Pamplona – Barcelona; gejagt von Wind, Regen, Gewehren und Menschenmassen

24.10. – 507 km. Die Fahrt von Pamplona nach Barcelona ist landschaftlich nicht sehr eindrucksvoll, mehr Eindruck schaffen Gewehrschüsse, Dauerregen und Wind in Orkanstärke, der einem Finger und Körper gefrieren lässt. Immerhin muss ich gestehen, handelt es sich um Rückenwind, teilweise zumidest. Mit Barcelona erwartet uns der letzte Städtehalt, mit viel Architektur und natürlich der Baukunst Gaudí’s. Alles wunderbar, würde man sich nicht ständig wie ein Schwein in Massentierhaltung fühlen. 

24.10.2012. Nach zwei erholsamen Tagen bei Portu in Pamplona machen wir uns auf den Weiterweg in Richtung Barcelona. Wir hatten uns eine Route rausgesucht, diese besprechen wir am Abend vor der Abfahrt mit Portu. Er gibt uns einen besseren Vorschlag für die Strecke gleich nach Pamplona, den wir gerne annehmen. Zudem erklärt er uns, wie wir aus der Stadt rauskommen. Perfekt. Vielen Dank Portu, auch für die einmalige Gastfreundschaft! Wir frühstücken noch zusammen mit ihm, dann verabschiedet er sich von uns. Er muss zur Arbeit, wir räumen auf und bringen unsere Sachen runter. Mein Bike passt nicht in den Lift, so komme ich beim Runtertragen vom 5ten ins Erdgeschoss schon das erste Mal ins Schwitzen. Gegen 9.30 Uhr stehen unsere Bikes dann abfahrbereit in der Gasse, der Himmel blau und wolkenlos. Es ist auch schon recht warm. Auf dem beschriebenen Weg fahren wir aus der Stadt raus, immer in Richtung Tajonar. Danach folgen wir auf einer ruhigen Nebenstrasse der A-21. Es war hier  neblig, nun löst sich der Nebel langsam auf. Tausende Spinnenetze glänzen in den Sonnenstrahlen. Wunderschön!

Morgenstimmung nach Pamplona

Es wird langsam richtig warm. Bei der Pause auf einem Bank in Monreal geniessen wir die Sonne. So ist das Radlerleben schön. Zur Sonne gesellt sich nun ein starker Wind. Gegenwind. Na ja. Auch das gehört zum Radlerleben. Hügelig führt die Strasse such die Gegend, in der Ferne sind die Pyrenäen zu erkennen. Wir fahren wie gehabt durch kleine Dörfer, wie schon so oft erinnern mich die Häuser ans Engadin.

Engadin oder Navarra?

Wir biegen auf die NA-127 ab und kurz vor Sangüesa machen wir Mittagspause. Wir lassen uns weiter von der Sonne wärmen, die durch den mittlerweile diesigen Himmel drückt. Wir folgen weiter der NA-127 und bald beginnt eine gute Steigung rauf zum Dorf Sos del Rey Catolico. Gemäss Porti ein sehenswerter Ort. So ist es. Wir drehen eine Runde durch die engen Gassen. Wirklich schön hier.

Aufstieg nach Sos del Rey Catolico

In den engen Gassen des schönen Dorfes

Und der Blick in die Weiten der Ebene

Dann holen wir bei der Tankstelle Wasser und fragen bei der Guardia Civil, ob wir auf dem Fussballfeld campen dürfen. Doch der einzige Typ da hat nichts zu sagen. So fahren wir zum Platz runter, in der Sporthalle fragen wir nochmals. Der junge Señor muss erst telefonieren und meint dann, dass es nicht gehe, da heute Abend Training stattfinden würde. Aber ausserhalb des Dorfes hätte es einen Camping libre. Er wisse einfach nicht, in welchen Zustand dieser nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage sei. Und morgen würde es ja noch mehr regnen. Wir schauen uns die Sache an. Etwas schwierig, eine ebene Stelle zu finden, aber nicht unmöglich. Nun hoffen wir einfach, dass der Regen noch etwas auf sich warten lässt.

