Antabamba – Chivay, hoch hinaus

25.10. – 03.11.2014. 360 km. 6’246 Höhenmeter. Von Antabamba aus mache ich mich auf der gemäss Andes by Bike „thoughest Route“ auf den Weiterweg. Es folgen wunderschöne Landschaften, anstrengende Aufstiege, hohe Pässe und atemberaubende Ausblicke. Aus Zeitgründen verbinde ich „though“ mit einer anderen hochandinen Route und nach all den Höhen folgt zu guter Letzt die Abfahrt in den Cañon de Colca.

Route: Antabamba – Curanco – Abra Ccotaccasa (4’870 m) – Abra Ninaccasa (4’880 m) – Pass (4’950 m) – Pass (4’920 m) – Abra Huacullo (5’016 m) – Huacullo – Culypampa – Abra Condorillo (4’993 m) – Pichirihuay – Abra Arcata (5’101 m) – Mina Arcata – Arcata – Abra Ares (4’871 m) – Tolconi – Abra Tolconi (4’860 m) – Caylloma – Abra Chungara (ca. 4’700 m) – Sibayo – Tuti – Chivay

25.10.2014. Bei wolkenüberzogenem Himmel mache ich mich also auf den Weg auf diese harte Route durch die hohen Berge Perus. Bei der ersten Auffahrt komme ich schon gut ins Schwitzen. Bei einem Haus läuft mir ein alter Señor entgegen um zu fragen, wohin ich wolle. Huancullo, meine ich. Uhhhhh, leeeejos. Zudem müsse ich schauen, dass ich nicht erfriere, es sein kalt da oben. Ich verspreche ihm, das ich mich warm anziehe, dann fahre ich weiter.

Bald folgt eine Abfahrt, dann geht’s mal hoch, mal runter, bis die Abfahrt nach Curanco folgt. Mittlerweile ist der Himmel grau und wolkenverhangen, weiter vorne im Tal regnet es. Doch es ist noch früh, ich fahre zum Fluss runter, dann folgt die Steigung. Nun ist die Strasse teilweise total steinig, ich schiebe oft. Ich will dem Hinterrad nicht allzu viele Schläge geben, der Speichenbruch schwebt immer noch in meinem Kopf rum. Nun kommt mir tatsächlich ein Auto entgegen. Der Fahrer meint, hätte er mich heute morgen gesehen, hätte er mich mitnhemem können. Huch, jetzt herrscht sogar reger Verkehr, von hinten kommt noch ein Pick-up. „Vamos!“. Nein danke, sehr nett. Ich schiebe und fahre weiter, ab und zu fallen ein paar Tropfen. Ich passiere eine Lagune, dann wird der Hang steiler.

Ich fahre weiter, obwohl ich weiss, dass Campplätze rarer werden. So fahre und schiebe ich noch eine Weile über die Steinpiste, dann suche ich unter den neugierigen Blicken einiger Kühe einen Campspot und finde ihn. Die Kühe interessieren sich noch für den Zeltaufbau, dann verschwinden sie. Nun stelle ich fest, dass der ganze Boden voll mit winzigen Stacheln ist. Na, da packe ich alles erdenkliche unter die Matte. Im Tal hinter mir wird das Donnern immer lauter, bald regnet es und es kommt ein sturmartiger Wind auf. Das Gewitter zieht intensiv über mich hinweg, während ich mir ein luxuriöses Nachtessen koche.

26.10.2014. Nachts lässt der Wind nach und als ich morgens aus dem Zelt spähe, sehe ich blauen Himmel. Das motiviert zum Aufstehen, obwohl das Zelt noch im Schatten steht. Bis alles draussen ist, erreicht die Sonne meinen Campspot. Zelt trocknen, Schlafsack trocknen, frühstücken.

