San Francisco – Trinidad, Banditen und Giganten

26.02. – 09.03.2012. 558 km. Nach San Francisco geht’s über die Golden Gate Bridge weiter nach Norden. Es folgen weitere schöne Kilometer entlang der Steilküste mit ihren kleinen Küstenstädtchen, nächtliche Kämpfe mit kleinen Banditen und dann die Giganten. Wir fahren durch den eindrücklichen Redwoodwald der Avenue of the Giants und folgen dem idyllischen Eel River. Und auch auf diesem Abschnitt treffen wir auf ganz viel enorm herzliche und grosszügige Leute.

Route: San Francisco – Tomales – Gualala* – Mendocino – Fort Bragg – Westpoint* – Garberville – Weott* – Eureka* – Arcata – Trinidad*

 26.02.2012. Der letzte Abend in San Francisco wird lange. Laura kocht Artischocken, für mich eine Premiere, danach plaudern wir noch lange mit ihr und Tochter Sofia. Kurz nach Mitternacht sinken wir schlussendlich auf die Matten. 6.30 Uhr ist auch schon bald und um 7 Uhr stehen die Bikes beladen in der Garage. Wir machen uns ein letztes Mal leckeren Cinnamon-Toast und für mich gibt’s einen Kaffee. Das ist immer gut. Kurz nach 8 Uhr verabschieden wir uns von unserer supernetten Gastgeberin und folgen ihrer Wegbeschreibung zum Presidio, dem Park südlich der Golden Gate Bridge. Und schon bald sieht man das berühmte Bauwerk. Heute von Nahem. Schon eine impressionante Brücke.

Die Golden Gate Bridge

Die Golden Gate Bridge

Und bald befahren wir sie. Heute teilen sich Fussgänger und Radler die Westseite. Es ist viel los auf dem Geh- und Radweg. Aber man kann hier überall halten, so eine Überquerung muss schliesslich fotografisch festgehalten werden. Dann endet die Überfahrt auf dem Vista Point auf der Nordseite. Zeit für einen Brownie. Danach fahren wir durch Sausalito, ein gemütliches Städtchen, danach folgen wir lange einem Radweg. Heute ist Sonntag, es hat Hunderte von Joggern und Radlern auf dem Weg. Die fitnessverrückten Kalifornier. Danach folgt Marin City und ein grösserer Hügel. Gleich am Strassenrand grasen ein paar Rehe.

Natürlich. Kaum ist die Kamera draussen, rennt es doch noch davon...

Danach ein weiteres Dorf nach dem anderen. Nach Larkspur überqueren wir nochmals einen grossen Hügel, dann geht es flach weiter und langsam fahren wir in die Redwoods des Samuel P. Taylor State Parks. Es wird kühl in dem Wald. Wir erreichen den Campground, zum Glück ist Sonntag, der Campground ist aus Kostenspargründen nur noch Freitag, Samstag, Sonntag und Montag geöffnet. Klar, und heute wo wir früh dran sind, hocken wir wieder auf einer kalten Hike/Bike-Site mitten im Wald. Doch unser Vorgänger hat unsinnigerweise sein Feuer nicht ausgelöscht. Dieses reanimieren wir kurzerhand und sind eine Weile damit beschäftigt. Netter Nebeneffekt, es wärmt uns schön auf.

In den kalten Redwoods

Mit ungewohnter erwärmender Beschäftigung

27.02.2012. Der Morgen ist saukalt. Zeltzusammenpacken geht ja noch, aber als wir auf dem Marin Trail Bike Path entlang losfahren, wird es bitterkalt. Der Weg liegt im Wald, es geht leicht runter und die ganzen Wiesen sind gefroren. Meine Zehen und Finger sind bald fast abgefroren, Beine und Po schmerzen vor Kälte, ebenso das Gesicht. Wirklich arschkalt heute. So kalt war’s wohl das letzte Mal in Peru. Nach einer Weile biegen wir auf die Hauptstrasse ein, ganz langsam wird es mitnimmst wärmer. Nun kommt langsam Nebel auf, das Nicasio-Reservoir naht.

