La Oroya – Ayacucho; Staub, Matsch und Köter

29.09. – 9.10.2014. 434 km. 5’571 Höhenmeter. Vom „El Silencio“ und den wunderbaren Bergen geht’s auf die verkehrsreiche 3N bzw. 3S. Ein krasser Wechsel. Darum begebe ich mich bald wieder auf Nebenstrassen in die Berge. Doch auch hier gibt’s viel mehr Verkehr, ich werde eingestaubt, dann eingeschneit und eingematscht. Und schliesslich noch von einem Hund gebissen, was mir eine Nacht auf der Notfallstation von Pampas beschert. Nach noch mehr Staub und noch mehr Hunde- und Fahrzeugattacken erreiche ich Ayacucho, wo ich mich definitiv etwas ausruhen muss.

Route: La Oroya – San Francisco – Huancayo – Pucara – Abra Marcavalle – Mullaca – Pampas – Lechuguillas – Churcampa – Mayocc – Huanta – La Vega – Ayacucho

29.09.2014. Nach zwei Tagen mehr oder weniger ausruhen verlasse ich Marcavalle und La Oroya. Es ist Montag, der Himmel blau, auf der Gasse vor dem Hostal werden gerade dir Marktstände aufgebaut und auf der Strasse herrscht reger Verkehr mit dem entsprechenden Hupkonzert. Ich glaube, wenn der Peruaner nicht hupen kann, ist er nicht glücklich. Ich fahre wieder durch den  Bergwerkort La Oroya, dann geht’s nun auf der 3S und dem Rio Montaro entlang in Richtung Süden.

Auf Asphalt komme ich gut voran, zudem geht’s tendenziell runter. Kam ich in den Bergen kaum vorwärts fliegen die Kilometer heute nur so dahin. Am Ende des Tages werden es 130 sein. Aber ich vermisse die Berge trotzdem schon, die tollen Landschaften, den fehlenden Verkehr, die Ruhe. Im Moment ist der Verkehr noch akzeptabel, die Strasse hat einen Seitenstreifen. Doch als das Tal enger wird, verschwindet dieser. V.a. die Überholmanöver der entgegenkommenden Fahrzeuge machen mir das Leben schwer. Einmal bleibt mir nur der Sprung ins Gras. Das ist definitiv unnötig. Auch die Dörfer entlang sind nicht sehr sympathisch, haben keinen Charme. Immerhin gibt es Restaurants . So gibt es in San Francisco ein Kaffeepause. Danach geht’s runter, vor Jauja teilt sich die Strasse. Rechts ist der schnellere Weg nach Huancayo. Nun ist die Strasse flach, ich sause dahin. Bald stoppe ich fürs Mittagessen, der Himmel ist mittlerweile dicht mit Wolken überzogen. Ich fahre weiter, kurz darauf fallen die ersten Tropfen. Bei einem Bushäuschen stelle ich mich unter. Ein guter Entscheid, denn nun beginnt es heftig zu hageln. Mit sehr grossen Körnern. Der Señor, der hier auf seinen Bus wartet meint, dieses Jahr sei die Regenzeit verfrüht gekommen. Ach ja, das hören wir nicht zum ersten Mal. Zudem würde es immer dreimal hintereinander regnen. Nun, der erste Regen lässt nach, ich fahre mit Regenbekleidung weiter. Der zweite Regen folgt bald, zum Glück sind die Hagelkörner nun etwas kleiner. Die Häuseransammlungen werden dichter, der Verkehr auch. Es folgt ein kurzer Anstieg nach Huancayo. Hier herrscht Verkehrschaos total, ich gebe acht, dass mich kein Bus, Taxi oder Mototaxi umfährt. So schlängle ich mich durch den Verkehr, auf der Suche nach der Estacion de Bombers. Man schickt mich den Berg hoch. Die Station ist so klein, dass ich nicht fragen müsste. Ich spreche aber mit den Bomberos, natürlich gibt es noch eine andere, grössere Station im Süden. Dort fahre ich nun hin. Dabei fahre ich an der Plaza vorbei, sehe die Catedral. Nun, bei der Parroquia könnte ich auch nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen, wenn ich schon hier bin. Das wäre schön zentral gelegen. Ich erwarte nichts, doch man bietet mir ohne zu zögern den grossen Saal an. Hermana Eulalia führt mich dahin, das Problem ist aber nun, dass sie um 18 Uhr geht und erst morgen um 8 Uhr wieder kommt. Wird nichts aus zentral gelegen und etwas die Stadt erkunden. Ich gehe noch vor 18 Uhr was essen, in der Eile lande ich bei einer Chifa, einem Chinesen. Danach werde ich sozusagen eingesperrt. Das ist aber nicht so schlimm, denn nun folgt der dritte Regen, der lange andauert. Vom Himmel gibt’s Wasser, aber vom Wasserhahn nicht. Immerhin kann ich mich aus einem grossen Kübel waschen, Licht funktioniert nur im Treppenhaus. Wäre ich vielleicht doch besser zu den Bomberos gefahren?

