Uyuni – Salta, eine rabenschwarze Verschwörung

26.01. – 06.02.2015. 494 km. 2’978 Höhenmeter. Uyuni verlasse ich wegen Schlammgefahr per Bus. Von Tupiza aus erreiche ich bald die argentinische Grenze. Doch das Land macht mir den Beginn nicht einfach. Viele Leute sind verschlossen und abweisend. So erreiche ich das lange ersehnte Salta. Eine schöne Stadt. Aber nicht sehr lange. Hier werde ich „Opfer“ einer ganz fiesen Hitzeverschwörung, die mich meine heissgeliebte Kamera kostet. Geklaut!

Route: Uyuni – Tupiza – Villazon – La Quiaca – Abra Pampa – Humahuaca – Uquia – Jujuy – Vaqueros – Salta

Dies ist nun das wohl traurigste Kapitel aus mehr als vier Jahren Blog-Geschichte. Es gibt keine Fotos. Nun, ein einziges. Aber dieses spricht irgendwie Bände… Wie bereits erwähnt, wurde mir in Salta die Kamera gestohlen, die Fotos gingen mit in Diebeshände. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei den wenigen Personen bedanken, die meinem Spendenaufruf für eine neue Kamera im letzten Blog-Eintrag entgegengekommen sind. Ich habe mich extrem über die Hilfe gefreut! Herzlichen Dank und ein grosses Hoch auf euch!!!!

Nun aber zu dem verhängnisvollen Abschnitt.

26.01.2015. Ich stecke immer noch in Uyuni fest. Wettervoraussichten sind mehr oder weniger. Schlammaussichten auch. Darum beschliesse ich, per Transportmittel aus Uyuni zu entkommen. Ich würde gerne den Zug nach Tupiza nehmen, doch das gestaltet sich als schwierig. Denn Schalteröffnungszeiten und Auskünfte sind hier sehr relativ. Dann eben ein Bus. Aber die meisten Anbieter wollen mein Rad nicht mitnehmen. Aber ich finde noch einen und so stehe ich abends um 20 Uhr mit bepacktem Rad beim Transportunternehmen. Das dann auch der neue Plan. Aus San Pedro de Atacama und dem Paso Sico wird definitiv nichts mehr. Ich werde über Tupiza direkt nach Argentinien fahren. Der Bus trifft mit Verspätung ein, aber der Chauffeur ist sehr nett und mein Gepäck ist bald unten verstaut, das Rad kommt aufs Dach. Dann geht das grosse Holpern los. Uhhhh, das ist viel Waschbrett. Ich hoffe, mein Rad überlebt das auf dem Dach. Ich sehe noch, wie der Bus durch zwei sehr grosse Flüsse fährt, dann siegt die Dunkelheit. Um 2.30 Uhr, sprich mitten in der Nacht, werde ich in Tupiza ausgeladen. Netterweise verlangt niemand was fürs Rad und das viele Gepäck. Und nun? Was für eine Ankunftszeit! Ich fahre durch die menschenleeren Strassen. Ich klingle bei einem ersten Hostal. Da ertönt ein verschlafenes „full“. Beim zweiten wird die Tür gar nicht erst geöffnet. Aber da kommt eine Señorita angelaufen. Ich frage sie nach der Polizeistation. Sie erklärt mir zuerst den Weg zu einem anderen Hostal, dem Refugio del Turista, dann den zur Polizei. Auch dieses Hostal ist voll. Was ist nur los? Ich versuche noch ein letztes. Für 40 Bolivianos gibt’s ein obermieses Bett, aber das nehme ich. Für heute ist Schluss!

27.01.2015. Ich mache mich nochmals auf Hostalsuche. Nochmals zum Refugio del Turista. Neuer Tag, neues Glück? Ja! Ebenfalls für 40 Bolivianos bekomme ich ein gemütliches Zimmer mit bequemem Bett, zudem darf ich das Wi-fi und den Pool vom Mitru benutzen. Wenn das nicht mal was ist. Auf den Pool verzichte ich, aber das mehr oder weniger funktionierende Wi-fi nehme ich kurz in Anspruch. In Tupiza läuft alles etwas gemütlicher, ein sehr angenehmer und sympathischer Ort. Und ich spüre deutlich, dass Tupiza weiter unten liegt. Es ist warm hier. Es gibt seit langem wieder mal ein Glace und plötzliche habe ich grosse Lust auf Früchte. Doch das Einkaufen erweist sich als nicht so einfach, denn genau heute wird gestreikt. Es geht um eine Schule, die ein Privater nicht der Öffentlichkeit zugängig machen will. Die Strassen sind leer, alle Geschäfte geschlossen. Na ja. So laufe ich zum Christo hoch, von dort oben hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Berge.