25.10.2012. Der Regen setzt nachts ein, lange trommelt er aufs Zeltdach. Doch er hört auch nachts wieder auf und zur Aufstehzeit ist es trocken Die grauen Wolken hängen tief und es ist erstaunlich warm. Wir können trocken frühstücken und packen. Fast, für eine kurze Zeit fallen ein paar Tropfen. Ich ziehe die Regenmontur über und fahre auch so los, denn in Richtung Pass sieht es düster aus. Und nach ein paar Metern setzt auch schon der Regen ein. Nicht strakt, aber genug, um nass zu werden. Hochfahren in Regenbekleidung hat den Nachteil, dass man bald von aussen und innen nass ist. Das ist etwas unangenehm. Nach guten 3 km ist die Passhöhe des Puerto de Sos mit 856 m.ü.M. erreicht. Es geht auf der anderen Seite runter, nun gesellt sich ein anderer Freund dazu. Der Wind, Gegenwind. Er bläst böig von seitlich-vorn und zwar egal um was für Kurven man fährt. Das kann irgendwie nicht sein. Mittlerweile ist es wieder trocken und wir fahren hügelig durch die Gegend. In Sadaba suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen für die Pause. Wir finden eine Bank, doch kaum sitzen wir, beginnt es zu tröpfeln. Schnell alles wieder zusammenpacken und unter ein Dächlein fliehen. Als wir alles umgesiedelt haben, ist es wieder trocken. Klar. Nun drückt sogar die Sonne etwas durch. Sehr schön. Als wir weiterfahren ist es wieder grau. Wir passieren Ejea und machen dort vor der Kirche San Salvador Mittagspause. Gleiches Spiel, kaum ist alles draussen, beginnt es zu regnen. Doch San Salvador macht seinem Namen Ehre und rettet uns mit einem trockenen Unterschlupf beim Kircheneingang.

Die Retterin von San Salvador

Danach geht’s auf der A-125 weiter in Richtung Erla. Es wird flach, die Strasse führt gerade durch die Gegend, präferiertes Territorium des Gegenwindes. Dieser kennt heute keine Gnade und bremst uns gut ab. Auf dieser Strecke hat es nun auch viele Lastwagen, die sind etwas mühsam, aber die Fahrer sehr anständig und geduldig. In Erla tanken wir Wasser auf und machen uns auf den Weiterweg. Bald folgt ein Abzweig auf die A-124. Wir fahren auf eine dunkle Wolkenwand zu. Ein Unterschlupf für die Nacht wäre ideal. Linkerhand ein leerstehendes, etwas zerfallenes Gebäude. Sieht vielversprechend aus. Wir schauen uns das Gebäude an, nicht gerade sehr einladend, aber trocken. Wir fahren die Räder rein und wischen den von uns ausgesuchten Raum sauber. Überall Vogelscheisse.

Putzaktion mit Grasbesen

Wir wollen gerade das Zelt aufstellen, als draussen ein Audi langsam vorbeifährt. Zweimal, der Fahrer starrt rein. Dann hält das Auto und einer der Herren steigt aus. So steht die Karre lange da, wir warten ab, doch es passiert weiter nichts. Dann fährt der Audi davon. Seltsam. Aber was soll’s. Wir stellen das Zelt auf, nun höre ich draussen Stimmen. Zwei Männer laufen langsam durchs Gras. Auf der Suche nach Schnecken. Lecker. Ewig durchstreifen sie das hohe Gras vor „unserer Tür“. Dann endlich können wir fertig ausräumen. Das war jetzt hoffentlich der letzte Besuch von heute und hoffentlich schüttet es diese Nacht, wenn wir schon einen trockenen Unterschlupf haben.