Mein Saal in der Catedral von Huancayo

Mein Saal in der Catedral von Huancayo

30.09.2014. Kurz nach 8 Uhr werde ich auch meinem „Gefängnis“ entlassen. Auf der Calle Real verlasse ich Huancayo in Richtung Sapallanga. Ich habe genug von der 3S und begebe mich wider auf Nebenstrassen. Nach 15 km erreiche ich Pucara. Bei Dorfausfahrt endet der Asphalt und die Steigung beginnt. Die Strasse ist gut steinig-holprig und es hat doch einiges an Verkehr. Ich steige gut und bei etwas Sonnenschein komme ich sogar wieder einmal etwas ins Schwitzen. Ich erreiche den Abra Marcavalle auf tiefen 3’893 m. Hier weht ein kalter Wind, der mich nun als Gegenwind begleiten wird. Ich fahre runter nach Mullaca. Bei der dortigen Plaza will ich zu Mittag essen, doch da bläst der Wind voll durch, zudem ist der Himmel mittlerweile grau und wolkenverhangen. Vielleicht finde ich weiter oben ein windgeschütztes Plätzchen. Ich fahre durch das eher ausgestorbene Dorf, links unten schnüffeln zwei Hund gegenseitig an ihren Ärschen. Ich denke mir so mein Ding, da rennen beide hoch und der grössere beisst mir voll ins Bein. Extrem aggressiv und zähnefletschend will er wieder zubeissen. Ich schreie ihn an, fuchtle mit dem Bein herum und irgendwie bekomme ich das Bein auf die  andere Seite des Rades. Doch die Sauköter will mich auch von der anderen Seite angreifen. So eine aggressive Attacke erlebe ich zum ersten Mal. Ich bekomme einen Stein in die Hand und werfe, dies schlägt nun beide Hunde in die Flucht. Ich bin geschockt und schreie einer Señora zu, dass mich der Scheissköter gerade gebissen hat. Doch typisch ältere Señora ignoriert sie das. Ich fluche weiter laut herum, und sehe mir mein Bein an.

Hose kaputt, am Bein eine blutende Wunde. Nur klein, aber das Mistvieh hat durch die Haut gebissen. Nun kann ich nicht mehr, mir kommen die Tränen. Derweil kommt ein junger Señor zu mir, fragt etwas blöde, wie es mir heute gehe. Beschissen, Scheisshunde hätten sie hier und ich müsste jetzt nach einer Tollwutimpfung suchen. Der Señor meint, hier seien die Tiere gesund. Das beruhigt mich sehr. Nun, hoffentlich beisst der Köter als nächstes sein Kind… Sonst hat der Señor nichts mehr zu sagen. Ich fahre weiter, die Tränen wollen nicht versiegen. Langsam habe ich es satt, das alleine fahren stinkt mi gerade gewaltig! Die Tränen fallen nun auch vom Himmel, es beginnt zu regnen. Weiter oben muss ich was essen, obwohl mir der Appetit total vergangen ist. Was nun? Bisswunde ignorieren, ich bin ja Tollwutgeimpft. Obwohl man im Falle eines Bisses eine weitere Spritze machen muss, um den Schutz aufzufrischen. Wahrscheinlich hatte der Hund ja keine Tollwut. Aber man weiss nie. Nun, ich muss heute noch Pampas erreichen, in dem grösseren Ort hat es sicher medizinische Versorgung. Ich fahre weiter hoch, dann treffe ich auf eine Hauptstrasse, die 3SA. Hier hat es nun richtig viel Verkehr, ganz Kolonnen von Tanklastern und anderen Blochern. Ich werde von oben bis unten eingestaubt. Meine Regenjacke ist bald mehr beige als violett. Es geht weiter hoch, die Strecke bis zum höchsten Punkt auf 4’260 m zieht sich lange dahin. Nun folgen noch 20 km Abfahrt, wobei ich noch mehr eingestaubt werde. Dann sehe ich Pampas, ein überraschend grosser Ort. Ich fahre gleich zum Hospital, dass es hier hat. Man schickt mich mit meinem Problem in die Notaufnahme, wo ich sofort behandelt werde. Die Wunde wird gesäubert, dann bekomme ich zwei verschiedene Antibiotikas und ein Schmerzmittel verschrieben, weil sich die Wunde ziemlich sicher entzünden wird.

