Opfikon – Buenos Aires, eine kleine Fortsetzung

19.11.- 16.12.2012. Ende? Wie war das jetzt mit dem Ende? Nun, ganz soweit ist es noch nicht. Irgendwie. Nach 3 Wochen angewöhnen, dem Wintereinbruch im schweizerischen Flachland und tatsächlich schon viel Arbeit gibt’s nochmals eine Pause. Und eine kleine Reise nach Buenos Aires, Argentinien. Dorthin, wo dieses Abenteuer vor mehr als 3 Jahren seinen Lauf nahm. So schliessen sich Kreise. Wer hätte das gedacht… Und keine Angst, ich breche nicht zur zweiten Runde auf, das sauber geputzte Fahrrad bleibt in der Garage stehen…

19.11. – 10.12.2012. Aber von Anfang an. Die ersten Tage „zu Hause“ verbringe ich erstmal mit Aufräumen, Sortieren, Fahrradtaschen leeren und waschen, Fahrrad putzen und vielem mehr. Dann heisst es Kartons durchwühlen. Ich bin auf der Suche nach Kleidern und Schuhen. Es wird Zeit, die Garderobe wieder etwas zu erweitern. Ich finde einige Teile und stelle bald fest, dass sich die Beine doch verändert haben. Sämtliche Hosen sind oberhalb der Knie doch etwas enger als vor der Reise. Dies ist ja nun nicht sehr erstaunlich, aber es fühlt sich komisch an, zumal ich eigentlich keine engen Hosen mag. Aber so ist es nun. Jetzt heisst es nur aufpassen, dass die Hosen nicht noch enger werden. Denn jetzt werde ich nicht mehr jeden Tag stundenlang auf dem Fahrrad sitzen. Und von den Berichten von so vielen heimgekehrten Radlern weiss man, dass nach der Reise meist ein paar Kilos dazukommen. Da hilft die Vorweihnachtszeit mit ihren süssen Versuchungen sicher gut dabei… Ich esse nicht mehr so viel wie auf dem Rad, halte Süsses in Grenzen, aber irgendwie schient mein Körper nun genau zu wissen, dass es nach ein paar Wochen nicht einfach weitergeht. Da muss nach Weihnachten dann wohl wirklich eine Diät gemacht werden.

Bald nach der Rückkehr ins Heimatland bricht auch der Winter ein. Und zwar richtig. Bis ins Flachland schneit es. Da ist es doch wirklich schön, ein warmes Haus zu haben, in das man jederzeit fliehen kann.

Ungewohnter Wintereinbruch

Ungewohnter Wintereinbruch

Aber so viel Zeit verbringe ich sowieso nicht mehr draussen – eigentlich schade bei dem schönen Schnee – denn es steht schon der erste „Job“ auf dem Tisch. Nun, die Arbeit ist richtige Arbeit, der Lohn gleich Null. Alvaro, der biciclown, möchte kurz vor Weihnachten noch ein neues „Buch“ produzieren, denn am 19. November feierte er sein 8-jähriges Jubiläum auf der Strasse mit seinem Projekt „Miles of Smiles around the World“. Zu diesem Anlass will er ein Buch mit 12 Postkarten rausgeben, Titel des Buches „8 x 12 = 2’922“. Ich hatte ihm mal meine Hilfe angeboten und so kommt es nun, dass ich die Gestaltung des Buches übernehme.

Einige "Seiten" aus dem neuen Buch

Einige „Seiten“ aus dem neuen Buch

Kein grosses Projekt, aber das Ganze hält mich gut beschäftigt. Zumal gewisse Dinge etwas ungewohnt sind, denn Alvaro sitzt im Moment in Argentinien, gedruckt wird das ganze in einer Druckerei in Spanien. So ist die Kommunikation nicht immer einfach. Aber nicht nur die Kommunikation. Die Druckerei, oder besser gesagt der Berater dort, gibt mir falsche Masse für den Umschlag an. Meine Zweifel an den Massen werden zweimal mit einem „no te preocupes“ (mach dir keine Sorgen) abgespeist. Nun, so liefere ich die Daten fixfertig ab, als mir jemand aus der Druckabteilung mitteilt, dass ich das Format aller Postkarten kürzen müsste, da der Umschlag zu kurz sei. Ich habe so gewisse Flashbacks an alte Zeiten in der Arbeitswelt, in dem Fall etwas Ärger, und greife zum Telefonhörer. So geht das nicht. Ich teile der Dame mit, dass ich auf keinen Fall die Postkarten neu designen werde, ich könnte aber den Umschlag anpassen. In 5 Minuten habe ich die neuen, nun korrekten Masse und nach etwas Zusatzarbeit ist das Dokument definitiv druckbereit. Und so etwas will ich mir in Zukunft wieder  jeden Tag antun? Hm, sieht so aus. Und jeden Tag passiert so was ja nicht und der Rest macht wirklich Spass. Und wenn das Projekt auch nur kleine war, ich habe schon wieder viel Eingerostetes wiederbeleben können und auch die Programme beherrschen sich schon fast wieder wie von selbst. Und nach noch einigen weiteren Verzögerungen seitens der Druckerei ist das zweisprachige Buch (spanisch/englisch) nun bei paquebote auch bezugsbereit. Falls jemand daran interessiert ist.

