Anchorage – Tok, einmal fast quer durch Alaska oder so

01.06.- 09.06.2012. 533 km. Wir fahren wieder! Auf dem Glenn Highway verlassen wir Anchorage. Der Glenn führt uns bald durch die wunderschönen Talkeetna Mountains, leider bei strömendem Regen. Es folgt der Tok Cutoff Highway und die Alaska Range und wir sehen einen ersten Schwarzbären und Elche.

01.06.2012. Es geht weiter. Endlich. Nach mehr als einem Monat Bikepause setzen wir uns heute wieder auf die Sättel. Unser zweiter Anchorage Warmshower Host Dave wird uns begleiten, eine Nacht campen und morgen wieder zurückfahren. Dave ist ein sympathischer und unkomplizierter Typ. Und so verlassen wir kurz vor 9 Uhr Dave’s Appartement, erster Stopp ein Carrs. Für den heutigen Tag brauchen wir noch Mittag- und Abendessen. Monika und ich kümmern uns darum und netterweise können wir alles in Dave’s Taschen stopfen. So macht einkaufen Spass. Wir sind ja wie immer ziemlich überbeladen, nun fährt ja auch noch die riesige Bärfoodbox mit. Ein Monstrum. Mein Rad fährt sich wie ein Panzer.

Der Panzer ist abfahrbereit

Wir fahren auf einem Radweg parallel zum Glenn Highway nach Eagle River, dort gibt’s einen Kaffeestopp. Dann weiter auf dem Radweg bis dieser verschwindet und wir auf dem Highway weiterfahren müssen.

Nette Aussicht vom Glenn Highway

Gegen 13.30 Uhr erreichen wir die Abzweigung nach Palmer, kurz danach machen wir bei einer Kaffeerösterei Mittagspause. Wir fahren gerade wieder los, als ein junger Herr mit frisch gemahlenem Kaffee vorbeigeht. Mhhh, duftet das gut. Ich laufe ihm gleich nach und frage, ob er Kaffee machen wird. Nein, der sein für morgen, doch es hätte noch Kaffee von heute morgen. Ich nehme auch davon gerne eine Tasse. Mit zwei geschenkten Bechern bestückt, Dave trinkt keinen Kaffee, gehe ich zurück, die Pause muss etwas verlängert werden.

Kaffee = happy

Ich schlürfe gerade gemütlich das braune Getränk, als der Herr wiederkommt. Mit vier kleinen Kaffeepackungen. Für uns. Wow, vielen Dank! Nun fehlen nur noch ein paar Kilometer zum Kepler Bradley Campground. Plumpsklo, kein fliessend Wasser, keine Bären, Seeanstoss, 18$. Eher teuer. Immerhin können wir uns eine Site mit Dave teilen und er übernimmt die Kosten. Thanks a lot! Später tauchen Monika und ich kurz in den einskalten See. Eine atemberaubende Erfrischung. Danach machen sich die ersten Bichos daran, mich aufzufressen, die Moskitos sind erwacht. Die Viecher hier sind saulästig, aber daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen.

02.06.2012. Als Novität können wir heute bei Sonnenschein frühstücken. Wirklich nett. Und kalt ist es auch nicht. Gegen 8.45 Uhr verabschieden wir uns von Dave, er fährt wieder zurück nach Anchorage, wir in Richtung Glennalllen. Und natürlich hat Dave Rückenwind… In Palmer gibt’s einen ersten Halt, Monika muss Wasser auftanken, ich Kaffee. Nun beginnt die Strasse langsam zu steigen. Und was sehe ich denn da bei einem Parkplatz bei einem Vista Point. Da stecken zwei Beinchen aus dem Sand hervor. Das sehe ich mir mal genauer an. Tja, und so kommt „El Viejo“ zu netter Gesellschaft in Form einer blonden Fee. Ich hoffe, der Alte weiss das zu schätzen.

Matanuska River Vista Point

El Viejos neue Gesellschaft

Wir fahren nun durch grüne Wälder und mit Schneeresten bedeckte Berge. Schön. Das Radfahren macht auch richtig warm, seit langem einmal komme ich wieder richtig ins Schwitzen. Nun öffnet sich das riesige Flussbett des Matanuska Rivers. Diesem folgen wir bis auf Weiteres.