Viele, viele bunte Smarties. Und dass alles wegen einem Köter...

Viele, viele bunte Smarties. Und dass alles wegen einem Köter…

Mensch, schon wieder Antibiotikum. So langsam reicht es für dieses Jahr, mein Körper ist jetzt dan wohl resistent gegen alle Antibiotikas. Mehr Sorgen macht dem Arzt aber die Tollwutimpfung, denn natürlich haben sie den Impfstoff „Rabipur“ hier nicht. Hierzu muss der Doktor nun einen Kollegen zu Rate ziehen, doch das wird dauern. Es ist schon nach 18 Uhr, die Antibiotikas haben sie in der Spitalapotheke nicht. Sind gerade heute ausgegangen. Ich muss die Medikamente im Dorf besorgen, zudem möchte ich was essen und einen Schlafplatz muss ich auch noch organisieren. Hierzu meint der Doktor aber, ich könnte im Spital übernachten, da werde sich etwas finden lassen. Auch gut, eine Sorge weniger. Nach einer Portion Arroz a la Cubana gehe ich wieder ins Spital. Nun ist langes Warten angesagt. Dabei spielen sich im Warteraum der Notaufnahme richtige Dramen ab. Eine hochschwangere junge Chica wird eingeliefert. Sie muss operiert werden, sprich per Kaiserschnitt gebären. Denn nur 8 Monate!!! zuvor hatte sie erstes Kind per Kaiserschnitt geboren und nun droht die Wunde bei einer weiteren Geburt zu platzen. Doch der junge Ehemann will das Einverständnis zur Operation nicht geben, das Formular nicht unterschreiben. Mittlerweile reden alle im Warteraum auf Quechua auf den jungen Mann ein, ein richtiges Gewirr. Dann wird noch die Polizei bestellt, denn der Mann hat vielleicht den Tod seiner Frau zu verantworten. Echt filmreif! Nun, das Drama endet mit der Unterschrift und viel später wird die Chica in den Operationssaal geschoben. Mehr bekomme ich nicht mit. Ich bekomme gegen 21 Uhr den Bescheid, dass ich keine Impfung brauche, da das Bein keine kritische Stelle sei. So etwas hatte ich mir doch gedacht. Die Ausrede für den fehlenden Impfstoff. Aber auch gut, da mache ich mir keine grossen Sorgen mehr. Nun heisst es aber nochmals warten, weil der Doktor einen Schlafplatz suchen muss. Einige Leute wurden in eine Hospedaje geführt, aber da soll ich wohl nicht hin. Ich werde schlussendlich in die Notfallstation gerufen, das hinterste Nett ist meins für die Nacht. So ende ich nach nach 75 km, fast 1’500 Höhenmetern auf Schotter, 7,5 Stunden im Sattel wegen einem Hundebiss für eine Nacht auf der Notfallstation. Was für ein Tag!

01.10.2014. Um 5 Uhr herrscht auf der Notfallstation Tagwache. Obwohl ich todmüde war, konnte ich kaum schlafen. Nun zupft es an meinem Schlafsack. Mit Ohropax und etwas Dunklem über den Augen bekomme ich es kaum mit. Die Nachtschwester fragt, ob ich in meinem Schlafsack genug warm gehabt hätte. Klar doch, sicher wärmer als mit den auf dem Bett liegenden Decken. Hierzu ist zu sagen, dass die Schwester unter dem Kittel eine Daunenjacke trägt. Soviel zu den Temperaturen hier. Nun kommen die üblichen Fragen, wie immer. Ich bleibe noch bis 6 Uhr liegen, dann muss ich ja meine Medikamente nehmen. Die Zeit sei sehr wichtig, wichtiger als Mahlzeiten. Aber ich solle die Tabletten nicht mit Wasser, sondern mit Saft oder Gatorade nehmen, weil sie sehr aggressiv für den Magen seien. Nun, ich habe nur Wasser, aber bald schmerzt mir wirklich der Magen. Das Essen von einem Brötchen hilft auch nicht mehr. Na dann. Um 7 Uhr verlasse ich bei blauem Himmel das Spital von Pampas. In einer Panaderia genehmige ich mir ein Frühstück. Kaffee, ein Brötchen, einen Muffin und Leche asada. Mein neues Lieblingspastel. Ein Mürbeteigmuffin gefüllt mit Kondensmilch. Da dürfen es gleich zwei sein. Oder auch noch viel mehr, denn das Waage-Ergebnis im Spital von Pampas war nicht sehr erfreulich. Immer noch viel zu wenig. Gegen 7.30 Uhr mache ich mich auf den Weg. Gleich von Beginn weg werde ich eingestaubt. Ziemlich extrem und ziemlich eklig.