26.10.2012. Bald beginnt es im Nebenraum von der Decke zu tropfen. Es regnet. Die ganze Nacht durch und auch am Morgen tröpfelt es immer noch. Wir frühstücken schön im Trockenen und packen die Räder. Dann geht’s in Regenmontur gehüllt auf den Weiterweg. Es regnet nicht stark, aber zuviel um ohne Regenbekleidung zu fahren. Auch heute ist es ziemlich warm und so werde ich langsam aber sicher auch innen nass. Das Regenwetter treibt nicht nur die Schneckensammler raus, sondern natürlich auch die Schnecken. Zu Tausenden wohl tummeln sie sich nun auf dem Seitenstreifen. Ausweichen ist schwierig, zumal sie oft auch noch wie Steinchen aussehen. Die kleinen zumindest. So werde ich hier auch zum Schneckenmassenmörder, das Fahren erzeugt ein konstantes Zerknirschgeräusch. Sorry. In Gurrea de Gallego wollen wir einkaufen gehen. In der ersten Tiendita finden wir etwas Gemüse, für Haferflocken werden wir weitergeschickt. Weiter ins Dorf rein zum Supermercado. Keine Haferflocken, kein Milchpulver, aber der nette Señor erklärt uns lang und breit, wo wir es bekommen könnten. Nur fahren wir nicht in diese Richtung. Ohne Erfolg viel Zeit verplämpert. Darum ist einkaufen unterwegs so schwierig. Das Mitgeschleppe hat schon gewisse Vorteile. Wir fahren weiter und treffen auf die A-23. Dort hat es eine Tankstelle mit warmem Restaurant. Wir beschliessen zum Kaffee gleich noch einen Toast zu essen, als klägliches Mittagessen. Die nassen Sachen trockenen schön, bereit fürs nächste Nasswerden. Als wir weiterfahren regnet es heftiger und konstant. Dem ganzen Wasser nach zu urteilen, dass hier die ganzen Felder überschwemmt hat, hat es schon vorher viel geregnet. Auch einige Dörfer sind noch bei den Aufräumarbeiten von Überschwemmungen. Nach San Jorge folgen wir einer winzigen Strasse nach Tardienta, dann folgt eine sich in Reparatur befindliche Schotterpiste nach Grañén. Nun folgen wir der A-1210 in Richtung Sariñena. Es regnet weiter fröhlich vor sich hin.

Trister Wegbegleiter

Bei einer Tankstelle essen wir nochmals etwas und ich frage drinnen nach der Wetterprognose für die nächsten Tage. Der nette Herr schaut extra nach und es sieht gut aus. Die nächsten 3 Tage soll es schön werden. Unglaublich. Na ja, der Himmel wird langsam etwas heller, als wir Sariñena erreichen. Dort kurven wir etwas im Dorf herum. Auffallend viele arabisch aussehende Leute hier. Zudem suchen wir nach einer Strategie. Wasser holen und auf gut Glück weiterfahren, in der Hoffnung ein verwaistesHaus zu finden? Weiterfahren und hoffen, einen nicht überschwemmten Ort zum Campen zu finden? Oder eine Unterkunft suchen? Die Schlafsäcke sind ziemlich feucht, wie auch unsere Kleider und wir. Das nahe Hostal Romea kostet 25 Euros. Wir leisten uns diese trockene Bleibe und lassen alles trocknen. Zudem gibt’s hier eine heisse Dusche und einen grossen Supermercado inklusive Haferflocken und Milchpulver. Und nun mal sehen, ob der Wetterbericht hält was er verspricht.