Kurz nach 8 Uhr bin ich wieder auf der Strasse, wo ich sicherheitshalber all die kleinen Dornen aus den Reifen operiere. Dann steige ich weiter hoch bis auf 4’520 m, dort oben treffe ich auf einen Alpacahirten. Ein Schwatz, dann meint er, wenn ich zurückkomme, könne ich bei ihm in der Hütte übernachten. Die Leute hier denken oft, dass man zurückkommt. Nun, wie ich ja aus Erfahrung sagen kann, man weiss es nie… Nun geht es etwas runter, dann beginnt die Steigung zum Abra Ccotaccasa. Der Himmel ist mittlerweile grau, es fallen ein paar Schneeflocken. Eine Weile kann ich noch fahren, dann wird die Strasse so steinig und steil, dass ich schieben muss.

So erreiche ich die Passhöhe auf 4’870 m erst kurz nach 13 Uhr. Auf der anderen Passeite sieht das Wetter noch schlechter aus, so esse ich hier oben zu Mittag. Bald bei heftigem Schneefall. Bei Abfahrt ist das Wetter schon wieder besser. Es geht runter, dann beginnt auch schon die teilweise steile Steigung zum Abra Ninaccasa auf 4’880 m. Von dort geht’s wieder runter, und nun fahre ich auf eine graue Suppe zu.

Bald beginnt wieder eine Steigung und es beginnt zu schneien. Der Schneefall wird immer heftiger, aber ich fahre weiter. Nach jeder Kurve erwarte ich die nächste Passhöhe, doch die lässt auf sich warten. Zudem ist die Strasse vom Schnee total aufgeweicht, bald sind Räder und Schuhe zugematscht. Der Schnee lässt nach, der Pass will noch nicht. Ich beschliesse zu campen und finde hoch über der Strasse einen netten Platz, wo ich nur die Vizcachas störe. Mal sehen, wie es sich auf 4’900 m.ü.M. schläft. Nun versuche ich, mit einem Hering wenigstens den ärgsten Matsch von Rad und Taschen zu kratzen, dann verkrieche ich mich in meiner Höhle, es ist kalt hier oben. Und die Höhe merke ich auch, den ich kann lange nicht einschlafen, zudem wird die Nacht ziemlich kalt, so dass ich alle Kleider anziehen muss.

27.10.2014. Auch heute darf ich bei blauem Himmel und Sonnenschein aufstehen. Doch draussen ist es kalt, zudem weht ein kühler Wind. Trotzdem geniesse ich das Frühstück draussen mit bester Aussicht.

Gegen 8 Uhr verlasse ich meinen Campspot und weiter geht’s den Berg hoch. Eine Kurve, noch weiter geht’s nach oben, noch eine Kurve, immer noch kein Pass. Der zieht sich wirklich dahin, doch dann sind die 4’950 m geschafft. Es geht runter und darauf bald wieder hoch. Steil hoch. Ich schiebe die meiste Zeit bis zur nächsten Passhöhe auf 4’920 m.

Wie auf der Achterbahn geht’s nun wieder steil runter, dann beginnt der nächste Aufstieg. Nun wird die Landschaft kahl, Sieht es wohl auf dem Mars oder dem Mond so aus? Die Strasse ist gut, aber sausteil. Und dann bin ich oben auf 5’016m, dem Abra Huacullo! Mein erster 5’000er. Da muss ein Passfoto her! Nun geht’s mit spektakulärer Aussicht wieder runter, um dann noch mehrmals auf 5’000 m anzusteigen.

Mittlerweile sind Wolken aufgezogen, es wird kühl. Es geht wieder runter, dann rauf und runter durch eine Ebene, bis ich gegen 14.30 Uhr Huacullo erreiche. Ich fahre noch weiter ach Culypampa. Knappe 7 km und angenehm hügelig. Das kleine Kaff erreiche ich mit der Sturmfront im Rücken. Ich halte auf dem Dorfplatz, werde sogleich von einem Hermano begrüsst. Es sind gerade eine paar Fromme zu Gast hier.