Schlussendlich bleibt mir nun auch noch etwas Zeit, um Familie, Freunde und Winter zu geniessen. Es schneit weiter bis tief in die Niederungen, der Schnee liegt teilweise bis zu 15 cm hoch. Da muss sogar immer mal wieder ein Pflug durch die Strassen flitzen.

Winter im schweizer Flachland

Winter im schweizer Flachland

Mir gefällt es, ich liebe den Winter, die Kälte, den Schnee. Und von diesem gibt’s nun genügend. Ich muss sogar meine Joggingstrecke durch den Wald aufgeben, denn da gibt’s kein Durchkommen mehr. Auch auf den Strassen durchs Dorf ist’s nicht immer einfach, aber die kühle Luft erfrischt Körper und Geist. Und der Körper lechzt von Zeit zu Zeit nach einer sportlichen Betätigung, denn das Radfahren fehlt definitiv.

Zudem hat sich meine Mama ein paar Tage frei genommen. Denn obwohl ich vor langer Zeit einmal versprochen hatte, Weihnachten 2012 in der Schweiz zu verbringen, werde ich auch dieses Jahr nicht mit meiner Familie feiern. Warum in aller Welt? Gute Frage. Nun, es wird mich nochmals nach Argentinien verschlagen. Argentinien. Richtig, da wo Alvaro im Moment ist. Er befindet sich im Moment in einer Schaffenspause – sein Fahrrad ist in Los Angeles, USA, parkiert – um hier im südlichen Sommer bei Freunden an seinem neuen Dokumentarfilm zu arbeiten. Und da gibt es nochmals einige Dinge zu gestalten. Zudem ist es ein Wiedersehen nach einer traurigen Trennung an einer Kreuzung des Highway 22 in Kanada… So ist das. Aber um wieder zum Anfang des Abschnittes zu gelangen, so kann meine Mama doch etwas Zeit mit mir verbringen. Gleich zu Beginn verwandelt sich die Küche in eine Backstube. Weihnachtsguetzli backen.

Mailänderli in Arbeit

Mailänderli in Arbeit

Die Spitzbuben sind naschbereit

Die Spitzbuben sind naschbereit

In zwei Tagen stellen wir die verschiedensten Köstlichkeiten her. Mensch, wann habe ich das letzte Mal Weihnachtsguetzli gebacken? Wohl noch zu meiner Studienzeit für einen Guetzlitausch. Und das letzte Mal mit Mama ist sicher ewig her. Macht aber immer noch viel Spass. Zu den gewohnten Guetzlisorten kommen dieses Jahr ganz mutig auch noch einige neue dazu. Und so haben wir nach den zwei Tagen ein ganz hübsches „Portfolio“ hergestellt.

Unsere Arbeit kann sich sehen lassen

Unsere Arbeit kann sich sehen lassen

Das Fiese an dem Ganzen ist nun, dass die Guetzli so lecker sind, dass ich jeden Tag welche essen muss. Da gibt’s dann schon die ersten Konflikte mit dem „Süssen in Grenzen halten“. Na ja, was soll’s.

