Kuba, no es facil

23.08 – 13.09.2013. 940 km. Nun, in einem Büro hat man  auch einmal Ferien und diese werden natürlich zu einem kleinen Fahrradtrip genutzt. Obwohl 3 Wochen viel zu kurz sind… doch für den Westen Kubas reicht es. Danach hat man auch etwas genug. Die Landschaften sind sehr schön, nicht extrem speziell, aber die allgegenwärtige negative und pessimistische Stimmung im Volk nimmt einem etwas die Motivation. 

Gleich zu Beginn die Route auf Kuba:

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23.08 – 25.08.2013. Zuerst einmal geht’s per Taxi an den Zürcher Flughafen, die Schachtel hat gerade knapp im Lieferwagen platz. Check-in verläuft schnell und einfach und ich bin viel zu früh dran. Nach dem kurzen Flug nach Frankfurt besorge ich mir dort am Condor-Schalter noch das Touristenvisum für Kuba. Das erste Mal anstehen. Das nächste Mal anstehen muss man bei der Sicherheitskontrolle und da will mir die Dame  doch tatsächlich meine teuren Allen-Keys wegnehmen. Solche Werkzeuge dürften nicht ins Handgepäck. Ich erkläre ihr, dass ich ohne diese meine Fahrrad nicht zusammenbauen könnte und man wisse ja nie, ob das Gepäck ankomme. Nach Konsultation eines Kollegen darf ich die Schlüssel dann zum Glück behalten. Ich hatte dieses Tool jedes Mal bei Flügen in der Lenkertasche und noch nie hatte jemand was gesagt. Na ja. Dann heisst es schon wieder Schlange stehen, für den Warteraum. Ich bekam in Zürich schon die Bordkarte für Frankfurt – Havanna, diese zerreisst der Herr nun vor meinen erstaunten Augen. Aber ich bekomme eine neue inklusive Upgrade in die Economy Premium Class. Und das ist was. 15 cm mehr Beinfreiheit, Zeitschriften, einen Sack mit nützlichen Dingen und anderes Essen. So lassen sich die knappen 11 Stunden gut aushalten. Pünktlich um 20 Uhr Ortszeit landen wir in Havanna, die Gewitterzelle war zum Glück vor uns da und ist schon weitergezogen. Durch die Immigration und auf Tasche und Fahrrad warten. Nach einiger Zeit ist alles auf meinem Wagen, die Bikebox sogar noch ganz. Dann raus. Dort wartet auch schon Alvaro. Wie schön ihn wiederzusehen! Er hat auch schon das Taxi organisiert, stilecht geht’s im alten Amischlitten ins Stadtzentrum. Wir wohnen in einer Casa Particular im Havanna Centro gleich beim Malecon. Gastgeberin ist Consuelo, eine sehr spezielle Señora, wie sich noch herausstellen wird. Noch ein kurzer Spaziergang am Malecon, ein paar Cracker essen, dann bin ich mehr als reif fürs Bett. Und da auf meiner Uhr schon fast 6 Uhr morgens ist, kann ich nun natürlich nicht schlafen.

Der erste Tag in Havanna beginnt mit dem Frühstück in Consuelos Küche. Alvaro hatte natürlich den Preis runtergedrückt, so gibt’s nur das Nötigste. Aber solange dies einen Kaffee beinhaltet, bin ich zufrieden… Dann steht ein Besuch bei Sandy und Yolanda an. Alvaro’s Freunde sind Abnehmer für meine mitgebrachten Schuhe und T-Shirts. Dann weiter in die Gassen von La Habana Vieja. Schon eine spezielle Stadt. All die schönen Kolonialgebäude, die oft total am Zerfallen sind, dreirädrige Velotaxis und die Amischlitten. Man fühlt sich irgendwie zeitversetzt. Geht man weiter in die Gassen, sind die Häuser immer zerfallener, aber die Leute wohnen darin. Die Chancen, dass man in Havanna von einem runterfallenden Gebäudeteil erschlagen wird, sind nicht so klein. Also immer in der Strassenmitte laufen…

Von schön ist teilweise nicht mehr viel übrig

Von schön ist teilweise nicht mehr viel übrig

In welchem Jahr sind wir?

In welchem Jahr sind wir?

Verkehr in Havanna Vieja

Verkehr in Havanna Vieja

Der nächste Besuch gilt dem Pfarrer, bei dem Alvaro vor meiner Ankunft wohnte. Im gebe ich eine riesige Tüte voll mit Medikamenten. Er wird diese an die Bedürftigen verteilen, vorher aber noch alles von einem Arzt prüfen lassen. Auch ein guter Ort für dieses Mitbringsel. Dann gibt’s in einer Kubanerbeiz ein Mittagessen für 25 Pesos Cubanos, ca. 1 CHF. Reis, Bohnen, Salat und frittierter Fisch. Soviel, dass ich nicht alles essen kann. Der Ciclista-Hunger ist noch nicht da. Mal sehen, ob er noch kommt.

An dieser Stelle kurz etwas zu Kubas Devisen-Politik. Auf Kuba gibt es zwei verschiedene Währungen. Den CUC  (Peso Convertible) und den CUP oder MN(Peso Cubano oder Moneda Nacional). 1 CUC entspricht 1 USD und für 1 CUC erhält man ca. 25 Pesos Cubanos. Der Kubaner bezahlt normalerweise in Restaurants und Geschäften in CUP. Normalerweise ist alles, was in CUC zu bezahlen ist, teuer. Ein Kubaner mit einem normalen Staatseinkommen kann sich Einkäufe in Devisengeschäften nicht leisten. Der CUC ist auch das meist von Touristen gebrauchte Zahlungsmittel und jeder Kubaner versucht gerne, sich irgendwie mit ein paar CUCs zu bereichern. Aber als Tourist kann man viel Geld sparen, wenn man sich die CUP-Lokale sucht. Dort ist das essen wirklich sehr günstig.

Beim zweiten Frühstück in unserer Casa gönnt und Consuelo schon eine Frucht extra. Wir schlendern lange durch Havanna und Abends gibt’s bei Sandy und Yolanda Abendessen. Reis, Bohnen und Poulet. Nun, ich mag Reis und Bohnen, mir wird die kubanische Diät hoffentlich nicht so schnell verleiden. Dann noch die Taschen etwas organisieren. Schon komisch, wenn man nur zwei davon hat. Es fühlt sich nach so wenig an und man ist schnell startklar.