Der Professor erscheint auch gleich und führt mich sofort zur Schule. Er zeigt mir einen Saal, dann einen Raum mit zwei Betten für Gastprofessoren. Wohl das beste Hospedjezimmer im ganzen Dorf, die Betten bequem. Aber ich bleibe im Saal, maus- und bichossicher. Ich bin danach nur noch die Gringa, die nicht ein einem Bett schlafen will. Dann gibt’s eine gründlichere Wäsche mit eiskaltem Wasser, später leiste ich mir ein teueres Nachtessen bei Señora Elisabet. Nun, hier muss alles mühsam rauftransportiert werden. Zudem habe ich Glück, dass heute Montag ist, es gibt Brot und alles Erdenkliche zu kaufen. Ab Donnerstag sei das Brot alle…

28.10.2014. Ein weiterer wunderschöner Morgen erwartet mich. Herrlich! Ich verabschiede mich vom Professor und fahre zur Tienda von Señora Elisabet, um meine vier hartgekochten Eier abzuholen. Dort sind gerade zig Minenpick-ups vorgefahren, alle wollen etwas von der armen Señora, die sichtlich überfordert wirkt. Ich warte eine Weile auf meine Eier, dann unterhalte ich mich mit einem Minen-Gringo. Der rät mir, nach Cotahuasi zu fahren. Das würde ich liebend gerne tun, doch mir reicht die Zeit nicht. Das habe ich am Vorabend noch lange durchgerechnet. Ich muss mein vorausgeschicktes Paket vor dem 15.11. in Juliaca abholen. Leider. So fahre ich über eine andere Route direkt nach Caylloma. Schade, sehr schade. Ich fahre los in Richtung Huanso, dann geht’s den Berg hoch. Bald überholt mich eine Pick-up Karawane, der letzte Wagen hält. Alle Insassen wollen ein Fotico mit mir, dann raten sie mir natürlich, nicht alleine durch diese einsamen Gegenden zu fahren. Ich fahre hoch auf 4’910 m, dann geht’s hügelig in ein Tal hinein.

Danach folgt der sanfte Aufstieg zum Abra Condorillo. Die Strasse ist bis auf ein paar steinige Abschnitte gut und zur Abwechslung fahre ich die meiste Zeit. Der Pass liegt auf einer Hochebene auf 4’993 m mit tollen Felsformationen. Dann geht’s steil runter in ein enges Tal, dort folge ich sanft hügelig einem Fluss. Hinter mir verdunkelt sich der Himmel wieder. Im Windschatten mache ich Mittagspause, doch dabei dreht sich der Wind um 180 Grad und frischt massiv auf. Nun kämpfe ich gegen den Wind, der immer stärker bläst. Ich überquere den Fluss und steige langsam in die Höhe. Die Strasse macht eine Kurve und führt in ein weiteres, enges Tal hinein. Meine Hoffnung, dass der Wind nun abgeblockt wird, ist vergebens. Nun kommt er zwar von hinten, aber so umkoordiniert, dass es mich manchmal fast vom Sattel schmeisst. Die Strasse wird steiniger, ich bin langsam müde. Ich passiere eine Hütte, wo mich vier Hunde angreifen. Ich fahre weiter, aber bald beginnen die Haarnadelkurven. Ich muss hier unten im Tal zelten, da oben wird’s schwierig. Ich suche einen flachen Platz und versuche mit Mühe und Not das Zelt aufzustellen. Der Wind ist gnadenlos. Ich habe gerade zwei Heringe zur Sicherung eingeschlagen, da kommt ein kleiner Señor auf mich zu. Eher schon ein Kobold. Warum ich nicht in seiner Hütte übernachten würde. Da sei es viel wärmer. Sehr nett, aber ich bleibe lieber hier. Der Kobold geht seine Kühe einsammeln, dann läuft er extra am Zelt vorbei, damit ich ein Foto machen kann. Ich hätte lieber eins von ihm gemacht, aber ich war zu beschäftigt mit dem Zelt festhalten. Als meine Hütte endlich steht, verkrieche ich mich in dem schützenden Stofflappen. Der Wind bläst weiter und kehrt bald wieder um 180 Grad…

