 57 nähern wir uns nun Querétaro. Sechsspurige Strasse, extrem viel Verkehr. Nicht schön. Mein Kopf dröhnt. Dann beginnt die Stadt. Wir fahren auf die Autopista. Nach ein paar Kilometern werden wir von der Polizei rausgepfiffen. Aber zum Glück führt parallel zu der Strasse eine „Libre“ in die gleiche Richtung. Aber nun ohne Seitenstreifen. Das zehrt noch mehr an meiner Konzentration, denn ich habe ein gewisses Schwankungspotential. Die Fahrt zieht sich hin, wir müssen bis ans andere Ende nach Juriquilla. Nun hat Moni auch noch einen Platten, der sich nur mit Schlauchwechsel beheben lässt. Ich schlafe dabei fast ein. Danach mag ich nicht mehr, hoffe nur noch, dass wir bald da sind. Da ist auch der Wegweiser zum Superama, dort wollen wir uns mit Pati treffen. Zum Glück passe ich immer noch auf, Moni verpasst den zweiten Wegweiser inklusive Abzweig. Und dann sind wir da. Moni ruft Pati an, diese will gleich da sein. Das geht nicht lange. Dann das freudige Wiedersehen nach fast einem Jahr. Schön! Pati lotst uns zu dem riesigen Haus. „Welcome home“, heisst es da an der Tür. Wow. Noch schöner.

Eine schöne Überraschung

Pati ruft gleich ihren Arzt an, ich kann sofort vorbeikommen. Das ist mir eine grosse Hilfe. Nun, der Arzt diagnostiziert Vértigo, Schwindel, zudem könnte ich was im Magen haben. Darum gibt’s gleich Medikamnte zur Entparasitierung und gegen den Schwindel. Und nach einer heissen Dusche und etwas Nachtessen falle ich total erschöpft ins bequeme Bett.

04.11. – 20.11.2011. Am nächsten Morgen geht es mir besser, doch im Laufe des Tages kommt der fiese Schwindel zurück. Hilfe, ich will das nicht. Ich kenne ja Schiwndel von zu schnellem Aufstehen, aber das ist total anders. Beunruhigend. Darum mache ich mal einen Tag lang absolut nichts. Das hingegen ist schön.

Am Samstag wollen wir uns das Centro von Querétaro ansehen. Pati fährt uns hin. Doch dort setze ich mich gleich erstmal eine Weile hin. Dann laufen wir etwas umher, doch bei mir dreht sich alles. So macht das keinen Spass. Zumal es immer schlimmer wird. Ansonsten wäre Querétaro eigentlich ganz gemütlich. Schöne Parks, nettes koloniales Centro.

Statue eines Federhäuptlings

Querétaro, grün und schöne Bauten

Ich hoffe nun einfach, dass dieser Schwindel bald weggeht, denn so kann ich nicht mehr radfahren.

Und so vergehen die Tage. Ich kann kaum gerade gehen und lesen ist auch nicht möglich. Fernsehen geht einigermassen und die Familie Minke hat ein wirklich superbequemes Sofa. Nachdem der Schwindel nach 3 Tagen nicht besser wird, muss ich wieder zum Arzt. Dieser meint nun, dass ich eine Labyrinthitis habe, eine Entzündung des Labyrinthganges im Innenohr. Zudem muss ich zum Augenarzt, denn es könnte auch etwas mit den Augen nicht stimmen. Die Augenärztin stellt fesst, dass meine Augen mit einem Nystagmus auf blaues Licht reagieren. Dies deutet auf ein Problem des Kleinhirns oder des Ohres hin. Der Arzt macht also weitere Tests. Mit dem Kleinhirn ist alles in Ordnung. Wie beruhigend! Also muss es das Ohr sein. Wohl wirklich eine Labyrinthitis. Ich bekomme sündhaft teure Corticosteroide verschrieben. Mit den Medikamenten wird der Schwindel auch besser, doch nicht gut. So vergehen weitere Tage, dann schickt mich der Arzt noch in die Physio. Der belgische Physiotherapeut ist dann auch der erste, der mir wirklich gut erklärt, was wohl passiert ist. Irgendwelche Kristalle in meinem Innenohr sind wohl auf ihre eigene kleine Reise aufgebrochen. Nun geben sie aber falsche Informationen an mein Gehirn betreffend der Kopfposition. Das Ganze nennt sich Postural Benign Vertigo oder benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel. Und kann eine Folge einer Ohrentzündung sein. Die kalte Nacht am Boden des Polizei-Theatersaales war wohl doch ziemlich gesundheitsschädigend. Der Physiotherapeut kann jetzt aber mit gezielten Bewegungen feststellen, wo die Kristalle liegen. Und mit einigen Übgungen soll man sie wieder in neutrales Territorium bewegen können. Ich hoffe das funktioniert schnell. Ich fühle den Ruf der Strasse schon länger wieder.

