Graubünden, sommerliche Mini-Abenteuer in den Alpen

|Graubünden, sommerliche Mini-Abenteuer in den Alpen

Ich musste weit reisen, um herauszufinden, dass es auch zu Hause wunderschön ist…

Ich bin in den Schweizer Alpen aufgewachsen, genauer gesagt in Davos. Damals mussten wir natürlich des Öfteren mit den Eltern oder der Schule wandern gehen. Wirklich zu schätzen gewusst habe ich die Schönheit dieser Berge bis dahin aber nicht bewusst. Nach 5 Jahren auf dem Fahrrad – die meiste Zeit in Südamerika – war es nicht leicht, sich irgendwie in der Schweiz zurechtzufinden. Aber diese Berge haben mir sehr dabei geholfen. Ich kann einfach vor die Tür treten und befinde mich quasi schon im Alpen-Paradies. Immer wieder packe ich also mein Zelt in den Rucksack und mache mich auf den Weg, wieder eine neue Ecke zu erkunden. Und von diese Ecken und Orten gibt es so viele, dass mir bestimmt nicht so schnell langweilig wird. 

Mein momentanes neues Heim ist Chur. Die kleine Stadt am Fusse der Alpen ist ebenfalls idealer Ausgangspunkt für viele tolle Wanderungen. Hier bin ich also, in den schönen Bündner Berge und lerne sie langsam aber sicher so richtig kennen. Irgendwo zwischen Davos und Chur…

Anbei eine Auswahl der Mini-Abenteuer-Wanderungen der Sommer 2017 und 2018:

01 | Jöriseen Rundtour

Raue Berge und wunderschöne Bergseen

Wägerhus/Abzweigung Jöriseen 2207 m – Weggabelung 2351 m – Winterlücke 2787 m – Jöriseen 2489 m – Jöriflüelafurgga 2723 m – Weggabelung 2351 m – Wägerhus/Abzweigung Jöriseen 2207 m

Distanz: 11,1 km  |  Dauer: 4,5 h  |  Aufstieg: 950 m  |  Abstieg 950 m

Diese  Wanderung durch eine karge Berglandschaft mit türkisfarbenen Seen gehört in der Gegend von Davos zu meinen grossen Favoriten.

Ausgangspunkt der Wanderung ist die Bushaltestelle Wägerhus/Abzw. Jöriseen am Flüelapass. Vom Wägerhus führt der Wanderweg in nordöstlicher Richtung zu einer Weggablung. Rechts geht es über felsiges Gelände und Geröll steil hinauf zur Winterlücke, wo man einen fantastischen Ausblick auf die Jöriseen, den Jörigletscher, auf die sich darüber erhebenden Gipfel des Silvrettamassivs und auf den Piz Linard geniesst.

Der Abstieg erfolgt entlang des linken Randes des bereits stark abgeschmolzenen Jörigletschers hinunter zu den Jöriseen. Die kleineren Seen sind tiefblau und klar bis auf den Grund, der grösste See ist milchig grün. Dieser wird unterirdisch vom Schmelzwasser des Jörigletschers gespeist. An seinem Ufer verbringe ich meine erste Nacht bei den Seen, mit wunderbarem Blick auf die Milchstrasse und den nächtlichen Sternenhimmel. Bis heute eine meiner besten Nächte irgendwo da draussen!

Nach den Seen führt die Route hinauf auf die Jöriflüelafurgga, auf zum Teil anspruchsvollen und steilen Passagen, die mit Seilen gesichert sind. Oben angekommen eröffnet sich ein grossartiger Rundblick in die Silvretta und auf die Jöriseen. Durch felsiges Gelände über das Müllersch Tälli geht es hinab bis zur Weggablung, von da ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt beim Wägerhus.

Mit Monika bei der Winterlücke mit den Resten eines frühen Wintereinbruchs im 2017

Die blaue Stunde

Der Lohn eines steilen Aufstiegs und einer kalten Nacht! Unbeschreiblich!