Beim Nicasio Reservoir

Wie ich später feststelle, sind wir hier schon vom geplanten Weg abgekommen. Aber die Nebelstimmung beim Reservoir ist wunderschön. Es folgt eine lange Steigung, dann eine Abzweigung. Marshall oder Petaluma. Hm? Marshall. Nun geht die Fahrt durchs Gemüse weiter. Schönes Gemüse, wohlgemerkt, idyllisches Farmland. Hier sieht es wirklich fast aus wie zu Hause und es hat sozusagen keinen Verkehr. Während der Pause gesellen sind Rehe auf die Kuhweide vor unseren Augen. Die Tiere sind nicht sehr scheu hier. Im Gemüse hatte es bis jetzt keinen Wind, nun kommt er langsam auf. Zudem beginnen nun ziemlich steile Steigungen. Sehr anstrengend.

Gelb in Gelb. Bald sieht man das Strassenschild nicht mehr.

Dann tut sich die Sicht auf die Tomales Bay auf.  Ein schöner Ausblick. Und schlussendlich werden wir kurz nach Marshall wieder auf den Highway 1 ausgespuckt. Nun wird auch dieser steil hügelig und der Gegenwind noch stärker. Der Tomales Bay entlang fahren wir weiter nach Norden. Eine schöne Gegend, doch die fiesen Windböen fordern ganze Konzentration auf die Strasse. In Tomales machen wir auf einem Spielplatz windgeschützt Pause. Im Café nebenan hole ich zwei heisse Schokoladen. Nach so einem anstrengenden Morgen kommen die jetzt genau richtig. Hügelig geht’s danach weiter, durch Valley Ford und Bodega Bay. Dort erreichen wir schlussendlich gegen 17 Uhr den Bodega Dunes State Park mit total sandiger Hike/Bike-Site. Ein nicht sehr gesprächiger Ciclista ist schon da. Wir stellen unser Zelt mitten in die Bäume, der einzige Ort mit etwas festerem Grund. Die Bäume schwanken ganz schön in dem starken Wind. Hoffentlich kommt da nichts runter. Dieser State Park ist abgesehen von Wind und Sandplatz ganz hübsch. Im Klo gibt’s aus  Kostenspargründen keine Handtücher mehr, dafür sind die Duschen gratis. Auch eine Logik. So gibt’s noch eine kurze heisse Dusche, danach stellen wir uns wieder dem kalten Wind. Der scheint heute nicht mehr aufhören zu wollen.

28.02.2012. Vorsichtshalber stehen wir heute erst um 6.30 Uhr auf, da es gestern um 6 Uhr so kalt war. Doch hier ist es nicht so kalt wie erwartet. Auch gut. Der Himmel ist klar, es ist windstill. So starten wir kurz nach 8 Uhr auf dem Highway 1, die Strasse verläuft weiter hügelig der Küste entlang.

Schon schön, die Küstenstrasse

In Jenner gibt’s schon den ersten Stopp. Mit einer viel zu süssen heissen Schokolade und etwas Sonnenschein. Doch schon jetzt wird die Sonne langsam abgeschwächt, eine dünne Wolkenschicht überzieht den Himmel. Zudem kommt jetzt der berühmte, kalte Wind auf. Es wird kühl. So fahren wir bald weiter. Kurz nach Jenner biegt die Strasse ins Inland ab und es beginnt eine lange Steigung. Da kommt man doch wieder ins Schwitzen. Kurz runter, dann nochmals länger hoch. Danach geht’s hügelig weiter, wir kommen nur langsam voran. Obwohl der Wind heute eigentlich noch gnädig ist. Es folgt die geschlossene historische russische Siedlung, dann Fort Ross. Nun wird die Strecke waldig.

Ländliches Kalifornien. Shop und Tankstelle in einem.

Die Kilometer ziehen sich dahin. Nach einer kühlen Mittagspause geht’s weiter.  Doch nun hat der Wind gedreht. Das heisst Rückenwind. Oh Wunder. Oder eben auch nicht. Das nun die definitive Ankündigung des schlechten Wetters. Bald tröpfelt es auch, aber wir fliegen nur so dahin. Vereinfachend kommt hinzu, dass es nun flacher wird. Vorbei an den Villen von Sea Ranch und schon erreichen wir den Gualala Point Regional Park. Oben bei der Registration wird keine Hike/Bike-Site erwähnt, wir fahren mal rein. Im Campground hat’s dann doch eine Hike/Bike-Site, mal sehen, ob der Ranger noch vorbeischaut. Bei dem soll man sonst bezahlen. Schnell stellen wir das Zelt auf und es dauert nicht lange und es regnet richtig. Es hat hier schöne trockene Sites unter grossen Bäumen, doch die Hike/Bike-Site steht unter feinem Astwerk und bald ist alles triefnass.

