Sabaya – Uyuni, bolivianische Irrfahrten

16. – 25.01.2015. 413 km. 1’611 Höhenmeter. Den Salar de Coipasa kann ich nicht überqueren. So muss ich aussen rum, in der Hoffnung, dass es mit dem Salar de Uyuni klappt. Doch auch hier habe ich Pech. Dieser Abschnitt gestaltet sich als unendliche Irrfahrt durch bolivianischen Schlamm und öde Landschaft. Eher ein Leidensweg als Radweg. Und zum Schluss sitze ich in Uyuni fest, wo ich eigentlich nicht hinwollte…

Route: Sabaya – Romeropampa – Chipaya – Alianza – San Martin – La Casa – Salinas de Garci-Mendoza – Tambo Tambillo – Bengal Vinto – Quillacas – Sevaruyo – Rio Mulatos – Uyuni

16.01.2015. Und wieder einmal kratzt es nachts im Hals. Das letze Mal ist noch nicht lange her, erst in Cusco hatte ich die letze Erkältung. Die Nächte in Chile waren kalt… Nun, jetzt bin ich in Bolivien und den Salar de Coipasa werde ich nicht befahren, we man mir riet. Ich mache mich gegen 8 Uhr auf den Weg, auf den Weg aussen rum. Bald nach Sabaya folgt eine Tafel „Chipaya“. Da will ich hin. So biege ich auf die Sandstrasse ein. Die Piste führt flach durch die Gegend. Bald treffe ich einen Lamahirten auf Fahrrad. Nicht schlecht! Ein Schwatz, dann geht’s weiter. Die Sandpiste ist mal schön hart, dann wieder versinke ich in tiefem Sand. Ich schiebe immer wieder mal.

Nach 2 Stunden Sand treffe ich auf etwas Salz und eine Strasse. Yuhee! Diese führt mich bald nach Romeropampa. Ich frage nach dem Weg und bin bald vom ganzen Dorf umlagert. Es gibt ein Refresco und viele, viele Fragen. Man will sogar, dass ich bleibe, um abends zusammen ein Lamasteak zu essen. Vielen Dank, aber ich muss weiter. Auf Sand geht’s weiter und bald treffe ich auf eine grössere Strasse. Nun erwartet mich sandiges Waschbrett. Wenn das so weiter geht, dann komme ich nirgends hin. Nun, die Strasse wird noch sandiger, dann etwas besser. Ich komme voran. In Chipaya frage ich nach dem Weg nach Conception, dem nächsten Ort auf meiner Karte. Zudem stehen mir die Türen des Spitals von Chipaya offen. Auch sehr nett! Hier hat es kürzlich heftig geregnet, in Chipaya bleibe ich das erste Mal im Schlamm stecken.

Ein Chico meint, die Strasse nach Conception sei miserabel, sehr viel Schlamm bei Ayparavi. Nun, es ist der einzige Weg. Die Strasse wird nun steiniger, ich holpere euch die Gegend. Diese ist todlangweilig. Wenn mal ein paar Schafe die Strasse kreuzen, ist das schon grosse Aufregung. Bald wird die Strasse immer wieder von grossen Pfützen unterbrochen, ich schiebe aussen rum. Dann werde die Pfützen zu Tümpeln und der Schlamm weitet sich weiter aus. Vor mir sucht sich ein einziges Auto seinen Weg durch das Schlammlabyrinth. Zum Glück! Denn ich schiebe, ziehe und wuchte lange durch den Dreck, dann bleibe ich stecken. Meine Füsse finden keinen Halt mehr, der Schlamm ist glitschig. Ich rutsche aus, falle auf die Knie, das Rad fällt mir auf den Rücken. Autsch! Das tut weh! Nun komme ich nicht mehr vorwärts, auch nicht rückwärts. Die Räder sind total blockiert vom Matsch, ich schlittere. Ja, und da war eben das Auto. Einer der Chicos mit riesiger Coca-Backe hilft mir, mich aus dem Schlamm zu befreien. Nun kratze ich erst mal den Schlamm von den Rädern, das wiederholt sich nun alle paar Meter. Ich suche meinen Weg durch das Gestrüpp weit weg von der Strasse. So geht es, langsam schiebe ich mich und meinen Drahtesel durch die Gegend. Es folgen noch viele Wasserlöcher, ich kratze dauernd den Matsch von den Rädern und selbst sehe ich auch aus wie ein Schwein. Ich wäre wohl besser einfach illegal durch Chile gereist… Nach einer Weile kann ich sogar immer wieder mal ein paar Meter fahren, doch meist schiebe ich durch den Schlamm. Ich passiere kein paar Häuser, doch ich meine, weiter vorne noch welche zu sehen. Ich fahre weiter. Schlechte Idee, denn nun kommt heftiger Wind auf und plötzlich befinde ich mich mitten in einem Sandsturm.

