Goiậnia – São Jorge; Super-Bombeiros, Pirénopolis und eine staubige Strasse in die Berge

11. – 29.10.2015. 528 km. 7’149 Höhenmeter. Auf diesem Abschnitt spielen die Bombeiros eine wichtige Rolle, bieten sie mir doch mehr als einmal Unterschlupf und an der Seite einer Bomberia darf ich das koloniale Pirenópolis und die Cachoeira do Abade erkunden. Dann folgen bergigere Abschnitte und bald pedale ich auf staubigen und steilen Schotterpisten langsam der Chapada dos Veadeiros entgegen. Die Ankunft in São Jorge ist etwas dann unerwartet, aber zum Schluss wird alles gut!

Route: Goiậnia – Anápolis – Planalmira – Pirenópolis – Corumbá de Goiás – Cocalzinho de Goiás – Santa Felicidade – Vila Taverira – Niquelậndia – Colinas do Sul – São Jorge

11.10.2015. Vor einer Woche bin ich in Goiậnia eingefahren, am heutigen Sonntag verlasse ich die Stadt wieder. Roberto will mich bis nach Anápolis begleiten und dann noch nach Pirenópolis weiterfahren. Ohne Gepäck geht das, für mich ist das zuviel für einen Tag. Und die meisten Leute erzählen mir, dass es zwischen Anápolis und Pirenópolis nichts hat. Es geht aus Goiậnia raus, hügelig wie immer, heiss wie immer. Bald folgt eine längere Steigung, am Ende viel Strassenstände. Jabuticabas. Diese komischen Beeren oder Früchtchen wachsen am Stamme eines Baumes entlang und schmecken irgendwie nach Cassis, aber weniger intensiv. Ich gönne mir einen halben Liter, so werden die prallen Kügelchen hier verkauft. Und sie sind sehr lecker. Und sicher auch extrem gesund!

Es folgen weitere Hügel und nochmals eine lange Steigung nach Anápolis. Roberto verabschiedet sich, ich fahre auf einer langen Ciclovia in die Stadt. Gegen 13 Uhr stehe ich vor der riesigen Bombeiro Station. Hier wird nicht lange gefackelt, bald sitze ich am Mittagstisch und danach bekomme ich ein Bett im Dormitorio Feminino. Am Nachmittag gibt’s Glace und auch das Abendessen ist extrem gut. Ich unterhalte mich gut mit allen Bombeiros. Irgendwann übermannt mich die Müdigkeit, ich will mich verabschieden. Doch das geht nicht. Ein Typ vom Radio sei unterwegs hierher. Na dann! Der kommt zum Glück bald, es gibt ein Interview, das Ganze wird auch noch gefilmt. Dann darf ich endlich schlafen gehen! Aber auf jeden Fall, muito obrigada Bombeiros!

12.10.2015. Auch zum Frühstück werde ich geladen! Zudem verschaffen mir die Bombeiros eine Bleibe im touristischen Pirenópolis. Bombeira Gabi. Sehr, sehr nett! Muito obrigada! Es geht wieder raus aus Anápolis, dann umfahre ich die Stadt auf einer Autobahn. Nach 10 km folgt der Abzweig nach Corumbá und Pirenópolis. Immer wieder steigt die Strasse lange an, vor Planalmira eine letzte lange Steigung. 11 Uhr, in einem Restaurant ist das Mittagessen schon bereit. Sehr gut! Danach biege ich nach Pirenópolis ab. Hatte die Strasse vorher keinen Seitenstreifen und zuviel Verkehr, fahre ich nun auf einem luxuriösen Seitenstreifen. Viel besser! Noch ein paar Steigungen und gegen 14 Uhr treffe ich im der touristischen Kolonialstadt Pirenópolis ein. Ich holpere übers Kopfsteinpflaster und bald finde ich mich im Hause von Bombeira Gabi wieder! Perfeito! Muito obrigada!

13. – 15.10. 2015. Minas de Nossa Senhora do Rosário de Meia Ponte, der erste Name der im Jahre 1727 gegründeten Stadt Pirenópolis, erinnert zum einen an deren Ursprünge, nämlich den Abbau der damals von Amaro Leite entdeckten Goldlagerstätten. Zum anderen erinnert der Name an eine abgebrannte Brücke über den Rio Almas und an die erste, von 1728 bis 1732 gebaute Kirche Nossa Senhora do Rosário. Zeitweise war sie die grösste Kirche im Mittleren Osten Brasiliens. Die meisten Bergleute zogen aus dem Norden von Portugal und Galicien nach Pirenópolis. Ich spaziere einen Nachmittag lang durch das sympathische, koloniale Dorf. Unter der Woche ist es ruhig hier, schon fast gemütlich.