29.02.2012. Die ganze Nacht über regnet es und von den Bäumen werden wir noch zusätzlich mit Wassertropfen beschossen. Diese Geräusche führen wohl zu seltsamen Träumen. Dann sitze ich plötzlich kerzengerade auf der Matte. Es raschelt in der Apsis. Ziemlich laut. Ach, wird wohl eine Maus sein. Nun, am Morgen finden wir ziemlich grosse Pfotenabdrücke auf dem Footprint. Da hat sich tatsächlich ein Waschbär ins Zelt geschlichen. Aber angerührt hat er anscheinend nichts. Am Morgen stehen wir immer noch unter Beschuss. Heftigem Beschuss. Aufstehen? Rausgehen? Nein, wir drehen uns lieber nochmals um. Um 9 Uhr regnet es immer noch, doch die Stärke lässt etwas nach. Wir kämpfen uns ins Freie. Alles nass, der Himmel grau. Wir frühstücken in der trockenen Dusche, draussen regnet es mittlerweile nicht mehr. Zusammenpacken uns losfahren? Gegen 12 Uhr wären wir startklar. Für 35 ziemlich heftige Kilometer. Wir verschieben diese besser definitiv auf morgen. Aber wir packen ein paar Sachen zusammen und laufen ins nahe Gualala. In einem Supermarkt decken wir uns mit Food ein, dann setzen wir uns ein paar Stunden in ein gemütliches Café mit Wi-Fi. Und kaum sitzen wir drinnen, schüttet es wieder. Im Café gönnen wir uns ein eher teures Schlechtwetter-Mittagessen. Nach 16 Uhr machen wir uns wieder auf den Rückweg. die Sonne drückt langsam durch das Grau. Sehr schön. Im Baumcamp ist immer noch alles nass. Und kalt. Bald fährt eine Rancherin vor. 5 USD pro Person. Gut, dann bezahlen wir einfach die zweite Nacht. Wenn nicht nach der ersten gefragt wird… Nun koche ich Abendessen und gerade als wir so gemütlich wie möglich am Essen sind, tröpfelt es wieder, dann schüttet es und 15 Minuten später ist der Spuk vorbei. Hoffentlich bis auf Weiteres. Auf der Hike/Bike-Site haben wir mittlerweile einen Nachbarn. Den wortkargen Ciclista vom Bodega Dunes State Park, heute etwas gesprächiger. Nun hoffe ich, dass kein weiteres Wasser mehr vom Himmel fällt.

01.03.2012. In der Nacht tröpfelt es immer wieder mal, aber meist hört man nur die laute Brandung vom Meer her. Und ein Kratzen an der Foodbox. Sicher unsere vierbeinigen Kollegen Banditen. Ich gehe mal raus, da sitzen zwei und blicken wie gewohnt ganz unschuldig drein. Sieht alles ok aus. Doch das Kratzen geht weiter. Nun muss Moni sowieso raus, sie schaut gleich nochmals nach. Nun liegen überall Hörnli verstreut am Boden, zudem ein leerer Snacksack. Mein leerer Snacksack. Die Viecher konnten ihre Pfoten durch den Gitterflick hindurchquetschen und Hörnli und zwei meiner Snacksäcke klauen. Banditen! Moni räumt etwas um, aber bald ertönen neue Geräusche. Die kommen nun vom Knabbern der Hörnli.

Banditen!!!

Dann ist Ruhe. Bis um 6.30 Uhr. Dann genau beginnt es nämlich wieder zu regnen. Klar doch. Zuerst tröpfelt es ein wenig, dann schüttet es. Wir drehen uns nochmals um und lauschen. Gegen 8 Uhr wird das Trommeln auf dem Zeltdach schwächer, bald tropft es nur noch von den Bäumen. Wir wagen uns raus. Alles nass. Tja. Ich packe das total nasse Zelt und einen ziemlich dreckig-nassen Footprint ein. Lecker. Gegen 10 Uhr starten wir schlussendlich, nun drückt sogar die Sonne durch. Wir fahren durch Gualala, dann weiter der Küste entlang. Dem starken Gegenwind nach zufolge ist die Schlechtwetterphase vorbei. Hoffen wir’s. Wir fahren weiter der Küste entlang, mal durch etwas mehr Wald, dann wieder durch Landwirtschaftszone. In Point Arena machen wir etwas windgeschützt Mittagspause, dann nehmen wir die letzten Kilometer der heutigen kurzen Etappe in Angriff. Die Hügel werden etwas flacher und schon bald erreichen wir Manchester.