Was habe ich denn heute nur falsch gemacht? Ich kämpfe weiter, die vermeintlichen Häuser sind nur ein paar Steinhaufen. Egal, hier muss ich zelten. Es ist kurz windstill, doch genau als ich das Zelt aufstelle, beginnt es wieder zu stürmen, mal von der einen, mal von der anderen Seite. Ich brülle nur noch in den Wind, was ich denn heute falsch gemacht hätte, während er mir fast das Zelt aus den Händen reisst. Scheisseeeee!!! Dann beginnt es auch noch zu regnen. Von wegen es regnet hier nie… nun, das sagt auch der Schlamm. Ich fliehe ins Zelt, warte den Schauer ab, dann verstaue ich den Rest. Und höre Stimmen und ein Motorrad. Zwei Typen, die auch noch zu mir rüber kommen. Das brauche ich nun nicht auch noch. Viele Fragen, der eine will kaum gehen. Dann bin ich endlich allein. Ich wasche mir den ärgsten Dreck vom Körper. Nun beginnt auch der Wind wieder zum Zelt zu reissen, bald regnet es wieder und die Halsschmerzen werden stärker. Nun beginnt auch der Wind wieder zum Zelt zu reissen, bald regnet es wieder und die Halsschmerzen werden stärker. Was für ein beschissener Tag!

17.01.2015. Am Morgen erscheint zaghaft die Sonne und zwei neugierige Jungs. Zudem schleicht sich ein kleiner Skorpion unter den Heringbeutel und will mich angreifen, als ich nach diesem greife. Mein Rücken schmerzt vom gestrigen Radfall und auch das linke Handgelenk hat gelitten. Bald mache ich mich auf den holprig-schlammigen Weiterweg und nach 7 km erreiche ich Jarnilla oder ähnlich. Janilla liegt ja absolut nicht auf meinem Weg, Conception liegt wo anders. Aber ich habe gestern keine andere Strasse gesehen oder sie war im Schlamm versunken. In Jarnilla suche ich jemanden, der mir den Weg nach San Martin erklärt. Schwierig. Ein Señor schwatzt etwas von einer Brücke und dann zum Berg hin. Und er spricht von viel Matsch. Oleee! Ich fahre auf den sandigen Weg, ein paar Schlammlöcher, ein paar Sandlöcher, dann erreiche ich die Brücke. Eine Brücke im Nichts. Weder auf der einen noch der anderen Seite hat es wirklich eine Strasse. Ich fahre darüber und sehe drei Wege. Super! Ich nehme den grössten, zum Glück kommen mir bald zwei Motorräder entgegen. Das war der falsche Weg. Wieder zurück, nun bleiben noch zwei und die Erklärung des einen Motorradfahrer war schwammig. Oder schlammig. Ich esse etwas, nochmals habe ich Glück. Ein Mann auf Fahrrad überquert die Brücke. Den matschigeren Weg muss ich nehmen. Das war wohl klar. Aber hier kann ich den Matsch aussen rum meist gut umfahren. Ich erreiche ein paar verlassen Häuser, dann verzweigt sich der Weg. Ich folge dem, was grösser aussieht kreuz und quer durch die Gegend. Immer wieder fallen ein paar Tropfen. Dann erreiche ich Alianza. Ich muss wieder nach dem Weg fragen. Den gäbe es nicht, ich müsse ihn suchen. Ha ha! Ich folge einem Sandpfad, der verzweigt sich wieder. Ich nehme zuerst die eine Abzweigung, kehre aber bald wieder um und nehme die andere. Dort treffe ich bald auf eine grössere Strasse und kurz danach erreiche ich San Martin.