Pirenópolis ist ebenfalls bekannt für die vielen Wasserfälle, die in der Gegend zu finden sind. So verwandelt sich Fish für einen Tag in ein „Mountainbike“ und in Begleitung von Gabi machen wir uns auf den steilen und staubigen Weg zur Cachoeira do Abade. Auf der privaten Fazenda führt ein Wanderweg durch den dichten Cerrado und am Schluss gibt’s ein sehr erfrischendes Bad in der Lagune der Cachoeira do Abade. Eiskalt, das Wasser!

Ich hänge noch einen Tag in Pirenópolis an. Schon in Goiậnia bemerkte ich, dass meine Hose bald reissen wird. Aber dort fand ich keinen wirklich guten Ersatz. Eine Hose war mehr oder weniger ok, nur minim zu kurz, dafür oben wie immer zu gross. Nun bereue ich, diese nicht gekauft zu haben, denn die Hose reisst am Bein ziemlich weit auf. Hier finde ich nichts Neues, aber eine Schneiderin kann mir den gerissenen Tail rausoperieren. Sehr gut! Eine gute Lösung, doch ich befürchte, dass die Hose bald auch am Hintern reissen wird. Ich bleibe auf der Suche…

Nichts währt für immer...

Nichts währt für immer…

16.10.2015. Nach Pirenópolis folgt bald wieder eine lange Steigung, dann geht’s hügelig weiter nach Corumbá. Ich umfahre das Dorf in Richtung Cocalzinho. Nach einigen Kilometern folgt der Salto de Corumbá. Diesen schönen Wasserfall kann man aus der Ferne auch wunderbar von der Strasse aus betrachten. Das reicht. Die Strasse steigt weiter an und gegen 13.30 Uhr erreiche ich Cocalzinho. Klar, hier suche ich ein Restaurant mit dem berühmten Mittagsbuffet. Gutes und günstiges Essen! Auf der Karte sehe ich bis Dois Irmãos nichts, so soll es auch in Wirklichkeit sein. Aber es hätte Häuser und Fazendas. Das reicht, ich fahre weiter ins geliebte Ungewisse. Nun folgen einige gute Abfahrten, dann geht’s hügelig weiter. Und wirklich immer wieder Fazendes am Strassenrand. Gegen 16.30 Uhr halte ich etwas genauer Ausschau. An einem Ort scheint es einige Häuser zu haben. Das Ganze präsentiert sich als Minidorf Santa Felicidade und im Garten des Direktor der Policia Militär kann ich mein Zelt aufstellen! Wieder einmal nächtige ich unter einem Mangobaum. Muito obrigada!

17.10.2015. Gartenzelten hat so seine Tücken. Wieder einmal finde ich am Morgen ein Geschenk an meinem Zelt. Hundepisse! Ich wasche alles so gut wie’s geht mit Seife weg. Die Hoffnung bleibt… Auf der Strasse bleibt’s gewohnt hügelig, zu Beginn sind die Hügel etwas flacher. Nach 36 km erreiche ich Dois Irmãos, da gibt’s ein Pastel. Dazu nehme ich zwei Pastelle mit, auf der Karte ist bis Niquelậndia nichts eingezeichnet. Und das sind noch 96 km. Ich fahre weiter, da kommt mir in den Sinn, dass auf google maps zwei Dörfer eingezeichnet waren. So ist es. Zuerst passiere ich Quebra-linha, dann folgt Vila Taveira. Es ist noch früh, 14.30 Uhr, ich fahre weiter. Vielleicht schaffe ich es ja bis Niquelậndia. Ich komme trotz Hitze gut voran, stürze unentwegt das pisswarme Wasser in mich rein. Hydrieren, hydrieren! Dann folgen immer mehr Steigungen, immer länger werden sie. Puh! Es wird anstrengend, so schaffe ich es nicht. Bei der nächsten Fazenda halte ich. Doch dann folgt eine längere Abfahrt und alles ist wieder vergessen. Die letzten Kilometer werden hart, ich leide. Schon fast bei Dunkelheit und nach 126 km und guten 9 Stunden im Sattel erreiche ich Niquelậndia. Bei Stadteinfahrt thront das Cuartel dos Bombeiros. Perfekt! Und auch hier werde ich herzlich aufgenommen. Die Station ist klein und hier arbeiten nur Männer, aber ich darf in einem Saal übernachten. Dort werde ich sehr bald von den Mücken fast aufgefressen, die sich durch die minime Abkühlung der Klimaanlage nicht gross abschrecken lassen und die beiden Pastelle stillen auch den Znacht-Hunger.