Manchester mal ganz klein

Moni geht kurz in den Supermarkt, ich versuche unseren nächsten Warmshower in Trinidad zu erreichen. Erfolglos, kein Signal. T-Mobile lässt uns im Stich. Eine Dame kommt vom Postoffice her auf mich zu und fragt, wo wir heute übernachten wollen. Im nahen State Park. Der sei aber zu und ein Highway-Officer wohne da, der schaue, dass niemand unbefugt campt. Aber sie sei ein Warmshower. Das ist ja super! Doch Judy wohnt einige Meilen nördlich von Elk, das wären noch ca. 20 Meilen. Das schaffen wir nicht. Aber Judy hat auch einen Pick-up, da könnten wir alles einladen. Hört sich gut an. Etwas weniger Kampf Gegend den Wind. Judy arbeitet noch bis 17 Uhr im Postoffice. Wir trocknen mal all unsere Sachen, als ein Ciclista vor dem Supermarkt hält. Ty ist um einiges neugieriger und gesprächiger, als alle bisher angetroffenen Amis. Bald folgt auch noch seine Freundin Raya. Die zwei sind sehr nett und geben uns viel Infos für den Norden. Z.B. auch wo man am Besten Dump-diven kann. Wir unterhalten uns lange mit den beiden, zwischendrin räumen wir mal all unsere Sachen in den Pick-up. Dann ist auch schon -Judy bereit und wir fahren los in Richtung Elk. Eine Weile nach dem Dorf führt eine Strasse steil den Berg hoch. Dort oben wohnt Judy, so quasi über der Fire-Station. Sie gehört der hiesigen freiwilligen Feuerwehr an und das Feuerwehrauto parkt genau unter ihrer Wohnung in der Scheune. Judy stellt uns kurz ihren Eltern vor. Hm, da ist es schön warm im Haus. Dann müssen wir wieder raus. Judy macht sich für ein Feuerwehrmeeting bereit und wir machen es uns in der Scheune bequem. Eine schöne warme Dusche hat es hier auch, doch die steht im Freien und draussen ist es uns zu kalt. Duschen muss also warten.

02.03.2012. Die Nacht auf dem Scheunenboden ist kalt, der Morgen auch, dafür ist alles schön trocken. Aber ich kann mich kaum aus dem warmen Schlafsack schälen und gefrühstückt wird auch noch im Warmen. Dann müssen wir raus in die Kälte der Scheune, 5 Grad, dann ganz raus. Alles ist voller Reifen und es ist bitterkalt. Doch bald folgt Rettung, Judy kommt mit einem heissen Kaffee runter. Perfekt. Wir schwatzen noch eine ganze Weile mit ihr und gegen 9.30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Es folgt eine kalte Abfahrt zum Highway 1 runter, dann folgt schon bald die Überquerung des Navarro-Rivers. Runter und wieder hoch. So wird der Körper langsam warm. Es folgt das Dorf Albion und weitere Flusstäler, immer schön rauf und runter. In Little River machen wir Pause, dann folgt Mendociono und weitere Hügel. Links immer mit Blick auf die schöne Küste, während einem von vorne der Wind ins Gesicht bläst. Gegen 13 Uhr erreichen wir Fort Bragg, seit langem die erste grössere Stadt. Gleich ein Mac Donalds. Da gab’s doch für 1 USD einen Mac Chicken. Ich kaufe 2 Stück, ein ziemlich degeneriertes Mittagessen. Wieder in der Stadt hat es einen Safeway, wo wir Fodd aufstocken. Nach Fort Bragg geht’s auf einem Strandbikeweg noch etwas weg vom Highway. Der ist hübsch mit schönem Ausblick aufs Meer.