26.08.2013. Am Starttag gibt’s zum Frühstück keine Milch mehr für den Kaffee, dafür einen Fruchtsaft. Entweder Milch oder Fruchtsaft, beides geht nicht. Die Dame ist stur. Doch dann macht sie uns netterweise doch noch etwas Milch warm und ich darf auch meine Bikeschachtel bei ihr lassen. Dann geht die kleine Reise los. Immer dem Malecon nach aus der Stadt raus. Havanna ist schon ziemlich gross, jetzt erkennt man die Ausmasse. Und wie sauber die Luft doch ist. Grosse, schwarze Abgaswolcken hängen in der Luft und ab und zu wird man gleich aus der Nähe eingenebelt. Dann wird der Verkehr zum Glück langsam schwächer, es folgt Kulturland. Ach, wie habe ich das Fahrradfahren vermisst! Obwohl mir hier  nun auch bei bedecktem Himmel der Schweiss in Strömen runterfliesst. Fast flach folgen wir der schlaglochübersäten Strasse, bis wir kurz vor 12 Uhr Mariel erreichen. Dort wollen wir bleiben, falls es einen Strand hat. Doch den hat es nicht wirklich. Wir essen ein winziges Teil, dass ein Brötchen mit Käse sein soll, dann fahren wir weiter in Richtung Cabañas. Die Strasse wird noch schlechter, doch nun hat es fast keinen Verkehr mehr. Zudem kommen ein paar Hügel dazu und die Mittagshitze drückt. Es folgt die Abzweigung nach La Heradura. Dort soll es einen Strand geben. Und einen Campismo sowie ein paar Casas. Es folgen 7 km schlechte Schotterpiste, rauf und runter. Schliesslich sind wir am netten Strand von La Heradura. Die Wolken werden immer dichter, also zuerst zum Campismo. Die Musik dröhnt laut und keine einzige Cabaña ist mehr frei. Nun, zumindest von denen, die nicht am zerfallen sind. Also wieder zurück ins Dorf. Nach einigem Suchen finden wir für 10 CUC eine illegale Casa. Grosser, nicht sehr ansprechender Raum, Bad, Küche. Doch zuerst ein Bad im Meer, deswegen sind wir ja hergekommen. Durch die lokale Müllhalde geht’s zum Dorfstrand. Weisser Strand, warmes Wasser. Was will man mehr nach so einem ersten Radlertag.

27.08.2013. Am nächsten Morgen geht’s die hüglig-schottrigen 7 km wieder zurück auf die Carretera Norte, dann weiter in in Richtung Cabañas. Dort soll es Internet geben, doch es funktioniert nicht. Nun steigt die Strasse langsam an und es geht in die Sierra del Rosario. Auf der schmalen Strasse ohne Verkehr gewinnen wir an Höhe, die Vegetation wird immer dichter.

Hübsche Blüten zieren den Strassenrand

Hübsche Blüten zieren den Strassenrand

Vorbei an El Mirador und bald folgt die Schranke zu Las Terrazas. Dort soll man 2 CUC für die Durchfahrt bezahlen. Will man die Seheneswürdigkeiten und Angebote besuchen, kostet das natürlich noch mehr. Ein Muss für Alvaros Diskussionsbedürfnis. Und das kann dauern. Las Terrazas wurde nach der Totalrodung durch die Spanier von Einheimischen wieder aufgeforstet und ist heute Nationalpark. Wenn so etwas hier denn existiert. Gut, wenn wir einfach durchfahren, müssen wir nichts bezahlen. Dann machen wir das doch. Erster Stopp ist in der Nähe des Hotel La Moka (es soll das teuerste der Insel sein). Das Hotel schauen wir uns nicht an, obwohl es sehr schön sein soll. Wir kaufen uns in der Cafeteria ein nicht allzu teures Sandwich. Zudem bekommen wir von Mayra eine Karte in die Hand gedrückt, sie hat eine Casa in Soroa. Und da wollen wir ja hin. Wir fahren weiter, nächster Besuch die „Baños de Bayale“. Mensch, liegt da viel Müll rum. Die Kubaner haben nicht sehr viel Respekt für ihre schönen Orte. Und schön wäre es hier. Die Küchenmannschaft ist am säubern und Alvaro schnorrt uns bei dem Chico raus, der den bezahlten Eintritt sehen will. Das Bad im Fluss ist sehr erfrischend, eine Wohltat, denn die hügelige Strasse bringt einen schön ins Schwitzen. Bei der Weiterfahrt tropft es schon bald wieder, die Strasse steigt bald wie besagt richtig steil an. Für eine ganze Weile. Aber mit einem so leicht bepackten Fahrrad ist das kein Problem. Nun, ich bin aber auch seit 9 Monaten nicht mehr richtig gefahren. Langsam und schwitzend arbeite ich mich den Berg hoch. Dann folgt die Abfahrt nach Soroa. Vorbei an Mayras Casa ins Dorf. Dorf? Nun, Dorf gibt’s hier nicht wirklich, nur das Hotel Villa Soroa. Mit teurem Pool und teurem Bier. Den Ersteren finden wir in Miniversion auch bei Mayra und das Zweite gönnen wir uns nach der Anstrengung. Der Himmel wird immer dunkler und bald folgt das heftige Gewitter, dass wir schön von der gedeckten Terrasse unseres Zimmer betrachten können. Bald gibt’s leckeres Nachtessen, das Alvaro auf die für uns üblichen 30 Pesos runtergehandelt hat (anstelle 8 CUC).

Leckers Essen bei Mayra in Soroa

Leckers Essen bei Mayra in Soroa

28.08.2013. Nach einem guten Frühstück besuchen wir das Orquideario. Ein Señor erklärt uns einige Exemplare in einem Gewächshaus. Das beeindruckendste duftet nach Schokolade. Dann schlendern wir noch durch den Rest der kleinen und gepflegten Anlage.