Dort gibt’s Wasser und eine Cola. Die habe ich mir verdient! Nun führt eine ganz gute Schotterstrasse weiter durch die öde Pampa. Dann wird das Gelände bergiger und die Wolken schwärzer. Gegen 17 Uhr erreiche ich La Casa. Hier frage ich nach einer Übernachtungsmöglichkeit, denn nun rückt der Donner immer näher. Ich darf mein Zeit geschützt unter einem Dach aufstellen. Das ist gut, denn bald schüttet es aus Kübeln.

18.01.2015. Ich kann kaum schlafen, der Hals schmerzt, der Kopf dröhnt und die Nase ist verstopft. Als ich einen Hund per Rufen verjagen will, kommt nur ein klägliches Krächzen raus. Die Erkältung macht mir zu schaffen. So wird es heute Morgen etwas später. Zudem schubse ich den Kocher samt heissem Wasser um. Der Kocher brennt auch liegend brav weiter. So gibt es heute geröstetes Brot mit Plastikgeschmack. Und darum sollte man eben nicht im Zelt kochen… Dort hätte dies verheerende Folgen gehabt. Gegen 9 Uhr mache ich mich auf den Weg, der Himmel ist wolkenverhangen. Bald erreiche ich eine grössere Strasse. Aber typisch Bolivien hat es kein Strassenschild. Ich biege rechts ab und holpere weiter durch die hügelige Gegend. Es geht immer wieder rauf, heute macht mir der Husten zu schaffen, die Lungen schmerzen. Wann erscheint denn endlich Salinas? Auf einer Baustelle trefflich auf ein paar Männer. Einer mit einem Affen! Affen! Dieser turnt nun fröhlich auf meinem Lenker rum und der Señor will ihn gegen das Rad tauschen. Ich habe lieber Fish als Affe und lehne dankend ab. Salinas sei gleich um die Kurve, heisst es. Klar! Noch ewig fahre ich weiter. War das eine gute Idee nach Salinas zu fahren. Denn ich fahre nur in der Hoffnung dahin, den Salar de Uyuni überqueren zu können. Wenn das auch nicht geht, muss ich alles wieder zurück. Wenn ich hier nicht weiterkomme, muss ich nach Uyuni fahren. Dort wollte ich eigentlich nicht hin, aber manchmal ändern sich Pläne. Aus welchen Gründen auch immer. Jetzt gibt es noch einen Hügel zu bewältigen, dann erreiche ich nach 24 km endlich Salinas. Genau ein Hotel ist offen, dort gönne ich mir ein Zimmer. Ich muss dringend ausruhen. Heute Sonntag finde ich niemanden, der über den Spar de Uyuni Bescheid weiss. Ich weiss nur, dass es schon wieder regnet. Nach einem Menu-Mittagessen gibt es dann nach 9 Tagen eine heisse Dusche! Was für eine Wohltat. Man schätzt solche Dinge wirklich erst, wenn man sie lange nicht hatte. Aus der gewünschten Siesta wird nicht so viel, denn auf der Plaza findet lautstark eine Wahlveranstaltung statt. Evos  Partei und Evo über alles. Na ja! Immerhin ein bisschen ausruhen kann ich.

19.01.2015. Der Morgen ist schön. Ich packe mein Rad und laufe zur Alcaldia. In der Touristeninfo ist noch niemand. In der Alcaldia treffe ich auf eine Señora. Hmm, wer könnte mir denn Auskunft über den Salar geben? Wir gehen auf die Strasse, wo ein paar Männer herumstehen. Doch niemand weiss Bescheid. Doch einer hat einen Kollegen der am Rande des Salars wohnt. Seit letzter Woche würden keine Fahrzeuge mehr den Salar passieren. Ich dann wohl auch nicht… Schnief! Nun beginnt das grosse Diskutieren, wo ich denn durchfahren kann. Dem Ufer nach. Nein, total schlammig. Die Strasse auf der Karte kennt niemand. Man rät mir, wieder zurück zu fahren und beim Krater nach dem Weg zu fragen. Dort würde eine Strasse nach Puqui abbiegen. Na gut, hab’s ja leider irgendwie vermutet. Also alles wieder zurück, dann in Richtung Tambo Tambillo. Das schöne Wetter hält nicht lange, bald tröpfelt es. Die Gegend bleibt trostlos. Nach einer Weile erreiche ich den Krater. Das Highlight. Hier hat einmal ein Meteorit eingeschlagen.