27.10.2012. Das Bett ist etwas hart, doch mit etwas wirren Träumen schlafe ich so gut wie schon lange nicht mehr. Am Morgen gibt’s in der Bar einen Kaffee, dazu unsere Avenas. Der Himmel ist noch etwas bewölkt, doch es sieht tatsächlich gut aus. Und es bläst schon ein heftiger, kühler Wind. Wir starten und dürfen bald zur Kenntnis nehmen, dass wir Rückenwind haben. Wir sausen die guten 27 km auf der A-131 dahin. Dann biegen wir nach links ab, mit dem Ziel einen grossen Bogen um Lleida zu fahren. Das heisst auch, dass wir ab nun Seitenwind haben. Die Strasse windet sich bald einen Hügel hoch, je nach Kurvenlage bläst der Wind von vorn, hinten oder seitlich. Beim Aufstieg zieren farbige Fels- und Gesteinsformatioenen den Weg. Oben folgt ein längeres Plano und einige Windböen sind so stark, dass ich mein Rad gut halten muss. Es folgt die Abfahrt nach Alcolea de Cinca, wieder durch diese interessante Steinlandschaft. Einige Hügel formen canyonartige Gebilde, sieht toll aus.

Interessante Hügel…

… und Gesteinsformationen

Wir erreichen das Dorf, beim Kreisel winkt uns ein Herr zum Stoppen ab. Ob wir ihn wiedererkennen, er hätte gestern im Hostal Romea mit der Duena Karten gespielt. Ja, stimmt. Er meint, er würde uns gerne auf einen Kaffee in die Bar einladen. Gut, ist sowieso Pausenzeit. Drinnen wartet schon sein Freund, der eigentliche Samariter, denn dieser lädt uns zu einem Bocadillo mit Schinken und einen Kaffee ein. Wirklich nett. Danke. Wir unterhalten uns eine Weile mit den Herren, bis sie aufbrechen. Wir fahren auch bald weiter, nun mit seitlichem Rückenwind. Wir passieren Binéfar, danach haben wir wieder Rückenwind. Schon cool. In Tamarinde de Litera machen wir bei einer aus Reformgründen geschlossenen Tankstelle Mittagspause, dann sausen wir weiter. Vorbei an Olivenhainen und Mandelfeldern. Die letzteren haben wohl auch zuviel Wasser abbekommen. Die Mandeln sehen etwas schimmlig aus. Aber vielleicht täuscht das, vielleicht sehen sie einfach so aus.

Von diesen hat’s hier Tausende: Olivenbäume

Von ihnen etwas weniger: Mandelbäume

Nun folgen sehr interessante Hügel, die einen Blick in ihr gestauchtes Innenleben zulassen. Wir passieren die Grenze nach Cataluña, oder eben Catalunya, ab nun ist alles nur noch auf katalanisch angeschrieben. Eine Mischung aus Spanisch und Französisch, so kommt es mir zumindest vor. Immerhin versteht man es noch sinngemäss.

Willkommen in Catalunya. Hier ist Spanisch unerwünscht.

Die Gegend ist relativ flach und wir kommen wirklich gut voran. Kunststück bei dem coolen Rückenwind. Ein Dorf weiter und noch eins weiter. In Castello de Farfanyo tanken wir schlussendlich Wasser auf und kurz nach dem Dorf fahren wir auf einen kleinen Strasse den Hügel hoch. Wir schauen uns eine Scheune an, zuviel Wind und so verlassen schaut sie nicht aus. Wir folgen einer kleinen Kiesstrasse und finden ein gutes Plätzchen. Man würde meinen, hier seien wir ungestört, doch selbst hier brummen zuerst einige Offroad-Motorradfahrer vorbei, dann ein Mann in einem Van. Dieser steigt dann auch noch aus und wandert etwas umher. Er sieht uns nicht und steigt schlussendlich auch wieder in seinen Wagen und fährt davon. So ganz ungestörte Wildcamps scheinen hier etwas rar zu sein. Aber jetzt herrscht Ruhe, bis auf den immer noch heftigen, kalten Wind, der uns bald in den Schlafsäcken verschwinden lässt.