Schotter und viel Verkehr = Staubwolke

Schotter und viel Verkehr = Staubwolke

Zudem fahren Riesenkonvois von Tanklasern über diese Strasse. Zweimal je 7 hintereinander, die restlichen Konvois sind kleiner. Und alle Parteien sind im Wahlkampfendspurt. Der 5.Oktober ist nahe. So fahren sie in Lastern durch die Gegend, ober auf der Ladefläche grölende Leute mit ihren jeweiligen Fahnen. Einige Fahrer finden es dann zudem lustig, direkt auf mich zuzufahren und im letzten Augenblick auszuweichen. Sind wohl besoffen. Das Fahren ist sehr anstrengend heute. Es folgt eine Abzweigung, eine Strasse führt nach Colcabamba. Ich nehme die andere Route. wird immer grauer, im Tal regnet es.

Nun nimmt der Verkehr markant ab, aber die Steigungen werden sehr steil. Ich arbeite mich den Berg hoch, der Himmel. Es weht ein kalter Wind hier oben. Fürs Mittagessen muss ich mich gut einmummen, der Wind ist gnadenlos. Dann geht’s weiter hoch und bald beginnt es zu regnen. Auch dieser Pass zieht sich in die Länge. Nach dem höchsten Punkt auf 4’360 m geht’s runter. Auf dieser Seite hatte es geschneit. Ich fahre durch das Kaff Miraflores, dann geht’s wieder hoch. Der Himmel verdunkelt sich weiter und es beginnt zu hageln, dann regnet es. Ich bin auf der Suche nach einem Campplatz, das ist nicht so einfach. Schliesslich finde ich eine gute Stelle weiter oben im Hang. Ich zerre mein Rad hoch und hoffe, dass der Regen nachlässt. Dies tut er, ich kann gerade das Zelt aufstellen und alles aufstellen, als es wieder beginnt. Das war nett.

 

02.10.2014. Am Morgen schaue ich aus dem Zelt in eine graue Suppe. Da würde man am Liebsten liegen bleiben. Die Medikamente verschiebe ich heute aufs Frühstück, Zeit hin oder her. Ich packe zusammen und frühstücke. Nun beginnt es zu tröpfeln. Das hätte auch noch warten können. Im Schneeregen packe ich das Zelt zusammen. Ein nasser Lumpen. Es ist so kalt, das ich bald meine Finger kaum noch bewegen kann. Als endlich alles verstaut ist, bekomme ich kaum noch die Handschuhe über die Finger gestülpt. Dann geht’s los, zurück auf die Strasse und weiter den Berg hoch. Mittlerweile schneit es stark, die Strasse ist matschig. Das macht das Fortkommen schwerer, der Matsch ist wie Leim für die Räder. Weiter oben liegt der Schnee zentimeterdick. Ich erreiche 4’325 m, von hier geht’s wieder runter. Der Wind peitscht mir nun den Schnee ins Gesicht, dass ich kaum was sehe. Die Strasse ist eine Schmierpiste und wieder kommen mir zig Lastwagen entgegen. Nun werde ich bis ins Gesicht mit Matsch vollgespritzt. Wäre Staub doch besser? Ich fahre langsam durch den Matsch, dann geht’s nochmals hoch nach Lechuguillas. Dort will ich Brot kaufen, doch das gibt es nicht. Aber Cafecito. Nun, braunes Wasser. Die Señora bittet mich in ihr kleines Kabüffchen, dort ist es immerhin trocken. Während der Pause lässt der Schnee nach und bei Weiterfahrt ist es trocken.