Diese duften wirklich nach Schokolade

Diese duften wirklich nach Schokolade

Es gibt noch mehr bunte Blumen

Es gibt noch mehr bunte Blumen

Und Perspektiven

Und Perspektiven

Beim Ausgang treffen wir auf ein deutsches Radlerpaar, Pam und Frank. Wir hatten die zwei schon bei der Rausfahrt aus Havanna passiert, da waren sie jedoch auf der andern Strassenseite. So folgt der Schwatz eben jetzt und es sollte nicht der letze bleiben. Danach machen wir uns auf den Weg zum Wasserfall. Nun, nicht zum Touristenwasserfall, weiter unten soll es eine Badegelegenheit für Kubaner geben, die kostenlos ist. Dort wollen wir natürlich hin. Auch dort will man uns Kohle abknöpfen, doch das ist offiziell verboten, wie man uns später in unserer Casa sagt. Der grosse Wasserfall ist weiter oben, doch auch hier unten hat es verschiedene natürliche Pools und kleine Wasserfälle. Ein schöner Ort. Danach wollten wir im Restaurant etwas essen. 8 CUC, 6 CUC, 4 CUC. Alles zuviel. Doch die Kubaner haben das richtige Handeln noch nicht entdeckt, denn lieber beharren sie auf ihren CUC-Preisen als etwas günstig und immer noch mit Gewinn zu verkaufen. Das stellen wir noch oft so fest. Am Nachmittag treffen zwei weitere Cicilstas in der Casa ein. Janin und Alejandro, eine Peruanerin und ein Mexikaner, beide Fotografen. Mit den beiden verbringen wir noch einen netten und unterhaltsamen Abend.

29.08.2013. Mit Janin und Alejandro zusammen machen wir uns auf den Weg. Wieder den Hügel hoch, den wir vor 2 Tagen runtergesaust sind. Dann trennen sich die Wege. Die beiden fahren via Las Terrazas zurück nach Havanna, wir biegen ab in Richtung Ciro Redondo. Es folgen weitere Steigungen und Abfahrten.

Rauf und runter, immer wieder

Rauf und runter, immer wieder

Steil, steiler, noch steiler

Steil, steiler, noch steiler

In Ciro Redondo gibt’s saure Orangen und süsse Bananen zu kaufen. Gut so, denn die Strasse steigt gleich weiter an, bis Niceto Perez ist es ein hartes Stück Arbeit. Viele Steigungen und Abfahrten durch schöne Landschaft. Rechts sieht man das Meer, auf der linken Seite ebenfalls. Aber die Steigungen haben es bei dieser Hitze in sich, 17 – 18% Neigungswinkel sollen einige aufweisen. Zum Glück habe ich nur so wenig Gepäck dabei… Wir kommen schwitzend in Niceto Perez an, wo es an einer Strassenkreuzung ein Pan con Tortilla und ein süsses Refresco gibt. Ich bin ziemlich platt und habe nicht mal gross Hunger. Dann geht’s hüglig weiter, bis die holprige Abfahrt nach Fierro und zur Carretera Zentral folgt. Dieser folgen wir eine Weile, bis der unmarkierte Abzweig nach San Diego de los Baños folgt.

Öffentlicher Verkehr auf Kuba

Öffentlicher Verkehr auf Kuba

Dort holt uns ein kubanischer Fahrradfahrer ein und will uns gleich zur Casa seiner Tante bringen. Wie sich später herausstellt, die einzige Casa in den Kaff. Dort treffen wir wieder auf Frank und Pam. Die Señora der Casa ist absolut stur, über den Preis wird nicht diskutiert. Basta! So bezahlen wir 15 CUC ohne Frühstück, immerhin finden wir ein nettes Kubanerlokal, wo es ein gutes und günstiges Nachtessen und auch das folgende Morgenessen gibt. Das berühmte Schwefelbad des Ortes schauen wir uns auch noch an. Eigentlich ist es wegen ewiger Renovierung geschlossen, aber für 3 CUC könnten wir trotzdem rein. So ist Kuba. Für ein paar extra CUCs ist alles möglich. So versucht jeder ein bisschen dazuzuverdienen. Viel sinnvoller wäre es jedoch, das Bad gründlich zu sanieren und wieder dem Publikum zu öffnen. Aber das wird wohl so schnell nicht passieren, Kuba live. Aber niemand versteht wirklich, dass San Diego ohne das Bad keine grosse Zukunft mehr haben wird.

San Diego de los Baños am frühen Morgen

San Diego de los Baños am frühen Morgen

30.08.2013. Weiter geht’s in Richtung Güira, durch eine Hacienda und bald wieder steil den Hügel rauf. Ich merke deutlich, dass wir hier weiter unten sind, die Hitze drückt um einiges intensiver als gestern. Die schmale Strasse führt weiter steil rauf und runter, bald wechselt sie zu einer eher schlechten Schotterpiste. Es folgt ein Dorf und ein Guarapostand, wo es Zuckerrohrsaft gibt und wir wieder auf unsere zwei deutschen Kollegen treffen. Bei der Kreuzung von San Andres entscheiden die beiden, über die Bergstrasse zu fahren, wir wollen den Schotterweg durchs Tal nach Viñales testen. Es heisst, der Weg könnte schlammig sein, doch da es nicht geregnet hat, ist es sicher nicht so schlimm. Bis San Andreas fahren wir auf Asphalt, dann wir die Strasse abrupt zu einem kleinen Schotterweg. Durch kleine Dörfer, an Feldern vorbei, ab und zu Schlamm oder ein Wasserloch und die eine oder andere Weggabelung, bei der man hofft, auf eine Person zu treffen.

Auf dem Weg nach Viñales

Auf dem Weg nach Viñales

Inklusive Schubeinlage

Inklusive Schubeinlage

Ganz unterhaltsam und ein guter Kontrast zur gestrigen Bergstrecke. Die Sierra del Rosario sehen wir heute vom Tal aus. Auch der Anblick ist toll. Gegen Mittag erreichen wir Viñales. Eine pure Touristenstadt, 300 Casas Particulares soll es dort geben. So werden wir auch gleich belagert. Das Rennen macht Manolito, dessen Casa etwas abseits liegt. Manolito ist ein spezieller Typ, der non-stop reden kann, ohne einem dabei zuzuhören. Und nach einigem Suchen finden wir auch hier eine Restaurante del Estado, wo es günstiges Essen gibt, zu bezahlen in Moneda Nacional.

