13.–24. September 2025. Kilpisjärvi, Finnland. Ruska, die Farben des arktischen Herbsts. Die Natur leuchtet in Gelb, Orange und Rot. Dazu gesellen sich das Grün, Rot und Pink der Nordlichter. Die Ruska zieht mich wieder in den hohen Norden. Ein spektakuläres Natur-Erlebnis!
«Die Ruska-Saison ist eine gute Erinnerung daran, worum es im Leben geht: den Moment geniessen!»
In der Übergangsphase von der nachtlosen Zeit der Mitternachtssonne zum stimmungsvollen Halbdunkel der Polarnacht verfärben sich Sträucher und Bäume fast über Nacht, eine wahre Explosion an Farben setzt ein und breitet sich rasch aus; von den Mooren über die Birkenwälder bis auf die Fjells hinauf. Die Birken leuchten in Goldgelb, Beerensträucher und Heidekräuter erstrahlen in Orange oder tiefem Rot. Die Ruska – das finnische Wort für die herbstliche Laubverfärbung – beginnt in Lappland im September und färbt das Land in warme Töne. Gleichzeitig beginnt die Nordlichtsaison. In klaren Nächten hat man die Chance, das magische Lichtspiel am Himmel zu erleben.
Die Ruska, dieses Wort schwebte schon lange in meinem Gedanken herum. Im Dezember 2024 hatte ich spontan Finnisch-Lappland besucht, damals hatte es mich nach Luosto verschlagen. Ich hatte mich sofort in die Gegend verliebt, in die Stille und den kalten Winter, obwohl es damals eher wenig Schnee hatte und ich nicht in den Genuss des Anblickes der tief verschneiten Nadelbäume kam. Ebenfalls war die Nordlicht-Aktivität während meines Besuches eher bescheiden.
Viele Menschen verbinden die Nordlichter mit dem Winter, aber Frühling und Herbst sind eigentlich die aktivsten Jahreszeiten. Dann ist die Erdachse so zur Sonne geneigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Sonnenstürmen steigt, die mit dem Magnetfeld der Erde reagieren und das faszinierende Phänomen eines flammenden Himmels entstehen lässt.
Ab Mitte August kehrt die Dunkelheit zurück in den nördlichen Nachthimmel, darum beschäftigte ich mich bald mit dem Gedanken einer weiteren Reise in den hohen Norden. Nordlichter und Ruska. Lange rechne ich am perfekten Zeitpunkt, um den 10. September herum sollen sich die Blätter im nördlichen Lappland verfärben. Finnisch-Lappland ist gross und irgendwie fällt meine Wahl auf Kilpisjärvi, das etwa auf dem 69. Breitengrad liegt. Dann schaue ich noch nach dem nächsten Leermond, denn die Nächte sollten dunkel sein.

Ruska in Finnisch-Lappland
So kommt es, dass ich am 13. September meine nächste Reise in den hohen Norden antrete. Eile habe ich keine, der Edelweiss-Flug verlässt Zürich erst um 14:25. Ich nehme einen zeitigen Zug, in letzter Zeit hatte ich immer mal wieder einen SBB-Pannenzug erwischt. Diesmal klappt aber alles reibungslos. Ich stelle mich in die Schlange am Check-in. Der eine oder andere Bike-Koffer rollt an mir vorbei. Ich sehe mir jeden genauer an. Es geht weiter durch die Sicherheitskontrolle, dort bin ich für eine Stichprobe ausgewählt. Ich habe ja Zeit. Danach kaufe ich mir ein Sandwich und suche mir eine ruhige Ecke im Flughafen, die ich auch finde. Dort wartet es sich sehr angenehm. Es ist der letzte Flug der Edelweiss hoch nach Kittilä für diese Saison, der Flieger ist dementsprechend leer. Ich habe eine ganze Sitzreihe für mich. Der Flieger hebt pünktlich ab und bald erkenne ich Zürich unter mir, der Blick weitert sich bis nach Luzern und zum Vierwaldstättersee. Ein cooler Anblick. Es folgt der Bodensee und dann erkenne ich nichts mehr.
