Jachal – Vicuña, wo die Farben explodieren

20. – 24.2015. 316 km. 4’236 Höhenmeter. Ein letztes Mal überquere ich einen hohen Andenpass. Von Argentinien geht’s über den Paso Agua Negra nach Chile. Die kahle Puna lässt hier die Farben richtiggehend explodieren. Wunderschön! Genau das richtige für Colofish on the Road!

Route: Jachal – Las Flores – Paso Agua Negra (4’755 m) – Huanta – Vicuña

20.02.2015. Die zwei Tage in Jachal waren absolut gemütlich und entspannend. Das bequeme Bett verlasse ich sehr ungern. Aber es ruft ein neue Herausforderung. Auf die freue ich mich richtig. Ich fühle mich gut! Bald befinde ich mich auf der Strasse in Richtung Las Flores. Die Strasse beginnt sanft anzusteigen. So folge ich dem Rio Jachal in ein Tal. Endlich mal Berge. Gegen 9 Uhr kommt Wind auf, doch der bläst hier netterweise talaufwärts. Dem Berghang nach geht’s langsam hoch. Sehr angenehm die Steigung. Es folgt eine türkisgrüne Lagune dann Rodeo. Die Gegend hier nennt sich Cuesta del Viento und es ist extrem windig hier. Ich werde weiterhin von hinten angeblasen, das ist schön. Nun folgt wieder Wüste. Nach 67 km erreiche ich den Abzweig nach Flores und die argentinische Immigration. Von der Gendarmeria werde ich fast stürmisch begrüsst. Sie nehmen meinen Pass zur Datenaufnahme. Die werden an die Gendarmerie 40 km weiter oben durchgegeben. Dann noch zur Immigration, Stempel in den Pass, fertig. Wenn die Grenzübergänge immer so schnell und einfach wären. Ich esse hier noch zu Mittag. Hmmm! Empanadas aus Jachal und eine Orange. Nun führt die ansteigende Strasse fadengerade durch die Wüste. Immerhin wachsen langsam Blumen am Strassenrand. So viele Farben habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Gelb, Pink, Violett, Lila. Schön!

Ich komme weiter gut voran, aber bis zur Gendarmeria schaffe ich es wohl nicht. Vor mir die Berge und die Wolken werde immer dunkler. Seit einiger Zeit sehe ich links vor mir weisse Gebäude. Eine Mine? Führt die Strasse da durch? Die Strasse windet sich, die Kilometer ziehen sich dahin. Die Häuser rücken langsam näher. Uff, dann bin ich da. Ein Baustellencamp. Nach 95 km hochfahren. Ich bin kaputt und es fallen erste Tropfen. Nach etwas suchen finde ich einen Señor und schlussendlich erlaubt mir der Ingeniero im Comedor zu übernachten. Auch gut, denn bald regnet es. Und es ist auch drinnen kühl auf 2’500 m. Seit Uyuni kommt die Daunenjacke wieder einmal an die frische Luft.

21.02.2015. Um 5.30 Uhr beginnt die Arbeit in der Küche, um 6 Uhr frühstücken die Arbeiter. Bei mir dauert das etwas länger. Der Himmel ist immer noch bewölkt, als ich mich auf den Weg mache. Ich erreiche die Gendarmeria. Dort werde ich gefragt, wie lange ich bis nach Chile brauche. 2 bis 3 Tage. Kurz danach hört der Asphalt auf und bald beginnt die Strassenbaustelle. Diverse Umleitungen sind brutal steil und zwingen mich des Öfteren zum Schieben. Zudem wird die Strasse eingenässt. So gibt’s zwar weniger Staub, aber der Rollwiderstand wird auch erhöht. Gegen Mittag ist die Baustelle geschafft und die Strasse wird wieder angenehm. Nun, bis anhin hatte ich Rückenwind, doch nun macht der Wind eine 180 Grad Drehung. Und wie! Ich habe plötzlich brutalen Gegenwind, auf der fast flachen Strasse kann ich kaum noch fahren. Was soll denn das? Knapp finde ich etwas Windschutz fürs Mittagessen. Dann geht der Kampf weiter. Und es ist ein Kampf. Ich kann gegen diesen Wind kaum noch fahren, stosse oft. Obwohl die Steigung absolut ok ist. Steige ich wieder mal aufs Rad, werde ich fast umgepustet. Das ist echt total unnötig. So kann ich die nun beginnenden Farben der Berge nicht richtig geniessen. Gegen 17 Uhr erreiche ich den Abzweig zum geplanten Abra Negro Tunnel. Dort steht ein massiver Coral. Der muss nun als Windschutz dienen. Und so wie es aussieht, schon manchem Ciclista vor mir.