11./12.12.2012. So vergehen die guten 3 Wochen zu Hause wie im Flug und bald heisst es schon wieder packen, ganze viel Schokolade kaufen, mein in kurzer Zeit hergestelltes Chaos wieder aufräumen, das temporäre Büro wieder verstauen und noch ein paar Sommerkleider suchen. Ich finde es schon etwas schade, denn nun so schönen Winter wieder zu verlassen, um in der Hitze zu schmoren. Aber ich freue mich auch auf die Reise. Nun denn, so bringt mich meine Mama am 11. Dezember am späten Nachmittag auf den Flughafen Zürich. Dort heisst es nach dem gerade erlebten Wiedersehen schon wieder Abschied nehmen. Doch es ist diesmal ja nur für 5 Wochen. Mein Gepäck inkl. 5 kg Schokolade in Form von kleinen Schöggeli wird bei Iberia ohne Anstehen gleich eingecheckt und wie immer bin ich viel zu früh. Aber es geht heute auch sonst alles ganz schnell und reibungslos. Der Start verspätet sich dann aber doch um eine Stunde. Wegen der kalten Temperaturen müssen alle Flugzeuge enteist werden, das dauert. Aber dann geht die Reise los, und mit nur noch wenig Verspätung lande ich kurz vor 22 Uhr in Madrid. Dort mache ich mich auf den langen Weg vom einen Terminal ins nächste. Interessanterweise gibt’s keine weitere Sicherheits- oder Passkontrolle mehr. Aber es geht ja nach Südamerika und nicht nach Nordamerika. Der Flug nach Buenos Aires startet um 00.35 Uhr, meine Theorie wäre, dass es in dem Flieger am Morgen ein Frühstück gibt. So esse ich im Terminal noch ein teures Sandwich, dann heisst es wieder warten und Leute beobachten. Und schon ist die Maschine einstiegsbereit. So wie es aussieht habe ich zwei Sitze für mich. Gut, denn der Flug dauert 12,5 Stunden, so habe ich etwas mehr Bewegungsfreiheit für die Beine, denn die Sitze sind wie immer eng. Doch bald werde ich gefragt, ob ich den Sitz nicht tauschen würde, um einer Mutter mit Baby Platz zu machen. Klar doch. So schnell ändern sich die Dinge. Die Maschine startet wieder mit etwas Verzögerung, aber gegen 01.30 Uhr sind wir dann in der Luft, ich bin müde. Nach einer guten Stunde, um ca. 02.30 Uhr wird dann doch tatsächlich ein Nachtessen serviert. Dem kann man dann schon Nachtessen sagen. Es gibt fett Pasta, Salat und Dessert. Dann noch Kaffee oder Tee. Hier leben wir wohl schon nach argentinischem Zeitplan, sprich 4 Stunden zurück. Danach wird es dann endlich ruhiger, schlafen kann ich wie immer nicht. Aber etwas ausruhen. Bald tun mir die Knie weh, die Sitze sind extrem eng. Aber die Zeit vergeht vorbei und nach einem kleinen Frühstück landet der Flieger gegen 9.30 Uhr auf dem Flughafen Ministro Pistarini in Buenos Aires. Ich verstaue schon mal meine Daunenjacke, im Flugzeug war ich froh um sie, und draussen erfahre ich die erste Hitzewelle. Nun folgt die lange Schlange für die Passkontrolle, auch hier werden nun Foto gemacht und Fingerabdruck gescannt, dann warte ich eine Weile auf mein Gepäck. Dieses kommt netterweise an, dann folgt die nächste Schlange der Zollkontrolle. Doch niemand will den im Flieger ausgefüllten Zettel sehen und niemanden stören meine 5 kg Schokolade. Tiptop. Dann durch die Schiebetür zu den Taxibüros. Da werden Erinnerungen an die erste Ankunft in Buenos Aires wach. Dann eine weitere Schiebetür zur Ankunftshalle. Es wuselt überall, hat viele Leute. Doch dann sehe ich weiter hinten einen lachenden Alvaro aus der Masse stechen. Ich kämpfe mich durch die rumstehenden Leute mit ihrem Reisegepäck, dann schliessen wir uns in die Arme. Ein komischer Moment. Auf jeden Fall ist diese Begrüssung viel fröhlicher als der Abschied vor guten 3,5 Monaten. So soll es sein.

