24.–25.06.2025. Vals, Schweiz. Bergseele, Himmelstraum und der Blick in den klaren Sternenhimmel. Schon lange einmal wollte ich in einer Jurte übernachten. Oberhalb von Vals erfüllt sich dieser Traum, unter dem wunderbaren Bogen der Milchstrasse und mit viel Leidenschaft und Herzblut vom neuen Hütten-Team der Hängelahütte.
Route: (Chur–Ilanz) Vals–Gadastatt–Stafelti–Hängelahütte–Stafelti–Gadastatt–Vals (Ilanz–Chur)
Ich habe noch eine Woche Ferien und möchte unbedingt Zeit draussen unter den Sternen verbringen. Am 25. Juni ist Neumond und es sind ein paar klare Nächte vorhergesagt. Eigentlich habe ich im Sinn, Post-OP eine erste Tour mit Rucksack und Zelt zu unternehmen. Doch noch etwas angeschlagen von der Gürtelrose, mit der ich meine Tour de Suisse light beendet habe, suche ich nach einer Übernachtungsmöglichkeit irgendwo in den Bergen, die relativ einfach mit einer kurzen Wanderung zu erreichen ist. Nach ein bisschen recherchieren finde ich das perfekte Angebot: die Jurten bei der Hängelahütte oberhalb von Vals.
Die Rhätische Bahn bringt mich nach Illanz, von dort fährt ein Postauto nach Vals. Etwas ausserhalb des Dorfes und mit eigener Postauto-Haltestelle ist die Talstation der Gondelbahn. Diese ist kostenlos und fährt in ein paar Minuten mit toller Aussicht hoch nach Gadastatt. Bei der Talstation der Bergbahn gibt es auch gebührenpflichtige Parkplätze.
Man könnte selbstverständlich auch zur Hängelahütte hochlaufen. Ein ausgeschilderter Wanderweg führt in ca. 2 Stunden von Vals hoch (6 km, 560 Höhenmeter) oder man fährt mit dem Postauto bis nach Zervreila und wandert von dort via Gadastatt zur Hängelahütte (8,1 km, 367 Höhenmeter). Ein Blick auf den Zervreilasee und das Zervreilahorn sind ein schöner Beginn dieser Wanderung.

Zervreilasee und Zervreilahorn
Ich begnüge mich mit der kurzen Variante. Diese Junitage sind sehr heiss, auch hier oben auf guten 1800 Metern ist es ziemlich warm. Beim Laufen läuft bald der Schweiss. Durch eine wunderbare Bergwiese mit vielen bunten Blumen laufe ich auf einem Wanderweg hoch zur Alp Stafelti, oft mit Blick auf das im Tal unten liegende Vals. Viele Bäche und Bächlein fliessen von diesem Berghang des Piz Aul runter ins Tal.

Männertreu, eine wilde Orchidee

Blick ins Tal und nach Vals vom Wanderweg

Skabiosen

Bäche bei der Alp Stafelti
Nach Stafelti führt eine Alpstrasse hinunter zur Hängelahütte. Mit viel Anhalten, Schauen und Geniessen brauche ich eine Stunde für die knappen 3 km mit 160 Höhenmetern.

Bach und erster Blick auf die Hängelahütte

Ankunft bei der Hängelahütte

Die Hängela ist offen
Bei der Hängelahütte werde ich von Raphaela und Susanne herzlich begrüsst. Die beiden haben die Hängelahütte dieses Jahr übernommen, es ist ihre erste Saison an diesem schönen Fleck Erde. Bei der Hängelahütte stehen auch zwei Jurten, der Himmelstraum und die Bergseele. Der eigentliche Grund für meinen Besuch auf der Hängela. Bevor ich in der Hütte etwas trinke, möchte ich meine Jurte sehen. Ich bin ja schon so gespannt! Raphaela zeigt mir mein Heim für eine Nacht, ich habe mir schon bei der Buchung die hintere Jurte, die Bergseele ausgesucht. Über einen Steinpfad gelangen wir dahin.

Die beiden Jurten der Hängelahütte

Die Jurte Himmelstraum

Die Jurte Bergseele
Raphaela schliesst die Türe auf und der Blick in die Jurte ist einfach: Wow! Wie ein Hotelzimmer oder noch viel besser! In der Jurte steht ein grosses Doppelbett, ein Sofa, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Waschtisch. Eingerichtet ist die Jurte mit ganz viel Herz. Überall hängen und stehen kleine Dinge, die dem Innenraum sehr viel Charme verleihen. Ich bin begeistert! Durch eine runde Glasluke im Dach scheint die Sonne in die Jurte. Diese Luke öffnet Raphaela, die Jurte ist gut aufgeheizt. Neben der Türe steht ein Gasofen, der bei Bedarf morgens und abends für Wärme sorgt. Ich denke nicht, dass ich ihn brauchen werde. In der ganzen Jurte stehen Akkulampen und Kerzen, die für romantisches Licht sorgen, wenn man dies wünscht.