28.01.2015. Auch am Morgen läuft hier alles etwas gemütlicher. Als ich morgens um 8 Uhr beim Mercado vorbeifahre, erwacht dieser erst zum Leben. Aber mit etwas Drängen gibts Bananen und Tomaten. Los geht’s. Raus aus Tupiza und dann auf Asphalt in Richtung Villazon. Argentinien, ich komme! Zuerst geht’s hügelig durch das Tal des Rio Tupiza. Farbige Felsen und Grün. Grün! Grün habe ich in der Form schon lange nicht mehr gesehen. Gras und richtige Bäume! Wow! Komischer Anblick! Ich war so lange in den hohen Anden und auf dem Altiplano unterwegs, dort gab’s kein richtiges Grün mehr. Es lebe Grün! Ich passiere viele kleine Dörfer und nach ca. 40 km folgt eine lange Steigung. Hier unten komme ich gut ins Schwitzen, zumal auch noch die Sonne scheint. Die Steigung zieht sich dahin, es geht wieder rauf aufs Altiplano. Und nach einer Weile bin ich echt geschafft, komme kaum noch vorwärts. Zudem fühle ich mich schwindelig. Das wird doch nicht die Höhe sein? Dann bin ich endlich oben. Es ist 13.30 Uhr, Hunger habe ich keinen. Absolut nicht. Aber ich muss etwas essen. Ich würge ein paar Kekse runter, ruhe etwas aus. Dann geht’s hügelig weiter, ich fühle mich etwas besser. Um mich herum blitzt’s und donnert’s schon, der Regen rückt näher. Doch mehr als ein paar Tropfen bekomme ich nicht zu spüren. Gegen 16.30 Uhr erreiche ich Villazon. Definitiv letzte Station in Bolivien. Ich suche die Parroquia. Die Dame will mir nicht helfen, die Padres sind nicht da. Bei der Alcaldia ist auch niemand und die Polizei schickt mich zu einem billigen Hostal. So war das nicht gedacht. Aber so nehme ich halt für 30 Bolivianos das ebenerdige, dunkel Kämmerchen. Wenigstens gibt’s eine heisse Dusche. Soviel wie heute hatte ich schon lange nicht mehr geschwitzt. Und so viele Höhenmeter bin ich auch schon lange nicht mehr hochgefahren. 1’200 m. Immerhin habe ich jetzt Hunger. Das ist gut. Gegenüber gibt’s ein Menu. Dann will ich noch die letzte Chance nutzen, um USD für Argentinien abzuheben. Die gibt’s hier bei der Banco Mercantil. Doch der Dame vor mir wird die Karte eingezogen. Tja, schön blöd. Jetzt gibt’s keine Dollars mehr. Ich habe noch welche, aber ich wollte unbedingt noch mehr rauslassen. In La Paz dachte ich die ganze Zeit daran, nur nicht vor der Abfahrt… jetzt müssen die bestehenden halt reichen.