Ich fahre wieder hoch auf 4’290 m, dann geht’s in diversen Runter- und Hochfahrten über der 4’000er-Grenze hoch und runter. Zum Schluss erreiche ich wieder 4’270 m, nun beginnt die Abfahrt nach La Chonta. Hier ist die Strasse nun fatal, überall dicker Matsch. Immer wieder blockieren Räder und die Kette, zudem ist der Matsch wie Schmierseife. Auch Regenhose und Überschuhe sehen bald übelst aus.

In La Chonta gibt es Brot, doch nun bevorzuge ich etwas Warmes. Ich setzte mich für ein Menu in ein Restaurant, wissend, das es zuviel sein wird. Der Señor redet mich konstant mit „Papa“ an, ich wäre eigentlich eine „Mama“. Im Fernseher laufen komische Zeugen Jehovas Videos mit tanzenden und singenden Peruandern in Kornfeldern. Der Señor stellt Frage um Frage, dazwischen gibt’s minutenlanges „mmmmmmmh, mmmmmmmmmmh“. Meine Fragen beantwortet er aber nicht. Aber meine Augen könnte ich dalassen. Nach dem Mittagessen ist das Wetter etwas besser. Nach La Chonta beginnt eine kurze, steile Steigung auf den letzten Pass für heute. Steile Strasse, voller Magen und die Medikamente, die dem Magen zu schaffen machen. Ich kämpfe mich den Berg hoch. Oben ankommen, werde ich gleich von diversen Wahlkämpfern bestürmt. Ein Foto dürfen sie mit mir machen, aber ihre Fahne will ich nicht. Nun fehlen noch gute 25 km Abfahrt nach Churcampa. Die Gegend wird immer grüner und bevölkerter. Ich fahre durch viele kleine Dörfer. Nach 16.30 Uhr erreiche ich Churcampa, einen grösseren Ort. Ich fahre zur Plaza und zur Parroquia. Die hiesigen Schwerstern sind sehr nett und Madre Rosario bietet mir gleich ein Zimmer an. Das Rad darf ich in einem Saal abstellen. Ich bleibe aber auch gleich dort, denn ich wage es nicht, die Taschen abzunehmen, so dreckig ist alles. Der Matsch ist inzwischen so hart wie Zement und lässt sich kaum noch entfernen. Das gibt eine grössere Putzaktion. Für mich gibt es sie aber jetzt schon, ich finde eine Dusche mit einigermassen warmem Wasser. Das tut gut. Man fühlt sich danach so sauber…

03.10.2014. Ein weiterer grauer Morgen. Ich nehme die kurvige Abfahrt auf der einspurigen Asphaltstrasse in Angriff. Diese bringt mich wieder ins Tal des Rio Mantaro, nun in eine trockene und wüstenartige Gegend. Es wir langsam wärmer, je weiter nach unten ich komme. Doch die Bewölkung hält die Hitze und die Zancudoplage zum Glück in Grenzen.

Im Tal unten erreiche ich Mayocc, im 2010 war das nicht mein Lieblingsort. Heute ist es ein Dorf mit hilfsbereiten Menschen. Aber ich darf heute auch weiterfahren. Über den Rio Mantaro, dann geht’s dem Fluss entlang durch das trockene Tal. Bald beginnt die Baustelle. Hier wird auf grosser Strecke an der Asphaltierung gearbeitet. Holprig geht’s rauf und runter, mal durch Matsch wegen der Strassenbewässerung zur Staubverminderung, mal durch Baustellenkies. An einer Sperre darf ich mit dem Rad durchfahren, die Fahrzeuge müssen alle warten. Nach einer weiteren Flussüberquerung werde ich auf die Buastellenstrecke geschickt. Die Fahrzeuge fahren alle eine Umleitung via Luricocha. Das ist nicht schlecht, so stauben mich nur die Baustellentrucks und -pick-ups ein, und von denen gibt’s nicht so viele. Und die Arbeiter freuen sich alle über etwas Abwechslung.