31.08.2013. Da wir bei Manolito für die zweite Nacht nur 10 CUC bezahlen müssen, bleiben wir 2 Tage in Viñales. Rund um Viñales gibt es auch ganz viele touristische Attraktionen, aber alle kosten natürlich eine ganze Menge und Wanderungen darf man nicht ohne Guia machen. Die Berge hier sind sehr speziell, Mogotes genannt, und weisen sehr viel Hohlräume auf. Den einen besuchen wir nun, die Cueva del Indio. 5 CUC kostet der Eintritt. Wir laufen etwas durch die Höhle, leere Bierdosen säumen den Weg. Dann steigen wir in ein Boot um, dass uns über den unteririschen Fluss schippert. Mit benzinbetriebenem Motor! Der Benzingestank wird bald riechbar, man möchte nicht wissen, was unter Wasser passiert. Eine Schande, an einem solchen Ort mit Benzinmotor aufzufahren. Wir sprechen den Chico beim Eingang darauf an. Das Problem ist bekannt, aber solange man in Kuba Kohle machen kann, interessiert es niemanden, ob man der Umwelt schadet…. Auf dem Heimweg hat Alvaro dann noch einen Platten, gerade heute, als wir ohne Gepäck unterwegs sind. Na ja, da ist laufen angesagt. Und vor dem grossen Nachmittagsgewitter ist auch der Platten wieder geflickt.

In den Strassen von Viñales

In den Strassen von Viñales

01.09.2013. Manolito uns seine Frau stehen nicht gerne früh auf, das ist deutlich zu spüren, als wir um 6.30 Uhr frühstücken. Obwohl sie uns am Vortag rieten, früh loszufahren… Nun, früh ist wohl ein relativer Begriff. Es ist gerade knapp hell, als wir uns kurz nach 7 Uhr auf den Weg machen. Wieder in Richtung der Cueva del Indio, dann weiter. Es folgen noch ein paar Steigungen, die Strasse wird immer schlechter. An der Strassenseite wird Kohle hergestellt. In sehr traditionellem Verfahren. Ein schöner Anblick in den frühen Morgenstunden.

Traditionelle Kohleherstellung

Traditionelle Kohleherstellung

Und der Stumpen darf auch nicht fehlen

Und der Stumpen darf auch nicht fehlen

Es folgt eine Abfahrt und wir biegen auf die Carretera  Norte ein. Diese führt nun flach und gerade aus durch die Gegend. Auf der Strasse treffen wir auf mehr Ziegen als auf Menschen. Die Strasse ist ziemlich schlecht, es holpert gewaltig., Nach guten 40 km erreichen wir den Abzweig nach Santa Lucia. Dort gibt’s wie so oft an einer Kreuzung eine günstige Cafeteria und einen günstigen Lunch. Pan con Tortilla. Die mag ich. Nun fehlen noch knappe 2 km bis ins Dorf. Dort machen wir uns auf die Suche nach einer Casa. In der Cafeteria war von 2 Casas die Rede. Die von Pollo und eine in La Loma. Wir passieren das Dorf und fahren den Hügel hoch, eben La Loma. Dort fragen wir nach der Casa, ein Chico auf Fahrrad ist sowieso auf dem Weg dahin. Und zeigt uns die Casa von Cuci, die von aussen schwer erkennbar ist. Die Preisverhandlungen bleiben bei 20 CUC pro Nacht inkl. Frühstück und Abendessen stehen. Wir schauen uns daher noch die Casa von Pollo an, doch die ist etwas eklig und seine Tante will uns mit 25 total abzocken. Sehr viel, wenn man bedenkt, dass sie illegal ist. Also wieder zu Cuci. Diese ist auch extrem nett und verwöhnt uns dann richtig, obwohl wir den Preis gedrückt hatten. Wie wir am Folgetag von ihr erfahren, wollte aber der Chico auf dem Fahrrad ein Provision von 5 CUC pro Nacht, die Dame von der Cafeteria ebenfalls. Das ist ein grosses Problem hier mit den Casas Particulares. Ein Vermittler bekommt vom Besitzer 5 CUC. Aber das wird total ausgenutzt. Daher versuchen wir wenn immer möglich Polizisten zu fragen oder wir suchen die Casa selbst. Was eben nicht immer so einfach ist.

02.09.2013. Cuci gab uns am Vorabend den Tipp, dass vor 8 Uhr niemand bei der Barriere nach Cayo Jutias sein würde. So könnten wir uns die je 5 CUC Eintritt sparen. Danach könnten wir einfach sagen, wir hätten das Ticket verloren. Wir wollen es darauf ankommen lassen, dann wegen Dunkelheit können wir nicht allzu früh losfahren. Gegen 7.30 Uhr sind wir dann doch auf der Strasse. Heute ist Schulbeginn nach der Sommerpause, die Strassen voller Schulkinder in ihren Uniformen. Auf Kuba herrscht eine 9-jährige Schulpflicht, die kostenlos ist. Bald folgt der Abzweig nach Cayo Jutias. Nun geben wir doch gut Gas, die Barriere ist oben, niemand da. Hindurch und nun Vollgas geben, denn wir wollen ja nicht beim Hinfahren erwischt werden. 4 schnelle Kilometer später biegen wir schweissgebadet in eine Seitenstrasse ab. Diese führ zu einem kleinen, schönen Strand mit ein paar schattenspendenden Bäumen, Moskitos und wunderbar warmem Wasser. In dieses stürzen wir uns gleich. Langsam zieht eine graue Wolkendecke auf. Sieht nicht nach Regen aus, doch im Wasser wird es langsam kühl. So machen wir uns auf den Weg in Richtung Restaurant. Dort werden wir natürlich angehauen, bei so wenigen Leuten weiss man genau, wer bezahlt hat und wer nicht. Beim Rausfahren sollten wir bezahlen. Nun gut. Wir fahren zu einem anderen Strand. Was dort wieder für ein Dreck rumliegt. Die Kubaner haben wirklich absolut kein Verständnis für ihre Umwelt. Aber dem Touristen wollen sie für so einen Dreckstrand dann doch 5 CUC abknöpfen. Da fehlt’s dann doch eindeutig an Bildung. Zudem attackieren uns die Moskitos hier in Scharen. Total zerstochen geht’s wieder zurück zu „unserem“ kleinen Strand, wo wir zu Beginn waren. Langsam lichtetet sich der Himmel wieder und wir verbringen einen gemütlichen Tag am Strand, ohne eine einzie Menschenseele zu sehen. So lange habe ich es schon lange nicht mehr an einem Strand ausgehalten, so richtig mit Nichtstun und so.