29.10.2014. Wieder ein wundervollen Morgen mit strahlend blauem Himmel! Und ich bekomme selbst in dem engen Tal schon Sonne. Alles aus dem Zelt schaffen und das Frühstück geniessen. Damit beim ich gerade fertig, als der Wind wieder einsetzt. Das war nett! Nun muss ich schnell alles einpacken, denn die ersten Plastiktüten fliegen schon samt Inhalt durch die Luft. Dann geht’s zurück auf die Strasse und in die Kehrkurven hinein. Die Strasse ist total zugefroren, steil und zudem habe ich nun vollen Gegenwind. Ich stosse und bewundere die Eiszapfen am Strassenrand. Die Nacht muss kalt gewesen sein…

Ich stosse eine Weile, dann wird die Strasse besser. Ich brauche aber noch eine ganz Weile, bis ich den Abra Arcata auf 5’101 m erreiche. Mein höchster Pass. Und man glaube es kaum, aber hier oben werde ich von einem bellenden Hund „begrüsst“. Dieser gehört zu ein paar Alpaca-Hirten. Von diesem Pass blicke ich in die Weite. Auf dieser Strecke sind die Pässe anders, nicht mehr so schroff und spektakulär, es gibt viele Hochebenen und Weltsichten.

Es folgt die Abfahrt und bald erreiche ich die erste Barriere der Mina Arcata. Meine Daten werden aufgenommen, die zwei Chichos stellen ihre Fragen, dann darf ich durch das Minengebiet fahren. Kein Problem. Danach fahre ich an einer Lagune mit Flamingos entlang, später folgt weite Pampa und ein heftiger, kalter Gegenwind. Zudem werde ich auf der Waschbrettpiste gut durchgeschüttelt. Bald erscheint rechts unten das Dorf Arcata, toll gelegen an einer Lagune mit Blick auf Nevados.

Ich fahre über eine Brücke, die zwei Lagunen verbindet, dann geht’s steil hoch. Später wird die Strasse flacher, aber ganze Karawanen von riesigen Minentrucks stauben mich gut ein. Ich erreiche ein trockene Hochebene, nun führt die Strasse fast flach durch die Gegend. Ich komme gut voran, nur der nette Seitenwind macht das Fahren etwas anstrengender.

Es folgt der Abra Ares auf 4’871 m. Hier muss ich mich warm anziehen, der kalte Wind bläst gnadenlos. Nun folgt die sanfte Abfahrt, die Landschaft wird immer wüstenartiger. Mir geht langsam das Wasser aus, ich muss Tolconi erreichen. Die Strasse ist gut, aber die diversen Zwischensteigungen rauben mir gepaart mit dem starken Gegenwind alle Kraft. Der Wind macht mir die „Abfahrt“ nach Tolconi richtig schwer. Aber dann taucht das Dorf vor mir auf, ich überquere eine Brücke, ein kurzer Anstieg und es ist geschafft. Wie immer suche ich einen Professor, in der Primaria stosse ich auf Professorin Liliana und viele neugierige Kinder. Liliana will mir ein Bett besorgen, aber ich kann sie überzeugen, dass mir eine Aula genügt. Danach gibt es noch viele Fragen zu beantworten, man bietet mir einen Riesenbeutel vorgekochtes Pollo an, den ich dankend ablehne. Immerhin kann ich mich eiskalt waschen. Wasser aus dem Wassereimer im Schulzimmer, denn das ganze Dorf ist ohne Strom und Wasser. Später kommt Liliana noch mit einer Thermoskanne, Kaffee, Tee, Brot , Keksen und Butter vorbei. Sehr nett, doch um 20 Uhr habe ich schon gegessen. Aber bei einem heissen Tee unterhalten wir uns noch lange.