Willkommen!

Blick in die Jurte

Eingang und Waschtisch
Draussen auf der kleinen Terrasse hat es einen Tisch mit zwei Stühlen. Ebenfalls stehen da zwei Liegestühle und ein Sonnenschirm. Kissen für die Liegestühle sind in der Jurte zu finden. Die Terrasse des Himmelstraums befindet sich etwas weiter weg von der Jurte, es ist eine kleine Plattform mit wunderbarem Talblick.

Die Terrasse der Bergseele

Die kleine Terrasse der Jurte Himmelstraum
Jede der beiden Jurten bietet 2 bis 4 Personen Platz zum Übernachten. Ich darf dieses Paradies ganz für mich alleine geniessen.

Geküsst vom Sonnenlicht
Bei der Hütte trinke ich eine Apfelschorle. Apfelsaft mit Wasser vom Brunnen. Valser Wasser. Das Valser Mineralwasser sammelt sich in 100 Metern Tiefe und wird in den wasserführenden Schichten des Pia Aul minimalisiert. Durchschnittlich dauert es 80 Jahre, bis das Wasser am Fusse des Berges austritt. Die Quelle des stillen Valser Wassers ist ganz in der Nähe der Hütte, daher trinke ich hier sicher gutes Valser Wasser.
Einen Krug von dem Brunnenwasser nehme ich mit in meine Jurte, um mich zu waschen. Bei der Hütte hat es eine normale Toilette, in der Nähe der anderen Jurte, steht eine Trocken-Toilette. Dusche gibt es keine, aber Waschen mit Valser Wasser tut einen sehr guten, erfrischenden Dienst. Vor allem bei diesen warmen Temperaturen. Wem dies zu kalt ist, kann sich bei der Hütte Wasser aufwärmen lassen.
Danach geniesse ich meine sehr gemütliche Jurte und erkunde die Gegend darum herum. Im Moment sind die Wiesen hier oben noch nicht gemäht und die beiden Jurten stehen in einem Meer von blühenden Alpwiesenblumen. Wunderschön! Ich plane, nachts die Milchstrasse zu fotografieren und suche mir ein paar gute Standorte. Gemäss Berechnungen sollte die Milchstrasse genau über den Jurten zu sehen sein.

Mein Heim für eine Nacht

Die beiden Jurten in der Alpwiese

Bunte Alpwiese

Skabiosen und Jurten
Um 18:30 werde ich in der Hütte erwartet. Ich bin heute der einzige Gast, die geschäftige Sommer-Saison beginnt erst im Juli. Susanne wohnt im Tal und hat sich schon am Nachmittag verabschiedet, während Raphaela für mein leibliches Wohl sorgt. Das tut sie mit sehr viel Hingabe. Der Tisch ist schön gedeckt und zur Feier des Tages gönne ich mir einen alkoholfreien Aperitif. Dann kommt auch schon ein sehr leckerer Gruss aus der Küche. Aprikose mit Frischkäse umwickelt mit Rohschinken. Es folgt ein bunter Salat mit essbaren Wildblumen. Teufelskrallen. Sehr lecker! Dann gibt es ein Hacktätschli mit Rösti, Gemüse und einer sehr feinen, hausgemachten Sauce. Anstelle des Hacktätschlis hätte ich auch eine vegetarische Variante wählen können. Aber ich hätte heute vielleicht doch etwas weiter wandern sollen… satt werde ich auf jeden Fall! Zum Dessert folgt eine Quark-Créme mit frischem Fruchtsalat. Auch die ist sehr fein.

Gruss aus der Küche

Bunter Salat mit Wildblumen

Der Hauptgang

Quark-Créme mit Fruchtsalat
Zum Abschluss trinke ich noch einen Tee aus getrockneten, lokalen Kräutern. Ich unterhalte mich noch eine Weile mit Raphaela über Reisen, Van-Life, Tiny Houses und das Hüttenleben. Ganz meine Themen. Hütten-Kater Leopold oder kurz Poldi schaut auch noch vorbei. Sein Job: Mäuse fangen.
Ich mache einen kleinen Verdauungsspaziergang entlang der Bergstrasse, die Sonne verschwindet langsam hinter den Bergen. Die Temperaturen werden angenehmer, ja langsam wird es sogar richtig kühl. Es sind ein paar hohe Wolken aufgezogen, diese sorgen für eine wunderbare Sonnenuntergangsstimmung.

Stall und die Alpstrasse nach Vals

Letzte Sonnenstrahlen und Hüttenkater Poldi

Abendstimmung bei der Hängelahütte

Die Jurten im Abendlicht
Diese Wolken verziehen sich bald und zur blauen Stunde ist der Himmel schon wieder fast klar. Zeit für ein paar Bilder. Mittlerweile hat Raphaela alle Solarlämpchen eingeschaltet, damit ich den Weg finde.