22.02.2015. Ich merke die Höhe ein bisschen, ich kann nicht schlafen. Erst gegen Morgen nicke ich ein und wache erst um 7 Uhr wieder auf. Aber das macht nichts, es ist kalt hier oben auf 4’200 m, draussen ist alles gefroren und die Sonne wird das Tal noch lange nicht erreichen. Ich nehme es gemütlich, beim Packen frieren mir fast die Finger ein. Das wird später auf dem Rad auch nicht besser, obwohl ich die dicken Handschuhe trage. Finger und Zehen sind am Einfrieren. Aber es geht rauf, so kommt langsam Wärme in den Körper.

 

Ich fahre ins nächste Tal, den Gegenwind habe ich auch bald wieder. Jetzt schon fahre ich farbigen Berghängen entlang. Als die Sonne dann langsam das Tal erreicht, leuchten die Farben noch viel intensiver. Wow! Diese Puna ist wunderbar. Total kahl, aber wie ein grosses Sandkunstwerk. Ich kann mich kaum sattsehen. Die Steigung ist angenehm, dann macht die Strasse eine 180 Grad Kurve. Nun fahre ich mit Rückenwind. Die Strasse zieht sich dem Berghang hoch, die Ausblicke werden immer besser. Gelb, orange, rot, violett, ab und zu mal grün. Wahnsinn! Und genau jetzt habe ich eine Kamera, die die Farben schlecht darstellt. Was für ein Pech. Wer sich jetzt fragt, warum die Fotos so farbig sind? Photoshop ist ein guter Freund von mir. Es geht um den Berg rum in die Quebrada de Sarmiento, dann wieder eine 180 Grad Drehung. Doch netterweise bläst der Wind nun nicht mehr so stark. Sehr nett!

Die Strasse ist nun eng, viele Fahrer halten, fragen, ob alles ok sei, ob ich Wasser brauche. Interessanterweise sind es meist Chilenen. Der 4×4 Luxuscamper mit ZH Kennzeichen braust auf jeden Fall einfach an mir vorbei. Zhhhhh! Unter mir liegen nun die Penitentes. Diese Schnee- und Eisformationen sind nur in den höhen Anden zu finden. Hm, runtergehen? Ich denke mir, es folgen noch mehr. Zudem ist es kalt und ich habe Hunger. Schade, denn es folgen keine mehr. Das war meine Penitentes-Chance. Aber ich sage mir, die Kamera taugt sowieso nicht viel im Weiss. Na ja. Ein letzen Kampf gegen den Wind und ich erreiche den Paso Agua Negra auf 4’770 m. Der Wind ist eiskalt hier oben.

Ich mache meine Gipfelfotos, dann ziehe ich noch mehr Kleider an. Es beginnt die Abfahrt. Bald eine Abkürzung. Die nehme ich. Die ist sausteil, aber runter geht’s. Es folgt eine zweite Abkürzung und dann fahre ich wieder auf der normalen Strasse. Hinein in eine Farbexplosion. Die chilenische Seite ist wirklich noch spektakulärer als die argentinische. Dieses Tal ist einfach der Hammer! So viele Farben! Ich kann mich kaum sattsehen, halte immer wieder und lasse das Spektakel auf mich einwirken. Eine wirklich tolle Andenüberquerung. Das Tal wird flacher und etwas abseits der Strasse finde ich in einer Grube einen windgeschützten Campplatz. Denn der Wind bläst auch hier. Aber im Windschutz ist es richtig warm. Vor dem Zelt geniesse ich diese Wärme, bis die Sonne verschwindet und es schnell kalt wird.

23.02.2015. Auch hier ist es morgens eiskalt, obwohl ich einige hundert Meter weiter unten bin als gestern. Der Kaffeefilter gefriert auch hier sofort nach dem Waschen. So dauert’s ein Weilchen, bis ich mit eiskalten Fingern und Füssen wieder auf der Strasse bin. Heute geht’s runter, es wird nicht so schnell warm. So holpere ich runter, vorne im Tal sehe ich die Sonne. Da will ich hin! Nach einer Weile ist es geschafft. Wie gut diese Wärme tut. Und es gibt nicht nur Wärme, es kommt mir ein Ciclista entgegen. Nick aus Frankreich. Wir tauschen eine ganze Weile Infos aus. Nun wird es schnell wärmer, ein Kleidungsstück nach dem anderen fällt. Ich fahre weiterhin durch die absolut beeindruckende, farbige, Felslandschaft. Dann wird die Aussicht noch besser. Es kommt das Türkis der „La Laguna“ dazu. Wow! Spektakulär. Und hier hätte man fantastisch campen können. Hätte ich das gewusst…

