Coyhaique – Chile Chico; unterwegs auf der herbstlichen Carretera Austral

05. – 15.05.2015. 402 km. 6’733 Höhenmeter. Das Grau des Himmels hat Überhand genommen, die Sonne sehe ich kaum noch. So folge ich der herbstlichen Carretera Austral, auch so ein Genuss. Türkisfarbene Flüsse, Herbstfarben, der Lago General Carrera und die absolut traumhaften Capillas de Marmol. Danach geht’s in einer anstrengenden Fahrt der Steilküste des Sees entlang nach Chile Chico.

Route: Coyhaique – Laguna Chiguay – Villa Cerro Castillo – Puerto Rio Tranquilo – Puerto Guadal – Chile Chico

05.05.2015. Nach einer guten Woche in Coyhaique mache ich mich an einem kühlen Morgen auf den Weiterweg. Ohne neue Reifen. Bald beginnt die Strasse anzusteigen, aber im Schatten bleibt es kühl. In Coyhaique hatte es ein paar ganz lästige Köter in den Strassen, die einem sogar im Gehen angriffen. Auch auf der Strasse sind sie anzutreffen. In einer kurzen Abfahrt sehe ich bei einer Leitplanke einen in Lauerstellung. Ich halte, das hilft meist schon. So bin ich nämlich ein Spielverderber. Dieser aber kommt nun schwanzwedelnd auf mich zugerannt, springt an mir hoch. Ich verscheuche ihn, nichts. Die Hündin legt sich einfach neben das Rad und beschliesst dann ungefragt, mich zu begleiten. Ist ja auch nichts Neues, dass einem Hunde nachlaufen. Nach ein paar Kilometern fange ich schon an zu schauen, ob sie noch da ist. Die Gegend wird hügelig, bei den Abfahrten kommt sie mir nach, doch in den Auffahrten höre ich bald wider eine Hecheln neben mir. Ich mache mir schon Gedanken, ob ich ihr später was zu Essen geben soll und vor allem was. Brot? Oder was ich mache, wenn sie mir einfach folgt und folgt. Das tut das Tier für 30 Kilometer, dann folgt eine lange Abfahrt und ein Dorf, ich hänge sie ab. Irgendwie schade, aber besser so. Bei dem Abzweig nach Balmaceda mache ich Mittagspause und hoffe auf ein paar Sonnenstrahlen. Ich erhasche ein paar davon, aber wirklich wärmen tun sie nicht mehr. Danach beginnt die lange Steigung auf den Portezuelo Ibañez. Gemäss Mariette folgt nach 57 km der Camping Laguna Chiguay, daraus werden 62 km und ich bin ziemlich fertig. Im Häuschen des Guardaparques steigt Rauch aus dem Kamin, ich hebe einfach den geschlossenen Schlagbaum auf der anderen Seite der Strasse an und schleiche mich auf den Camping. Im „Huemul-Zelt“, einer weissen Kuppelkostruktion zum Thema Huemul schlage ich mein Lager auf. Vielleicht etwas wärmer hier, denn das Thermometer zeigt nur noch 3 Grad an. Und hoffentlich kommt kein Guardaparque, denn 5’000 Pesos will ich nicht bezahlen.

Im Huemul-Zelt. Schwarz-Campen mit Lernfaktor.

Im Huemul-Zelt. Schwarz-Campen mit Lernfaktor.

Das Essen ist rattensicher aufgehängt, ums Zelt habe ich Babypuder gestreut, wie auf die grosse Tasche. Ein Tipp eines Ciclistas. Nager sollen das Pulver nicht mögen. Wer weiss? Ich verziehe mich bald in den warmen Schlafsack, es ist kalt. Ich lausche. Und bald beginnt die Party. Neeeeein!!! Es quietscht, krabbelt und zettelt. Was da alles rumwuselt? Ich leuchte raus, sehe nichts. Dann gehe ich raus, ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe. Bald beginne ich zu schlottern. Saukalt hier draussen. Bald höre ich vor lauter Zähneklappern nichts mehr. Schnell zurück in den Schlafsack, Party hin oder her…