29.01.2015. Gegen 6.45 Uhr ziehe ich mal die Ohropax raus. Duscht da jemand? Nein, das ist Regen. Hm, ich drehe mich nochmals um, um 7.30 Uhr stehe ich dann doch auf. Es tröpfelt nur noch leicht. Bald fahre ich zur Grenze, wo das Chaos beginnt. Ein Uniformierter weist mir unfreundlich den Weg zu einer Brücke. Die ist aber nur von einer Seite her begehbar, so dränge ich mich mit dem Rad an der Warteschlange vorbei. Ich stelle mich hinten an. Nun regnet es wieder stärker, die Schlange kommt nur stockend voran. Nach einer guten Stunde im Regen gibt’s den bolivianischen Ausreisestempel. Nun muss ich nochmals eine Stunde im Regen anstehen, für den argentinischen Einreisestempel. Langsam wird mir kalt. Was für eine Organisation. Wohl einer der schlimmsten Grenzübergänge seit langer Zeit. Dann will der Zoll noch zweimal meinen Pass sehen, aber mein Gepäck lassen sie in Ruhe. Willkommen in Argentinien! Die Gefühle sind gemischt. Hier begann im 2009 meine erste Reise. Wird sie auch hier wieder enden? Jetzt stehe ich vor der berühmten Tafel. Noch 5’121 km bis Ushuaia. Ich packe mich in die volle Regenmontur und mache mich gegen 11 Uhr mit 54 argentinischen Pesos in der Tasche auf den Weg. Ans Geldwechseln denke ich nicht, ich fahre raus aus La Quiaca. Auf dem Altiplano geht’s weiter im Regen. Der grosse Unterschied zu Bolivien ist, dass nun alles eingezäunt ist. Argentinien. Mit Rückenwind komme ich auf dem fast ebenen Gelände gut voran. Gegen 16 Uhr erreiche ich Abra Pampa. Hier ist es ja schon 17 Uhr. Jetzt wird es definitiv Zeit, die Uhr umzustellen. Mal sehen, ob die Schlafplatzsuche nun einfacher wird. Bei der Kirche treffe ich auf den Padre, doch der ist nicht sehr unfreundlich und wimmelt mich ab. Die Alcaldia ist schon geschlossen und bei der Polizei hat es keinen Platz. Diese raten mir, auf der Plaza zu übernachten. Bitte? Abra Pampa ist ein grösserer Ort, auf der Plaza wimmelt es von Menschen. Nein danke. Ich fahre zu einem Hotel. 70 Pesos. Hm, teuer. Da komme ich mit meinen 54 Pesos nirgends hin. Und Dollars wechselt hier niemand. So muss ich wohl oder über zum Bankomaten, wo ich einen Minusbetrag rausziehen kann. Jetzt reicht’s fürs Hotel. Dort gibt’s immerhin eine heisse Dusche, denn es regnet immer noch.

30.01.2015. Bei bewölktem Himmel verlasse ich Abra Pampa. Weiter geht’s übers Altiplano, dann steigt die Strasse auf 3’700 m an. Das war wohl der höchste Punkt für längere Zeit. Bei Tres Cruces esse ich mit Blick auf die aufgefalteten Felsformationen etwas. Dann geht’s runter. Hier treffe ich auf 2 Ciclistas, ein Vater-Sohn-Gespann aus der Tschechei. Ein Schwatz und weiter runter. Bis anhin hatte ich leichten Rückenwind, doch nun dreht sich dieser langsam. Gegenwind. Bei einem weiteren Kapellchen des Gauchito Gil mache ich Mittagspause. Hier gibt’s Tische, Bänke und natürlich darf in Argentinien die Parilla nicht fehlen. Hier könne man sogar übernachten. Danach verliert ich immer mehr an Höhe, es wird wärmer und die Landschaft durchsetzt sich immer mehr mit grossen Kakteen. Toll! Ich verbringe eine gute Zeit mit ein paar von ihnen!

Gegen 15.30 Uhr erreiche ich Huamaca, das Dorf liegt weg von der Strasse im Tal unten. Bei der Touristeninformation frage ich, ob ich übernachten darf. Ich muss auf einen Kollegen warten, doch der kommt zum Glück bald. Nein! Auch hier rät man mir, auf der Plaza zu zelten, oder bei den Bäumen beim Busterminal. Häh? Ich fahre weiter, nun mit starkem Gegenwind. Nach 10 km erreiche ich Uquia. Bei der Kirche werde ich wieder unfreundlich abgewimmelt. Sehr nett! Ich suche die Polizei, dabei treffe ich vor dem Puesto de Salud auf zwei Señores. Nach langem Hin und Her darf ich im Hof zelten. Zusammen mit einer Gruppe Gauchos. Die dürfen dann im Gebäude übernachten. Nun, nach zwei Tagen Argentinien überzeugt mich die Gastfreundschaft noch überhaupt nicht. Mal sehen…