Schöne Highway-Alternative

Und ganz abrupt hört er auf. Ein Fluss und keine Brücke. Wir müssen umkehren. Wir befinden uns schon im Mac Kerricher State Park, jetzt müssen wir nur noch den Campground finden. Schließlich finden wir das Visitor Center, registrieren uns und dann soll’s heute wieder mal unter die heisse Dusche gehen. Doch das Klo gleich neben er Hike/Bike-Site ist geschlossen. Eine Dame zeigt Monika ein weiters Klo und lädt uns später auf ein Glas Wein ein. Das Krabbennachtessen lehnen wir dankend ab. Im anderen Klo hat es bei den Lavabos kein Heisswasser, das ist suspekt. Ich laufe mal zum Visitor Center, da der Host gleich gegenüber unserer Site nicht da ist. Doch das Center ist nun geschlossen. Aber da hat’s noch einen zweiten Host. Der will gleich nachschauen kommen. Das tut er auch, er öffnet die Türen bei unserem Klo und Heisswasser gibt’s da auch. Ich teste gleich die heisse Dusche. Mit einem Quarter dusche ich ewig lange, ohne nachzuzahlen. Wunderbar. Der Host hat uns derweil als Entschädigung für die Umstände ein Bündel Brennholz gebracht. Dieses nehmen wir nach dem Nachtessen gleich mit zu unseren neuen Freunden. Und so stehen wir noch bis nach 22 Uhr mit Patty und ihrem Mann Bob am gemütlich warmen Feuer. Die zwei geben uns zudem Mandarinen, Orangen und Avocados von den eigenen Bäumen mit. Und Patty steckt uns noch 100 USD zu. Häh?? Für eine Nacht in einem warmen Motel, wenn’s draussen wieder mal ganz garstig ist. Wow, was soll man dazu noch sagen. Wir sind einfach nur noch baff…

03.03.2012. Um 6.30 Uhr haben wir 7 Grad Celsius im Zelt und das Aufstehen geht eigentlich gang zügig. Kurz nach 8 Uhr putzen wir im Klo noch die Zähne, als Patty reinschaut. Wir wollten uns sowieso nochmals von den beiden verabschieden. Und für einen kurzen Kaffee haben wir auch noch Zeit. Im Camper der Beiden ist es schön warm und der Kaffee ist sehr fein. Um 9 Uhr wollten wir eigentlich aufbrechen, doch wir unterhalten uns wirklich gut mit Patty und Bob. Was die Sache noch interessanter macht, ist, dass Patty ehemalige US-Meisterin und zweimalige Olympiateilnehmern im Hürdenlauf ist. Was für eine Ehre für uns. Nun, kurz nach 12 Uhr verabschieden wir uns schlussendlich von den herzlichen Leuten, weil sie um 12 Uhr ihre Site räumen müssen. Mit im Gepäck nun noch ein Erdnussbutter-Jelly-Sandwich. Wir fahren nur kurz aus dem Park, denn eigentlich ist es Zeit für Foodnachschub. Und Erdnussbutter mit Jelly ist wirklich um Welten besser als nur Erdnussbutter. Dann geht’s auf die hügelige Strasse, durch bewohnte Gegend, dann in grösseren Hügeln der Küste entlang.

Die Küste bleibt schön

Und nach 25 km stoppen wir schon wieder im Westpoint Union Landing Beach, den Hügel vor Leggett schaffen wir nach dem heutigen späten Start nicht mehr. Hier kostet die Hike/Bike-Site 3 USD pro Person, mit Plumpsklo und einem Wasserhahn, und wir dürfen uns die Campsite aussuchen. Mal ws ganz Neues. Wir plaudern eine Weile mit dem Host, dann stellen wir das Zelt auf, das hier im Sonnenschein im Nu trocknet. Ich wasche mich kurz und als ich die Hose wieder anzeigen will, höre ich ein „Ratsch“. Oh nein, etwas ist gerissen. Doch es ist nur eine Naht am Bein, nichts Ernsthaftes. Nun bleibt etwas Zeit zum Relaxen. Schön! Alles ist ganz friedlich, als ein lauter Knall die Idylle bricht. Monikas Hinterreifen ist platt. Und gerissen. So schnell werden wir von hier wohl nicht wegkommen. Aber auch hier kann vielleicht der Camphost helfen. Nun mal kurz nebenbei die Erklärung des Camphosts. Das ist normalerweise ein pensionierter Herr oder allenfalls ein Paar, welches auf einem Camping nach dem Rechten schaut, putzt, Material auffüllt und Infos gibt. Der Host lebt dafür umsonst  in seinem Camper auf dem Campground und bekommt vom Staat Strom, Wasser und Gas bezahlt. Und ein guter Host ist auch Infocenter, wie in diesem Fall Eugene. Er ruft gleich in einem Bikeshop in Fort Bragg an. Der ist morgen Sonntag leider geschlossen. In Mendocino hat’s auch noch einen, der soll auf sein. Nun, dann werden wir uns wohl morgen per Anhalter auf den Weg nach Mendocino machen, denn Busse gibt’s hier keine.