Aber die Tage ziehen sich weiter dahin, der Schwindel bessert sich nicht. Nach Absetzen der Medikamente wird es sogar wieder schlimmer. Aber so langsam fällt mir hier die Decke auf den Kopf. Gemäss im Internet gefundenen Artiklen kann dieser Schwindel Wochen oder Monate andauern. So lange kann ich aber ganz sicher nicht hier bleiben. Nun, dann kann ich auch genauso gut wieder auf die Strasse. So wird die Abfahrt auf Montag, den 21. November 2011 geplant. Komme was wolle.

Und ich bin wirklich froh, dass die Geschichte in Querétaro passiert ist. Pati kümmert sich toll um mich, fährt mich überall hin und wir dürfen bleiben, solange wir wollen. Echt wahnsinnig nett. Vielen lieben Dank! Der Dank geht natürlich an die ganze Familie. Pati ist sowieso meine persönliche Heldin, dann ist da die quirlige Carmen, Jan, der einmal Generalsekretär bei den Vereinten Nationen werden will und Sjef, mit seinem schwarzen Humor. Ein tolle Familie.

Liebe Pati und Familie. Ich kann meinen Dank wirklich nicht in Worte fassen und ich hoffe, dass ich mich eines Tages bei euch revanchieren kann!

Monika, Carmen, Sjef, Pati, Jan und ich

Zudem ist eine ganz andere Sache spürbar. Es weihnachtet. Im Superama tönen Weihnachtslieder aus den Lautsprechern und eines Abends wird bei der Familie Minke der Weihnachtsbaum ausgepackt, aufgestellt und geschmückt. Ein heimeliger Anblick. Und schon bald wieder ein Jahr rum. Wie schnell doch die Zeit vergeht…

Heimelige Lichtlein

21.11.2011. Und so frühstücken wir am Montag Morgen, in Mexiko Feiertag, mit der ganzen Familie, dann heisst es Abschied nehmen. Und dann verlassen wir die suburbane Wohnanlage, im Superama kaufen wir noch ein feines Vollkornbrot und leckere Teilchen. Dann machen wir uns auf den Weg in Richtung San Luis Potosí und San Miguel de Allende. Gemäss Sjef soll die Strecke flach sein, doch wie üblich stimmt die Aussage aus dem Munde eines Autofahrers nicht ganz. Rauf und runter geht es durch die beaknnte, braun-beige und trockene Landschaft. Der Himmel wie üblich blau mit einem bräunlichen Schimmer. Es geht ganz gut, doch nach einer Weile fühlt sich mein Kopf ziemlich komisch an. Als würde ein Bienenschwarm darin herumsurren. Und gewisse Bewegungen sollte ich einfach sein lassen. Es ist ganz schön warm, bei den Auffahrten komme ich ins Schwitzen. Dann ein erneuter Staatenwechsel, von Querétaro nach Guanajuato. Im Schatten eines Baumes machen wir Mittagspause. Leckeres Brot mit edlem Belag und zum Dessert gibt’s ein Reiheli Schoggi. Nicht irgendeine, sondern Lindt-Milch-Nuss-Schoggi. Im Superama haben wir uns eine 300 g Tafel erstanden. Echt luxuriös. Und also wirklich megalecker.