31.01.2015. Die Uhr ist umgestellt. Um 7 Uhr stehe ich auf. Man merkt den Zeitunterschied, die Sonne ist noch nirgends zu sehen. Der Himmel ist blau, scheint ein schöner Tag zu werden. Ich bepacke meinen Stahlross während die Gauchos ihre Pferde beladen. Und was für tolle Kleider sie heute tragen. Ich stehe fast mit offenen Mund vor ihnen. Ein absolut wunderbarer Anblick. Vor allem die Señora. Wow! Ich bin um einiges schneller mit dem Beladen… Dann geht’s weiter auf der Ruta 9, jetzt schon bei leichtem Gegenwind. Ich fahre weiter entlang der farbigen Felsen. Schöne Gegend. Meist geht’s noch flach voran, doch der Wind nimmt schnell an Stärke zu. Schon vor dem Mittag kämpfe ich. Zusammen mit dem starken Verkehr ziemlich anstrengend. Es folgt eine Steigung, dann die Abfahrt ins Tal. Langsam nimmt der Wind ab. Wie schön! Mein Plan ist, in einem Dörfchen vor Jujuy zu übernachten, um die Stadt am Folgetag zu passieren. Ich versuche es in Yala. Teure Hosterias, bonzige Wochenendhäuser der Ständer und heute Samstag alles zu. Der Padre wohnt sowieso nicht im Dorf und der Panadero, den ich nach der Baustelle neben dem Haus frage, meint nur, dass es der Bau der Familie sei, aber nicht mehr. Immerhin bekomme ich dort Brot und ein Glace. Also weiter. Noch mehr Bonzenhütten und Ferienanlagen. So fahre ich langsam doch in den Grossraum Jujuy, das Centro liegt weiter weg von der Strasse. Doch nach diesem frage ich. Die Wegangaben sind vage, ich fahre einen Bogen. Irgendwie habe ich wohl die Einfahrt verpasst. Was nun? Ich nehme die nächste Ausfahrt. Eine Tankstelle. Dort kann ich zelten, doch das Gelände ist sehr offen. Ich laufe etwas herum. Da sitzt ein Typ bei einer überdachten Baustelle. Kein Problem, gerne kann ich mein Zelt dort aufstellen. Das einzige Problem, daneben liegt ein Nachtclub und da ist am Samstag gut was los. Aber Oscar und seine Kumpanen sind nett und wir unterhalten uns gut. Ich bin müde und um 21 Uhr verkrieche ich mich in mein Zelt. Bis Mitternacht lärmen Oscar und seine Freunde etwas rum. Asadozeit. Ich höre irgendwann einen sagen, man solle mich wecken, das Essen sei fertig. Oscar meint dann freundlicherweise, er sähe keine Klingel am Zelt. Sehr weise! Um Mitternacht beginnt dann die Musik in der Disco nebenan. Zum Glück nicht nur Bum-Bum, ich schlafe glaube ich sogar ab und zu. Und um Punkt 4 Uhr wird mitten in einem Song der Stecker gezogen. Ahhhhh….