30.10.2014. Kurz nach 6 Uhr klopft es an der Tür, die Köchin. Sie meinte, ich sei schon weg. Nein, ich bin noch da, warm verpack in meinen Schlafsack. Ich stehe auf, ein weiterer sonniger Morgen. Was habe ich nun für Wetterglück! Ich frühstücke und kurz nach 7 Uhr erscheinen die ersten Schulkinder im Klassenzimmer. Die sind sehr früh dran und bestaunen nun jede meiner Handbewegungen. Bald drauf mache ich mich auf den Weg, begleitet von der ganzen Horde Kinder, aber kein einziges sagt auch nur ein Wort. Gleich geht’s weiter hoch, dann fahre ich wieder über eine Hochebene. Die Pässe hier sind geprägt von diesen kargen Ebenen, doch so sind die Aufsteige lang und angenehm. Ebenfalls sind diese Ebenen Heim der Vicuñas, ich sehe ganz viele von ihnen. Und natürlich windet es auf diesen kahlen Ebenen, das muss ich nicht erwähnen, oder? Nach 20 km erreiche ich den Abra Tolconi auf 4’860 m, wenn man ihn Pass nennen kann.

Nun geh’t etwas runter, dann führt die Strasse hügelig durch die Gegend. Hier hat es nun deutlich mehr Verkehr, ich werde gut eingestaubt. Dann folgt die richtige Abfahrt nach Caylloma, wo ich gegen Mittag eintreffe. Hier will ich meinen Beinen einen Tag Ruhe gönnen, so suche ich mir ein Hostal. Kaltes Zimmer, heisse Dusche und viel Platz zum Wäsche und Rad waschen. Zuerst gibt’ aber was zu essen beim Strassenstand der alten Señora gegenüber des Hostals. Estofado de Alpacito. Ich habe nun so viele von diesen Tieren gesehen, da gehört auch das Fleisch auch auf den Tisch. Und Alpaca ist gut! Später spaziert die blonde Gringa etwas durch das Dorf und ist bald überall bekannt. Seit langem lechze ich nach süssen Pastellen. Ich hatte mir in Tolconi schon drei Teile aus den Plastiktüten geleistet, obwohl man bei denen nie weiss, wie lange sie schon da rumliegen. Zudem betatsche der kleine Junge, der sie mir verkaufte, jedes einzeln mit seinen dreckigen Händen. Schon in dieser Nacht rumorte mein Magen. Nun mache ich den Fehler nochmals, ich kaufe mir zwei Apfelküchlein aus den Plastikbeuteln. Wie ich später feststelle, schmecken sie total eclkig und eines ist schon am Schimmeln. Wohl zum Erstaunen der Peruanerin bringe ich sie aber zurück in den Laden und bekomme auch mein Geld zurück. Aber der Magen rumpelt weiter… Nachdem mir einige Herren erklärten, dass ich Chivay in einem Tag erreichen könnte, spiele ich mit dem Gedanken, am Folgetag weiterzufahren. Doch in der Nacht rumpelt der Magen noch viel mehr, ich schlafe kaum wegen den andauernden Magenkrämpfen.

31.10.2014. Zum Glück lassen die Krämpfe langsam nach und am Morgen geht’s mir schon wieder besser. Aber ein Schontag kann sicher nicht schaden. Dies freut mein Rad, denn dem gönne ich eine gute Wäsche. Und nie wieder eingepackte süss Teile!

Im Hinterhof des Hostals läuft das Essen rum

Im Hinterhof des Hostals läuft das Essen rum

01.11.2014. Gleich nach Caylloma geht das Waschbrett weiter. Die Strasse führt meist flach durch die Pampa, das Waschbrett gepaart mit grossen Steinen ist anstrengend. Nach einer Stunde bin ich schon ziemlich genervt. Zudem rennt mir bei jeder Hütte mindestens ein bellender Hund entgegen und vom Verkehr werde ich gut eingestaubt. Heute ist nicht mein Tag. Irgendwie.

Es beginnen erste Steigungen, das gibt wenigstens warm. So führt die miese Piste nun hügelig durch die Pampa. Ich fahre durch das Kaff Pusa Pusa, ausgestorben. Dasselbe Bild später in Condorcuyo. Hier beginnt der Aufstieg zum Abra Chungara.