Ohne Worte

Danach mache ich auf einer Mauer meine Physioübungen, dann geht’s weiter. Nun hat der Wind aufgefrischt, natürlich kommt er von vorn. Woher sonst? Kurz nach 14 Uhr fahren wir in San Miguel ein. Bald geht es über eine enge Kopfsteinpflasterstrasse steil runter. Schon von hier oben sieht die Stadt sehr sympathisch aus. Wir fahren in Richtung Centro. Schauen wir uns doch mal ein erstes Hotel an. 400 Pesos. Puh! Wir suchen das günstigste des Footsprints, doch das ist leider voll. Also kurven wir weiter umher. Ein Dormbett in einem Hostal kostet hier 130 – 200 Pesos pro Person. Wahnsinn! Und nach oben ist sowieso alles offen. Schlussendlich finden wir in der Casa de Huespedes ein Zimmer für 300 Pesos, wenn wir 2 Nächte bleiben. San Miguel sieht wirklich nett aus, zudem lohnt sich eine so lange Hostalsuche für nur eine Nacht ja kaum. Das Zimmer hat nur ein Doppelbett, doch wenn wir 40 Minuten warten, kann uns die Señora nun auch ein Zimmer mit zwei Betten bereitmachen. Das ist besser. Heisswasser gibt es erst ab 19 Uhr, so gehen wir in die Stadt. Die Strassen sind voll mit Artenasialäden und Gringos. Echten Gringos. San Miguel soll ja auch einer dieser Gringo-Aussteigerorte sein. Verständlich, die Stadt hat wirklich Charme. Mir gefällt es hier auch. Auf der hübschen Plaza hat es noch mehr Artesaniastände. Schöne Sachen. Dann betrachte ich die wirklich spezielle Kirche La Parroquia mit gotischem Turm. Und wirklich mal etwas anderes. Im Dämmerlicht sieht sie nocht toller aus.

La Parroquia im Dämmerlicht

Dann laufen wir noch weiter durch die Gassen. Die Gringogassen. Es hat hier fast nur teuere Resaturants und in den Supermercados sind Sachen zu finden, die ich zuletzt in der Schweiz bei einem Chinesen oder so gesehen habe. Aber mir gefällt es hier. Und es ist schön, wieder in der Zivilisation zu sein. Das hat mir schon etwas gefehlt.

22.11.2011. Wir können schon wieder ausschlafen. Wie schön. Da wir gleich neben dem Oxxo wohnen gibt’s zum Frühstück natürlich einen Kaffee. Dann streifen wir durch die verschiedenen Mercados de Artesanias. Und von denen hat es hier einige. Mit wirklich hübschen Sachen.

Tolle Chrälleli-Artesanias

Monika kauft tüchtig ein, ich nehme mir vor, hier nichts mehr zukaufen. Und halte es auch ein. Nun, einen Poncho erstehe ich mir noch, aber den werde ich mitnehmen, falls es nochmals kalt wird. Ebenfalls als Wärmeschutz kaufe ich mir eine fette Wollkappe. Die Ohren wollen in Zukunft gut geschützt sein.

23.11.2011. Frühmorgens ist es frisch und der Himmel bedeckt. Zum Frühstück gibt’s nochmals einen Kaffee. Kurz vor 8 Uhr sind wir startbereit. Netterweise führt die Strasse flach aus der Stadt hinaus. Bald fahren wir auf der Mex 111 und hier gibt es nicht viel Neues. Beige-braune, trockene Landschaft, kleine Bäume und Kakteen. Doch heute kommt nicht das Blau-Braun des Himmels dazu, denn die Wolkendecke wird immer dichter. Zum Fahren ist das ganz angenehm. Doch in der ersten Pause wird es ganz schön kalt. Und irgendwie sieht das total nach Weltuntergansstimmung aus. Immer wieder sehe ich Häuser, doch Leute hat es fast keine. So wirkt das Alles noch viel ausgestorbener.

Ausgestorben aber originell

Es folgt die Umfahrung von Dolores Hidalgo, dann geht’s weiter auf der Mex 51. Diese hat keinen Seitenstreifen mehr. Die meisten Fahrer sind ganz schön anständig, doch es hat ein paar Truck- und Busfahrerr, die man einfach nur als Arschlöcher bezeichnen kann. Fahren einem fast über den Haufen. Nun brechen langsam die Wolken auf, die Sonne drückt durch. Die Gegend bleibt ausgestorben. Der Wind wirbelt ein paar trockene Maisblätter hoch durch die Luft. Jetzt fehlt nur noch einer, der auf der Mundharmonika „Spiel mir das Lied vom Tod“ dudelt. Das würde absolut passen. Die Strasse wird nun hügeliger und der Wind frischt auf. So ist es in der Mittagspause auch in der Sonne kühl.