06.05.2015. Um 5 Uhr kommt wieder Leben in die Kuppel, ich bleibe liegen. Bis 8 Uhr. Die Nacht auf guten 800 m war kalt, heute ist mein Schlafsack ziemlich nass. Hallo Kondensation. Die Innenseite des Zeltes ist gefroren, wie auch die draussen gelassnen Wasserflaschen. Durchgefroren. Sogar die, die im Zelt war, ist gefroren. Ich frühstücke und mache mich gut eingepackt auf dem Weg. Wieder unter dem Schlagbaum durch und auf die Strasse. Sehr gut, kein Ranger in Sicht. Da kommt mir ja gleich die Story aus Kanada und dem Warden Hut in den Sinn… Auch die Laguna Chiguay ist gefroren, es herrschen noch Minusgrade. Der Himmel ist trüb. Bald geht’s runter, ich bremse. Hinterbremse geht nicht. Ich drücke fester, schlechte Idee. Paff! Nun ist das Kabel lose, die Pads festgefahren. Ich habe Dauerbremsen. Da war wohl das Kabel gefroren. Zum Runterfahren lasse ich es bremsen, dann löse ich das Kabel. Tja! So fahre ich durch die kalte, gefrorene Landschaft. Bald folgt die lange Steigung auf den Portezuelo Ibañez, mit ca. 1’120 m der höchste Punkt der Carretera Austral. Wahnsinn! Das Thermometer klettert langsam auf 3 Grad, aber meine Pausenbanane ist noch gefroren. Auf dem Pass spanne ich das Bremskabel wieder, scheint aufgetaut zu sein.

Es folgt die Abfahrt, bald mit tollem Ausblick auf den Cerro Castillo, das neblige Tal des Rio Ibañez und die Cuesta del Diablo. Diese sause ich runter, dann geht’s weiter runter nach Cerro Castillo. Nun drücken ein paar Sonnenstrahlen durch. Mir ist kalt, meine Füsse spüre ich kaum noch. Ich erreiche das Dorf, nun brauche ich etwas zum Aufwärmen. Bei drei Hospedajes macht niemand auf, die vierte ist von Strassenarbeitern belegt. Ich finde doch noch ein Bett, wenn auch ein etwas teureres. Im warmen Restaurant gibt’s nun ein Churrasco. Ein riesiges Brot gefüllt mit Fleisch, Spiegeleiern und Käse, Durchmesser ca. 25 cm. Ich schaffe das Teil kaum. Unglaublich! Da muss ich nach der heissen Dusche eine Siesta machen. Auch schön!

07.05.2015. Auch heute Morgen ist der Himmel diesig grau verhangen. Gleich nach Cerro Castillo beginnt der Schotter. Nun ist die Landschaft felsig, mit wunderbarem Bergpanorama. Das Grau des Himmels entzieht der schönen Landschaft irgendwie die Farben, Die Strasse steigt eine Weile an, dann geht’s runter ins Tal des Rio Ibañez. Dies trotz Grau ein wunderbarer Anblick! Diesem Fluss folgt die Strasse nun mehr oder weniger flach. Etwas abseits der Strasse will ich Mittag essen, doch genau jetzt beginnt es zu tröpfeln. Ich fahre weiter, bald ist es wieder trocken und die Mittagspause verschiebt sich noch um ein paar Kilometer.

Dann geht’s weiter durchs Tal, bald folgt wieder eine längere Steigung. Nun sehe ich sogar für zwei Minuten die Sonne. Kurzes Gastspiel. Ich bin auf der Zeltplatzsuche. Nicht so einfach hier, alles eingezäunt und abgesperrt. Ich finde einen Platz bei einem Fluss mit Feuerstelle. Das lässt meist auf Ciclistas schliessen. Doch es hat keine Bäume zum Essen aufhängen, zudem liegt Müll rum. Ich habe heute schon Doite-Gasflaschen in Bushäuschen rumliegen sehen… Shame on these Ciclistas!!! Es geht rauf zum Portezuelo Cofre auf 600 m. Es wird immer später, ich brauche dringend einen Campplatz. Mehr Zäune, mehr verschlossene Tore. Mist! Ich spule weiter, da eine Abfahrt zu einem Bach. Das muss es sein. Auch hier wurde Abfall entsorgt, diesmal waren es Chilenen mit Müllsäcken. Aber immerhin hat es Bäume. Den Bach mag ich nicht, der stört mein Hören. Und wie üblich höre ich lange hin. Da sind doch Geräusche. Ich leuchte. Ich habe wirklich Paranoia. Und wenn heute keine Maus, sondern ein Puma kommt? Von diesen wurde ich des Öfteren gewarnt, diese kämen nun auch ins Tal runter auf Futtersuche. Schlaf jetzt! Geht aber nicht. Immerhin erhellt der Mond etwas mein Zelt, si sieht alles etwas freundlicher aus.