Der Aufstieg zum Abra Chungara

Der Aufstieg zum Abra Chungara

Leicht steigend führt die Strasse in das Tal hinauf, der Fluss unten ist ausgetrocknet. Die Steigung ist angenehm, aber die mit grossen Steinen gespickte Strasse macht mich fertig. So geholpert hat es schon lange nicht mehr und ich hatte in den letzten Tagen mehr als eine schlechte Piste unter den Rädern. Oder vielleicht musste ich da jeweils stossen, das kann auch sein… Nach 40 holprigen km erreiche ich den Abra Chungara auf ca. 4’700 m. Leider ist dann auch die Abfahrt nicht besser. Es rüttelt weiter.

Zudem sieht es auf dieser Seite des Passes düster aus. Sehr düster. Bis anhin war das schlchte Wetter jeweils hinter mir her, nun habe ich es direkt vor mir. So kommt zur schlechten Piste nun auch noch Gegenwind dazu. Perfekt! Die Abfahrt hat noch mehrere Zwischensteigungen, bis es definitiv runter in den Cañon des Rio Cola geht. Gegen 15.30 Uhr erreiche ich Sibayo. Ich würde es tatsächlich noch bis Chivay schaffen, denn hier beginnt der Asphalt. Ole! Doch ich bin durchgeschüttelt und nun tröpfelt es leicht. Ich suche in Sibayo nach dem Padre, Professoren, doch es sind alle weg. Heute ist Samstag, zudem Allerheiligen. Wir schreiben schon den 1. November. Wahnsinn! Nun, da bleibt nur noch ein Hostal, von denen gibt’s in Sibayo viele, die Steinstadt ist eine Touristenattraktion. Später spaziere ich noch etwas durch das Dorf, mittlerweile scheint wieder die Sonne und taucht alles in eine warmes Abendlicht. Schön!

02.11.2014. Bis nach Chivay ist es nicht mehr weit, so nehme ich es gemütlich, bleibe etwas länger liegen. Dann geht’s weiter durch die Cañonlandschaft. Und für einmal tut der Asphalt richtig gut, nach dem gestrigen Geholper. Die Annahme, dass es meist runter geht war auch falsch, immer wieder sind längere Steigungen zu bewältigen. So geht’s rauf und runter, immer wieder kann ich einen Blick in den Cañon erhaschen.

Dann tauchen in der Ferne zwei Vulkane auf, Ampato (6’288 m) und Sabancaya (5’970 m), wobei der letzte fröhlich vor sich hinpafft. Gegen 10.30 Uhr erreiche ich Chivay, schon jetzt sehe ich so viel Gringos wie schon lange nicht mehr. Auf der Plaza spreche ich einen Señor an, der mir das Hotel Illary beim Mercado empfiehlt. Hier werde ich nämlich nochmals einend Ruhetag einlegen. Im Hotel Illary bekomme ich für 20 Soles ein total luxuriöses Zimmer und die heisse Dusche ist der Hammer. Danach gibt es natürlich etwas zu essen, dem widme ich mich dann noch den ganzen Nachmittag. Aber auch hier gibt es immer noch keine anständige Pasteleria, immerhin finde ich guten Kaffee.

Danach schlendere ich etwas durchs Dorf, wobei ich mir den Touristenmassen etwas komisch vorkomme. Nun, hier in Chivay befinde ich mich im Cañon des Rio Cola, nebst dem nachbarlichen Cañon de Cotahuasi der zweittiefste Cañon der Welt. In Cabanacode würde man noch viel tiefere Einblicke in den Cañon erhalten, aber ich begnüge mich mit dem, was ich bis jetzt gesehen habe.

03.11.2014. Dafür gönne ich mir hier in Chivay gutes Essen, guten Kaffee und ich überlege mir lange, ob ich noch einen Tag in meiner Luxusbleibe verbringe. Denn nun bin ich doch viel früher hier angekommen als gedacht. Ich hätte also doch den Loop über Cotahuasi fahren können. Na ja, jetzt ist es zu spät… Aber das Wi-fi funktioniert im ganzen Dorf so schlecht, dass arbeiten auch nicht wirklich möglich ist und das Wetter ist an meinem Ruhetag so schön, dass es mich dann doch wieder auf die Strasse zieht.

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