Beige, in der Ferne erste Hügel

Danach geht’s wie gehabt weiter und nach einer Kurve haben wir Gegenwind. Tja, und der bläst ganz schön stark. Wir fahren in ein weiteres, weites Tal. Von Weitem sieht man nun die Kirche von San Felipe. Wir fahren noch einige Kilometer, bis wir die Stadtgrenze schliesslich gegen 16.15 Uhr erreichen. Dort steht eine Pemex, doch da gibts nur Steine und keinen Rasen. So fahren wir weiter. Bei einem Restaurant dürfen wir auch nicht campen, da der Señor nicht der Dueño ist. Bei einem Fruchsalatverkäufer fragen wir nach den Bomberos. Doch der Señor hat keine Ahnung, gibt dies netterweise auch zu. Aber wir nutzen die Gelegenheit für eine paar Extravitamine. Ein anderer Señor weist uns den Weg zur Seguridad Publica, wo auch die Bomberos sind. Wir fahren aus der Stadt raus und nach guten 2 km folgt die Abzweigung zu den offiziellen Gebäuden. Bei einem gut abgesicherten Gebäude, dem Gefängnis, wie wir später feststellen, fragen wir nach dem Weg. Über einen Parkplatz geht’s zum Eingang der Seguridad. Der Guardia begleitet mich zum Gebäude, dort nimmt mich eine Señora in Empfang und führt mich zum Comandante der Bomberos. Der schickt mich weiter zum Direktor. Dort muss ich persönlich in dessen Büro vorsprechen. Mit dem Resultat, dass wir auf der Wiese campen dürfen. Der Direktor übergibt mich nun an einen Polizisten, der führt mich wieder zum Comandante der Bomberos, falls wir etwas brauchen, dann werde ich an einen anderen Polizisten weitergereicht und allen vorgestellt. Nun begleitet mich der Polizist endlich zu den Rädern und zeigt uns unsere Campwiese. Gleich neben dem Hundezwinger mit Sicht auf das Gefängnis. Unsere Wiese ist umgeben von einem hohen Zaun mit Stacheldraht und zig scharf bewaffneten Polizisten. So gut bewacht haben wir wohl noch selten genächtigt. Und wir müssen uns jedes Mal, wenn wir aufs Klo wollen, bei der Dienstzentrale melden. Ins Haus geht’s nur in Begleitung. Zudem dürfen wir die Küche benutzen, was wir später gerne machen. Dort drinnen ist es schön warm, denn draussen bläst der Wind nun ziemlich kalt.

24.11.2011. Die Nacht ist nicht allzu kalt. Und am Morgen gibt’s eine schöne Überraschung. Nebel. Tief hängt er in den Hügeln. Eine trostlose Aussicht aus der Zelttür. Und natürlich ist das Zelt totalt nass. Wir packen langsam zusammen, gehen in Begeleitung aufs Klo, dann verabschieden wir uns von den Polizisten. Weiter geht’s auf der Mex 51. Nun in trostllosem beige-braun-grau.

Trostloses Beige-Braun-Grau

Aber am Horizont ein erster Lichtblick

Und ein Kaktusmännchen

Die Strasse führt flach weiter, dann geht’s ein wenig runter. Vor mir bricht etwas Himmelblau durch. Nun beginnt eine Steigung und der Himmel wird immer blauer. Rechterhand sieht man nun in ein Tal. Der wilde Westen lebt.

Im wilden Westen?

Die Steigung zieht sich weiter. Ein grüner Wagen fährt langsam an mir vorbei, eine Señora schaut mich an. Ich fahre weiter hoch, da steht die Señora am Strassenrand und macht Fotos von mir. Ich winke. Schnell kommt sie auf mich zu und fragt, ob sie mit mir sprechen könne. Klar. Die Señora ist vom „El Tribunal“, der lokalen Zeitung von San Felipe und Dolores Hidalgo. Die Señora gerade auf dem Weg zu einem entfernten Unfallort, um dort Fotos zu machen. Und da sind ihr halt gerade zwei Ciclistas begegnet. Auch eine Story wert. Sie interviewt mich eine ganze Weile lang. Danach geht’s weiter hoch, die Reporterin macht nochmals Fotos. Monika wartet weiter oben, mit Hunger. Und ein Kaffee wäre auch nicht übel. Wir passieren ein Dörfchen: El Fuerte. In einer Tienda stehen Tische und es gibt Kaffee. Dazu nehmen wir ein paar Kekse. Die Señora spricht ein wenig mit uns, dann bringt sie uns eine Quesadilla. Mit Fleisch, ohne Picante. Sehr fein. Dann bringt sie noch eine. Mit Bohnen und Picante. Auch sehr fein. Sie fragt, ob wir noch eine wollen. Gerne. Als ich bezahlen will, sind die sechs Quesadillas offeriert. Wow, so nett. Die Leute hier sind wirklich unschlagbar. Wir fahren die letzten Meter hoch auf die Hügelkuppe, dann geht’s runter in einen nächstes Tal. Dort wird’s flach und wir haben tatsächlich Rückenwind. Wir fliegen fast dahin. Die Quesadillas halten lange hin, wir machen erst Mittagspause, als wir gegen 14 Uhr Ojuelos erreichen. Ich hole das Zelt raus. Der Sack tropft richtig und in der Tasche hat sich eine Pfütze gebildet. Grusig! So nass war das Zelt glaube ich noch nie. Es braucht auch lange zum Trocknen. Gegen 15 Uhr machen wir uns auf die Weiterfahrt auf der Mex 70 in Richtung Aguascalientes. Es geht weiter gerade aus, dann folgt die Abfahrt in ein weiteres Tal.