Cayo Jutias, hier lässt es sich verweilen …

Cayo Jutias, hier lässt es sich verweilen …

… und total entspannen

… und total entspannen

Die Wolken verdichten sich langsam wieder, diesmal sind es eindeutig Gewitterwolken. Wir machen uns auf den Rückweg. Ein Touristenauto kommt uns entgegen. Wir wollen die Insassen nach den Tickets fragen. Interessanterweise haben die 4 Spanier keine bekommen. Das waren also 20 CUC in die Taschen der Mitarbeiter. Und ein gefundenes Fressen für Alvaro, als man uns an der Barriere erwartet und 10 CUC abknöpfen will. Alvaro sagt dem Señor gut die Meinung und wir flitzen davon. Na ja. Dem Gewitter hingegen kommen wir nicht davon. Dieses erwischt uns eiskalt kurz vor der Casa und reicht vollkommen aus, um uns total durchzunässen.

03.09.2013. Nach einem wirklich leckern Frühstück inklusive frisch zubereitetem Flan verlassen wir Santa Lucia. An der Kreuzung müssen noch 2 Panes con Tortilla her, denn auf den nächsten 70 km gibt’s keine Verpflegung. Die gar nicht so schlechte Strasse führt flach durch die Gegend, immer mal wieder folgt ein kleines Dorf. Auf der Strasse wie üblich mehr Ziegen, Kühe und Pferde als Menschen. Pferde, Kühe und Ochsen gehören übrigens dem Staat, die Bauern dürfen die Tiere freundlicherweise nutzen und müssen natürlich als Gegenleistung festgelegte Mengen an Produkten und Steuern abliefern. Was für ein Leben! Natürlich versucht auch hier jeder, noch ein bisschen Geld nebenbei einzunehmen. So gibt es dann irgendwo Käse zu kaufen, einfach so lange es hat. Was meist nicht lange ist. Wir fahren auf eine schwarz Wolkenwand zu. Der entkommen wir, doch später werden wir doch noch verregnet. Zeit für den Poncho. Alvaro hat mir in Mexiko extra einen machen lassen. Ein gewaltiges Plastikteil, aber total genial und funktionstüchtig.  Ich bleibe fast trocken. Vielen Dank!

Der mexikanische Poncho. Echt genial!

Der mexikanische Poncho. Echt genial!

Der Regen ist nicht von langer Dauer, der Poncho kann wieder weg. Nach ca. 74 km erreichen wir gegen 12 Uhr Mantua. Dort gibt’s Pan con Queso y Guayaba und 2 Jugos de Guayaba. Ich mag den Guavensaft sehr. Und das Essen in den Strassencafeterias ist wirklich günstig. Eigentlich wollten wir hier bleiben, doch es bleibt noch genügend Zeit um bis nach Guane zu fahren. Der Weg nach Guane soll bis auf eine Steigung flach sein. Nun, mit den Steigungen haben es auch die Kubaner nicht so. Wie jeder Latino. Die ersten Kilometer sind recht hügelig, dann wird es flacher. Nach 106 km erreichen wir Guane. Ich bin geschafft. Guane ist eine grössere Stadt, doch eine legale Casa gibt’s hier nicht. Wohl nicht gerade das Touristenziel. Sogar die Polizei empfiehlt, eine illegale zu suchen. So kommen wir schlisselich bei Doña Elsa unter. Bett, Dusche, Ventilator. Tiptop.

04.09.2013. Gegen 7.15 Uhr verlassen wir Guane. In 5 km folgt Isabel Rubio, dort hätte es auch 2 Cassa gehabt. Seit Guane hat es ziemlich viel Verkehr, dies geht noch eine Weile so weiter. Und ist hier irgendwie ganz ungewohnt. Gegen 8.30 Uhr erreichen wir Sandino. Hier soll es Internet geben. Und siehe da, bei der ETECSA stehen 3 Computer und alle 3 funktionieren. Das Lösen der Karte mit Internetkredit hingegen dauert ewig, Passdaten und was sonst auch immer müssen eingegeben werden. Nach 20 Minuten können wir dann an die Maschinen und nach gut 10 Tagen in Kuba melde ich zu Hause, dass ich gut angekommen bin… Nach einem Pan con Tortilla und einem Jugo de Guayaba geht’s weiter, die Strasse wir nun sehr schlecht. Nach La Fé eine scharfe Kurve und wir haben eine Weile guten Gegenwind. Ein Vorgeschmack für die Rückfahrt nach Havanna. Bald eine erneute Kurve und der Wind treibt uns wieder voran. In Manuel Lazo gibt’s bei einer spanischen Señora wieder mal einen Guavesaft. Mmmhhhh! Der ist so lecker, dass ich 3 und Alvaro 4 Gläser davon trinken. Bei der Rückkehr wollen wir natürlich wieder vorbeischauen. Bis La Bajada fehlen noch 36 km. Nun wird es ziemlich öde, bald fahren wir gerade und flach durch eine kilometerlange Baumallee. Immerhin gibt diese ein wenig Schatten und die Krabben am Wegrand bieten etwas Unterhaltung. Dann öffnet sich der Tunnel, wir sind bei der Parkstation. Die Gegend hier ist Naturschutzgebiet, sofern dieses hier wirklich existiert. Zumindest steht hier ein Boot mit Elektroantrieb, dass sie besser nach Viñales schaffen würden… Wir lassen uns einiges erklären. Im Moment schlüpfen gerade die Meeresschildkröten, dies kann man bei Nacht beobachten gehen. Doch ich befürchte, dann ich um 22 Uhr nicht mehr gerade wach bin. Dann fängt das Ganze erst an. Wir wollen hier in La Bajada bleiben, „El Flaco“ soll hier eine Casa haben. So ist es, aber es ist wohl die primitivste Casa bisher. Das Zimmer neben dem Salon und der Küche, die Decke reicht nicht bis zum Dach, es ist stickig und heiss in dem Raum und es hat nur ein Bad, das eben hier drinnen steht. Fliessend Wasser gibt’s im Moment auch keins. Na ja. Für eine Nacht ist das ok, morgen wollen wir uns ja dann den Luxus von Villa Maria La Golda gönnen. Aber das Meer liegt wirklich gerade vor der Haustür, daher folgt nun ein Bad in dem klaren Wasser. Herrlich! Ansonsten ist es hier sehr trostlos, die Armut ist überall sichtbar. Kein Wunder, wenn man von der Fischerei leben sollte, der Staat das Fischen aber verbietet. So ist Kuba.