Zudem hat es einen Buastellentrupp. Ich frage nach dem Weg nach Uyuni? Gibt es hier nicht. Witzbold. Bald wird wieder wie wild diskutiert. Von der Strasse nach Puqui spricht niemand, ich muss weiter nach Nordosten fahren. Kurz vor Quillacas würde ein Weg abbiegen. Da wo der Dakar durchfuhr. 30 km ab hier. Ich fahre weiter, in Tambo Tambillo esse ich regengeschützt zu Mittag. Dann weiter, nun geht’s immer wieder tüchtig bergauf. Nach 15 km treffe ich auf Asphalt. Yuhee! Nun komme ich endlich etwas zügiger voran. Nun bei gutem Regen. Nach 30 km tatsächlich eine Abzweigung. Ich fahre die 1,5 km zum Dorf. Ich bin absolut richtig hier, hier fuhr der Dakar durch. Doch ich könne hier nicht durchfahren. Wegen dem Regen führe ein Fluss Hochwasser und den würde ich nicht lebend überqueren. Que pena! Also wieder durch den Matsch zurück auf den Asphalt und weiter im nun heftigen Regen. Hätte ich das alles gewusst… Diese Irrfahrt ist absolut zum Kotzen! Nun klimpert’s in meiner vorderen Bremse. Schlamm! Ich bremse. Krchzz! Scheisse, jetzt hat’s gerade das Drähtchen verbogen. Aber bei dem strömenden Regen repariere ich nichts. Ich fahre weiter und erreiche Bengal Vinto. Hier sehe ich Menschen ! Ich frage, ob ich hier irgendwo unter einem Dach übernachten könnte. Einer Garage, einem unfertigen Haus, egal wo, aber wenn möglich trocken. Zwei Señores und eine Señora diskutieren, dann bietet man mir ein leeres Cuarto an. Super! Und was für ein Luxus! Schnell raus aus den doch nassen Klamotten, dann ran an die Bremse. Bald werkle ich unter den Blicken von drei Augenpaaren am Rad rum. Die Bremspads wechsle ich gleich auch aus. Dann noch Kette nachspannen. Fertig. Dann gibt’s noch viele Fragen von Simon, Severo und Julia. Wir unterhalten uns noch lange, dann darf ich endlich essen, mich waschen und schlafen. Oder es zumindest versuchen. Die halbe Nacht über habe ich heftigste Hustenanfälle, die mich kaum in Ruhe lassen.

20.01.2015. Um 6 Uhr guggst jemand zur Tür rein, später sehe ich dann Sonnenschein durch das Milchglasfenster dringen. Nichts wie raus aus den Federn. Frühstücken, packen. Ich will gerade die hinteren Taschen ans Rad montieren. Hm, was ist das? Ein Platten! nein, jetzt war sich so früh dran. Nochmals reparieren. Ich wechsle den Schlauch, einen Übeltäter finde ich nicht. Zudem ist der Reifen mittlerweile schon ziemlich abgefahren. Aber ich verdächtige den alten Patch. Dies eine richtige Vermutung, wie sich später herausstellt. Diese Sofort-Patches von Tech Tool halten nicht so gut wie herkömmliche Patches. Nun, dieser war schon seit Costa Rica auf dem Schlauch. Nicht so schlecht. Gegen 8.30 Uhr bin ich dann startklar. Ich verabschiede mich und los geht’s. Gleich jetzt schon habe ich Gegenwind. 15 km bis Quillacas, dann weiter gegen Osten übers Altiplano. Normalerweise bläst der Wind von Nord oder Süd, aber heute bläst er voll as dem Osten. Gegenwind. Und ich bilde mir das nicht nur ein, denn zig Plastikbecher und -säcke kommen mir entgegen geflogen. Ich schaffe auf der Ebene kaum 10 km/h. Was für ein Frust! Den brülle ich gut in den Wind! Nach 35 anstrengenden Kilometern erreiche ich endlich die Kreuzung. Uyuni, nach rechts. Yesssss! Ich fahre auf eine Baustelle. Hier wird die Strasse nach Uyuni asphaltiert. Das ist eine sehr lange Baustelle. Immerhin hat der Wind nun gedreht. Unglaublich, ich habe Rückenwind. So fliege ich manchmal über ganz gute Abschnitte, dann wieder holpert’s fürchterlich. Später muss ich immer wieder Matschlöcher durchqueren und die vom Regen noch nasse Fahrbahn bremst mich gut ab. Das Fortkommen bleibt also zäh. Immerhin kann ich manchmal auf der abgesperrten, sich im Bau befindenden Piste fahren. Zweimal ist dies sogar schon Asphalt! Die Gegend wird auch etwas spannender, in der Ferne Nevados und ein paar interessante Gesteinsformationen.