Der grösste See ist milchig türkis

Die Wärme der ersten Sonnenstrahlen ist unbezahlbar

Der Blick auf die Jöriseen von der Jöriflüelafurgga

Ein wunderbares Bergpanorama Richtung Flüelatal

 

 

02 | Maienfelder Furgga

Eindrückliche Steinlandschaften auf dem Walserweg zwischen Arosa und Davos

Davos-Frauenkirch 1505 m – Stafelalp 1894 m – Chummerberg 2322 m – Maienfelder Furgga 2436 m – Furggabödeli 1905 m – Arosa 1739 m

Distanz: 16,1 km   |  Dauer: 6,25 h  |  Aufstieg: 1020 m   |  Abstieg: 820 m

Die Maienfelder Furgga verbindet die beiden berühmten Tourismusstationen Davos und Arosa, die Strecke ist auch eine Etappe des Walserweges. Ich steige über die Stafelalp – übrigens Rückzugort des deutschen Malers Ernst Ludwig Kirchner – langsam hoch auf den Chummerberg. Nach einem steilen Aufstieg zieht sich der Weg langsam mit Sicht auf die verwitterten Kalktüreme der Amselflue auf die Maienfelder Furgga. Dort oben steht eine kleine Schutzhütte, doch ich ziehe mein Zelt diesen Hüttchen immer vor. Sprich ich friere lieber im eiskalten Wind und bekomme kaum mein Zelt aufgestellt. Und das mitten im Sommer. Dafür ist der Ort wirklich einmalig schön, gleich neben einem kleinen See habe ich eine flache stelle gefunden. Immer wieder höre ich irgendwo Steine und Geröll runterrutschen. Das wird die ganze Nacht so weitergehen, übrigens eine eiskalte Nacht. Die jedoch wieder einmal mit einem einmalig schönen Sternenhimmel belohnt wird.

Der Abstieg nach Arosa ist steil und der Weg mit seinem losen Geröll sehr rutschig. Bald tut sich der Blick auf das im Tal liegende Arosa auf. Der Weg führt weiter durch den schönen Furggawald und gemeinerweise landet man in Arosa im tiefen Talboden, der Weg zum Bahnhof beinhaltet nochmals einen guten kleinen Anstieg. 

Mein Zelt vor der Amselflue, direkt am kleinen See

Licht und Schatten

Der Sommer in den Alpen kann sehr kalt werden

Eine wunderbare Nacht auf der Maienfelder Furgga

Die Amselflue mit ihren Kalksteintürmen am sonnigen nächsten Morgen

Der Abstieg mit Blick auf die Berge von Arosa

 

03 | Lai da Ravais-ch

Über zwei Pässe zu den Lai da Ravais-ch

Dürrboden 2007 m – Scalettapass 2606 m – Lai da Ravais-ch 2564 m – Sertigpass 2739 m – Sertig 1859 m

Distanz: 18,8 km  |  Dauer: 7 h  |  Aufstieg: 950 m  |  Abstieg 1100 m 

Ab dem Dürrboden steigt der Weg stets südwärts bis zum Scalettapass, von wo aus sich die Sicht auf die prachtvolle Gebirgslandschaft im Süden öffnet. Rechts im Hintergrund das Keschmassiv. Jenseits des Passes verzweigt sich der Pfad, rechts geht es weiter durch Geröll, prächtige Blumenhalden und über zahlreiche Bäche. Mit Blick auf die Keschhütte biege ich wieder rechts ab, nach kurzem Aufstieg ist der Obere Ravaischsee, der Lai da Ravais-ch Sur, erreicht. Ich erreiche den schönen See in einem heftigen Gewitter. Durchnässt bis auf die Knochen stelle ich in einer Regenpause mein Zelt auf, während um mich herum die Blitze zucken. Unheimlich! Doch glücklicherweise ziehen alle folgenden Gewitter woanders durch, was bleibt ist ein sehr intensives Wetterleuchten, das weit bis in die frühen Morgenstunden zu sehen ist.