Der Glenn Highway folgt dem Matanuska River

In Chickaloon machen wir Mittagspause. Der Himmel verdunkelt sich immer mehr, es wird kalt. Daher gibt’s noch einen heissen Kaffee im Restaurant. Hier könnte man auch gratis campen, inkl. Karaoke-Abend, doch wir fahren weiter. Nun steigt die Strasse stetig an. Es wird richtig bergig, wohl das erste Mal seit Ewigkeiten. Es folgt der Long Lake. Ist da nun ein Campground? Ein Zelt steht schon da. Ich frage mal einen heranfahrenden Herrn. Es ist in der Tat ein Campground, ein winziger, ohne Wasser und Klos, was man den umliegenden Büschen ansieht. Aber campen kostet hier auch nichts. Dann stellen wir das Zelt gleich mal am See auf und pumpen Wasser. Nun füllt sich der Platz langsam, Zelte und Boote mehren sich. Ich komme mit Nachbar John ins Gespräch. Sein Sohn besteigt gerade den Denali, leider musste er aus gesundheitlichen Gründen umkehren, wie John gerade erfährt. Nun beginnt es zu tröpfeln, aber John baut uns unter dem Kofferraumdach seines Jeeps einen trockenen Unterschlupf. Dort lässt es sich schön trocken kochen. Das ist angenehm und die Gesellschaft sehr gemütlich.

03.06.2012. Nachts beginnt es andauernd zu tröpfeln. So packen wir am Morgen schnell zusammen, dann gibt es Kaffee bei John. Es tröpfelt weiter, hört mal auf, beginnt wieder und es gibt noch mehr Kaffee. Schlussendlich starten wir gegen 10.30 Uhr bei leichtem Regen. Es geht gleich weiter bergauf, bald bin ich von innen und aussen nass. Eklig. Das leichte Tröpfeln wechselt sich mit trockenen Phasen ab, wir fahren weiter durch die Berge der Talkeetna Mountains. Es geht länger rauf, das ist ganz ungewohnt. Selbst der Pazifikküste entlang waren die Steigungen nie wirklich lange. Wir klettern auf ca. 1’000 Meter, mehrmals, denn es geht stetig rauf und runter. Die Landschaft ist wunderschön, grüne Wälder, Berge, der Matanuska River und dann kommt der Matanuska Gletscher in Sicht.

Der Matanuska Gletscher bei Regen

All das ist sogar bei Regen schön, bei Sonnenschein sicher absolut umwerfend. Na ja, nicht heute und nicht für uns. Das berige Rauf und Runter zieht sich, doch dann erreichen wir eine Hochebene. Und schlussendlich geht’s runter zum Nelchina River. Dort befindet sich die Little Nelchina State Recreation Site, ein Campground. Wir finden ihn nicht auf Anhieb, denn Beschilderungen sind hier in Alaska etwas Glückssache, vor allem wenn es sich um staatliche kostenlose Campgrounds handelt. Aber gegen 21 Uhr endet die Suche. Kein Wasser, ein dreckiger Fluss und eklige Klos, aber immerhin Klos. Wir suchen uns einen Platz und spannen erstmal den Tarp, etwas mehr Schutz. Dann filtert Monika Wasser aus einer Pfütze, einzige mehr oder weniger saubere Wasserquelle, ich stelle das Zelt auf und koche. Und kurz vor Mitternacht fallen wir müde auf die Matten.

04.06.2012. Der Wecker reisst mich um 7 Uhr aus dem Schlaf. Puh, ich bin total fertig. Monika ist auch nicht unglücklich über ein paar Minuten mehr Schlaf. Aber um 8 Uhr ist definitiv Aufstehzeit. Das Wetter ist nicht allzu schlecht, die Sonne drückt langsam durch.

Welches ist wohl das Pfützenwasser?

