08. – 15.03.2019. Island. Land aus Feuer und Wasser, Wind, Schneestürmen, heissen Quellen, Wasserfällen und wunderschönen, wilden Landschaften. Eine Woche ist viel zu kurz, um diese Insel zu entdecken und macht Lust auf mehr. Viel mehr…

Normalerweise habe ich keine festen Pläne, wenn ich meine zur Zeit jeweils kurzen Ferien irgendwo verbringe. Pläne habe ich auch diesmal nicht, aber andere haben sie für mich. Die anderen sind Daniel und Fabio, mit diesen beiden Fotografen und einer Gruppe von sechs Gleichgesinnten nehme ich an einer Fotoreise teil. Weiterbildung active…

Und so treffe ich am 8. März am Flughafen von Reykjavík auf Daniel und Fabio von Creative-Light Fotoreisen und die restlichen sechs Teilnehmer. Drei Damen und drei Herren. Das trifft sich gut, denn so gibt es einen Damen- und einen Herrencamper. Ja, wir sind mit Campern unterwegs. Das macht die Reise sehr flexibel. Dass dies von Nutzen sein kann wird sich bald zeigen.

Ansonsten bin ich planlos wie üblich, denn ich habe bewusst noch nicht gross recherchiert. Wenn ich mich mal nicht selbst um die Route und die Planung kümmern muss, dann geniesse ich das einfach mal.

An diesem ersten Abend kaufen wir in der Gruppe für ein paar Tage ein und schon befinden wir uns an unserem ersten Fotospot im Þingvellir oder Thingvellir National Park, dem Öxarárfoss. Ein wunderbarer Wasserfall, bei dem langsam die Nacht hereinfällt. Wir fahren weiter zum Geysir Strokkur, wo sich auch ein erstes scheues Nordlicht zeigt. Ein starker Wind nebelt aber eher die Linse ein, als dass sonst etwas passiert. Zudem ist es eisig kalt da draussen, so dass die Übung bald abgebrochen wird.

Die blaue Stunde beim Öxarárfoss

Den Sonnenaufgang betrachten wir am nächsten Morgen beim imposanten Wasserfall Gullfoss. Da die Wege noch vereist sind, betrachten wir das Naturspekatkel von oben. Ich arbeite das allererste Mal mit den Steckfiltern von Nisi und das will doch geübt werden. Die kostbaren Glasplatten sollen ja schliesslich ganz bleiben… Später statten wir dem Strokkur auch bei Tage noch einen Besuch ab. Nach einem langen Bad in einer natürlichen, heissen Quelle sind wir auf den Weg in eine enge Schlucht, dort trennt sich die Gruppe bald. Die einen gehen zurück, zu viert laufen wir weiter hinein, bis es zu definitiv zu eisig wird. Weiter zum Seljalandsfoss, dort hat es zu viele Leute und wir kommen nicht hinter den Fall, das Ziel von Fabio. So kommt es, dass es kein Foto von diesem doch auch sehr schönen Wasserfall gibt. Wir sind jetzt eben nicht als kommune Knipser unterwegs, sondern die Location muss stimmen. Ein neues Gefühlt für mich. Nun, nicht nur für mich. So stehen wir bald auf einer eigentlich gesperrten Platform mit spektakulärem Blick auf den Skógafoss. Ein wunderbarer Ort, aber vielleicht sollten Absperrungen einfach Absperrungen sein! Vor allem bei dem Massenansturm von Fotografen und sonstigen Knipsern auf ganz Island… Die Nacht verbringen wir gleich beim Skógafoss, wo wir langsam eingeschneit werden.