Langsam geht’s rauf, die Strasse ist oft sehr holprig und hier hat es wieder ein paar äusserst lästige Köter. Einmal greift mich einer an, dann werden es plötzlich vier. Ich fackle nicht mehr lange rum, schreie und werfe wie wild mit Steinen. Der eine bleibt dann aber extrem penetrant und folgt mir lange. Ich schreie ihn an und werfe abermals Steine. Danach fahre ich weiter, in Gedanken schlage ich so einem Mistvieh mit einem Stock den Schädel ein. Sorry an alle Hundeliebhaber, aber wenn man jeden Tag zig Hundeattacken erleben muss und dann gebissen wird, dann können solche Gedanken wohl aufkommen… Vor Huanta scheint die Baustelle vorbei zu sein, denn ich werde wieder tüchtig eingestaubt, es hat viel Verkehr. Bei der Einfahrt nach Huanta mache ich trotz Riesenhunger einen Stopp bei einem Lavadero. Mit Hockdruck wird der Zement vom Bike gewaschen. Die Taschen lasse ich gleich dran, auch die vertragen eine gute Wäsche. Dann esse ich auf der Plaza zu Mittag, nun gibt’s sogar etwas Sonnenschein. Hinter mir befinden sich Kirche und Parroquia. Soll ich hier bleiben? Ich beschliesse noch weiter zu fahren, so fehlt mir morgen weniger bis Ayacucho. Nun geht’s auf Asphalt weiter rauf. Der Verkehr ist heute für peruanische Verhältnisse ganz ok und es tut gut, nicht ständig eingestaubt zu werden. Der Himmel ist nun von einer leichten Wolkendecke überzogen, die Strasse steigt sanft an. Ich komme gut voran und geniesse das Rauffahren bei ein paar letzen Nachmittagssonnenstrahlen, die durch die Wolken dringen. Gegen 16.30 Uhr passiere ich La Vega. Von Weitem sah das Kaff grösser aus. Die Kirche steht nicht im Dorf und sämtliches Schulpersonal ist schon im Wochenende. Es ist Freitag und bei der Tienda werde ich auch gleich von ein paar besoffenen Männern angeträllert. Beim Rauffahren hatte ich einen Puesto de Salud gesehen, dorthin fahre ich zurück. Der Doktor ist noch da und überlässt mir gerne die Kinderecke für die Nacht. Meine Rettung für heute.

Auch etwas frühe Stimulation für mich

Auch etwas frühe Stimulation für mich

04.10.2014. Die Señora, die kurz vor 8 Uhr erscheint, weiss natürlich nichts von meiner Anwesenheit. Der Doktor wollte sie informieren, aber verwundern tut’s niemanden, das dies nicht geschehen ist. Bei blauen Himmel und Sonnenschein mache ich mich auf den Weiterweg. Gleich nach La Vega folgt eine gute Abfahrt entlang von Kakteen und Agaven, danach folgt die Auffahrt nach Ayacucho. Heute ist der Verkehr wieder peruanisch, sprich zum Kotzen. Da wird bei Gegenverkehr überholt, egal ob dies ein Fahrzeug oder Radfahrer ist. Einmal bleibt mir wieder nur der Sprung von der Strasse. Ich wollte einfach stehen bleiben, habe es dann aber gelassen. Leider nützen eindeutige Handzeichen und laute Fluchtiraden auch nichts. Aber es macht mich heute richtig aggressiv, zumal mich auch noch diverse Hunde attackieren. So bin ich froh, als ich unter Gringo-, Guapa-, Mister-Rufen und Pfeifkonzerten in Ayacucho einfahre. Es geht in Richtung Plaza, da sehe ich den Jr. Tres Mascaras. Ich fahre zum Hostal Tres Mascaras, dort weilten Monika und ich im Jahre 2010. Ein schönes Hostal mit wunderbarem Innengarten. Die Señora zeigt mir auch genau das gleiche Zimmer. Aber das Zimmer mit Baño compartido kostet 30 Soles, auf 25 Soles geht die Señora runter. Das ist sehr teuer. Das definitiv auch ein Nachteil vom alleine reisen, denn die Preise gelten pro Zimmer, nicht pro Person. Ich habe Zeit und suche noch etwas weiter, fahre zum Hostal Crillonesa. Die junge Besitzerin Alicia ist sehr sympathisch, sie zeigt mir ein Zimmer mit Baño compartido, ich sehe mich schon im Tres Mascaras. Doch dann führt sie mich noch ganz nach oben. Hier hat es ein sehr gemütliches Zimmer mit Baño privado und Blick über die ganze Stadt. 35 Soles. Aber Alicia lässt mit sich reden, für 25 Soles kann ich das Zimmer haben. Nun, da ist die Entscheidung klar. Zudem bin ich so quasi gegenüber vom Mercado, wo es leckere Säfte gibt. Und die Plaza ist auch nicht fern. Später spaziere ich durch die sympathische Stadt und gönne mir nach den Strapazen einen teuren Kaffee mit teurem Kuchen im Café La Miel. Der Beginn einer kulinarischen Pause…

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