Es geht zurück auf die Strasse. So sieht das Ganze doch schon viel freundlicher aus. Es geht leicht runter, dann wird die Strasse hügelig. Im „Grizzly Baer Country“ machen wir einen Kaffeehalt und unterhalten uns eine ganze Weile mit dem Besitzer. Mehrmals wurde uns gesagt, hier gäbe es keine Bären, nun werden wir eines Besseren belehrt. Letzte Nacht wollte uns auf jeden Fall keiner ans Essen. Dann geht es weiter vorbei an Seen, Pfützen, viel Wald und den Bergketten in der Ferne. Doch langsam ziehen dunkle Wolken auf. Um uns herum gewittert es, doch wir schaffen es trocken bis nach Glennallen. Dort decken wir uns im Supermarkt mit Food ein und fahren zum „Northern Lights RV Park„. Der Besitzer begrüsst uns gleich herzlich. Eine Campsite kostet hier 15$, die heisse 7-Minuten-Dusche 3$. Ok, das leisten wir uns. Zudem ist heute Montag. Montags und Freitags macht die Frau des Besitzers Dessert für die ganzen Camper. Und wir sind am richtigen Tag da. Ein Wunder. Wir stellen ganz schnell das Zelt auf, dann starten wir mit dem Dessert. Rhabarber Crumble und Ananaskuchen mit Rahm und eine heisse Schokolade. Als Helden des Tages bekommen wir eine zweite Portion, danach bin ich satt und übersüsst. Vielleicht haben es die Mücken deshalb nur auf mich abgesehen. Ich werde aufs Gemeinste attackiert und fliehe bald unter die heisse Dusche. Und dann ist es auch schon wieder 22 Uhr. Diese ewige Helligkeit verwirrt mein Zeitgefühl immer noch total.

05.06.2012. Im „Northern Light RV Park“ gibt’s am Morgen auch noch gratis Kaffee. Tiptop. Da bleibt auch noch ein bisschen Zeit um das Wi-fi zu nutzen. Und gegen 9.30 Uhr starten wir, das Blau am Himmel gewinnt langsam Vorhand gegenüber dem Grau. Bald biegen wir auf den Richardson Highway ein, dieser führt uns bis zum Abzweig zum Tok Cutoff Highway. Hier nimmt der Verkehr nun merklich ab. Wir folgen weiterhn grünen Wäldern und folgen nun dem Copper River. Bald kommen wieder schneebedeckte Berge in Sicht. Wunderschön. So stellte ich mir Alaska doch vor. Und bei Sonnenschein sieht das Ganze auch noch viel besser aus.

Nett!

Während der Mittagspause werden wir jedoch schon wieder von Gewitterwolken eingekesselt. Das Wetter wechselt schnell hier oben. Doch auf wundersame Weise bekommen wir nur ein paar Tropfen ab, dann strahlt auch schon wieder die Sonne. Wir erreichen Chistochina, hier steht die „Red Eagle Lodge„. Der Besitzer fuhr früher an uns vorbei und gab uns seine Karte. Auf der gemütlichen Veranda warten wir auf seine Frau und schauen uns die wirklich hübschen Cabins an. Und in der Tat kann man hier für 13$ campen, wo auch immer wir wollen. Die heisse Dusche ist hier inklusive. Zudem gibt’s für 5$ extra ein grosses Frühstück. Das kaufen wir gleich mit. Später dürfen wir es uns im Haus mit Wi-fi gemütlich machen, während es draussen lange regnet. Schon interessant, wo man hier überall Internet findet. Mitten im Nichts so quasi. Es ist sowieso sehr gemütlich hier, so beschliessen wir kurzerhand, einen Ruhetag einzulegen. Der Wetterbericht befürwortet die Entscheidung, denn für morgen ist Regen angesagt.

06.06.2012. So ist es denn auch, der Morgen beginnt mit Regen. Für einmal ganz nett. Wir hatten gestern Abend das Frühstück noch von 7.30 auf 9.30 Uhr verschoben. Eine gute Entscheidung. Nun stzen wir uns in die warme Stube und frühstücken lange und gemütlich mit Besitzer Richard und Schreiner Mark. Später belagern wir weiterhin die warme Stube des Hauses und widmen uns intensiv dem Nichtstun. Ein perfekte Ruhetag.