01.02.2015. Um 7 Uhr quäle ich mich etwas unausgeruht aus dem Zelt. Oscar ist auch schon wach. Und es gibt ein Geschenk. Mein Asado von gestern. Zwei Stück Fleisch, zwei Würste und Brot. Schön verpackt für den Weg. Das ist aber nett! Ich rolle zur Tankstelle, dort gibt’s einen Kaffee und das wohl schnellste Wi-fi seit langem. Es leben die argentinischen Tankstellen! Dann mache ich mich auf den Weg. Ich folge weiter der Ruta 9, diese wird mich über die La Cornisa nach Salta führen. Es ist jetzt schon warm. Das bin ich mir nicht mehr gewohnt. Leicht hügelig fahre ich nach El Carmen. Dort beginnt eine Ciclovia. Ich überhole einen Ciclista. Er überholt mich, wir kommen ins Gespräch. Raul wohnt in San Antonio und ist auf seiner sonntäglichen Biketour. Wir fahren zusammen weiter, die Hügel werden höher, die Steigungen länger. Raul fragt nun, ob er mich bis nach La Caldera begleiten darf. Das sind noch 50 km. Klar, darf er gerne, wenn ihn meine langsame Geschwindigkeit nicht stört. Das muss jeweils gesagt sein. Bald folgt eine lange Steigung, der Schweiss fliesst in Strömen. Wann habe ich das letzte Mal so geschwitzt? Die Strasse ist eng, der Verkehrt hält sich in Grenzen. Die Vegetation wird immer grüner und tropischer. Unzählige Schmetterlinge in allen Farben und Formen umflattern mich. Toll! Das ist die La Cornisa. Eine sehr schöne Strecke. Dann geht’s langsam in ein anderes Tal und es folgt die Abfahrt. Gegen 14 Uhr erreichen wir La Caldera. Raul lädt mich in dem sehr touristischen Dörfchen zum Mittagessen ein. Humitas. Sehr lecker! Dazu 2 Liter Cola. Das tut gut! Vielen Dank! Rauls Bruder Marcelo will auch noch von Salta nach La Caldera kommen. Also warten wir und fahren zum gigantischen Christo hoch. Dann trifft auch Marcelo ein. Auf der Plaza schwatzen wir lange, dann muss ich los. Um 18 Uhr soll ich meinen Warmshower in Vaqueros treffen. Jetzt heisst es sputen. Ich verabschiede mich von Raul, Marcelo fährt den gleichen Weg. Wir düsen auf der Ruta 9 in Richtung Salta und sehr pünktlich erreichen wir Vaqueros. Geronimo wartet schon. Es erwartet mich eine letzte Steigung, dann sind wir beim schönen Haus mit viel Grün, wo Geronimo ein Zimmer gemietet hat. Es folgt ein langer Schwatz und dann darf ich mein Zelt unter Dach beim Asadero aufstellen. Geronimo und seine Freundin fahren noch weg, so bleibe ich mit den drei Hunden und einer Minikatze alleine. Die Hunde freuen sich über das zähe Fleisch vom Asado, das Kätzlein über meine warme Jackentasche und ich über eine ruhige Nacht.

02.02.2015. Die Fahrt nach Salta ist kurz. So nehme ich es am Morgen gemütlich. Aber auch so bin ich die erste, die wach ist. Geronimo sehe ich noch kurz, bevor er sich auf den Weg nach Salta macht. Das tue ich etwas später auch. Gleich nach Vaqueros beginnt die verkehrsreiche Autobahn ins Zentrum von Salta. Ich drehe einen ungeplanten Extrabogen, dann erscheinen sie… Heladerias, nette Cafés, Panaderias, Confiterias. Wow! Ich bin im Paradies, in der Zivilisation, im Land der Leckereien! Ich frage mich nach dem Hostal „Salta por Siempre“ durch. Das Hostal ist ein paar Cuadras entfernt vom Centro, hat einen schönen Garten, sehr nettes Personal. Die sympathische Chica dort macht mir einen guten Rabatt für ein Einzelzimmer. Ich bin kein grosser Fan von Dormitorios, ich lasse mein teilweise teures Material ungern allein. Mein Sicherheitsdenken. Wunderbar! Nun gönne ich mir eine kalte Dusche, es ist heiss, dann gibt’s zur heutigen Ausnahme ein Menu. Argentinien ist nicht billig. Zudem treffe ich in dem Hostal auf sehr nette Leute. Da entsteht so manch interessantes Gespräch.

03. – 06.02.2015. Salta. Diese Stadt wollte ich schon unbedingt auf der Fahrt nach Norden besuchen, aber damals hat es nicht geklappt. Darum bin ich nun umso gespannter. Aber zu allererst will mein Rad etwas Aufmerksamkeit. Als ich das letze Mal die Bremspads hinten wechseln wollte, konnte ich sie nicht reinpressen. Darum fahre ich zum Laden von Ramon, der früher eine Casa de Ciclistas hatte. Doch es ist Ferienzeit und Ramon allein. Er schickt mich zu einem anderen Laden: Palito Macias, Los Paraisos 6, Barrio Tres Cerritos. Dort arbeitet der berühmte „El Huevo“. Der hat sofort Zeit, schaut meine Bremsen an und wechselt die Pads aus. Eine Ersatzkette habe ich auch dabei, das Ersatzritzel auch. Beides sollte auch gewechselt werden. Einzig der Rohloff-Extraktor fehlt. So radle ich ein bisschen umher, am Ende des Tages kommen so ganze 25 km zusammen. Und weil das nie geplant war, ich keine Sonnencreme eingeschmiert hatte, die Apotheken keine kleinen Säcklein verkaufen und heute T-Shirt Wetter ist, verbrenne ich mir doch tatsächlich die Arme. Aber mein Rad ist wieder total fix und Palito Macias absolut zu empfehlen! Alles wunderbar!