04.03.2012. Und so ist heute ungeplanterweise ausschlafen angesagt. Zumindest bis die Sonne das Zelt zur Sauna aufheizt. Ein schöner Tag. Zumindest von drinnen gesehen. Draussen ist es total neblig und kühl. Trotzt durchdringendem Sonnenschein. Nach einem Granolafrühstück im Zelt gehen wir zu Eugene. Er plaudert wieder ziemlich lange, dann ruft er in Mendociono im „Catch a Canoe“ an. Dort haben sie Reifen. Nun, dann werden wir wohl dahin hitchhiken. Draussen steht gerade ein Ranger, der nach Süden fährt. Doch er darf gemäss Staatsregel niemanden mitnehmen. Doch es ist dem Ranger total unrecht, das wir nun per Anhalter fahren müssen. Er telefoniert eine Weile rum, kann dann aber doch nicht helfen. So stehen wir schlussendlich mit Monikas Hinterrad am Strassenrand. Fast kein Verkehr in Richtung Süden. Zwei Autos fahren einfach vorbei. Doch da kommt ein Jeep von oben. Wir wedeln mit dem Armen in der Gegend herum, der junge Mann und seine Freundin halten und fahren uns netterweise bis zum „Catch a Canoe“ in Mendocino. Was für ein Glück! Im  Laden findet Monika einen neuen Hinterreifen. Diesen und zwei Schläuche bekommt sie von Besitzer Rick zu einem Spezialpreis. Ein netter und sehr hilfreicher Mensch. Als er erfährt, dass wir nun wieder per Anhalter zurück wollen, ist auch er ganz besorgt. Und macht uns den Vorschlag, uns so gegen 16 Uhr bis zum Campground zu fahren. Die Leute hier sind wirklich unglaublich!

Der Big River. Perfect to Catch a Canoe.

Wir laufen über den Big River nach Mendocino rein und setzten uns den Rest des Nachmittages in ein Café mit Wi-Fi. Mittlerweile ist auch hier alles in Nebel gehüllt. Pünktlich um 16 Uhr kommt Rick und fährt uns wie versprochen bis vors Zelt. Hier ist der Nebel noch dichter geworden und alles ist schon wieder feucht. Und kalt. So ist das Radnomadenleben im winterlichen Kalifornien. Kalt und feucht.

05.03.2012. Die Nacht ist verhältnismässig warm und ich schlafe ziemlich schlecht. Mag am nahenden Vollmond liegen, wer weiss? Nach kurzem Schlaf folgt der erahnte neblig-feucht-kalte Morgen. Es hat immerhin etwas weniger Nebel als am Vorabend, aber natürlich ist alles triefnass. Gegen 8.15 Uhr verlassen wir dem Campground. Auf dem Highway 1 geht’s weiter entlang der Küste, dann biegt die Strasse ins Inland ab. Es folgt die erste längere Steigung. Durch dichten Wald geht’s den Berg hoch, dann wieder runter. Bald folgt eine noch längere Steigung, auf 2’000 Fuss hoch, sprich ca. 600 m.ü.M., und damit höchster Punkt der Pacific Coast Route. Im Cycling-Buch wird der Berg als legendärer Gigant beschrieben, von dem anscheinend alle Ciclistas reden. Nun, von Norden her kommend muss man nur halbsoviel rauf, weil man schon auf 1’000 Fuss beginnt. Und auch die angegebenen 7% Steigung auf 4 Meilen können nicht so schlimm sein. Da können wir nur darüber lachen. Nun, wir müssen die ganzen 600 Meter rauffahren, aber die Steigung ist nicht allzu steil. Durch dichten Wald geht’s hoch, dann überfahren wir die Nebelgrenze. Ah, Sonnschein. Weiter geht’s durch den schönen Wald, ich komme richtig ins Schwitzen. Im Sonnenschein machen wir Mittagspause, doch gleich wird’s wieder kalt, trotz Sonne. Nun fehlen noch ein paar Meter bis zur Spitze, dann folgt die Abfahrt zum Eel River. Ein wunderschöner Fluss, dem wir nun folgen.