Ich will schnell vorwärts kommen, doch das klappt nicht so richtig und das Schütteln geht mir auch langsam auf die Nerven. Immerhin ist das Wetter heute besser, obwohl ich auf eine schwarze Wolkenwand zufahre. Kurz nach 17 Uhr und nach 104 anstrengenden Kilometern erreiche ich Rio Mulatos. Was für ein hässliches Kaff! Baustellencamps und nicht viel mehr. Polizei geschlossen. Beim Puesto de Salud treffe ich auf zwei junge Damen, doch drinnen dürfen sie mich nicht übernachten lassen. Aber hinten im Hof darf ich zelten. Sie sind sehr neugierig, aber auch nur kurz, denn obwohl sie gleich neben meinem Zelt wohnen, sprechen sie kein weiteres Mal mit mir. Immerhin regnet es diese Nacht nicht, aber Hustenanfälle halten mich nochmals vom Schlafen ab.

21.01.2015. Morgens scheint keine Sonne aufs Zelt, der Himmel ist total grau und wolkenverhangen. Bald befinde ich mich wieder auf der Strasse. Uyuni, 100 km. Das will ich in Angriff nehmen! Ich rumple weiter auf der Holperstrasse, immer wider geht’s rauf, ich komme nur langsam voran. Uyuni rückt wieder in weite Ferne. Rauf und runter fahre ich durch die öde Gegend, der Himmel wird immer schwärzer. Bald fallen die ersten Tropfen. Innerhalb von Minuten verwandelt sich die Piste in ein Schlammfeld. Ich schlittere dahin, bald muss ich immer wieder absteigen und grosse Schlammpfützen umschieben. Dann kann ich zum Glück wieder auf die sich im Bau befindende Rampe. Die ist sandig, aber ich komme deutlich besser voran. Ich passiere einen Bautrupp. Vidal Romero empfiehlt mir auch, hier oben zu fahren. Zudem will er wissen: Name, Zivilstand, Alter. Kurz und bündig. „Gute Reise, Martinita!“ Der Regen wird immer stärker, die Piste unter mir verwandelt sich in einen Schlammfluss.