Nach den Seen folgt der Aufstieg zum Sertigpass, danach ein  steiler Abstieg über Geröllhalden ins Chüealptal , dort zieht sich der Weg entlang des Chüelalpbachs bis nach Sertig-Sand.

Der erste Blick auf den Piz Kesch

Blick auf den Lai da Ravais-ch Sut, den unteren Lavais-ch See, im Hintergrund der Chlein-Ducan

Lichtspiel der Sonne nach dem Gewitter

Das Schöne an einem Sturm ist das Danach!

Die Lavais-ch Seen vom Aufstieg auf den Sertigpass gesehen

Blick vom Sertigpass auf den Piz Kesch mit dem Portabella Gletscher

 

04 | Strelasee

Rundtour zum Hexenberg

Davos 1560 m – Podestatenapl 1987 m – Schönboden 2260 m – Latschüelfurgga 2409 m – Strelasee 2404 m – Strelapass 2350 m – Strelaalp 1916 m – Schatzalp 1861 m – Davos 1560 m

Distanz: 16 km  |  Zeit: 5,5 h  |  Aufstieg: 890 m  |  Abstieg: 890 m

Von Davos aus steige ich langsam hoch in Richtung Schatzalp, doch schon vor der Alp folgt der Abzweig in Richtung Podestatenalp. Im Zickzack wandere ich über Grasland hoch auf den Schönboden. Leicht ansteigend führt der Weg auf die Latschüelfurgga. Dort bewundere ich das Dunstmeer in Richtung Schanfigg. Anschliessend folge ich dem Höhenweg zum Strelasee, welcher im Sattel zwischen Gross Schiahorn und Strela liegt. Mein Ort zum Übernachten. Etwas höher oben stell ich mein Zelt auf und bald schaue ich über ein Königreich von Bergen. Strela bedeutet auf Romanisch und Lateinisch «Hexe». Der perfekte Ort, um den Aufgang des fast vollen Mondes zu bestaunen.

Weiter dem Höhenweg entlang erreiche ich den Strelapass. Von dort folge ich einem steilen, von dem Downhillbikern schon total ausgefahrenen Pfad, runter zur Strelaalp. Über die Schatzalp erreiche ich schliesslich wieder den Ausgangsort Davos.

Blick in das Schanfigger Dunstmeer von der Latschüelfurgga

Biwakieren mit Blick auf das Schiahorn

Ein Königreich von Bergen hoch über dem Landwassertal

Mein Haus, mein Garten, meine Welt!

Hast du dich schon einmal winzig und unbedeutend gefühlt?

Mondaufgang am Hexenberg

Herbst am Strelasee

Gefranste Enziane, letzte Zeugen eines langen Sommers

Auf dem Strelapass mit Blick ins Schanfigg

 

05 | Calanda

Spätherbst auf dem Churer Hausberg

Haldenstein 572 m – Ruine Haldenstein 690 m – Arella 986 m – Funtanolja 1495 m – Alp Altsäss – Calanda Hütte SAC 2073 m – Calandasiten 2338 m – Calanda Hütte SAC 2073 m – Funtanolja 1495 m – Arella 986 m – Haldenstein 572 m