Abendstimmung im Wildcamp

28.10.2012. Der kalte Wind lässt nachts minim nach, setzt aber am frühen Morgen schon wieder ein. So ist der Morgen kalt und klar. Die Sicht auf einen wolkenlosen Himmel ist toll, das Aufstehen fällt trotzdem etwas schwer, weil es so kalt ist. So wird auch seit langem das erste Mal wieder im Zelt gefrühstückt. Danach packen wir die Sachen zusammen, als beim Schuppen oben Stimmen zu hören sind. Diese nähern sich, begleitet von Hundegebell. Dann ein Schuss. Scheisse, wir werden gejagt. Kein Wunder, befinden wir uns doch in einer „Area privada de Caça“, wie es hier heisst. Sollen wir uns zu erkenn geben? Die Herren ziehen mit den Hunden auf den Hügel auf der anderen Seite hoch. Wir winken mal, keine Ahnung, ob sie uns gesehen haben. Aber wir verschwinden besser so schnell wie möglich von hier. Sonntags sollte man wohl besser nicht durch ein Privatjagdrevier fahren. Aber das ist in Spanien schwierig, denn mir kommt es vor, als ob das ganze Land ein „Coto privado de Caza“ ist. Und heute höre ich immer wieder Schüsse irgendwo neben der Strasse. Was hier wohl abgeknallt wird? Wir fahren den Hügel wieder runter und folgend der C-26 in Richtung Balaguer. Der Wind weht immer noch von der richtigen Seite und gibt Schub. Und er ist heute eiskalt.

Ein kalter, klarer Morgen

Danach folgen wir der C-53 nach Tàrrega. Nun kommt der Wind von seitlich hinten, manchmal ist es schwierig, das Rad nahe dem Seitenstreifen zu halten. In Tàrrega wir es Zeit für eine Pause. Im Idealfall windgeschützt, in der Sonne und neben einer Bar. Genau das finden wir. Vor einer Bar steht ein Pavillon, der bietet Windschutz und es ist nicht allzu kalt. Dort können wir einen Kaffee trinken und unser eigenes Zeugs essen. Perfekt. Danach müssen wir wieder in die Winterkälte. Es ist schon spät. 12.40 Uhr. Auf der C-14 geht’s in Richtung Montblanc. Meist bläst der Wind von hinten und er wird immer stärker. Die längere Auffahrt nach Belltall erfolgt mit viel Schub. Das macht so richtig Spass. Bei der darauffolgenden Abfahrt wird der Wind etwas prekär, in den Kurven muss man auf seitliche Böen gefasst sein. Mein Bärcontainer, den ich ja immer noch mitschleppe, bietet etwas zuviel Windresistenz und einmal haut es mich fast um. Ich fahre in der Strassenmitte, um die Böen ausgleichen zu können und um nicht von der Strasse gefegt zu werden. Dieser Wind hier hat schon fast patagonische Ausmasse. Und auch Rückenwind kann ganz schön anstrengend werden. In La Guardia dels Prats suchen wir Windschutz um die Karte zu lesen und um etwas zu essen. Windschutz finden wir bei einem Hauseingang, die Bewohner lachen nur, als sie rauskommen.

Kartenlesen bei Wind ist nicht so einfach

Wir tanken Wasser, es ist schon spät. Lleida ist umfahren, wir biegen hier aber nochmals auf eine kleine Nebenstrasse ab. Langsam wird’s Zeit für die Campsuche. Mit Vorteil finden wir einen windgeschützten Ort. Die Suche dauert heute lange und erst kurz vor 18 Uhr finden wir einen geeigneten Platz. Dieser ist gut versteckt und es hat teilweise sogar noch etwas wärmenden Sonnenschein. Nun, es reicht gerade noch, um sich ohne Erfrierungen zu waschen. Und Jäger hat es hier hoffentlich keine, die Schüsse und das Hundegebell dringen von der Ferne an mein Ohr.