Der Eel River. Nordamerikanisches Klischee-Idyll.

Nochmals kurz rauf, rechts der Abzweig nach Leggett. Wir biegen auf den Highway 101 ein und schon bald sind wir beim Standish-Hickey State Recreation Area Camp mit Hike/Bike-Site für 5 USD pro Person. Die Site liegt natürlich im Wald, noch dringen ein paar Sonnenstrahlen durch, aber bald wird’s kalt. Auch die warme Dusche kann da nicht abhelfen. Aber nach einem so schweissreichen Tag tut das warme Wasser trotzdem gut.

06.03.2012. In der Nacht regnet es, wie der Wetterbericht vorausgesagt hatte. Am Morgen fegt der Wind schon wieder durch die Bäume und es ist trocken. So sollte es immer regnen. Und der Nacht. Nun fallen nur noch letzte Wassertropfen aus den Bäumen aufs Zeltdach. Welches übrigens wieder ein Loch mehr hat, von irgendwelchen runterfallenden fiesen Baumteilen. Draussen ist die Luft klar und kalt. Dick verpackt setzen wir unseren Weg auf dem Highway 101 fort. Es geht weiter runter, dann wird’s hügelig und von Beginn an haben wir starken Gegenwind. Wir verlassen den Highway 101 und fahren auf den Highway 271. Nach Piercy geht’s wieder auf den Highway 101. Und die ganze Zeit folgen wir dem schönen Eel River. Mit all den schönen Bäumen zeigt er wirklich das klischeehafte Nordamerika. Wunderschön!

Noch mehr Eel River

Bei einer Tankstelle gibt’s einen heissen White Chocolate Caramel Macchiato. Der ist fantastisch. Süss. Und heiss. Meine Zehen sind seit ein paar Tagen im Dauerfrierzustand. Nun, da kann der Kaffee auch nicht helfen. Nach ein paar weiteren Meilen folgt das Städtchen Garberville. Dort decken wir uns mit Lebensmitteln ein, dann geht’s wieder auf den Highway 101. Es folgt ein grösserer Hügel und dann die Ausfahrt auf den Highway 254 oder die Avenue of the Giants. Nun fliegen grosse Wolken über den Himmel. Windgeschützt machen wir Mittagspause, doch sobald die Sonne weg ist, wird’s kalt. Wir passieren Phillipsville und dann geht’s langsam in den Redwoodwald. Schon eindrücklich, die gigantischen Bäume. Hier fühlt man sich wirklich als Zwerg auf zwei Rädern.

Zwerg im Gigantenwald. Die Fahrt durch die eindrücklichen Redwoods.

Und natürlich ist es in den Redwoods noch kälter , nur wenig oder kein Sonnenlicht dringt hier bis zum Boden. Kurz vor Weott erreichen wir den Burlington Campground mit Hike/Bike-Site für je 5 USD. Dort errichten wir unser Lager inmitten der grossen Bäume und … frieren etwas weiter.

07.03.2012. Der Morgen in den Redwoods ist kalt. Die Kronen werden von der Sonne angestrahlt, doch das Licht reicht nicht bis zum Grund. Wir fahren weiter durch die kühle Avenue of the Giants. Immer wieder stoppen wir und bestaunen die Riesen.

Hugging a tree. A big tree.