Ein weiteres Tal tut sich auf

Danach geht’s leicht runter, ziemlich lange. So ist radfahren extrem angenehm. In La Paz tanken wir in einer Schreinerei Wasser nach. Der Dueño gibt uns Wasser aus dem 20 Liter Trinkwasserbidon. Auch nett. Wir fahren weiter, nun auf Ausschau nach einem Zeltplatz. Am Strassenrand hat’s nichts wirklich passendes. Bei einem Minidörfchen fahren wir hoch. Bei einem Señor fragen wir, ob wir neben der Kirche campen dürfen. Sicher. Nun, so stellen wir unser Heim so quasi auf der „Plaza“ auf. Unter strenger Beobachtung ziemlich vieler Bewohner und ein paar Hunden.

Campen auf der "Plaza"

Unter skeptischer Beobachtung

25.11.2011. Der Morgen ist kühl und wolkenlos. Um kurz nach 6 Uhr leuchten immer noch die Sterne am Himmel. Netterweise stehen wir so, dass uns später schon die allerersten Sonnenstrahlen aufwärmen.

Es geht ein Licht auf

Dann ghet’s wieder auf die Mex 70. Es geht immer noch leicht runter. Und ist ganz schön kalt. Linkerhand erscheint nun die Ciénega de Mata, eine kleine Lagune, dann beginnt eine kurvige Steigung. Hier komme ich bald ins Schwitzen.

Morgendliches Bergfahren

Nach dieser Hügelkette beginnt die Abfahrt ins nächste Tal. Unten angekommen folgt bald eine Gastankstelle mit Shop. Und dort gibt’s Kaffee. Die Señora hat erst gerade aufgemacht, so warten wir eine ganze Weile, bis die Maschine warm ist. Nach Kaffee mit Galletas geht’s weiter. Dieses Tal ist bewohnter, auf beiden Seiten Häuser, Felder und Kuhställe. Und bald hat die Strasse wieder einen Seitenstreifen. Nach einer Weile beginnt die Abfahrt nach Auguascalientes. Eine riesige Stadt. Eine Strasse führt dem Stadtrand entlang in Richtung Zacatecas. Bald folgt diese Abzweigung. Und der Hunger. Wenn wir schon in bewohntem Gebiet sind, wollen wir ausnahmsweise in einem Restaurant essen. Bei einer Señora gibt’s Gorditas. Das sind etwas dickere Tortillas , die werden dann aufgeschnitten und gefüllt. Ganz lecker. Dazu gibt’s frisch gepressten Orangensaft. Nach dem Mittagessen geht’s weiter durch die Stadt, rauf und runter. Und schon bald schwerzt mein Bauch wieder. Tja. Die letzten beiden Tage gab’s Tortillas zum Mittagessen, da war’s jeweils gut. Aber heute quält er mich wieder. Dann sind wir aus der Stadt raus, die Mex 45 führt in Richtung Zacatecas. Eine Autopista mit gutem Seitenstreifen. Dort spulen wir weitere Kilometer ab. Nach ca. 110 km und gegen 16.15 Uhr erreichen wir eine Pemex mit gutem Camprasen. Der Angestellte muss noch den Dueño anrufen. Der ist einverstanden. Gleich neben einem Kaktüsschen errichten wir unser Heim und als Tüpfelchen auf dem i hat’s gleich dabneben einen Wasserhahnen. Nicht schlecht.