05.09.2013. Die Nacht ist heiss aber ruhig, obwohl El Flaco und seine Frau ein 5-monatiges Baby haben. Der Kleine macht die ganze Nacht keinen Mucks, auch sonst weint er nie. Ein Goldschatz. Die Matratze ist hingegen ziemlich schlecht, am Morgen schmerzt mein Rücken. Da heute nur 14 km bis Maria La Golda auf dem Plan stehen, nehmen wir es gemütlich. Bis das Frühstück dann auf dem Tisch steht, dauert es auch noch eine ganze Weile. Dann machen wir uns auf den Weg, dem Meer entlang geht’s zum Hotel Villa Maria La Gorda. Dort gönnen wir uns einen „Ferientag“. Wir bekommen auch schon um 10.30 Uhr ein schönes, grosses Zimmer, leise auf 25 Grad temperiert. Luxus pur! So folgt die Siesta früh. Dann geht’s an den Strand, ins klare Wasser und mit zwei „ausgelehnten“ (auf Zeit geklaut) Schnorchelmasken bekommen wir auch noch einen Blick in die Unterwasserwelt der bunten Fische. Abends treffen wir wieder auf Pam und Frank und bei einem gemeinsamen Bier endet dieser Abend.

Ein Abend in Maria La Gorda

Ein Abend in Maria La Gorda

06.09.2013. Im Hotel gibt’s erst um 7.30 Uhr Frühstück. Pünktlich stehen 4 Ciclistas vor der Restauranttür. Pam und Frank sind schon abfahrbereit und machen sich vor uns auf den Weg. Doch wir holen sie bald ein auf dem Weg zurück nach Manuel Lazo. Dort wollen wir natürlich einen Guavesaft trinken, doch schon um 11 Uhr ist alles ausverkauft! So was! Immerhin gibt’s heute Käse zu kaufen. Eine Seltenheit. Dann geht der Kampf gegen den Wind weiter. Denn nun fahren wir ja konstant gegen ihn an. Auf Kuba weht der Wind von Ost nach West. Das sollte man sich merken. Die Strecke kennen wir ja schon und bald fahren wir wieder auf dem obermiesen Streckenabschnitt. Das ist anstrengend. Gegen 13 Uhr erreichen wir Sandino. Wir wollen hier bleiben und machen uns auf die Casasuche. Rogelio hat ein Zimmer, doch er ist wohl der erste Kubaner, der uns das Kubanerzimmer nicht verkaufen will. Er möchte sich keine Probleme einhandeln. Gibt’s den so was? Aber er hilft uns weiter, schlussendlich ziehen wir bei Edilia ein. Eine symphatische Señora die uns auch ein gutes Abendessen kocht. Dann nutzen wir das hier ja verfügbare Internet und bald ist das klimatisierte Zimmer der einzige Ort, wo es auszuhalten ist.

07.09.2013. Die ganze Nacht plagen mich Magenkrämpfe und auf Frühstück habe ich absolut keine Lust. Mehr als zwei trockene Tosdaditos liegen nicht drin. Aber ich packe mir noch welche ein. Zudem bereiten wir 2 Brötchen mit Guayaba vor. Edilia gibt uns noch die Adresse einer Casa in Pinar del Rio mit auf den Weg. Kurz nach 7 Uhr sind wir wieder auf der Strasse, schon jetzt mit Gegenwind. Zurück nach Guane, von dort wollen wir durch die Berge nach Pinar der Rio fahren. Das wird eine langer Tag im Sattel. Nach ein paar Auf- und Abs erreichen wir Punta de la Sierra. Dort gibt’s für Alvaro eine Pizza, für einen bettelnden alten Señor ein Refresco und für mich ein paar Cracker. Die Magenkrämpfe halten an. Aber die Strecke hier ist wirklich wunderschön, sicher die schönste bisher. Kleine Dörfer, Tabak- und Reisfelder und dann fahren wir wieder in die Mogotes rein, diese speziellen Berge. Auf den Feldern wird mit Ochsen gearbeitet und auf der Strasse sind wieder mehr Pferdewagen als Autos anzutreffen. Das ist sehr sympathisch auf Kuba.

In Punta de la Sierra

In Punta de la Sierra

Tabakfelder

Tabakfelder

Und ziemlich ursprüngliche Feldarbeit

Und ziemlich ursprüngliche Feldarbeit

In Sumidero essen wir unser Guayababrötchen, sonst gibt’s hier nicht viel. Und etwas Energie brauche ich doch. Der Himmel verdunkelt sich immer mehr, in der Ferne zucken schon die Blitze und die Donner grollen. Dann beginnt auch die lange erwartete Steigung, die nicht sehr steil und ganz angenehm ist. Lange können wir dem Gewitter und dem Regen davonfahren, doch 14 km vor Pinar stellen wir uns sicherheitshalber in einem Bushäuschen unter und warten ab, denn das Gewitter tobt genau in unserer Fahrtrichtung. Bald setzt auch der Regen ein, doch nach einer halben Stunde warten können wir trocken weiterfahren.

Noch ein paar Früchte einkaufen

Noch ein paar Früchte einkaufen

Es folgt die Abfahrt nach Pinar del Rio und dann wird die Strasse mehrspurig. Was für ein Wechsel. Eine richtige Grossstadt. Und wie es der Zufall will, treffen wir an einer Strassenkreuzung wieder auf Pam und Frank. Schon lustig. Dann suchen wir „unsere“ Casa“. Ja niemanden fragen, ausser allenfalls Polizisten. Die verlangen keine Kommission. Wir finden das schöne Kolonialhaus, die Casa Colonial Rabanal. Die junge Familie, Carlos und Anna Maria mit dem 2-jährigen Carlos und die 90-jährige Abuela Elvira heissen uns herzlich willkommen. Das Zimmer ist schön, das Bett sehr bequem. Und Alvaro schwatzt wie üblich den Preis tüchtig runter. Das kann er schon saugut…! Vor unserem Zimmer kann man gemütlich im Trockenen sitzen und dem wieder einsetzenden Regen zusehen. Da machen wir doch gleich nochmals einen Tag Pause, zumal hier Morgen noch eine Prozession stattfindet.