29.10.2012. Ungewohnterweise für Wind nimmt dieser in der Nacht merklich zu. Er wird stärker und stärker, rüttelt wie wild am Zelt. Ein richtiger Windsturm. Die letzten 2 Jahren musste ich bei solchen Angelegenheiten raus, nun ist Monika an der Reihe, es ist ihr Zelt. Doch ich wage mich auch raus, ich muss aufs Klo. Puh, es ist eiskalt da draussen. Am Morgen ist’s nicht besser, zudem bläst der Wind immer noch in guter Stärke. Ein eiskaltes Gebläse. Ich muss meine Mütze hervorholen und für die Abfahrt behalte ich seit Ewigkeiten das erste Mal den Fleece an und montiere die dicken Winterhandschuhe, denn meine Finger sind fast abgefroren zu diesem Zeitpunkt. So geht’s dick eingepackt los, weiter den Berg runter nach El Pla de St. Maria. Von dort geht’s auf einer gemütlichen, kleinen Strasse weiter.

Guguseli

Je weiter wir runter kommen, desto mehr lässt der Wind nach. Doch trotz Sonnenschein dauert es eine ganze Weile, bis ich die Fleecejacke ausziehe. Doch bei der ersten längeren Auffahrt ist es definitiv soweit. Bald treffen wir auf die C-51, dieser folgen wir hügelig bis nach El Vendrell. Nahe der grossen Stadt wird die C-51 zur fetten Strasse mit viel Verkehr. In El Vendrell machen wir noch kurz Pause, bevor es auf der N-340 in Richtung Barcelona geht. Dies nun eine viel befahrene zweispurige Piste. Nun, wirklich viel befahren. Wir landen gleich mal in Stau. Baustelle. Doch auf dem Seitenstreifen können wir bis an den Anfang vordringen und bald geht’s auch schon weiter. Nicht so auf der Gegenseite. Die Fahrzeuge stauen sich, wir fahren der Kolonne entlang. Für ganze 10 km. Viele Fahrer fragen, was los sei. Tja, Baustelle. Um Villafranca herum häufen sich die Ein- und Ausfahrten, die etwas lästig sind. Hier machen wir bei einer Tankstelle Mittagspause. Das ganze Szenario hier erinnert mich stark an Mexiko, an die Gegend rund um die Capital. Der Wind ist fast verschwunden und in der Sonne ist es nun sogar richtig heiss. Wer hätte das heute morgen noch gedacht? Wir fahren weiter, bald folgt eine längere Steigung auf den Puerto de Ordal. Danach folgt die lange Abfahrt in Richtung Barcelona. Nach Cervelló suchen wir unseren weiteren Weg auf einer Nebenstrasse, denn auf die Autopista dürfen wir ja nicht. Aber das klappt wunderbar. Es geht von einem Dorf ins nächste und langsam verwächst das ganze mit Barcelona. Nach einigem Nachfragen finden wir auch das Haus unseres Warmshower José. Es ist 18.30 Uhr – nun eigentlich 17.30 Uhr, denn wir haben ja nun Winterzeit – und wir haben fast 100 km auf dem Tacho. Es war ein langer und anstrengender Tag. Auf ein Klingeln an der Haustür öffnet niemand. Doch da kommt ein junger Kerl angefahren, José. Ein gutes Timing. Wir schleppen das Zeugs hoch, diesmal nur in den ersten Stock. José zeigt uns sein Zimmer. Nun eigentlich eher ein dunkles Verlies. Da passt kaum unser Gepäck rein und ich frage mich, wie wir da schlafen wollen. Für 3 -4 Tage wird das hier viel zu eng. Aber ab dem 30. Oktober ist noch ein anderer Warmshower verfügbar. Da werden wir wohl morgen all unser Gepäck nochmals zügeln.