Sonnenaufgang beim Gullfoss

Sonnenaufgang beim Gullfoss

Der Geysir Strokkur

Die blaue Stunde beim imposanten Skógafoss

Die blaue Stunde beim imposanten Skógafoss

Eigentlich sollte die Reise weiter der Südküste entlang Richtung Osten gehen, aber ein heftiges Sturmtief kündig sich für den Folgetag an, inkl. Strassensperren im Süden. Wenn der Wind auf Island bläst, kann er dies sehr heftig tun. Da ist schon manches Fahrzeug einfach umgeblasen worden. Das muss nicht sein. Jetzt profitieren wir von den Campern und es wird der Entschluss gefällt, wieder zurück und in Richtung Westen zu fahren. So stand der Besuch der Snæfellsnes Halbinsel nicht auf dem Plan, aber so ein Plan B kann wirklich sehr schön ausfallen. Den Sonnenuntergang fotografieren wir an der westlichen Südküste der Halbinsel, Motiv sind die zwei Felsnadeln namens Lóndrangar. Danach geht’s weiter zum berühmten Kirkjufell, der sich nahe der Stadt Grundarfjörður befindet. Dort warten wir auf das Erscheinen der Nordlichter. Und trotz der Nähe der kleinen Stadt habe ich schon lange keinen so sternreichen Nachthimmel mehr gesehen. Und als dann schliesslich auch noch die grüne Lady auftaucht, ist alles perfekt. Nun, fast. Was man auf diesen tollen Bilder selten sieht, ist die Masse an Leuten, die das steht. Da wird dann gut auch mal noch um 4 Uhr morgens rumgebrüllt, weil ein Fotograf die Stirnlampe eingeschaltet und dem anderen die Langzeitbelichtung versaut hat…. und das doch noch im Winter bei sehr kalten Temperaturen. Ich möchte mir solche Orte überhaupt nicht mehr im Sommer vorstellen. Das muss furchtbar sein…

Sonnenuntergang bei den Felsnadeln Lóndrangar

Sonnenuntergang bei den Felsnadeln Lóndrangar

Nach der Sonne folgt der Mond, schöne Abendstimmung bei Lóndrangar

Nach der Sonne folgt der Mond, schöne Abendstimmung bei Lóndrangar

Kirkjufell, wenn die Nordlichter mit der Milchstrasse tanzen

Kirkjufell, wenn die Nordlichter mit der Milchstrasse tanzen

Kirkjufell, eine perfekte Nacht

Kirkjufell, eine perfekte Nacht

Nach dieser kurzen Flucht in den Westen wagen wir uns wieder zurück in den Süden. Der Wind bläst immer noch heftig, immer wieder werden die Camper von den Böen erfasst. Auch das Schlafen bei diesem Wind ist eine gerüttelte Angelegenheit. Aber ich muss offen gestehen, so ein Camper hat gegenüber einem Zelt doch auch einige Vorteile…

Eine kleine Wanderung bringt uns zum nächsten Highlight, dem Brúarfoss. Schön sieht er aus, gefährlich ist er. Wenn man von der Brücke über den Brúará in das Tal hineinschaut sieht man die Spalte, aus der das Wasser strömt. Der Fluss Brúará bewegt eine enorme Menge Wasser und die Spalte ist an gewissen Stellen 20 bis 30 Meter tief. Sie verleiht dem Wasserfall die tiefblaue Farbe, aber hineinfallen sollte man auf keinen Fall. Denn auftauchen würde man mit grosser Gewissheit nicht mehr. Der zweite Wasserfall dieses Tages ist der Kvernufoss, der weniger bekannte Nachbar des Skógafoss. Der Kvernufoss liegt in einer kleinen Schlucht und es ist möglich, direkt hinter den Wasserfall zu treten. Ein wunderbarer Anblick, wenn die Dämmerung langsam durch den Vorhang des Wassers hereinbricht.

Die Kraft des Brúarfoss

Die Kraft des Brúarfoss

Nahe dem Abgrund des Brúarfoss

Nahe dem Abgrund des Brúarfoss

Hinter dem Kvernufoss mit Blick ins Tal

Hinter dem Kvernufoss mit Blick ins Tal

In der Nacht fahren wir noch weiter bis zur Jökulsárlón Gletscherlagune und gleich am berühmten Diamond Beach geht ein weiterer langer Tag zu Ende. Der nächste startet früh und vor Sonnenaufgang wandern wir auf die andere Seite des Diamond Beaches. Dort liegen sie auch, hunderte von Eisklumpen, die Diamonds. Grosse Eisblöcke lösen sich vom Breiðamerkurjökull und gelangen in die Gletscherlagune. Dort wurde unter Wasser eine natürliche Barriere aus Steinen gebaut, damit die grossen Eisblöcke die Brücke über den Jökulsá á Breiðamerkursandi, den kurzen Abfluss aus der Lagune, nicht zerstören . An dieser Barriere werden die Blöcke so lange zerkleinert, bis sie darüber passen. Und in dieser Form gelangen sie an den berühmten Diamond Beach. Und in der Tat liegen sie da wie dutzende Diamanten. Das Licht der aufgehenden Sonne lässt sie in fast jeder Sekunde in einem anderen Licht erscheinen. Es ist wunderschön an dem Strand, aber natürlich muss man auch hier aufpassen, damit man niemandem ins Bild läuft oder dass niemand einem die Aufnahme kaputt macht. Die Chinesen sind da ganz besonders unerschrocken, sie krallen sich schon mal an einem fest, wenn eine grosse Welle eingerollt kommt. Apropos Wellen, die können ziemlich hoch sein und falls ich je wieder einmal an diesem Strand stehen sollte, dann bestimmt mit richtigen Gummistiefeln. Meine arktischen Sorel’s taugen im Wasser nichts…