08.09.2013. Ausschlafen! Wie schön! Tut auch meinem Magen gut, der immer noch nicht auf der Höhe ist. Dann gibt’s ein gutes Frühstück und später heisst es Wäsche waschen und Fahrrad putzen. Dann spazieren wir etwas durch Pinar del Rio. Die Stadt wirkt offener und etwas weniger zerfallen als Havanna, obwohl auch hier viele der ehemals schönen Kolonialbauten einzustürzen drohen. Um 6 Uhr findet dann die Prozession de la Virgen del Cobre statt. Diese Virgen ist die Schutzpatronin von Kuba und der Tag wir auf der ganzen Insel gefeiert. Pünktlich zum Prozessionsbeginn beginnt es zu regnen, somit wird die Parade auch zur Regenschirmparade.

Die Prozession de la Virgen del Cobre

Die Prozession de la Virgen del Cobre

In den Strassen von Pinar del Rio

In den Strassen von Pinar del Rio

Auch in den Strassen von Pinar

Auch in den Strassen von Pinar

Abends treffen wir in einem Restaurants del Estado auf eine resignierte und gesprächsfreudige Kellnerin. Im nächsten Jahr will sie mit ihrer Tochter nach Frankreich und nur unter Waffengewalt würde sie wieder nach Kuba zurückkehren. Nun, bei einem Lohn von 13 CUC pro Monat und der allgegenwärtigen Stimmung verständlich.

09.09.2013. Gegen 7.15 Uhr machen wir uns auf den Weiterweg. Das ist gerade die Rushhour von Pinar. Ich wünsche mir eine Gasmaske. Der Verkehr ist dicht und alle paar Meter wird man von einer schwarzen oder grauen Abgaswolke eingenebelt. Lateinamerika live! Echt eklig! Das geht ein ganze Weile so, dann nehmen die Abgasschleudern zum Glück immer mehr ab und machen den Pferdewagen und Fahrrädern platz. Besser so. Auf der Carretera Central fahren wir durch diverse Dörfer, bis es plötzlich heisst, hier gehe es nicht weiter. So landen wir schliesslich auf der Autopista, ich schon mit knurrendem Magen. Doch hier gibt’s nichts, bis auf die „Bushaltestellen“ unter den Brücken. Bei einer Ausfahrt endlich eine Cafeteria. Pan con Tortilla, Pan con Queso y Guayaba, 2 Refrescos und ein Café. Das alles kostet 14 Pesos oder ca. 60 Rappen. Essen in Moneda Nacional ist wirklich günstig hier.

Eine Strassen-Cafeteria

Eine Strassen-Cafeteria

Wir bleiben noch ein paar Kilometer auf der absolut langweiligen Autopista, dann kämpfen wir auf der Carretera Central weiter gegen den leichten Gegenwind. Diese Strasse ist gleich viel interessanter, obwohl sie distanzmässig länger ist. Der Umweg lohnt sich. Es folgen San Cristobal und Candelaria. Und nach 100 km die Suche nach einer Casa. In Candelaria gibt’s nichts, wir machen uns auf den Weg in Richtung Soroa, dort hat es einige legale Casas. Bei Janet beginnen die Preisverhandlungen. Die Fau ist eigentlich sehr sympathisch, aber wir diskutieren lange übers Geld und die Kosten. Mit einem etwas schlechten Gefühl bleiben wir dann, v.a. wenn man nachher den Schweizer Pass zücken muss…

10.09.2013. Für einmal hat das Frühstück Verspätung. Vielleicht eine „kleine Rache“ von Janet. Lecker ist es aber auf jeden Fall und gegen 7.30 Uhr sind wir auch wieder auf der Strasse. Wieder zurück nach Candelaria und weiter auf der Carretera Central in Richtung Artemisa. Der Hauptmorgenverkehr besteht aus Fahrrädern, Pferdewagen und Fussgängern. Sehr angenehm!

Pferdewagen

Pferdewagen

Und Fahrräder

Und Fahrräder

In Guanajay gibt’s einen Süssigkeitenstopp, dann fahren wir über Bauta langsam nach Havanna hinein. Und nach einer längeren Fahrt durch den ungewohnten und starken Stadtverkehr landen wir wieder am Malecon und bei Consuelo. Sie erwartet uns schon und wir beziehen wieder unser Quartier. Die kleine Rundreise durch Kubas Westen ist leider schon beendet.

11. – 13.09.2013. Die letzten Tage in Havanna verbringen wir mit Spaziergängen durch Havanna Vieja und einem Besuch bei Coppelia. Coppelia ist der wohl bekannteste Eisladen auf Kuba, und meist steht man dort stundenlang in der Warteschlange, v.a. wenn es Schokoladeneis gibt. Doch mit einem Bestechungsgeld von 1 CUC geht’s schneller. So sitzen wir mit Yolanda und Sandy bald an einem Tisch und die Bestellung muss aufgegeben werden. Mir geht das zu schnell, so bestelle ich einfach das Gleiche. Immerhin gibt’s heute Schokoladeneis und das kommt dann in Massen. 3 Schalen à je 5 Kugeln für jeden stehen bald auf dem Tisch, 12 insgesamt. Ich bin platt! Wenn ich das gewusst hätte, soviel Eis kann ich nicht auf einmal essen. Ganz anders Sandy, nach 10 Minuten sind seine 3 Schalen leer. Unglaublich! so isst der Kubaner. Das Ganze kostet dann insgesamt 60 Pesos Cubanos, ca. 2,50 CHF. Dafür gibt’s bei Mövenpick nicht mal eine halbe Kugel Eis!

Eisorgie bei Coppelia

Eisorgie bei Coppelia

Und weil auch Haare schneiden in der Schweiz so teuer ist, lasse ich Yolanda an meine Spitzen ran. Nun, die werden ziemlich grosszügig gestutzt, und ganz gerade wohl auch nicht. Aber das fällt ja sowieso nicht auf. Nicht bei mir, nicht bei Alvaro. Auch er bekommt einen Haarschnitt. Zudem werde ich von Yolanda noch geschminkt, sie ist in ihrem Element. Sieht auch richtig gut aus, nur kriege ich die Farbe danach kaum noch runter.