Am Flughafen trinken wir erstmal einen Kaffee, denn das Taxi ist noch nicht da. Doch dann geht’s in die Stadt. Ein komisches Gefühl. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, so schnell wieder in Buenos Aires zu landen. Das Taxi bringt uns in das Hotel in San Telmo, das Alvaro für die Zeit in Buenos Aires gebucht hat. Da hat er sich wirklich Mühe gegeben, das Hotel ist schön, das Zimmer ruhig. Und von der Hitze habe ich noch nicht so viel mitbekommen, denn bis anhin ist alles klimatisiert. Einen ersten Eindruck gibt’s beim folgenden Spaziergang zu einer nahen Bar, wo ich mir was auch immer aussuchen darf. Das alles nun mein Lohn für die getane Buch-Arbeit. Zum Dessert gibt’s natürlich Facturas aus einer nahen Bäckerei. Hmmmmm, auf diese kleinen süssen Teilchen habe ich mich schon richtig gefreut. Eine Gefahr mehr für ein paar Zusatzkilos. Dann bin ich wirklich reif für eine Siesta, die Reise war lang, ich bin müde. Bei etwas milderen Temperaturen machen wir und später wieder auf den Weg durch unser Viertel San Telmo. Hier gibt’s viele Restaurants, Bars und San Telmo ist sicher eines der Tango-Barrios von Buenos Aires. Nach einem sehr leckeren vegetarischen Nachtessen spazieren wir zur Plaza Dorrego, wo ein Paar Tango tanzt. Doch heute bin ich zu müde, um mich noch lange hier hinzusetzen. Ein ander Mal gerne. Jetzt aber ist das bequeme Hotelbett der weitaus interessanteste Ausblick.

13. – 16.12.2012. Vier Tage verbringen wir in Buenos Aires, bevor es weiter nach Roasrio geht. Der erste Tag beginnt mit einem sensationellen Frühstücksbuffet. Mit frischem Fruchtsalat, einer grossen Brotauswahl, Schinken und Käse, Joghurt, Facturas und natürlich Kaffee. Wow! Das ist richtiger Luxus. Nach einem langen Frühstück begeben wir uns in die Hitze der Grossstadt. Alvaro möchte hier einige Dinge für seine Clown-Vorstellungen besorgen, einige Leute treffen. So kommt es, dass ich nochmals auf Pablo treffe. Der ist ebenfalls hier, seine Familie kommt aus Buenos Aires. Zudem arbeitet er an seinem ersten Dokumentarfilm. Vor meiner Ankunft hat ihm Alvaro dabei geholfen, nun muss er alleine durch. Ich bin sehr gespannt, was dabei rauskommt. Ansonsten  laufen wir viel durch die Strassen von Buenos Aries.

Typisches Bild in den Stassen von B.A.

Typisches Bild in den Stassen von B.A.

Die Libreria El Ateneo, ein ehemaliges Theather

Die Libreria El Ateneo, ein ehemaliges Theather

Irgendwie kommt es mir anders vor als noch vor drei Jahren. Oder ich kann mich nicht mehr so genau zurückerinnern. Die Strassen erscheinen mir dreckiger, zerfallener. Ansonsten ist das Viertel San Telmo, wo sich unser Hotel befindet, toll. Eines Abends spazieren wir bei etwas kühleren Temperaturen durch die Strassen, beim Café Rivas spielen drei junge Musikanten vor dem Café auf der Strasse Jazz. Ein absolut gelungenes Ambiente. Da kommt sogar das Personal der gegenüberliegenden „Bar Sur“  raus, um den Spektakel zuzuhören. Denn die dortige, teuere Tangoshow ist fast unbesucht.

Open-Air Jazz  beim Café Rivas

Open-Air Jazz beim Café Rivas

Eine Tangoshow würde ich mir auch noch gerne anschauen, denn das war etwas, dass ich mir beim ersten Besuch in Buenos Aires nicht leistete. Doch die Preise schrecken mich immer noch ab. Und warum eine teuere Show bezahlen, wenn man auf der Plaza Dorrego gemütlich bei einem Glas Bier wirklich guten Tänzern zuschauen kann. Das tun wir dann eines Abends auch noch. Auch die Musik kann sich hören lassen, sind die drei Musiker doch Teil der Rascasuelos. Ein faszinierendes Trio. Nun weht ein laues Lüftchen über die Plaza, das alles ist doch viel besser als eine teuere, klimatisierte Tango-Show. Empfehlenswert.

Die restlichen Tage vergehen wie im Fluge, wir laufen viel in der Stadt herum, besorgen noch mehr Dinge, treffen uns mit noch mehr Leuten. Und es gibt wieder mal einen Kinobesuch. „Las Malas Intenciones“, ein tiefschwarzer peruanischer Film. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie er angepriesen wurde. Dann wird es auch schon Zeit, die Sachen wieder zu packen, morgen geht’s weiter nach Rosario, wo dann die Arbeit ruft.

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