30.10. – 02.11.2012. So geschieht es auch. Wir verbringen den regnerischen Tag die meiste Zeit in der Wohnung und aktualisieren den Blog und schreiben Mails. So ist in dieser Hinsicht schon viel erledigt. Gegen 18 Uhr begeben wir uns wieder auf die Strasse. Mit der Winterzeit ist es nun schon dunkel. 7 km müssen wir im Feierabendverkehr durch die Stadt fahren. Bald beginnt es zu tröpfeln und später schüttet es es aus allen Kübeln. Das hätte nicht sein müssen. Immerhin hat es in Barcelona wirklich gute Bikewege in der Stadt, so kommt man ohne Autoverkehr voran. Blöderweise verfahren wir uns jetzt auch noch und kommen erst nach 19 Uhr und total nass bei unsrem neuen Warmshower Marsel an. Dieser wohnt mit seiner Familie in einer wirklich coolen Wohnung mitten in der Altstadt. Seine Frau und die beiden kleinen Kinder sind mit den Schwiegereltern ausgeflogen und Marsel muss auch bald wieder los. Hier haben wir Unmengen von Platz und jede bekommt ein Sofa zum Schlafen. Totaler Luxus.

Die ganze Nacht über schüttet es weiter und auch am Morgen fällt immer noch viel Wasser vom Himmel. Das Einzige was bei Marsel fehlt ist Wi-fi. So begeben wir uns in die Nässe und laufen in Richtung La Rambla. Im Laden mit dem grossen gelben M gibt’s einen Kaffee und Internet. Später lässt dre Regen nach und wir können noch etwas durch die Strassen spazieren, aber das Sightseeing wird auf den Folgetag verschoben. Aber jetzt schon merkt man, dass Barcelona wirklich touristisch ist. In den Gassen und auf der La Rambla stauen sich die Menschenmassen. Das kann ja heiter werden.

Allerheiligen. Sicher nicht der beste Tag um auf Sightseeing-Tour zu gehen. Heute hat es sicher noch viel mehr Leute. So ist es. Der Parque Güell ist total zugestopft, wir haben ein Athabascafalls-Flashback. Aber hier ist es noch schlimmer. Immerhin ist der Parque Güell kostenlos. Der Park wurde in den Jahren 1900 bis 1914 als Auftragsarbeit für den Industriellen Eusebi Güell erschaffen. Ursprünglich sollte er viel grösser werden, doch aus finanziellen Gründen kam dies nie zu Stande. Gaudí passte seine Pläne beim Bau dem hügeligen Terrain an.

Organische Formen und Materialien

Organische Formen fügen sich ins Gelände und vermitteln den Eindruck von Natürlichkeit. Die benötigten Materialien fand der Baumeister auf dem Gelände selbst. Für die vielen Mosaike verwendete er Abfälle der nahen Keramikfabriken.
Beim Haupteingang des Parks stehen zwei Pförtnerhäuser mit markanten „Zuckergussdächern“. Anschliessend führt eine grosse Treppe vorbei an der berühmten Salamander-Fontäne zum Terrassenplatz, Treffpunkt der Besucher und Akumulationspunkt der Massen. Darunter befindet sich die Sala Hippostila mit den wunderschönen Deckenmosaiken. An denen kann ich mich kaum sattsehen.

Dach des einen Pförtnerhäuschens

Total überfüllte Treppe mit der Salamander-Fontäne

Deckenmosaike der Sala Hippostila

Der Park ist wirklich schön, aber leider hat es heute definitv zu viele Leute. Na ja. Wir spazieren lange durch den schönen Park und dann geht’s wieder „nach Hause“, wir haben genug. Eigentlich wollten wir uns noch mehr anschauen, aber das verschieben wir wohl auf Morgen. Heute reicht es nur noch für einen Spaziergang durch den Casco Viejo, einmal am Nachmittag und später nochmals am Abend.

Die Catedral im alten Stadtteil

Sowie andere alte Bekannte

Ein weiterer sonniger Tag lädt zu weiterem Sightseeing ein. Per Metro fahren wir in die Nähe der Sagrada Familia. Noch einige Blocks laufen und wir stehen vor dem riesigen, absolut impressionanten Bau.