Das Rad ist wieder fit, nun gibt es noch einige andere Dinge zu erledigen. Dollars wechseln. Argentinien steckt ja in einer ziemlichen Währungskrise, so gibt es hier zwei Wechselkurse. Offiziell gibt es für 1 USD ganze 8,6 argentinische Pesos. Wechselt man auf der Strasse, bekommt man für 1 USD ca. 13 argentinische Pesos. Das ist der Dollar Blue. Darum wollte ich eben in Bolivien noch unbedingt Dollars rauslassen.

Dann sollte ich noch Gas für meinen Kocher kaufen. Doch nicht nur die Währung steckt in einer Krise, auch die Wirtschaft. So findet man hier nur ein billiges, argentinisches Produkt, dass in hohen Lagen nicht funktioniert. Die guten Doite-Kartuschen von Nachbar Chile sind hier nicht zu finden. Aber ich werde mich nun meist in tieferen Lagen aufhalten, so ist das nicht so ein Problem. Ansonsten ist Salta fantastisch. Eine schöne Stadt. Gutes Grido-Glace. Leckere Facturas. Guter Kaffee.

Aber es ist heiss hier. Schwül-heiss. So nimmt auch ein ganz verhängnisvoller Tag seinen Lauf. Eine Verschwörung, glaube ich sogar. Die Pause in Salta dient auch dazu, den Blog wieder mal ein bisschen aufzufrischen. Das Hostal hat Wi-fi, doch an diesem Morgen funktioniert es extrem schlecht. Nichts Neues, aber es bessert nicht. Am nächsten Tag findet man raus, dass das Kabel nicht richtig eingesteckt war. Ich will eigentlich in meinem Zimmer arbeiten, doch es ist extrem heiss und der Ventilator Namens „Luft“ bringt mir nicht sehr viel von dieser. Alles klebt. So beschliesse ich nach langem Hin und Her, im Centro ein Café mit Wi-fi zu suchen, an einem Tisch arbeitet es sich auch bequemer als auf dem Bett. Zudem will ich noch ein paar Fotos von Salta schiessen. Das mache ich morgen. Ach, nein, ich nehme die Kamera doch gleich heute mit, so muss ich morgen nicht nochmals ins Centro laufen. Also packe ich alles in den Rucksack, Laptop und Kamera. Ich schiesse ein paar Fotos und erreiche schwitzend die Plaza. Dort ist der Mc Donalds, der hat ja grundsätzlich gutes Wi-fi. Und das Café ist leer. Also bestelle ich mir einen teuren Kaffee und setze mich. Den Rucksack zwischen meinen Füssen am Boden. Mehrmals sehe ich ihn an und denke, das ist kein guter Platz. Aber ich glaube, die Hitze hat mein Gehirn etwas geröstet. So arbeite ich konzentriert an meinem Blog. Doch um 18 Uhr ist Schluss. Ich greife nach meinem Rucksack. Was? Das ist nicht mein Rucksack. Sofort schiesst es mir in den Kopf. Scheisse, man hat mich bestohlen! Rucksack ausgetauscht. Ich informiere sofort die Geschäftsleitung, dann gehe ich zur Touristenpolizei. Mit der Polizistin wieder zum Mc Donalds. Sicherheitsvideo ansehen. Und der Typ ist zu sehen. Vor einer Viertelstunde hat er zugeschlagen. Aber hier passiert nicht mehr. Die Weiber geben sich Küsschen, auch wenn ich andere Action fordere. Wieder zur Polizei, Anzeige machen. Fertig. Mehr passiert hier nicht mehr, obwohl alles auf Video zu sehen ist und die Polizei im ganzen Centro Kameras installiert hat. Argentinien ist eben nicht Kuba. Dort hätte ich meine Kamera wahrscheinlich jetzt schon wieder. Ich gehe etwas geschockt, deprimiert, genervt, traurig und frustriert zurück zum Hostal. Was für eine Scheisse. Hätte ich doch dies und das… Jetzt war ich immer so vorsichtig und wie gesagt, nicht mal im Dorm schlafe ich… Und jetzt? Zum Glück hatte ich in Uyuni noch ein Back-up der Fotos gemacht. Aber trotzdem habe ich viele verloren. Das ist ja das Schlimme am Kameradiebstahl. Die ganzen Fotos! Es sollte einen Ort geben, wo Diebe Chips anonym abgeben können. Diese Nacht ist schlaflos, nicht nur wegen der Hitze…