Die Jurte Bergseele zur Blauen Stunde

Solarlichter weisen den Weg

Einladende Lichter zur blauen Stunde
Danach lege ich mich kurz in das sehr bequeme Bett in meiner Jurte. Lange schlafen ist nicht angesagt, denn um 23:00 stehe ich schon wieder auf. Langsam wird die Milchstrasse sichtbar. Ihr Zentrum präsentiert sich wunderschön über der Hängelahütte und den beiden Jurten. Ich laufe einige Male hin und her, um die richtige Beleuchtung zu finden. Ich fotografiere und wie immer vergeht die Zeit im Fluge. Lange Unterhosen und eine dicke Daunenjacke helfen, warm zu bleiben. Im Gegensatz zu den Tagen, die auch hier oben heiss sind, sind die Nächte kühl. Wunderbar!

Die Milchstrasse wird sichtbar

Die frühe Milchstrasse und die Hängelahütte (Time Blend Shot)

Unter dem Bogen der Milchstrasse

Die Milchstrasse bzw. die Erde wandert
Gegen 02:00 begebe ich mich in meine Jurte. Die Kamera lasse ich draussen stehen, während ich mich in die warme Daunendecke kuschle. Durch die Glasluke kann ich weiter die Sterne anschauen. Was für ein wunderbarer Ort! Eigentlich möchte man überhaupt nicht schlafen. Doch langsam döse ich doch ein. Sommernächte sind kurz und bald dringt das erste Tageslicht in die Jurte. Ich hole die Kamera rein und lege mich wieder hin.

Die Bergseele und Startrails
Um 08:00 erwartet mich Raphaela mit einem sehr leckeren Frühstück bei der Hütte. Sie hat einen Tisch auf der Terrasse für mich gedeckt. Frische, saisonale Früchte, Joghurt, Käse, Fleisch und Brot. Dazu gibt es natürlich einen Kaffee und Orangensaft. Immer auf dem Tisch steht das Valser Wasser. Ein sehr leckeres Frühstück mit Sonnenschein und Aussicht. Das gibt es nicht jeden Tag. Ich lasse mir viel Zeit, solche Momente muss man einfach geniessen!

Frühstück mit Aussicht

Mit Raphaela vor der Hängelahütte
Nach ganz viel Hängela- und Jurtenerlebnis (und dementsprechend vielen Bildern) verabschiede ich mich nach 09:00 von Raphaela und der Hängelahütte. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich den Weg wieder einmal auf die Hängela finden werde. Es hat mir extrem gut gefallen. Nein, ich bin einfach total begeistert! Und die Jurte Himmelstraum würde sich wunderbar für eine weitere Startrail-Aufnahme eigenen. Wer weiss.

Auf Wiedersehen Hängela!
Ich laufe den gleichen Weg wieder zurück. Diesmal etwas zügiger. So bin ich in 30 Minuten wieder bei der Bergstation Gadastatt. Die Gondelbahn bringt mich wieder runter ins Tal nach Vals. Dort habe ich noch genug Zeit, um ins Dorf zu laufen, wo ich wieder ins Postauto nach Ilanz steige.

Wildblumen, Bäche und Alpställe

Mit der Gondel zurück ins Tal

Wasser, Alphütten und der Blick zurück aus der Gondel
Das charmante Dorfbild von Vals wird durch die Chalets mit Steinziegeldächern aus Valser Quarzit geprägt. Man könnte definitiv noch mehr Zeit in dem heimeligen Dorf verbringen. Einen Besuch wert ist sicher auch die 7132 Therme, die vom preisgekrönten Architekten Peter Zumtor ebenfalls aus einheimischem Quarzit erbaut wurde. Ich persönlich habe diese Therme noch nicht besucht, aber die Bilder sagen, dass ich dies sicher noch einmal tun sollte.
Fazit: Irgendwie bin ich froh, dass ich etwas angeschlagen war, denn sonst hätte ich vielleicht nie eine Nacht bei der Hängelahütte verbracht. Die Übernachtung in einer Jurte da oben ist sicher ein Highlight vom 2025. Die Jurten sind wunderbar gelegen und extrem charmant eingerichtet. Man fühlt sich sofort zu Hause und beim Blick durch die Dachluke in den Sternenhimmel gerät man ins Träumen. Von fernen Galaxien oder vom Schlaf. Kulinarisch wird man mit lokalen und sehr leckeren Speisen versorgt. Raphaela und Susanne führen die Hängelahütte mit viel Herzblut und ich kann einen Besuch wärmstens empfehlen.
Mehr Information zur Hängelahütte und den Jurten findet ihr auf der Website der Hängelahütte. Raphaela und Susanne freuen sich auf jeden Besuch! Lasst sie von mir grüssen, falls ihr eueren Weg zur Hängelahütte findet. Und solltet ihr eine Nacht in einer Jurte verbringen: Geniesst es!
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