Aber die Fahrt auf der Rampe wird auch immer wieder gebremst. Grosse Steinhaufen sollen Autofahrer davon abhalten, die Rampe zu nutzen. Wenn ich Glück habe, kann ich die Haufen überwinden, wenn ich Pech habe muss ich von der Rampe runter in den Schlamm und irgendwo wieder rauf. Kräftezehrend! Einmal stehe ich plötzlich vor einem Fluss. Ich warte auf ein Fahrzeug, um die Tiefe des Wassers abzuschätzen. Tief! Ich stehe im Regen, da kommt ein leerer Camion angefahren. Ich winke dem Fahrer zu, anzuhalten, doch der braust an mir vorbei, ohne zu fragen, was ich will. Was für ein Arschloch! Ich brülle ihm nach. Die Bolivianer punkten absolut nicht mit Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit! Ich ziehe die Schuhe aus, kremple die Hosen so weit wie möglich rauf. Dann geht’s durch den kalten Dreckfluss, danach folgt tiefer Schlamm. Ich hieve und zerre mein schweres Rad durch die rotbraune Masse, nun blockieren wieder die Räder. Ich will wieder auf die Rampe rauf, doch ich versinke im Schlamm. Das ganze Rad ist eingeschlammt. Ich bin erschöpft, das Ganze zehrt an Kräften und Nerven. Was mache ich eigentlich hier? So eine grosse Scheisse! Wäre ich doch einfach in Chile geblieben. Die letzen Tage waren echt absolut unnötig. So viel Leiden. Mir kommen die Tränen. Einfach nur Scheisse! Irgendwie schaffe ich es wieder auf die Rampe, Füsse waschen, die mittlerweile vom Regen nassen Schuhe wieder anziehen. Ich fahre ein wenig weiter, dann eine unpassierbare Brücke. Wieder runter und bald stehe ich vor einem reissenden Fluss. Die Brückenarbeiter rufen mir zu, ich solle zu ihnen ins Trockene unter die Brücke kommen und warten. Der Regen würde nachlassen und der Fluss wieder zurückgehen. Doch ich will nicht warten! Will einfach weiter. Ich bleibe einfach im strömenden Regen auf der Matschstrasse stehen. Einige Fahrzeuge kommen mir entgegen. Der Fluss extrem tief und reissend! Da komme ich nicht durch! Dann werde ich auch noch ven jedem Wagen mit Schlamm eingespritzt. Scheisse! Nun kommt von meiner Seite ein Pick-up. Immerhin hält der Fahrer. Ich frage, ob man mich rüberfahren kann. Klar, aber die Laderampe lässt sich nicht öffnen. Das Rad ist zu schwer. Man lässt mich wieder im Regen stehen. Und der wird immer stärker. Von wegen nachlassen. Ich will nur noch schreien und weg von hier. Bald kommt wieder ein Pick-up. Ich frage wieder, ob man mich über den Fluss fahren kann. Zögern, dann ein „ja“. Hier lässt sich auch die Ladeklappe öffnen. Ein Señor hilft mir das Rad hochzuhieven. Nicht sehr vorsichtig. Dann ist es oben, nichts wird festgemacht. Wo soll das Rad den schon hinwollen? Nun, dann setze ich mich neben das Rad auf die Ladefläche und halte es zumindest so gut es geht. Es geht durch den Fluss, dann brettert der Wagen durch den Schlamm. Mein Rad drückt immer mehr auf mich, bald kann ich mich kaum noch bewegen. Zum Glück habe ich den Helm auf, immer wieder knalle ich mit dem Kopf an den Lenker. Zudem wird mir kalt, die Hände sind schon ganz klamm. Und der Wagen brettert weiter. Ein Dorf. Der Wagen brettert weiter. Komme ich heute doch noch nach Uyuni? Ich halte den Kopf meist unten, doch nun hebe ich ihn kurz an. Da ist der Salar! Der verdammte Salar! Nun bekomme ich noch einen Hagelsturm ab. Auch gut! Colchani, und dann, tatsächlich Uyuni! Wow! Vor dem Hotel Inti hält der Wagen. Ich, das Rad und der nette Señor werden abgeladen. Marcelo wohnt hier, ich solle mir doch auch ein Zimmer hier nehmen. Sieht teuer aus. Ich fahre zum Hostal Avenida. Voll. Ich fahre zu einem weiteren günstigen Hostal. Voll. Was ist denn nur los? Es ist Regenzeit hier? Mir ist kalt, ich will nur noch ankommen. So nehme ich mir schlussendlich doch noch ein Zimmer im Inti. 70 Bolivianos. Puh! Hier gibt’s zu dem Preis Baño compartido, und weder Badetuch noch Klopapier, Wi-fi kostet 5 Bolivianos die Stunde. Ich bin der absoluten Touristenabzocke gelandet. Uyuni ist ein hässliches Wüstenkaff, aber wegen dem Salar kommen die Touristen in Scharen. Da kann man mit den Preisen in die Höhe schiessen und freundlich muss man auch nicht sein. Wie der Señor des Hotels. Ein richtiges Arschloch! Na, für eine Nacht bleibe ich, später will ich mir was anderes suchen. Aber nun darf ich unter die heisse Dusche stehen. Das tut gut! Später treffe ich in der Lobby auf Nico, einen holländischen Motorradfahrer. Wir kommen ins Gespräch, gehen zusammen Nachtessen. Pizza und Bier! Uhhhhh, wie lecker das ist! Und wie schön doch Gesellschaft ist! Um 00.30 Uhr falle ich schliesslich todmüde ins Bett. Was für ein Tag, was für eine Etappe!