Jetzt habe ich wieder ein Problem. Ohne Kamera weiterreisen? Klar, die Erinnerungen werden ja im Gedächtnis gespeichert, aber Fotos sind für mich trotzdem irgendwie unersetzlich geworden. Ich laufe durch die Stadt, sehe mir Kameras in zwei Fotogeschäften an, dann noch bei einem Trödelhändler. Doch die Modelle sind uralt und die Preise viel zu hoch. Warum musste man mir die Kamera ausgerechnet in Argentinien klauen. Chile wäre viel einfacher, dort bekommt man wenigstens einen einigermassen schlauen Ersatz. Aber hier? Hier zeigt sich die Importpolitik in einem noch viel schlimmeren Ausmass. Wieder gehe ich frustriert zurück ins Hostal. Immerhin hat es dort nette Leute. Da kann ich meinen Frust auslassen. Mensch, die Olympus war so toll. Nach der Angewöhnungszeit war sie mir wirklich ans Herz gewachsen. Und billig war sie auch nicht. Auch das ein Frust. Aber man lernt eben nie aus…

So drehe ich noch viele ungeplante Runden durch Salta, aber nun ist mir die Stadt nicht mehr sympathisch. Ich gehe auch nochmals zur Touristenpolizei. Dort schickt man mich zur für meinen Fall zuständigen Station. Dort weiss man am Folgetag noch nichts von meinem Fall. Aber von hier muss man die Videos von Mc Donalds einfordern. So frage ich die Chica, ob man denn überhaupt was unternehmen wird. Man hat das Gesicht des Typen auf Video. Sie sagt nichts. Ich will wissen, ob man je eine gestohlene Kamera wieder aufgetrieben hat. Kein Wort. Ich frage, ob man hier schlussendlich einfach einen Haken ins Buch setzt, Fall abgeschlossen, weiterer dummer Tourist. Sie sagt nichts, lächelt nun gequält. Ich frage nicht mehr weiter, der Fall ist aussichtslos. Wieder gehe ich frustriert zurück ins Hotel. Und nun? Ich würde mir gerne eine neue, kleine Kamera kaufen. Bis Chile will ich nicht warten, denn ich will den wunderbaren Paso Agua Negra überqueren. Da würde ich schon gerne Fotos machen. Also noch mehr Runden durch die Stadt, nun durch die grossen Elektronikgeschäfte. Hier ist das etwas Angebot besser, die Preise nicht. Das einzige Modell, dass mir mimim zusagt, ist eine kleine Panasonic Lumix. Das sind keine schlechten Kameras. Obwohl dieses Modell in Europa wahrscheinlich schon ausgestorben ist und der Preis hier absolut lächerlich ist. Und jetzt das nächste Problem. Ich habe nicht so viele Dollars, die ich tauschen kann. So muss ich zum Scheisskurs Pesos aus dem Automaten lassen. Und die geben hier nur ca. den Wert von 150 USD raus. Da kommen noch viele Gebühren dazu. Und die Karte kann ich an einem Automaten nicht mehrmals einführen. Ich muss mehrere Banken besuchen, um schliesslich genug Bargeld zu haben. Was für ein Frust!!!! Ich mag Argentinien im Moment nicht. Na ja, so kaufe ich mir für teures Geld die Lumix, aber schon beim ersten Ausprobieren überzeugt sie mich nicht wirklich. Irgendwie ist alles farblos. Na ja. Das ist der Preis für die Unachtsamkeit. Aber jetzt habe ich definitiv genug von Salta. Der Aufenthalt hier war aus unangenehmen Gründen länger als geplant. Nichts wie weg hier!

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