Am 12. September macht sich Alvaro gegen 17 Uhl langsam per Fahrrad auf den Weg zum Flughafen. Er fliegt auch am 13. September zurück nach Mexiko, jedoch schon um 5 Uhr morgens. Mein Flug geht erst um 22 Uhr abends. Ich bleibe alleine und etwas niedergeschlagen zurück und bin froh, dass Yolanda und Sandy noch da sind. Sonst wäre mir wohl die Decke auf den Kopf gefallen. So spazier ich am 13. morgens nochmals mit Yolanda durch die Gassen von Havanna, bevor auch ich mich auf den Weg zum Flughafen mache.

Die schönen Seiten von Havanna

Die schönen Seiten von Havanna

Und die etwas zerfallenen

Und die etwas zerfallenen

Mit ihren Menschen

Mit ihren Menschen

***

Zum Schluss möchte ich noch ein kleines Fazit zu dieser Kubareise geben:

Die drei Wochen Kuba waren schön, interessant, lehrreich und ernüchternd zugleich. Und jetzt soll keiner sagen, der mal eine Pauschalreise nach Varadero all-inclusive gebucht und das Hotel nie verlassen hat, er kenne Kuba. Das Leben auf der Insel des Tabaks, des Zuckers und der Revolution ist nicht einfach. Dies bekommt man auch fast nach jedem Satz eines Kubaners zu hören:“No es facil.“

Ganz so schlecht geht es den Kubanern jedoch nicht. Eine 9-jährige obligatorische Grundausbildung und die medizinische Grundversorgung sind  für jeden Bürger kostenlos. Analphabetismus und Kinderarbeit sind auf der Insel fast unbekannt, im Gegensatz zu vielen anderen lateinamerikanischen Ländern.

Doch die Leute sind so quasi dem Staat versklavt. Ein studierter Arzt oder Anwalt, der für den Staat arbeitet, verdient 13 CUC pro Monat. Das reicht nicht zum Leben, auch wenn Grundnahrungsmittel per Libreta zu kaufen und subventioniert sind. So wollen sich alle etwas von der Touristenschiebe abschneiden, da verdient man um einiges mehr. Der Arzt wird lieber Taxifahrer oder der Tierarzt fährt Pizzas aus. Dies die einfachen Methoden, doch es wird auch an allen Enden und Ecken im kleinen Stil abgezockt, um an etwas Extrageld zu kommen. Ist eigentlich verständlich. Aber so entwickelte der Kubaner auch einen riesigen Neid, man gönnt dem Niemandem nichts. Ein Volkszusammnhalt ist überhaupt nicht vorhanden. Und dies wäre wohl das Wichtigste, um auch nur ansatzweise etwas gegen die Situation zu unternehmen.

Kühe, Pferde, Ochsen und das meiste Land gehören dem Staat, der Bürger darf alles benutzen und muss Ware und Steuern abliefern. Die Castros verdienen sich eine goldeneNase, wenn man glauben will, wie hoch ihr Vermögen ist. Vieles dem Volk geklaut. Das ist eine etwas andere Sicht der 1959er-Revolution und auf das berühmte, hier allgegenwärtige Gesicht des Che.

Immerhin ist Kuba immer noch relativ sicher. Als Frau kann man auch nachts alleine durch Havanna laufen und auf der Strasse wird man nicht ständig von den Männern angemacht, auch nicht, wenn sie in grossen Gruppen anzutreffen sind. Das also ein kleiner Pluspunkt. Alvaro wurde jedoch auch zweimal bestohlen, aber beide Male waren es einfach Diebstähle, bewaffnete Überfälle sind sicher sehr selten.

Ansonsten nimmt einem die doch omnipräsente negative Stimmung ziemlich mit, man verlässt die Insel gerne wieder. Und ist froh darüber, dass man es kann!  Die meisten Kubaner wollen das Land ebenfalls verlassen, meist mit dem Traumziel USA. Dafür blättern sie auch gerne ihr ganzes kleines Vermögen hin oder versuchen, sich einen Ausländer oder ein Ausländerin zu angeln, mit der Hoffnung, so rauszukommen. Aber das funktioniert wohl nur in den wenigsten Fällen.

Für den Langzeit-Radtourero ist Kuba sicher kein einfaches Ziel. Dem Kubaner ist es von Staates wegen untersagt, einen Ausländer bei sich wohnen zu lassen. Daher ist man auf die legalen Casas Particulares angewiesen. Ab und zu wäre wildes Zelten gut möglich, wenn offiziell auch verboten. Reist man nur für kurze Zeit nach Kuba, spart man sich das Extra-Gewicht lieber und übernachtet in den Casas. Diese sind meist gut ausgestattet, das Frühstück ist für 15 – 20 CUC inbegriffen und meistens reichhaltig und für Extra-Kohle wird einem auch ein gutes Nachessen angeboten.

Etwas Gutes für den Ciclista hat Kuba, nämlich fast keinen Verkehr. Die Strassenbeschaffenheit ist jedoch oft sehr schlecht und das ewige Holpern über den kaputten Asphalt kann ganz schön anstrengend sein. Das Klima ist heiss, aber nicht zu vergleichen mit Mittelamerika (zumindest im August und September). Die Strände können sehr schön sein, das Wasser klar und mit angenehmer Badetemperatur. Doch wie so oft in Lateinamerika liegt der Müll auch hier überall rum, in diesem Punkt scheint die kostenlose Ausbildung zu versagen. Immerhin liegen am Strassenrand nicht hunderte von Getränkedosen, Plastiksäcken oder gebrauchter Windeln, die können sich die Kubaner nämlich einfach nicht leisten oder es gibt sie wie im Falle der Windeln überhaupt nicht zu kaufen…

Aber es lohnt sich auf jeden Fall, sich selbst ein Bild der Insel zu machen. Und kein Verkehrsmittel eignet sich dafür besser als das Fahrrad, denn auf den öffentlichen Verkehr sollte man nicht setzen.

In diesem Sinne: ¡Viva la Revolution! Oder so ähnlich…

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