08.05.2015.  Na, so ist das Aufstehen wieder schwieriger, ich bin müde, es ist finster und nass. In der Nacht hatte es immer mal geregnet, jetzt ist es trocken. Das ist viel wert! Jetzt gibt’s erst mal Kaffee! Mhhhh! Bald mache ich mich bei dem gleich trüb-grauen Himmel auf den Weiterweg. Gleich geht’s runter, dann folgen ein paar gut steile Hügel und die Abfahrt ins Tal des Rio Murta. Auch dieser ein wunderschönes türkises Band in der Landschaft. Ich bin total fasziniert von der Farbe des Flusses, halte immer wieder und staune. Wie schön es hier ist. Selbst bei dem tristen Grau. Wie wär’s mit ein paar Sonnenstrahlen? Nun, ich klage nicht, es regnet nämlich nicht. Es geht fast flach dem Fluss entlang, hier holpert es wieder gewaltig. Auch das ist anstrengend. Dann wird die Strasse hügelig und ich erreiche den Abzweig nach Bahia Murta. Zeit fürs Mittagessen. Es ist kalt, zum Glück habe ich nun jeweils heissen Wasser für einen Tee dabei. Dann weiter und bald blicke ich das erste Mal auf den Lago General Carrera. Toll!

Es geht runter zum Lago General Carrera

Es geht runter zum Lago General Carrera

Führte die Strasse meist flach durch die Flusstäler, führt sie nun gut hügelig dem Ufer entlang. Bald folgen die ersten Mördersteigungen. Puhhh! Hügel rauf, Hügel runter und dann paff: Rio Puerto Tranquilo. 17 Uhr. Ich suche mir eine Bleibe und lande bei Señora Rosa in der Hospedaje Silvana. Später treffe ich auf der Strasse den Spanier Ruben. Ihn lernte ich schon in der Casa de Ciclistas in Coyhaique kennen . Der berühmte Spanier Ruben. Der, der versehentlich im falschen Haus schlief…  Zusammen machen wir uns nun auf die Suche nach mehr Leuten für den Ausflug zu den Capillas de Marmor.

09./10.05.2015. Morgens um 10 Uhr kommt Ruben im Hostal vorbei. Zusammen laufen wir zur Snackbude von Rosa. Wir lesen noch einen Israeli und einen Japaner auf, dann treffen noch zwei Chilenen ein. Sechs Personen. Perfekt und viel billiger! Nun fehlt nur noch Rosas Sohn Felipe, der das Boot steuern soll… Auf den warten wir noch eine Weile, dann geht’s los. Heute tatsächlich bei Sonnenschein. Was für ein Glück! Über den See geht’s zu den Marmorhöhlen. In die einen kann das Boot etwas reingesteuert werden, bei den anderen fahren wir aussen durch. Wie schön! Diese Farben! Das Wasser, die Felsen, die Formen! Ich bin begeistert! Felipe steuert das Boot den Höhlen entlang, dann geht’s zu der Catedral und zur Capilla de Marmor. Die letztere das Wahrzeichen der Höhlen. Ich kann mich kaum satt sehen. Wirklich ganz wunderbar!

Dann geht’s auch schon wieder zurück. Dieser Auflug hat sich echt gelohnt. Ruben macht sich nun noch auf den Weiterweg nach Puerto Bertrand, ich gehe ins Hostal und versinke nochmals in den Höhlen, diesmal in den Fotos. Später unterhalte ich mich mit Rosa, wie oft werde ich gefragt, was ich den beruflich mache. Grafikerin. Und wie immer erzähle ich, dass ich manchmal auf dem Weg arbeite, Webseiten mache. Das Stichwort! Rosa will auch eine, und zwar sofort. Na gut, morgen soll es regnen, dann bleibe ich einen Tag. Ich setze einen viel zu tiefen Preis an und mache mich an die Arbeit. Die Fotos kommen gleich zum Einsatz.

So verbringe ich einen sehr intensiven Tag in Rio Tranquilo. Alles andere als tranquilo. Ganz so einfach ist es nicht, denn das Internet ist sehr langsam hier. Breitband existiert nicht. Man muss mit dem Handysaldo eine „Bolsa“ kaufen. Die reicht für 2 Tage oder 900 MB. Mit den vielen Fotos sind die 900 MB schnell weg und Felipe hingegen ist sehr tranquilo. Es braucht Geduld. Bei dem tristen Wetter schiesse ich noch Fotos vom Dorf, den Cabañas, der Hospedaje. Es gibt was es gibt. Dann steht die Seite, aber die Bolsa ist wieder mal leer. Ich warte. Immerhin gibt’s Gesellschaft vom deutschen Motorradfahrer Volker. Ich kann wieder mal Deutsch sprechen. Wie schon früher stelle ich fest, dass ich Probleme mit gewissen Wörtern habe. Alles was auf …tion endet hört sich falsch an. Die Information. Häh! Das nimmt langsam die spanische Aussprache Überhand… Ayyy!!  Gegen 22 ihr ist die Bolsa dann wieder gefüllt und ich zeige Rosa die Arbeit. Kundin sehr zufrieden!

Die Arbeit eines Tages

Die Arbeit eines Tages

11.05.2015. Als ich aufsehe regnet es noch, doch schon beim Beladen des Rades ist es trocken. Zudem ist es nicht kalt. Ich ziehe die Regenbekleidung an, in baldiger erneuter Regenerwartung. Gleich nach Rio Tranquilo geht es gut und viel hoch, mir ist bald viel zu heiss. Also alles ausziehen. Nun, die Regenkleider. Ha! Und jetzt gibt’s sogar drei Sonnenstrahlen. Ich komme in den Genuss von drei Regenbogen. Wie schön! Die Strasse bleibt gut hügelig, am Strassenrand wie gehabt Rot-Gelb. Hagenbutten soweit das Auge reicht.

Langsam entfernt sich die Strasse vom See und wird flacher. Es beginnt wieder zu regnen. Ponchozeit bei den milden Temperaturen. Bald folgen wieder Hügel und ich folge wieder dem Ufer. Ich erreiche die Kreuzung El Maiten, biege nach Chile Chico ab. Bis anhin hatte ich kaum wahrnehmbaren Rückenwind, nun bläst er stark von vorne. Der Poncho flattert wie wild. Na ja. Bald folgt eine lange Steigung, dann die Abfahrt nach Puerto Guadal. Soll ich eine Bombero, Padre, Schulrunde drehen? Ich fahre an der Hospedaje Janito vorbei, 7’000 Pesos. Ich bleibe, es ist schön warm drinnen und ich muss die Kleider trockenen. Vom Schwitzen und dem Regen ist alles nass. Dann gibt’s frische Sopaipillas und Hagenbuttenmarmelade und die Chiquilla geht unter die heisse Dusche. Wie jung ich mich doch fühle… Obwohl. Ich glaube, ich habe erste graue Haare entdeckt…. Der Tribut des letzen Jahres…

12.05.2015. Als ich aufbreche, regnet es. So starte ich den Tag in Regenmontur, für den Poncho ist es zu windig. Gleich nach Puerto Guadal eine längere Steigung, das Schwitzen beginnt. Echt eine suboptimale Mischung. Lange geht’s rauf, dann wieder runter zum See, wieder steil rauf. Immerhin gibt es eine Regenpause, so kann ich etwas auslüften und trocknen. Dafür ist die Piste hier etwas mühsam, ein richtiges Schlammbad. Kommt das jetzt vom Salz, dass sie hier im Winter streuen? Eine ganz eklige Mischung, die an Taschen und Kleider spritzt und gut haften bleibt. Und diese Taschen soll ich später mit ins Zelt nehmen? Uäääääähhh! Ich schlittere durch die Scmierpaste, komme langsam voran.

Nach 28 km erreiche ich Mallin Grande, ein winziges Kaff. Im Bushäuschen mache ich Mittagspause. Eine gute Entscheidung, denn bald schüttet es wieder. So geht’s im Regen weiter, steil hoch, steil runter. Und die Matschpiste wird immer schlimmer. Was haben die hier mit der Strasse gemacht? Ich fluche lautstark in den Regen rein. Als ob die Hügel nicht schon genug anstrengend wären! Dann eine Abfahrt, ein lange, steile Auffahrt und ich fahre der Steilküste dem See entlang. Hier bläst nun ein sehr starker Wind. Nun schauen, dass er mich nicht von der Strasse bläst. Die ist immerhin wieder besser, steinig. Ich bin hoch über dem See, rauf, runter, dann ein Absturz bis zum Seeufer und dann wieder steil hoch. Weiter oben übernachteten wir im 2010 im Haus von Hayde, auf dieses hoffe ich auch heute. Als ich endlich angekeucht komme, die Ernüchterung. Das steht kein Haus mehr, eine kleine Baracke, ein heruntergekommener Stall, niemand da. Ich fülle Wasser auf, fahre weiter. Es ist schon wieder fast 17 Uhr, alles eingezäunt, der Wind ist garstig. Ich fahre hoch, wieder runter. In der Ferne, in Argentinien ist es schön, hier drohen die nächsten Regenwolken. Eine Abfahrt, da unten könnte ich zelten. Muss, denn jetzt folgt wieder eine lange Steigung. Ich kämpfe mich den Steinpfad runter, da muss ich morgen unbepackt hoch. Unten alles voller Dornen, der einzig gute, etwas erhöhte Platz steht neben den Büschen. Na dann. Ich stelle das Zelt auf, wische und kratze den ärgsten Dreck von Rad und Taschen. Das Essen hänge ich an den etwas entfernten Strommasten. Gut festzurren, denn der Wind ist brutal. Bald beginnt es wieder zu regnen, der Wind haut mir das Zelt buchstäblich um die Ohren, so heftige Schläge bekommt es ab. Zudem schifft es was das Zeugs hält. Zum Glück ist das Zelt für „severe weather condtions“ gemacht… In einer Regenpause gehe ich kurz raus, um dir Leinen nachzuspannen. Huch! Was ist das! Das Wasser reicht bis vor die Türe, davor ein halber See. Uhhh, hoffentlich lässt der Regen etwas nach, sonst werde ich noch überschwemmt.

13.05.2015. Kalt ist die Nacht nicht und der Regen wird zum Glück etwas schwächer. Nun, heute muss ich raus, wenn ich es bis nach Chile Chico schaffen will. Netterweise hört der Regen jetzt auf, nicht so der Wind. Der ist eiskalt, wie ich beim Holen des Drybags vom Strommasten feststelle. Heute gibt’s ein Minimalfrühstück und bald schleppe ich mein Hab und gut den Steintrack hoch auf die Strasse. Der Wind gibt hier alles und ist eiskalt. Es hat tief runter geschneit. Die Regenhose ziehe ich den ganzen Tag nicht mehr aus, obwohl nur ein paar Tropfen fallen. Ich beginne gleich mit einer Schiebeeinlage, wieder so eine Brutalsteigung. Und sie hören nicht auf. Steil hoch, steil runter, ich weiss nicht wie viele Male heute.

 