Distanz: 20 km  |  Dauer: 7 h  |  Aufstieg 1930 m  |  Abstieg 1930 m

Start der Tour auf den Churer Hausberg ist Haldenstein. Nach kurzem Anstieg erreiche ich die Ruine Haldenstein, dann führt ein angenehmer Pfad stetig steigend meist durch den Wald nach oben. Ich passiere das Maiensäss Arella, bald folgen der Nesselboden und Funtanolja. Dort hat es einen Brunnen, Zeit um die Wasserflasche aufzufüllen. Kurz vor der grossen Alp Altsäss erreiche ich die Baumgrenze. Nun folgen noch 100 Höhenmeter bis zur Calandahütte SAC. Es ist Mitte November, die Hüttensaison ist vorbei. Ich besichtige den Winterraum mit 6 Schlafplätzen, wo sich zwei Biker aufwärmen. Es führt übrigens auch eine Fahrstrasse zur Calandahütte, gut befahren von Bikern. Ich mache mich auf die Suche nach den 5 Brunnen und werde bald fündig. Da stehen wirklich 5 aneinander gereihte Brunnen, ziemlich vereist, aber mit fliessend Wasser. Auf einem Boden stelle ich mein Zelt auf und sobald die Sonne weg ist, wird es eisig kalt. 40 Minuten nach Sonnenuntergang sind meine Wasserflaschen gefroren. Und ich Held habe genau heute meinen Kaffee vergessen… Na ja, heisses Wasser wärmt auch auf…

Am nächsten Tag lasse ich das Zelt stehen und steige weiter hoch, Ziel der Gipfel des Calanda. Bald sehe ich Dutzende von Gämsen, aber die schreckhaften Tiere flüchten, wenn sie mich schon von weitem sehen oder hören. Nun gut, hier oben ist auch der Wolf zu Hause.

Der steile Aufstieg über eine Flanke mit viel losem Geröll ist sehr mühsam, der  Abhang steil. Ich kehre kurz vor der Kuppe wieder um, einen Sturz muss ich nicht riskieren, zumal ich alleine hier oben bin und mien Handy natürlich im Zelt liegen geblieben ist…

Wieder beim Zelt ist das Wasser in meinen Flaschen immer noch gefroren… den Kaffee vermisse ich immer noch! Auf gleichem Weg steige ich wieder den Berg runter , die Tour endet wieder in Haldenstein. Achtung: die Ortsbusse verkehren an Sonntagen nicht!

Blick von oben aufs Rheintal und den Montalin

Alpenglühen in Richung Prättigau mit der Sulzfluh

Mondsüchtig! Schön ist es hier oben während das Tal langsam zur Ruhe kommt!

Kalter Morgen nach einer kalten Nacht!

Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen

Da rennen sie weg, die Gämsen

Oder sie betrachten mich aus sicherer Distanz

Irgendwo auf dem Weg zum Calanda

Ende November vermögen die Sonnenstrahlen auf 2000 m nicht mehr zu wärmen

 

Dies waren ein paar Eindrucke meiner liebsten Sommer-Mini-Abenteuer. 

Einige wichtige Dinge gibt es vielleicht zu Camps in den Alpen sagen:

In den Alpen kann es auch im Sommer sehr kalt werden, vor allem in höheren Gebieten. Warme Kleidung und ein guter Schlafsack sollten auch im Sommer im Gepäck sein.

Prüfe die Wettervorhersagen, bevor du in die Berge gehst (ich werde gerne mal verregnet, aber Gewitter in den Bergen können sehr gefährlich sein!)

In der Schweiz ist das Zelten – oder besser gesagt biwakieren – oberhalb der Baumgrenze erlaubt.

Hinterlasse keine Spuren, nimm nicht mehr als Eindrücke mit. Es ist klar, dass du all deinem Müll wieder nach Hause bringst. Die Pflanzen hingegen lässt du lieber, wo sie hingehören. 

Wanderer und Biker teilen sich vielerorts die Weg. Gegenseitiger Respekt ist das A und O, für beide Parteien. 

Ich für meinen Teil freue mich nun auf den kommenden Winter! Natürlich schweben auch schon diverse Winter-Abenteuer in meinem Kopf herum… ihr werdet wieder von mir hören 🙂

By |2018-12-12T19:29:16+00:00Dezember 9th, 2018|Europa, Schweiz|1 Comment

One Comment

  1. […] Und heute gerade aktuell ein paar Wndertipps in den Schweizer Alpen: https://colorfish.ch/2018/12/09/graubuenden-sommerliche-mini-abenteuer-in-den-alpen/ […]

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