07.06.2012. Am Morgen fragen mich zwei Damen im Bathhouse der Red Eagle Lodge, wie lange wir den schon unterwegs seien. „2,5 Jahre.“ Den beiden fällt die Kinnlade runter und sie meinen, ich sehe aber extrem gut aus dafür. Hm, ich frage mal, wie ich denn aussehen sollte. „Totally worn out!“ Wohl nicht, wenn man so langsam unterwegs ist. Aber danke trotzdem fürs Kompliment. Etwas später schwingen wir uns bei bewölktem Himmel wieder auf die Räder. Die Fahnen hängen schlaff vom Mast, doch das ändert sich bald. Wir haben den ganzen Tag lang ziemlich starken Gegenwind. Langsam fahren wir in die Berge, oder eher Hügel, der Alaska Range.

Einfach Alaska

Und da watschelt er weit vorn über die Strasse. Der erste Schwarzbär. Von einer entgegenkommenden Autofahrerin werden wir gewarnt, wir sollten jetzt ganz schnell fahren. In Anchorage wäre kürzlich eine Radfahrerin von einem Schwarzbären attackiert worden. Doch dieser hier will absolut nichts von uns. Bei den Midway Services machen wir Mittagspause. Das Besitzerpaar ist gut drauf. Sie wollen nichts verdienen, sie haben lieber Freunde. Daher kostet der Kaffee hier auch nichts. Hier dürften wir auch umsonst in einem umgebauten Schulbus mit Bett und Ofen übernachten, doch wir wollen noch etwas weiter. Nach weiteren guten hügeligen 25 km erreichen wir die Mentasta Lodge, wo wir auch umsonst campen dürfen. Und gerade als das Zelt steht, beginnt es zu regnen.

08.06.2012. Im Restaurant der Mentasta Lodge gibt es noch einen Kaffee inkl. Refill und gegen 9.30 Uhr machen wir uns wieder einmal bei bedecktem Himmel auf den Weg. Die Strasse führt weiterhin hügelig durch die Alaska Range. Ich hatte mir die Strecke bergiger vorgestellt, doch so kommen wir natürlich schneller voran. Bald tröpfelt es. Während wir Regenjacke und -hose anziehen, überquert vor uns eine Moose Mama mit ihrem Baby die Strasse. Herzig.

Tja, die waren wohl doch etwas weit weg

Leuchtendes vom Strassenrand

Später sehen wir noch einen grasenden grösseren Elch und wir treffen auf fünf Einheimische Radler auf dem Weg von Haines nach Palmer. Das Wetter ist sehr wechselhaft, auf den Regen folgt Sonnenschein. Herrlich. Und wie farbig doch all die Blumen am Strassenrand erstrahlen. Violett, Purpur, Gelb. Inklusive vieler grosser Schmetterlinge. Doch bald schon braut sich wieder etwas zusammen und die letzten flachen Kilometer vor Tok fahren wir durch Gewitterregen. In Tok können wir in Couchsurfer Chip’s Trailer übernachten. Dort erwarten uns schon Greg, Lea und Ronja. Von den Family Pedaleros, dem deutschen Paar mit ihrer fast einjährigen Tochter haben wir auf dem ganzen Weg hierhin gehört. Nun haben wir sie schlussendlich noch eingeholt. Eine coole Familie und ein gemütlicher Abend.

09.06.2012. Wir verfolgen die grössere Packeinlage der Family Pedaleros. Ronja scheint sich jetzt schon sehr für Fahrräder zu interessieren. Früh übt sich.

Die Family Pedaleros Ronja, Greg und Lea

Dann fahren wir zur Tok RV Village, wo man für teures Geldduschen und waschen kann. Immerhin ist nun wieder alles sauber. Tok hat sonst nicht viel zu bieten, ist es doch nicht viel mehr als eine Strassenkreuzung. Dort wo der Tok Cutoff auf den Alaska Highway trifft. Und natürlich „Fast Eddy’s„. Bikebuch und diverse Radler schwärmten von diesem Restaurant und der All-you-can-eat-Saladbar. Die ist in der Tat Spitzenklasse, wir leisten uns dazu eine fette Lasagne. Nun stecken wir voller Energie für den morgigen Weiterweg nach Dawson City.

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