Wunderschöner Sonnenaufgang am Diamond Beach

Nach einer kleinen Stärkung machen wir uns mit einem dieser Wahnsinns Jeeps auf zum Breiðamerkurjökull. Dort angekommen werden bald die Steigeisen montiert und wir wandern über den Gletscher zu einer Eishöhle. Der Breiðamerkurjökull ist im letzten Jahr etwa 100 Meter zurück gegangen. Somit ist von der Eishöhle nur noch ein Eistunnel übrig. Und im nächsten Jahr wird wahrscheinlich auch der Tunnel verschwunden sein. Ob Höhle oder Tunnel, für mich ein ganz wunderbarer Ort mit all den Formen und Blautönen. Langsam zieht der nächste Schneesturm auf und aus dem Sonnenuntergang bei der Gletscherzunge wird nichts. Dafür stapfen wir schweigsam gegen den Sturm zurück zu den Fahrzeugen. Weiter im Sturm fahren wir nach Stokksnes. Auf dieser schönen Landzuge wollen wir den Sonnenaufgang beim Vestrahorn fotografieren.

Eishöhle im Breiðamerkurjökull

Eishöhle im Breiðamerkurjökull

Unsere Gruppe mit Fabio und Daniel (3. und 4. v.l.) beim Breiðamerkurjökull (Foto: Daniel Günther)

Die ganze Nacht rüttelt der Sturm am Camper, schlafen kann man dabei nicht wirklich. Am nächsten morgen liegt ca. 20 cm Neuschnee, die Camper sind zugefroren und der Sturm tobt weiter. Ausser weiss sehen wir leider nichts vom Vestrahorn. Sehr schade, aber das Wetter macht eben, was es will. Vor allem auf Island.

In Höfn nehmen wir das dritte Bad dieser Reise. Die öffentlichen Schwimmbäder in Island verfügen alle über heisse Pools, in denen man sich gut verweilen kann. In Vik statten wir zum Schluss noch einen Besuch beim berühmten schwarzen Kies-Strand Reynisfjara mit den Basaltsäulen und den Reynisdrangar-Felsformationen vor der Küste ab. Dieser Strand gilt als der gefährlichste von Island, die hereinrollenden Wellen sind unberechenbar und haben schon den einen oder anderen einfach mitgenommen.

Die Holzkirche von Vík

Die Holzkirche von Vík

Die Reynisdrangar-Felsformationen vom Strand von Vík aus gesehen

Die Reynisdrangar-Felsformationen vom Strand von Vík aus gesehen

In dieser Nacht fahren wir noch zurück in die Nähe des Flughafens, wo dieser sehr intensive Trip sein Ende findet. “Achtung – Abenteuer- und Campingfeeling, wenig Schlaf und Natur pur!” So wir der Trip auf der Seite von Creative-Light beschrieben. Dem kann ich absolut zustimmen! Und ihn absolut weiter empfehlen!

Für mich war das unterwegs sein im Camper etwas ganz neues, mit vielen Vorteilen, vor allem bei dem wechselhaften und doch oft nassen Wetter auf Island. Andererseits hätte ich mir oft gewünscht, mehr anzuhalten um zu fotografieren, den Island bietet nicht zur die Top-Highlights, sondern auch sonst wunderschöne Landschaften. Trotz den grossen Touristenscharen hat mich die Insel mit ihren wilden Landschaften total in ihren Bann gezogen. Ein absolut wunderbares und faszinierendes Stück Erde!

Falls jemand selbst mal so eine Fotoreise machen möchte, ich kann Creative-Light Fotoreisen nur empfehlen. Ein Blick lohnt sich auch auf die Webseite von Fabio Antenore, dem zweiten Fotografen an Board. Daniel und Fabio ergänzen sich sehr gut, Daniel ist das absolute Organisationstalent, Fabio kann man jede technische Frage stellen und bekommt sicher eine Antwort. Und beide zusammen helfen wo immer es Hilfe braucht und geben natürlich an jedem Ort Tipps und Tricks zu allem, was man wissen möchte und sollte (und es hoffentlich nicht gleich nicht wieder vergisst).

Somit ein grosser Dank an Daniel und Fabio für die endlose Geduld. Ich durfte in dieser Woche viel lernen und nehme viel mit… Und eines kann ich mit Bestimmtheit sagen, auf Island war ich nicht das letzte Mal. Da bin ich mir ganz sicher!

Zum Schluss noch ein paar Bilder von Daniel und dem täglich Leben auf der Fotoreise: