Mérida – Pamplona, Venezuelas Gegensätze

19. – 26.03.2014. 385 km. Nach Mérida folgen weitere bergreiche Kilometer in Venezuela, Abenteuer mit der Polizei und wir treffen auch hier auf wunderbare Leute. Mit einer letzten venezolanisch-bürokratischen Überraschung fahren wir wieder nach Kolumbien, wo uns Mandarinen, Verkehr, mehr Berge und die kolumbianische Gastfreundschaft erwarten.

Route: Mérida – Tovar – Bailadores – La Grita – El Cobre – Finca La Huérfana – El Zumbador – Lobatera – San Pedro del Rio – Ureña – San Antonio – Los Patios – Pamplona

19.03.2014. Nach ein paar Tagen Pause in Mérida machen wir uns wieder auf den Weg. Neudy und Adri begleiten uns ab der Plaza Bolivar, später kommt Carlos dazu. Gleich geht es runter, durch die ganze Stadt. Neudy und Adri müssen bald zurück, wir verabschieden uns von den beiden. Es geht weiter runter, langsam fahren wir in ein trockenes Tal mit Kakteen, Agaven und farbigen Felsformationen. Es ist schön hier. Und heiss.

Nach Mérida wird es trocken und heiss

Nach Mérida wird es trocken und heiss

Nun stösst Wiliam dazu und bald folgt eine erste Steigung. Die Hitze macht mir heute zu schaffen, ich kämpfe mich den Berg hoch. Aber bald geht es weiter runter auf 400 m.ü.M. In El Anis machen wir bei Saft und Arepa eine kurze Pause, dann geht’s weiter in Richtung Santa Cruz. Der Hauptverkehr führt durch die Tunnels nach El Vijia ins Flachland. Doch auch auf unserer Route bleibt genügend Verkehr übrig. Die enge Strasse führt durch ein grünes Tal und steigt langsam aber stetig an. Es ist sehr heiss. Die Hitze macht mir heute wirklich zu schaffen! Bald verlässt uns auch Wiliam, Carlos will mit uns bis nach Bailadores fahren. Nun wird die Strasse hügelig, Zeit für eine Gatoradepause (definitiv eine Schwäche von mir…). Bei der Hitze das einzige wirksame Mittel zur Hydrierung. Die hügeligen Kilometer nach Tovar ziehen sich dahin, zudem ist es schon nach 14 Uhr. Bailadores ist für heute ein sehr ambitiöses Ziel, denn es fehlen nach Tovar noch 13 km saftige Steigung. Ich bin ziemlich kaputt und Carlos schmerzt der Rücken. So beschliessen wir, in Tovar zu bleiben. Wir wollen zu den Bomberos, doch Carlos besteht darauf, uns in ein Hotel einzuladen. Ganz herzlichen Dank! Zuvor essen wir gemeinsam noch etwas, dabei lernen wir Constanza von der Finca La Huérfana kennen. Nach dem Essen setzt sich Carlos in einen Bus nach Mérida, wir geniessen den Luxus einer heissen Dusche und eines bequemen Bettes.

20.03.2014. Aus routenstrategischen Gründen wollen wir heute nur bis nach Bailadores fahren und bei Luisa, einer Freundin von Neudy, übernachten. Die lange Ausfahrt aus Tovar hat es in sich, sehr steil wie immer in diesen Dörfern windet sich der Verkehr hoch. Zudem ist es schon heiss, bei der Dorfausfahrt ist mein Hemd schon total nass. Mein Anblick muss etwas abgekämpft sein. Ein Señor auf einem Motorrad hält. Der einfache Mechaniker steckt uns 50 Bolivares zu. Später fährt er uns mit dem Mottorad hinterher, um uns zwei Empanadas zu bringen. Unglaublich! Nach Tovar wird es etwas flacher, doch immer wieder folgen steile Abschnitte entlang der diversen Gemüsefelder. Der Schweiss fliesst in Strömen. Wir kämpfen uns nach oben, kurz vor Bailadores hält ein Wagen, eine Señora ruft:“Ich bin Mama Luisa!“ So lernen wir die herzliche Luisa und ihren Sohn schon etwas früher kennen. Wir strampeln die letzten Kilometer nach oben und fahren zum Restaurant von Luisa. Sie erwartet uns schon, inklusive einem Zimmerschlüssel eines nahen Hotels. Das Zimmer ist total mit Betten zugestopft, irgendwie quetschen wir noch all unsere Sachen inkl. Räder rein. Luisa kocht für die Studenten von Bailadores und wir haben das gleiche Timing wie diese. So gibt es Spaghetti umringt von Studenten und Fliegen. Fliegen hat es in der ganzen Gegend extrem viele, sie belästigen mich auch regelmässig beim Hochfahren. Immer schön ins Gesicht sitzen… Die Studenten bezahlen übrigens nichts für ihr Essen (ebenso wie die Fliegen), Luisa wird vom Staat entschädigt. Nach dem Essen gibt’s für uns eine lange Siesta, dann geht’s mit Luisa und ihren Kindern auf eine lange Auto-Sightseeingtour, u.a. zu den Cascadas India Carú. Das ist fast anstrengender als radfahren.

Die Cascadas India Carú

Die Cascadas India Carú

21.03.2014. Nach einem fetten Donut-Frühstück sind wir gegen 7 Uhr wieder auf der Strasse. Wir verlassen Bailadores über die längere, nicht so steile Ausfahrt. Dann geht’s kurvenreich in die Höhe. Zuerst passieren wir Gemüsefelder, diese werden bald von Blumenfeldern abgelöst, v.a. Rosen. Die Rosenknospen bekommen einen Strumpf aufgesetzt, damit sich die Blüten nicht öffnen.

Rosenfelder mit Strümpfen säumen den Weg

Rosenfelder mit Strümpfen säumen den Weg

La M und der Hahn von El Delegadito

La M und der Hahn von El Delegadito

Heute ist es noch angenehm kühl, selbst als die Sonne die Berghänge erreicht, bleibt es frisch. Einem starken Wind sei Dank. Wir passieren weitere kleine Dörfer auf dem Weg nach oben. Es folgt „La M“, eine M-förmige Kurvenkombination. Etwas später folgt El Delegadito und eine Weggabelung. Dort essen wir etwas Kleines, nun fehlen noch 7 km bis nach oben. Langsam nehmen die Felder ab, es bleiben die Kühe. Die Strasse führt dem Hang entlang nach oben. Man sieht bis zu einer bestimmten Kurve, was dann kommt, ist jeweils eine Überraschung. Nun, hier ist es der nächste Berghang des Paramo La Negra, den es zu erklimmen gilt. Doch dann ist es geschafft, El Limite auf 3’100 m.ü.M. Dort oben steht die Polizei und kontrolliert die Fahrzeuge. Wir fahren etwas runter, dann essen wir mit Blick auf die kommende Abfahrt etwas zu Mittag.

Mittagessen mit Ausblick auf die Abfahrt

Mittagessen mit Ausblick auf die Abfahrt

Auf dieser Seite ist die Vegetation total anders. Andere Blumen, andere Büsche und Bäume, keine Bewirtschaftung. Die sehr holprige Abfahrt führt später durch dichten Wald, dann folgt das Pueblo Honda. Es folgen zwei kleinere Zwischensteigungen, dann geht’s wieder runter. Bei einer Kurve gibt es nun endlich Fresas con Crema. Diese wollten wir schon lange testen. Nun, die Erdbeeren sind noch gefroren, die Crema ist ok. Man lernt eben nie aus, das nächste Mal fragen wir, ob die Erdbeeren frisch sind… In Sabanagrande treffen wir auf zwei Ciclistas. J und Wilmer. Sie sind auf dem Weg, uns abzuholen, so quasi. Richar, unser heutiger Gastgeber hat sie geschickt. So fahren wir mit den beiden die restlichen Kilometer runter, dann folgt die Einfahrt nach La Grita mit zwei dieser mörderischen Steigungen, die einem fast die Lunge auskotzen lassen. Diese Dörfer hier sind einfach krass. Dann ist es geschafft. Nun, fast. Nun müssen wir noch Gepäck und Räder 3 Stockwerke hochhieven. Dann ist endlich ausruhen angesagt, während Richar seine Stories zum Besten gibt.

22.03.2014. In der Nacht werde ich von den Mücken zerstochen. Kein Wunder, die Wohnung hat keine Türen. Am Morgen macht uns Richar Kaffee und Brötchen, dann muss all unser Zeugs wieder runtergeschleppt werden. Aber schliesslich sind wir gegen 7.30 Uhr startklar. Wir verabschieden uns von Richar und dessen netter Familie. Es folgen 5 km rasante Abfahrt bis zum Abzweig nach El Cobre. Hier sind wir wieder auf 1’000 m.ü.M. Wir biegen in das enge, grüne und noch schattige Flusstal ein. Und schon beginnt der sanfte Aufstieg. Es ist jetzt schon warm, als die Sonne das Tal erreicht, wird es heiss. Wir fahren wieder durch Landwirtschaftsgebiet, passieren diverse Dörfer. Es folgen ein paar richtig steile Abschnitte, dann erreichen wir El Cobre.

Die Iglesia San Bartolome von El Cobre

Die Iglesia San Bartolome von El Cobre

Wie immer ist die Dorfdurchquerung brutal steil. Hier gibt es je zwei Empanadas und drei Gläser Maracuja-Saft. Zudem verteilt die Alcaldia hier heute Reis und Öl für 40 Bolivares. Der Truck steht bei der Plaza. Das kann sich Alvaro natürlich nicht entgehen lassen, schnell ist die kleine Kamera im Einsatz. Ist ja auch nichts Verbotenes. Doch schon steht ein Polizist bei seinem Rad, will den Pass haben. Ich stehe weiter weg und sehe nur, das heftig diskutiert wird und sich immer mehr Leute um Alvaro scharen. Dann sagt er mir, er müsse in die Alcaldia, sie wollten seine Taschen durchsuchen. Ich setze mich in den Schatten und bin gleich von ganz vielen Leuten umzingelt. Fragen über Fragen, niemand weiss genau was passiert ist, doch alle finden die Reaktion des Polizisten übertrieben. Einige Leute wollen nun den Alcalde sprechen, um die Situation zu entschärfen, doch der hält gerade eine Rede. Dann werde ich zu einem Polizisten gerufen, man führt mich zu der Alcaldia, einige Señoras passen derweil auf mein Rad auf. In der Alcaldia treffe ich auf Alvaro, die Frau des Alcaldes, Polizisten und andere Personen. Alvaro meint, das Problem sei gelöst und wir könnten bald gehen. So ist es dann auch. Immerhin gab der Zwischenfall etwas Verdauungszeit für die Empanadas. Man entschuldigt sich noch von allen seien bei uns, wir sollen ja kein schlechtes Bild von El Cobre behalten, nur weil ein Polizist seine Macht testen musste. Wir machen uns so schnell wie möglich aus dem Staub, soweit das bei der Steigung möglich ist. Nach El Cobre wird die Strasse flacher. Bald engt sich das Tal wieder und wir erreichen die Finca La Huérfana. Die gehört den Eltern von Constanza, die wir in Tovar kennengelernt hatten. Wir fragten nach einer Zeltmöglichkeit, denn die Cabañapreise sprengen definitiv unser Budget. Wir werden herzlich begrüsst und bekommen gleich einen Kaffee mit Bizcochos serviert. Derweil umschwirren uns die Colobris. Ein sehr gemütlicher Ort. Und weil wegen den Guarimbas in San Cristobal jemand abgesagt hat, bekommen wir zur Überraschung auch noch ein Zimmer. Was für ein Luxus! Die ganze Anlage ist wunderschön und später beobachte ich lange die Kolibris.

Die Finca La Huérfana

Die Finca La Huérfana

Kolibri-Beobachtung

Kolibri-Beobachtung

Wir dürfen sogar einen Tag länger bleiben, doch man möchte die Gastfreundschaft ja nicht überstrapazieren. Zum Abendessen soll für uns das bereits für das Mittagessen vorbereitete Pollo con Arroz bereitstehen. Doch wir erleben nochmals eine Überraschung, werden wie alle anderen Gäste verwöhnt. Dazu gehört ein Glas Wein und frisches Brot direkt aus dem Ofen. Wir sind im Paradies gelandet!

23.03.2014. Heute ist „ausschlafen“ angesagt, der Wecker ist abgestellt. Um 7 Uhr schälen wir uns aus den warmen Decken. Die Nächte auf 2’300 m.ü.M. sind kühl. Und ruhig. Kein Ton war zu hören. Wir packen die Räder, dann werden wir zum Frühstück gebeten. Die Gäste können erst ab 9.30 Uhr frühstücken, doch für uns steht schon alles bereit. Zuerst gibt es die für die anden typische Suppe Pisca. Es folgen Brot mit selbstgerechter Marmelade und Käse.

Andines Frühstück

Andines Frühstück

Von der Rhabarbermarmelade wollen wir noch welche kaufen, doch wir bekommen den Tupper voll gefüllt, zahlen nicht erlaubt. Was für eine Familie! Nun wird es aber Zeit, uns von Constanza, Julie, Manuel und Carlos zu verabschieden. Wir hatten eine wunderbare Zeit auf der Finca La Huérfana! Wer sich einmal in diese Gegend Venezuelas verirren sollte, sollte sich dort unbedingt ein paar ruhige Tage gönnen! Wir stossen nun zu zweit die Räder die steile Auffahrt hoch. So sind die Beinmuskeln wenigstens schon halbwegs warm. Es folgen 5 km Auffahrt entlang von diversen Blumenfeldern bis El Zumbador.

Blumen in allen Farben säumen den Weg

Blumen in allen Farben säumen den Weg

Dort biegen wir nach Michelena ab. Von hier wären es noch 50 km bis nach San Cristobal, doch dort ist die Situation im Moment besonders schlimm. Wir wollen die Stadt weiträumig umfahren. So folgen 2 flache km, dann eine brutale Steigung von 3 km mit 10% Neigungswinkel, bis wir schliesslich auf 2’800 m.ü.M. den höchsten Punkt erreichen. Dann folgt die Abfahrt. In Boca del Monte treffen wir auf den Ciclista Jackson. Mit ihm zusammen fahren wir weiter runter. Nach einer Kurve folgt die von Manuel empfohlene Abkürzung. Die ist wie gesagt sausteil. Die Bremsen laufen heiss, was bei Alvaro mit den Felgenbremsen bald einen Schlauch platzen lässt. Reparaturstopp. Dann geht’s steil weiter, kilometerlang. Diese Abkürzung war nicht die beste Entscheidung. Doch dann sind wir unten, nach Lobatera folgt die Autopista nach San Pedro del Rio, einem hübschen Dorf mit Kopfsteinpflasterstrassen. Hier verabschieden wir uns von Jackson und gönnen uns ein letztes, venezolanisches Hotel für 300 Bolivares (ca. 5 $). Und nun heisst als Erstes, Bremskabel nachziehen!

24.03.2014. Frühmorgens verlassen wir das nun noch verschlafene San Pedro del Rio. Nach dem Dorf beginnt wieder ein Anstieg durch grüne Landschaft. Man hatte uns gesagt, dass hier viele Trucks durchfahren. So ist es dann auch. Kolonenweise röcheln sie an uns vorbei. Immerhin ist es noch kühl, doch sobald die Sonne erschient, beginnt es bei mir zu tropfen. Immer wieder gibt’s holprige Abschnitte, immer wieder ist ein Stück Strasse weggebrochen. Nach 14 km erreichen wir einen Kontrollposten und den höchsten Punkt. Wir werden von einem Paar zu Kaffee und einer Arepa eingeladen, dann beginnt die Abfahrt. Und plötzlich befinden wir uns im dichten Verkehrsgewimmel von Ureña. Lärm, Gehupe aus allen Richtungen, Abgase. Ein kleiner Schock! Wir suchen die Ausfahrt nach San Antonio, dort gibt es den venezolanischen Ausreisestempel. Wir fahren flache 10 km gegen den Wind bis nach San Antonio.

Donut-Stopp am Strassenrand auf dem Weg nach San Antonio

Donut-Stopp am Strassenrand auf dem Weg nach San Antonio

Eigentlich wissen wir, dass die Immigration irgendwo mitten in der Stadt ist, doch Alvaro fährt zielstrebig auf die Grenze zu. So müssen wir dann wieder umkehren, Plattenstopp bei Alvaro inklusive. Nach längerem Suchen finden wir das unscheinbare Immigrationsbüro. Immerhin kommen wir gleich dran, nachdem wir je 150 Bolivares Ausreisesteuer bezahlt haben. Dann ist der Stempel im Pass und wir fahren wieder zur Grenze. Nach fast einem Monat intensivem Venezuela verlassen wir das Land.

Rechts das unscheinbare Immigtationsbüro von San Antonio

Rechts das unscheinbare Immigtationsbüro von San Antonio

Die politische Situation ist in Venezuela im Moment sehr schwierig, die Leute haben ihre Sorgen und Ängste. Wir haben dies hautnah mitbekommen. Die meisten Diskussionen drehten sich um das Versagen der Regierungsführung, die Strassenblockaden oder um das Schlange stehen im Supermarkt und das Fehlen von Basisprodukten. Aber trotzdem sind die Leute an Freundlichkeit und Grosszügigkeit kaum zu übertreffen. Ich bin wirklich sehr beeindruckt. Und ich bin froh, trotz anfänglicher Skepsis durch dieses Land gereist zu sein. Eine einmalige Erfahrung, die mir in bester Erinnerung bleiben wird. Ich hätte definitiv etwas verpasst! In vielerlei Hinsicht.
Nach all den flachen Kilometern in Mittelamerika war es auch die erste Bergetappe. Auf den guten 700 km, die wir in Venezuela zurückgelegt haben, haben wir 11’017 Höhenmeter Aufstieg zurückgelegt. Wir haben die Hitze von Maracaibo erlebt und sind über den höchsten venezolanischen Andenpass, den Pico el Aguila, gefahren.
Nun haben wir das Glück, dass wir einfach so wieder ausreisen können, uns hält nichts in Venezuela. Viele vor allem junge Menschen hier wünschen sich das Gleiche, aber für sie ist es leider nicht so einfach. Wir aber machen uns auf den Weg nach Kolumbien, nicht schlecht, denn das Klopapier ist fast alle…

Gleich nach der Puente Internacional ist die kolumbianische Immigration. Auch hier nur sehr kurzes Anstehen. Und eine letzte venezolanische Überraschung für Alvaro. Der Beamte in der Immigration hat ihm einen „Entrada“-Stempel anstelle eines „Salida“-Stempels in den Pass gedrückt. Der kolumbianische Beamte will ihn nun wieder nach Venezuela zurückschicken. Nach einigem Diskutieren bekommt Alvaro dann den kolumbianischen Einreisestempel. Nach Venezuela will er so schnell nicht mehr. Nun fahren wir nach Los Patios, nach Cúcuta müssen wir zum Glück nicht rein. Flach-hügelig geht es weiter. In Los Patios gibt es in einer Panaderia einen kleinen Imbiss, dann fahren wir zu den Bomberos. Die Station ist winzig, keine Chance dort zu übernachten. Wir fahren weiter zur Kirche. Der Padre ist sehr nett, aber er muss heute Abend weg. Doch er  steckt uns 30’000 Pesos für ein Hotel zu. Wir weisen das Geld zurück, doch er beharrt darauf. Sehr grosszügig! Wir fahren weiter in Richtung Pamplona und in einem Strassenhotel lassen wir uns dann ein einem sehr simplen Zimmer für 15’000 Pesos (7.50 $) nieder. Kolumbien ist eindeutig teurer als Venezuela!

25.03.2014. Ruckzuck ist gepackt und die Räder sind startklar. Wir sind früh dran. Super! Doch nein, Alvaro hat schon wieder einen Platten! Die Abfahrt verzögert sich etwas. Zurück auf der Ruta 55 treffen wir gleich auf 3 ältere Rennradfahrer. Bei der ersten Steigung brausen sie davon und das Schwitzen fängt wieder an. Oben bin ich total nass, aber zur Erholung werden wir von den älteren Herren zum Frühstück eingeladen. Auch die Kolumbianer sind an Gastfreundschaft kaum zu übertreffen. Dann geht es weiter, rein in ein grünes Tal. Es folgt die Abfahrt zum Rio Pamplonita. Diesem folgen wir nun sehl viel hügelige Kilometer. Zur Erfrischung werden heute überall entlang der Strasse Mandarinen verkauft.

Strassenstand mit frischen Mandarinen und andern Früchten

Strassenstand mit frischen Mandarinen und andern Früchten

Es hat viel Verkehr und viele Baustellen auf diesem Abschnitt. Von den Trucks werde ich immer wieder mal in eine schwarze Abgaswolke gehüllt. Kien Wunder, huste ich… Gegen 11 Uhr essen wir in El Diamante zwei Empanadas, es kommt mir vor, als sei es schon 15 Uhr. Nun steigt die Strasse an bis zur Abzweigung nach Pamplonita. Dort wird Alvaro von der Polizei angehalten, weil er keinen Helm trägt. Das ist in Kolumbien tatsächlich Pflicht. Interessant, wenn man ständig die mit mindestens drei Personen beladenen Motorräder sieht, meist alle ohne Helm. Alvaro diskutiert, ich fahre weiter hoch und warte weiter oben auf Alvaro, der sich natürlich rausreden konnte. Mein Hintern schmerzt mittlerweile ganz schön, ich weiss kaum noch wie auf dem Sattel sitzen. Ich wünsche mir nur noch ein bequemes Bett und morgen will ich mein Rad weder anfassen noch sehen.

Frau arbeitet sich hoch

Frau arbeitet sich hoch

Ziemlich erschöpft und durchgeschwitzt erreichen wir gegen 16 Uhr nach 7,5 Stunden im Sattel und 2’000 Höhenmetern Steigung Pamplona. Die Hotelsuche zeigt sich schwierig, entweder sehr teuer oder ein Loch. So landen wir schlussendlich im Dormitorio einer Turnhalle. Mein Traum vom bequemen Bett und friedlichem Auschlafen zerplatzt wie eine Seifenblase. Kein gutes Ende für einen solch anstrengenden Tag. Aber na ja, so ist das Radlerleben manchmal.

26.03.2014. Um 6 Uhr wird dann in der Turnhalle auch schon lautstark Fussball gespielt. In unserem Zimmer ist es kalt und ungemütlich, so verbringen wir einen langen Tag in der Stadt. Jeder hat seine Dinge zu erledigen. Ich streife durch das Städtchen, durch den Mercado. Nach Venezuela ist es schön, wieder durch Läden mit gefüllten Regalen zu laufen. Milch, Joghurt, Reis, Mehl, Öl, alles gibt es hier zu kaufen. Und hier gibt es massenhaft venezolanisches Harina P.A.N., welches in Venezuela fast nicht zu bekommen ist! Unglaublich! So vergeht die Zeit. Abends kommt Alvaro dann in den Sinn, dass er seine Kette wechseln sollte. Nun, seine zwei Ersatzketten passen nicht, sie sind zu breit. Da hat der Sponsor total versagt. Ich gebe ihm dann meine Ersatzkette, die scheint zu funktionieren. Mal sehen… Fortsetzung folgt.

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