Pemex-Camping

26.11.2011. Gegen 7.45 Uhr verlassen wir die Pemex bei blauem Himmel. Wir passieren die Abzweigung zum Dorf Cosío, danach geht es eine Weile flach weiter. Es folgt eine weitere Abzweigung und wir biegen auf die Cuota ab. Auf der Mex 45 geht’s eine Weile flach weiter, dann beginnt eine erste lange Steigung. Die Erde wird rot, die Landschaft felsiger. Ein schöner Wechsel. Immer wieder kommen uns nun Polizeipatrouillen entgegen oder sie fahren an uns vorbei. Meist drei Wagen in Folge, hinten auf der Ladefläche 2 – 6 Mann mit Maschinengewehr in Schussposition. Vielleicht ist an der Aussage der Señora in Agauscalientes doch etwas daran, dass es hier gefährlich sei. Zumal die Gegend ziemlich einsam wird. Nach der ersten Steigung geht’s runter, dann wieder rauf und so weiter. Eine wellige Strasse mit schöner Wild-West-Kulisse.

Rötliche Hügel

Und wellige Landschaft

Am Himmel ziehen langsam Wolken auf und der Wind bläst ziemlich stark von vorne. Es folgt eine weiter Abfahrt, nun ist links in der Ferne Zacatecas zu erkennen. Die Wolken werden immer dichter und dunkler, es wird kühl. Wir passieren eine Caseta de Cobro, dann geht’s nochmals etwas runter. Dann eine Abzweigung, wir fahren links nach Zacatecas. Nach einer Weile finden wir auf unserer Strassenseite einen Oxxo. Zum Mittagessen gibt’s einen Kaffee, Cracker und ein paar Kekse. Gegen 14 Uhr fahren wir weiter, nun tröpfelt es sogar. Ca. 10 km geht’s im Stadtverkehr in Richtung Centro. Dort beginnt die Hotelsuche. Im zweiten, dem Hotel Colon, nehmen wir ein Zimmer. 295 Pesos. Der Norden wird wirklich immer teuer. Und da es erst ab 18 Uhr heisses Wasser gibt, setzen wir uns noch eine Weile ins Internet. Danach dürfen wir uns endlich den Drech von 4 Tagen Strassenleben runterwaschen. Wie angenehm.

27.11.2011. Der Ruhetag in Zacatecas beginnt gegen 7.30 Uhr ziemlich laut mit Guggenmusik. Auf der Strasse vor unserem Fenster zieht ein bunter Zug vorbei. Wir sind blitzschnell angezogen und vor der Tür. Huch! Es ist eiskalt. Der kalte Wind treibt mir bald die Tränen in die Augen. Auch die Musikanten frieren.

Das 3. Batallon Turco,

ein Guapo,

und die Virgen

Wir schauen dem Treiben eine Weile zu. Zum Schluss zieht ein Wagen mit einer Virgen vorbei und wir machen uns auf die Suche nach einem heissen Kaffee. Danach geht’s wieder ins Internet. Der Blog will ja wieder mal aktualisiert werden. Dann bleibt hoffentlich noch etwas Zeit für eine Stadtbesichtigung. Nach 2,5 Stunden und regelmässigem Speichern sichere ich das Ganze wieder mal ab. Doch die Seite funktioniert nicht mehr. Und bei genauerem Prüfen stelle ich fest, dass überhaupt nichts gespeichert wurde. So ein Mist. 2,5 Stunden Arbeit für die Füchse. Ich bin gerade ziemlich genervt. Nun muss ich alles nochmals machen und aus der Stadtbesichtigung wird wohl nichts mehr. Ich wechsle den Computer und schon bald macht mich mein männlicher Nachbar an. Tja, eher ein Nerv- als Ruhetag.

5 Gedanken zu “Cuernavaca – Zacatecas, ein Wiedersehen mit Freunden oder die ungeplante Reise der Kristalle

  1. Hoffe, dieser „Vertigo“ hat nachgelassen und es geht Dir wieder gut. Vielen Dank für eine sehr ausführlichen und eindrucksvollen Reiseberichte.
    Weiterhin gute Reise!
    LG aus Puerto Vallarta

  2. In Manchester they also wanted to do a Virgins parade but one fell ill, and the other one didn’t want to go on her own !

    8-D

    You dizzy little headbanger – cycle more carefully and avoid the bumps. Get well soon.

  3. Dear Martina:

    We just got a huge package from Switzerland with lots of chocolate on it. We are so happy with it. At least enough european chocolate for a year. Thank you very much. Every time we will have a piece of it, we will for sure think of you guys. Lots of love and kisses,

    Pati, Sjef, Carmen and Jan

    • That was my personal treat for all of you. And especially for Pati. She was my patient driver for so many doctor visits. But of course its nice if you think about both of us when enjoying the chocolate…

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