Ich fuhr die Strecke schon im 2010, wusste, dass sie sehr hart ist. Immer wieder wechsle ich auf 2-Fuss-Antrieb. Der Wind bleibt eisig kalt, bläst aber meist von Westen, sprich von hinten. Das hilft, obwohl er manchmal etwas konzeptionelle Probleme hat. Das Wetter wird auch immer besser, ich bekomme nun sogar Sonnenschein. Ich habe Hunger, doch es ist nicht einfach, einen windgeschützten Ort zu finden. So fahre und fahre ich. Bei der Mina Laguna Verde stosse ich gerade wieder mal hoch, als ein Señor mit Pick-up mich mitnehmen will. Ich frage, ob es noch viel hoch geht. Si, muuuuucho. Im Auto wären es 30 Minuten bis nach Chile Chico. Uffff! Nun, ich lehne ab und stosse weiter. Beim Mirador Laguna Verde esse ich im Windschutz von einem Mülleimer und dem Rad zu Mittag. Und die Sonne wärmt auch noch ein bisschen. Um 15 Uhr fahre ich weiter, runter, dann wieder hoch. Nun folgt ein eher ebener Abschnitt und mit dem Wind komme ich gut voran. Juheeee! Runter, wieder steil rauf. Und nochmals. Puh! Dann die lange Abfahrt nach Chile Chico. Geschafft! Ich fahre zur Hospedaje „No me olvides“, doch da ist niemand. Schade, ich hatte mich schon auf Maria gefreut. Ich kurve durchs Dorf, frage bei den Bomberos nach Asyl. Die schicken mich zur Hospedaje Don Luis. Hier bleibe ich, ich bin kaputt.
Das waren in den letzten Tagen jeweils mehr oder weniger 1’200 Höhenmeter por Tag nur mit „dem See entlang fahren“. Ganz schön anstrengend. Abschliessend kann ich sagen, dass mir die Strecke von Cerro Castillo über Rio Tranquilo besser gefallen hat, als das Stück nach Chile Chico. Obwohl auch die Steilküste ihren Reiz hat. Aber so oder so, dies der schönste Abschnitt der Carretera Austral, wenn der letzte auch nicht mehr Carretera Austral war. Weiter südlich würde noch das schöne Stück dem Rio Baker entlang nach Cochran folgen, aber sonst hat die Traumstrasse für mich etwas von ihrem Reiz verloren. Mag am Wetter, den vielen Baustellen oder dem neuen Asphalt liegen…

Profil

Das Höhenprofil von Rio Tranquilo nach Chile Chico. Rot heisst sausteil.

 

14. – 15.05.2015. Am Morgen gehe ich gleich zu Chilexpress. Boris hat mir netterweise das Paket mit den Reifen nachgeschickt. Und da ist es auch. Super! Ich laufe durch die Strassen, da sehe ich Maria Sanchez von der Hospedaje „No me olvides“. Ich glaube es zumindest, ich rufe. Ja ja, sie ist es. Aber leider wird bei ihr gerade der Boden rausgerissen. Schade. So bleibe ich bei Don Luis.
Nun bekommt mein Rad eine gründlich Wäsche in einer Waschanlage mit Hochdruckwasser. Der Salz-Matsch muss weg. Netterweise geschieht dies alles kostenlos. Dann montiere ich die beiden neuen Reifen, die alten müssen zurück zu Schwalbe. Doch bei der Post die nächste Überraschung. Von hier gibts keine Paketpost ins Ausland. Da muss ich nach Argentinien. Achhh, wie kompliziert Dinge doch sein können… Irgendwie muss ich nun das Paket über die Grenze bringen, mal sehen, wo auf dem Rad es noch Platz findet.

Dann gibt es noch aktuelle News zu den Pumas. Der berühmte Spanier Ruben, mit dem ich in Rio Tranquilo auf Bootstour ging, wurde kurz vor Villa O’Higgins von einem Puma angegriffen und in den Arm gebissen. Diese Nachricht geht hier im Moment durch alle Radiostationen und Zeitungen. Nur gut, dass ich in die Pampa fahre. Dort hat es glaube ich keine Pumas…

Sonnenaufgang. Leider habe ich den spektakulären Himmel gerade verpasst.

Sonnenaufgang. Leider habe ich den spektakulären Himmel gerade verpasst.

Der Wind gibt hier ein gewaltiges Schauspiel, es stürmt wie wild. Vor allem Nachts frischt der Wind nochmals gewaltig auf. Ich muss mir Ohrstöpsel reinstecken, um schlafen zu können. Nun, das hilft auch gegen das Schnarchen des Nachbars. Dieser Westwind wird mich netterweise nach Argentinien pusten, um mir dann das Leben auf der Ruta 40 in Richtung Süden zur Hölle zu machen. Ich bin gespannt. Nach 2,5 Monaten in Chile werde ich wieder über die Grenze fahren. Argentinien, ich komme! Ich hoffe, diesmal werde ich mehr Glück haben dort drüben…

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