Dann endet der kalte Spass und wir biegen wieder auf den Highway 101 ein. Nun wird es wärmer, aber auch der Gegenwind wird spürbar an diesem wunderbar sonnigen Tag. Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Highway 101. Gegen den frühen Nachmittag nähern wir uns Euerka. Nach der Stadt hat es einen teuren KOA Campground, unser heutiges Ziel. Ein Radler überholt uns, spricht ein paar Worte, fährt weiter. Doch bei einer Ausfahrt bleibt er stehen, wartet auf uns. Und bietet uns an, bei ihm zu übernachten. Wow, mit Aussicht auf einen warmen Abend in einem Haus sagen wir natürlich gerne zu. Jay lotst uns zu seinem Heim, zeigt uns das Gästezimmer und das Haus, dann ist er schon wieder unterwegs. Pferde füttern und seinen Sohn von der Schule abholen. Wir trocknen all unsere Sachen in der warmen Sonne und dann geht’s unter die heisse Dusche. Die ist ein Traum hier. Als Jay wiederkommt, steckt er unsere Schlafsäcke gleich noch in den Trockner. Damit sie auch ganz sicher trocken sind. Um 18 Uhr kommt seine wohl etwas überrumpelte Frau Sonny mit der Tochter heim. Bald gibt’s Abendessen. Brauner Reis, Huhn und feines Gemüse. Sehr lecker. Dann verbringen wir noch einen netten Abend mit diesen speziellen Leuten. Die Amis erstaunen mich immer wieder mit ihrer herzlichen Gastfreundlichkeit. Wir wurden ja wirklich von der Strasse aufgelesen und in ein feines Haus gebracht. Für mich nicht selbstverständlich. Nun geniessen wir einfach die Wärme, und die tut Wunder.

08.03.2012. Ganz luxuriös werden wir gefragt, was wir zum Frühstück wollen. French Toast vielleicht? Da sagen wir nicht nein. Nach der warmen Nacht in einem bequemen Bett packen wir unsere Bikes, dann begeben wir uns in die Küche. Jay bring die Kinder zur Schule, Sonny macht uns French Toast. Als Jay zurückkommt, macht er uns noch Rühreier. Weil Proteine gut für uns sind. Gegen 9.30 Uhr verabschieden wir uns von unseren spontanen Gastgebern und machen uns auf den Weg auf den Highway 101. Mit Rückenwind treiben wir nach Arcata. Tja, die nächste Schlechtwetterfront ist im Anmarsch. In Arcata der nächste Stopp. In der lokalen Coop decken wir uns mit eher teuern Lebensmitteln ein. Ist eben alles organic. Vor dem Laden, wie auch sonst in der Stadt, wimmelt es nur so von Hippies und anderen komische Gestalten. Nun, in der Gegend soll ja gut Pot angebaut werden… Ansonsten soll Arcata eine freundliche Collegestadt sein, Studenten sehe ich einfach gerade keine. Im ACE Hardware Store kaufen wir uns noch ein Gallone Camping Gas, gibt’s hier leider nicht kleiner. Jetzt können wir eine Weile gut was abfackeln. Kurz nach 12 Uhr begeben wir uns Wieder auf den 101. Aber da müssen wir bald runter, Umleitung für Bikes. Nun führt der Weg über ruhige Feldstrassen durch die Gegend, der Himmel verfinstert sich langsam. Dann geht’s wieder auf den 101, und bald sind die Wolken wieder verflogen. Am Clam Beach Drive machen wir Mittagspause und bald schon biegen wir auf den Trinidad Scenic Drive ein. Der ist wirklich scenic, mit tollem Blick auf die Küste und Trinidad.

Auf dem Trinidad Scenic Drive

Dieses kleine Dorf erreichen wir auch bald und so stehen wir gegen 15 Uhr vor dem Haus unseres hiesigen Warmshowers. Carole arbeitet noch, aber sie hat das Garagentor für uns aufgelassen. Der Vorteil von kleinen Orten. Wir holen unsere Sachen rein, machen Gebrauch von der Warmshower und geniessen schon wieder ein warmes Heim. Gegen 18 Uhr kommt auch Carole heim. Sie ist gerade etwas aufgelöst wegen Problemen mit ihrem Sohn, empfängt uns aber trotzdem sehr herzlich. Kurz danach treffen noch zwei weitere Couchsurfing-Gäste ein. Full House in Trinidad.

09.03.2012. Hier machen wir einen regulären Tag Pause. Die Kette muss gereinigt und nachgezogen werden, dann bleibt noch Zeit für Blog und Mails. Dazu hat es ein gemütliches Café in dem Örtchen. Und morgen geht’s weiter in Richtung Oregon. Bis anhin hatten wir ja wirklich Wetterglück und relativ wenig Regen. Der Winter hier ist dieses Jahr ziemlich trocken, gut für uns. Doch ab morgen soll es uns doch noch treffen. Die Wettervorhersage verspricht Regen und Schneeregen mit kalten Temperaturen für die ganze nächste Woche. Kein erfreulicher Ausblick.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s