Die Westfassade der Sagrada Familia, auch Passionsfassade genannt

Die Sagrada Familia ist wie üblich von Baukränen umgeben, ist die von Gaudi im neukatalanischen Stil entworfene  Kirche bis heute unvollendet. Der Bau wurde 1882  begonnen und soll nach jüngsten Prognosen 2026 abgeschlossnen sein. Finanziert werden die Bauarbeiten immer noch auschliesslich über Spenden, Zuwendungen von Stiftungen und Eintrittsgeldern. Jährlich stehen unglaubliche 22 Millionen Euro für den Bau zur Verfügung, was nicht verbaut werden kann wird gespendet. Eigentlich wollen wir uns die Kirche von innen anschauen, doch erwarteterweise scharen sich die Menschenmassen vor dem Bau, gehört der unvollendete Bau doch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Barcelonas. Wir laufen einmal um den Quadra, den die Kirche einnimmt. Und erkennen das wirkliche Ausmass der Anstehschlange. Diese windet sich doch tatsächlich schon um 3/4 des ganzen Blocks. Wahnsinn! Absoluter Wahnsinn! Total durchgeknallt! Nie und nimmer wollen wir uns das antun. Wir sind wohl nicht mehr für die grossen Menschenmassen geschaffen.
Ich befürchte, dass dies bei den anderen Sehenswürdigkeiten nicht besser ist. Wir laufen zu Gaudí’s Casa Milà oder La Pedrera. Die Casa Milà wurde von Gaudi von 1906 bis 1910 für die Familie Milà errichtet. In Barcelona hielt man zunächst nicht sehr viel von dem Gebäude, schnell wurde es unter dem Spottnamen „La Pedrera“, der Steinbruch, bekannt. Die Bezeichnung verdankt es seiner unregelmässigen Fassade mit den vielen Vorsprüngen und seiner wuchtigen Masse , die schon von Weitem ins Auge fällt.

Gaudí’s Casa Milà, oder La Pedrera

Auch dort stehen die Leute bis auf die Strasse an. Die Schlange ist wesentlich kürzer, aber für uns zu lang. Selbes Bild bei der Casa Battló. Dieses Haus gilt als eines der baulichen Glanzstücke Barcelonas. Das im Jahr 1877 errichtete Gebäude wurde von Gaudí für den Textilindustriellen Josep Battló i Casanovas in den Jahren 1904 bis 1906 von Grund auf umgebaut. Der Reiz der Fassade beruht auf der sanften Wellenbewegung und der reichen Farbigkeit.

Gaudí’s wunderschöne Casa Battló

Wirklich schade, denn so ein Gaudí Gebäude hätte ich gerne von innen gesehen. Falls jemand weiss, wann es in Barcelona nicht Millionen von Touristen hat, kann mir dies gerne mitteilen. Heimlich oder auch per Blog. Danke für jegliche Hinweise! So endet das heutige Sightseeing früher als erwartet, aber so haben wir Zeit, um in Ruhe einzukaufen und uns im Café Valor ein letztes Mal Churros con Chocolate zu gönnen. Dann beginnt erneut die Jagd nach Internet, für einmal sind nicht wir die Gejagten.

Ist McDonalds jetzt die grosse Konkurrenz von Sprüngli?

Nach diesen Tagen in Barcelona haben wir eindeutig genug vom Massentourismus, wir sind bereit für einsame Kilometer auf der Strasse. Ansonsten wäre Barcelona einen längeren Besuch wert, gäbe es auch an Museen noch viel interessantes zu sehen. Mir gefällt die Stadt mit dem Mix aus historischer Architektur und moderner Kunst. Aber ein ander Mal. Morgen geht’s weiter in Richtung Frankreich, nächster Halt Montpellier.

2 Gedanken zu “Pamplona – Barcelona; gejagt von Wind, Regen, Gewehren und Menschenmassen

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