Ich passiere die Laguna, dann geht’s weiter runter. Es kommt immer mehr Grün dazu, die Vegetation ist zurück. Nun beginnt auch hier die Baustelle. Hier heisst dies loser Schotter. Und obwohl ich schon den ganzen Tag runterfahre, komme ich nicht sehr schnell voran. Aber nach 50 km erreiche ich Asphalt und die chilenische Immigration. Uhhhh! Eine Señorita! Sola! Bei der Immigration werde ich schon erwartet. Seit gestern. Auf dem Paso Agua Negra geht man nicht so schnell verloren. Ich werde von allen Beamten belagert, es gibt einen Orangensaft. Eine nette Grenze. Dann geht’s zum Zoll, neuerdings muss das Rad eingeführt werden. Zum Schluss wird das Gepäck geröntgt. Aber alles in Ordnung. Noch Wasser auffüllen, dann geht’s weiter. Nun auf Asphalt. Wie schön! Eine Kurve und wummmm! Der Gegenwind schlägt mir mit voller Wucht entgegen. Aus der Abfahrt wird kein Spass sondern ein Kampf.

Ich strample den Berg runter. Die Kilometer wollen nicht wirklich dahinschmelzen. Dann folgen zum Glück erste Reben und ich bin in Huanta. Yuheee! Hier fahre ich zum Kiosko von Rosa und Hans. Die beiden lassen Ciclistas vor dem Haus campen. Aus der Kühltruhe lächeln mich diverse Magnum-Glaces an. Weisse Schokolade mit Himbeeren. Uhhhh! Aber zu teuer! Ich leiste mir eine Cola. Eine kurze Pause, dann muss ich mir das Rad ansehen. Die eine Schraube, die den Ständer und auch das Ausfallende zusammenhält, ist gebrochen. Ich hatte gestern schon bemerkt, das sie verbogen ist. Nun ist sie gebrochen. Im Rahmen. Zum Glück lässt sich der Rest gut entfernen. Wir sind in Lateinamerika, Hans macht sich sofort auf die Suche nach einer Schraube und lässt nicht locker. Nach mehreren Fehlversuchen findet er eine passende. Was für eine Glück! Vielen Dank! Und zum Dessert gibt’s heut kein Magunm, sondern ein Stück Fleisch vom Grill. Sehr lecker! Und das Brot, dass Hans im Holzogfen bäckt, ist echt der Hammer. Ein Stopp hier lohnt sich auf jeden Fall!

24.02.2015. Auch auf 1’200 m ist es hier morgens richtig kühl. Im totalen Gegensatz zu Argentinien. Das ist sehr angenehm. Und zudem versehe ich die Chilenen in dieser Gegend auch viel besser als im hohen Norden. Das ist beruhigend. Ich frühstück gemütlich, heute gibt’s sogar warmes Brot frisch aus dem Ofen! Hmm! Lecker!

Dann mache ich mich auf den Weg, die Fahnen hängen noch schlaff an den Masten. So fährt es sich viel besser. Vor mir im Tal liegt Nebel und bald fahre ich durch diese Wand. Eine andere Welt. Herbstwelt. Weiter säumen Traubenplantagen die Strasse und gegen 10 Uhr kommt auch der Wind wieder auf. Als sich das Tal weitet lässt er etwas nach. Der Nebel nicht.

Gegen 11.30 Uhr erreiche ich Vicuña. Die Einfahrtsstrasse ist ziemlich trist, aber ich sehe eine grosse Ferreteria. Die Schraube, die Hans mir gab, hält nicht gut. Aber hier haben sie keinen Ersatz. Auch in der zweiten Ferreteria nicht. Mach schickt mich noch weiter. Nun fahre ich an der Plaza vorbei, dort sprechen mich zwei Holländer an. Francis und Hans, auch Radler. Sie empfehlen mir den Camping des Hostal Michel. Ich fahre noch zum dritten Laden. Dort treffe ich auf eine rüstige Señorita und finde meine Schrauben. Perfekt! Ich wechsle gleich beide aus, denn auch die zweite ist leicht verbogen. Das Rad ist einfach zu schwer für den Ständer. Ich fahre zum Hostal und Vicuña wird mit immer sympathischer. Meine erste richtige chilenische Stadt. Mit grossem Supermercado und einem Bankomaten, der mir einfach so den Wert von 300 USD rausgibt. Wahnsinn! Der Rest des Tages vergeht schnell und abends wird’s auch hier richtig kühl. Ich mag das chilenische Klima! Herrlich!

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