22. – 25.01.2015. Ich frühstücke noch mit Nico, dann fährt er weiter in Richtung San Pedro de Atacama. Auf einem Motorrad ist alles etwas einfacher. Ich bringe meine vor Dreck stehende Wäsche in die Lavanderia. Dann muss der Schlamm vom Rad gewaschen werden. Zudem hat sich in der vordern Bremse schon wieder was verfangen, Draht wieder verbogen. Zwei Drähte in drei Tagen. Diese Schlammbilanz ist zu hoch! Aber an dieser muss ich auch einmal ein ganz grosses Lob an mein geliebtes Fahrrad aussprechen. Es hält und hält, fährt mit mir durch dick und dünn. In den letzen Tagen eher durch dick. Oder nennt man das dünn? Für die absolut widrigen Umstände hält es sich toll! Ein zehnfaches Hoch auf den Fish!!!! Hip hip hurraaaaaaaaa!!!!! Ein enormes Dankeschönen an meinen treusten und liebsten Begleiter!!!!

Später gibt’s nach drei Wochen wieder mal Internet und abends lädt mich Marcelo zum Essen ein. Pizza! Der Geologe der Strassenbaufirma des Abschnittes nach Uyuni meint, dass sie eigentlich niemanden mitnehmen dürfen. Firmenpolitik. Na, da hatte ich wirklich Glück!

Die meiste Zeit in Uyuni verbringe ich mit Wetterseiten und Routenprofilen anschauen. Ich sitze in Uyuni fest. Dieser Hässlichkeit mit all den Touristen. Diese Orte sagen mir schon lange nicht mehr zu, ich fühle mich meist total fehl am Platz. Alles ist total überteuert, die Leute absolut unfreundlich. Und wenn sie können, zocken sie einem auch noch ab. Aber das ist auch typisch für Bolivien. In keinem Land zuvor wollte man mich so häufig übers Ohr hauen wie hier. Je weisser das Gesicht, je höher der Preis. Genau dieselbe Beobachtung machten aber noch viele andere Reisende. Evo über alles, aber mit den Touristen sollte man es sich nicht total verscherzen. Und natürlich sind nicht alle Bolivianer schlecht. Ich habe auch sehr nette und hilfsbereite Leute getroffen. Aber sehr wenige im Vergleich zu allen anderen lateinamerikanischen Ländern…

Tja, Uyuni. Hier wollte ich eigentlich nicht hin. Mein Plan war, die Salare zu überqueren, dann weiter nach San Pedro de Atacama und über den Paso Sico nach Argentinien. Diesen Plan habe ich schon auf der Irrfahrt hierher aufgegeben. Aufgeben müssen. Leider. Aber nun sitze ich hier, wäge die Routen und Möglichkeiten ab. Auf Asphalt nach Potosi und dann nach Tupiza? Dort oben regnet es noch viel mehr. Doch nach San Pedro? Leider auch Schotter und Schlamm. Nach Tupiza? Ja, das wird wohl der Ausweg sein. Aber auch diese Strasse ist Schotter und sie soll noch viel schlimmer sein, als die Strasse von Oruro nach Uyuni. Tolle Möglichkeiten… so schaue ich weiter den Wetterbericht an.

Und wenn ich den Salar schon nicht per Rad überqueren konnte, dann will ich ihn doch wenigstens mit Wasser sehen. So quetsche ich mich eines schönen Tages mit sechs weiteren Touristen in einen Jeep. Manchmal muss es sein. Zuerst geht’s zum Cementerio de los Trenes, um diese Uhrzeit total von Gringos überlaufen.

Dann geht’s weiter zum Salar. Bei der Rampe bei Colchani hat es ziemlich viel Wasser. Sieht toll aus! Wenn da nur nicht all die Jeeps wären… das ist der Preis der Touristentour. Aber der Fahrer ist easy drauf, ich frage ihn, ob wir wohin fahren können, wo niemand hinfährt. Der Salar ist gross. Das tun wir dann.

Aber es ist nicht das Gleiche, ich wäre lieber mit dem Rad und mit aller Zeit der Welt hier gewesen. Dann geht’s wieder zurück, doch genau gestern und heute hatte es nicht geregnet. So ist das Wasser schon gut verdunstet und die tollen Spiegelungen wollen nicht mehr so richtig. Na ja. Der Regen macht mir im Moment viele Striche durch die Rechnungen.

Und meine Pläne? Ich muss raus aus Uyuni!

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