18.10.2015. Es ist schon brutal heiss, als ich Niquelậndia gegen 7 Uhr verlasse. Hügelig geht’s weiter, meiner Karte ist in dieser Gegend mehr schlecht als recht und des Öfteren muss ich nach dem Weg fragen. Gegen 11 Uhr erreiche ich ein Lanchote. Soll bis Colinas do Sul die letzte Verpflegungsmöglichkeit sein. Also esse ich hier zu Mittag. Dazu reicht mir Maria Piques, auch eine Cerradofrucht. Die muss man vorsichtig essen und nur abnagen, der Kern ist mit Dornen bespickt. Ich versuche eins, bitter! Nein, die seinen süss. Aha! Ich esse alle auf, als ich den Teller zurückgebe meint Maria, diese seinen nicht sehr gut gewesen, weil bitter! Hmm… hatte ich doch gesagt… Noch ein Kaffee, dann geht’s weiter. Bald wechselt die Strasse zu Schotter. Miesem Schotter. Waschbrett und oft tiefer Staub. Dazu viele Hügel. Anstrengend, zumal mich die Fahrer auch noch gut einstauben! Eklig!

So geht das 30 km, dann folgt wieder Asphalt. Nach 85 km sollte gemäss Angaben der Leute Colinas liegen. 87 km, dann das berühmte „5 km“ Schild. Ahhhh! Ich bin kaputt, es geht die ganze Zeit rauf. Durchhalten, durchhalten! Dann ist es endlich geschafft! Colinas do Sul. Nun noch Schlafplatzsuche. Sonntage erwiesen sich jeweils als eher schwierige Tage… Bombeiros gibt es keine, der Padre öffnet die Türe nicht. Ich frage etwas rum, ein Typ meint, hier seinen die Leute nicht so gastfreundlich, da das touristische São Jorge schon ganz nahe liege. Er rät mir, zur Tankstelle zu fahren. Auf dem Weg dahin hält ein Wagen neben mir. Der Fahrer meint, er hätte mich im Fernsehen gesehen. Ah, die Aufnahmen von Anápolis! Ob ich nach Alto Paraiso fahren würde? Ja, aber erst morgen, heute würde ich hier etwas zum Übernachten suchen. „Mein Haus!“ meint er ohne eine Sekunde zu überlegen. So lerne ich Hugo und seine Frau Dutinha kennen. Es gibt eine staubabwaschende Dusche, meine Kleider landen in der Waschmaschine und danach wird ein absolut leckere Nachtessen serviert. Manchmal landet Frau einfach im Paradies… muito obrigada Hugo e Dutinha! Ich liebe das verrückte Leben auf dem Rad!

19.10.2015. Am Wochenende wurde die Uhr auf Sommerzeit umgestellt. Noch besser für mich, nun kann ich noch früher los. Aber heute nehme ich es gemütlich, frühstücke mit Hugo und Dutinha. Dann heist es Abschied nehmen und auf Asphalt führt die hügelige Strasse langsam in die Berge. Dann folgt wieder Schotter, oder besser gesagt wie gestern auch schon viel Waschbrett und sehr viel Staub. Bei den steilen Steigungen finden meine Räder oft keinen Halt mehr, ich schiebe durch das zentimeterdicke, weisse Pulver. Dazu werde ich von einer Wespe in die Schulter gestochen und bei einer kleinen Pause unter einem Baum erhalte ich ein weiteres Geschenk. Vogelkacke!

Nach einer letzten langen und steilen Steigung erreiche ich São Jorge. Ich fahre in das Touristendorf und fühle mich wie meist in diesen Orten, total fehl am Platz. Ich bin wohl schon zu lange alleine unterwegs… Die Preise helfen dem auch nicht, Mittagsbuffet für 39 Reales das Kilo! Puh…! Ich bezahlte normalerweise 15 bis 25  Reales dafür. Ich verhandle mit dem jungen Angestellten, doch er ist eben nur angestellt. Aber ich bin so hungrig, dass ich einen kleinen Teller belade. Und beim Bezahlen eine Überraschung, denn er verlangt nur die Hälfte! Obrigada! Ich kaufe noch ein paar Dinge in dem ebenfalls teuern Supermercado, dann geht’s weiter. Von Marcio wurde ich auf den Camping Aldeia da Lua eingeladen, der 8 km ausserhalb liegt. Bald folgt ein Abzweig und eine steile Abfahrt ins Tal. War das eine gute Idee? Dann erreiche ich den Camping. Niemand da! Sieht eher verlassen aus. Ich laufe etwas rum, jemand scheint in einem der Chalets zu wohnen, im Kühlschrank hat es frisches Essen. Na dann! Ich warte, wasche mein Rad, dusche. Um 19 Uhr ist immer noch niemand da! Super! Ich beschliesse, das Zelt vor einem Chalet aufzustellen und morgen weiterzufahren! Irgendwie hatte ich mir meine Ankunft in der Chapada dos Veadeiros etwas anders vorgestellt…

Aber… es kommt doch noch ganz anders. Um 20 Uhr höre ich ein Motorrad, Antonio, der hat keine Ahnung von Nichts. Dann ein Marcelo, Besitzer der Campings… hmmm… und dann, Marico! Zum Schluss wird doch noch alles gut und ich werde wohl morgen doch nicht aufbrechen! So endet der Tag doch noch besser als erwartet!

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