Beim Anflug nach Kittilä steht die Sonne schon tief und taucht die Wälder und Seen in ein warmes Licht. Im Gegensatz zur vollbebauten Schweiz gibt es hier sehr viel Natur. Mit vielen Seen, Wald und man erkennt auch gut die Sumpfgebiete. Der Flughafen ist klein, man läuft einfach über das Rollfeld in das Gebäude. Das Gepäck ist auch schnell da. Neben mir packt ein junger Mann eben einen dieser Bike-Koffer vom Rollband. Ich spreche ihn an. Zum Nordkap soll die Reise des Holländers gehen. Ich werde ein bisschen neidisch, hatte ich doch auch mal an das Velo oder eher an eine Wanderung gedacht. Doch nach den Kapriolen im Juni entschied ich mich für eine ruhigere Variante. Ich verlasse das Gebäude und laufe auf die Taxis zu. Das erste ist ein grosser Bus, der Mann winkt mir zu. «Etwas gross für mich allein, nicht?», frage ich. Der Fahrer meint, der Preis sei der gleiche. Da kommt auch schon der Radfahrer aus dem Gebäude und fragt, ob er mitfahren darf. Wir laden den Holländer zuerst bei seinem AirBnB ab, dann geht’s weiter zum einzigen Hotel in Kittilä. Dort wartet mein Schlüssel in einer verschlossenen Box. Es treffen noch weitere Leute ein, die auch auf dem Flug waren. Ich lade mein Gepäck ab, dann suche ich mir im nächsten Supermarkt etwas zu essen. In Finnland gilt osteuropäische Zeit, daher ist es hier eine Stunde später als in der Schweiz.
Der Himmel ist leicht bewölkt und natürlich schaue ich schon nach, ob sich am Himmel etwas tut. Die Webcam im nahen Levi zeigt eine leichte Aurora-Aktivität, da schnappe ich mir doch die Kamera und laufe zu dem nahen Kirkkojärvi (Kirkko-See) und dem Ounasjoki (Ounas-Fluss). Ich stelle mich schlussendlich genau an den Übergang von See zu Fluss. Und tatsächlich, in meiner ersten Nacht in Finnland sehe ich die ersten Nordlichter. Wie cool! Das nenne ich ein perfektes Willkommen!


Nordlicht in Kittilä
Der Bus in Richtung Kilpisjärvi fährt erst um 13:35. Ich laufe eine ganze Weile in Kittilä herum. Es gibt zwei grosse Supermärkte, sonst hat das Dorf nicht viel zu bieten. Aber es gibt ein paar schöne Wanderwege. Um 13:00 hole ich mein Gepäck, da treffe ich auf zwei Herren, die auch auf dem Flug waren. Sie stehen mit ihren grossen Rücksäcken vor dem Hotel. Ich höre ihnen ein wenig zu und versuche zu erraten, woher sie kommen. Aber ich muss nachfragen. So komme ich in das Gespräch mit den zwei Tschechen, die auch auf dem Weg nach Kilpisjärvi sind. Natürlich frage ich sie, was sie im Sinn haben und ob sie den Nordkalottleden laufen werden. Diesen Wanderweg habe ich mir lange angeschaut. Der Nordkalottleden ist Teil des E1 Weitwanderweges der beim Nordkapp in Norwegen beginnt (oder endet). Als Nordkalottleden führt er von Kautokeino in Norwegen nach Sulitjelma in Norwegen oder Kvikkjokk in Schweden. Für einige wenige Kilometer führt der Weg durch Finnland, wobei Kilpisjärvi wohl von den meisten Wanderern zur Versorgung angesteuert wird. Die beiden Herren werden eine Weile dem Wanderweg folgen, doch dann wollen sie in wegloses Gelände vordringen. Hört sich spannend an.
Der Bus fährt extrem pünktlich vor, wir drei steigen ein. Im Kofferraum liegen noch einige andere grosse Rucksäcke. Da werde ich nochmals ganz kurz neidisch. Aber nur ein bisschen. Ich freue mich auf mein Hotel. Nächster Halt ist der Flughafen, dann geht’s weiter nach Levi. Levi ist ein bekannter Wintersportort und sieht extrem touristisch aus. Mich erinnert der Anblick an Banff oder Jasper in Kanada. Bei mehreren Raststätten hält der Bus länger, man hat Zeit für eine Klo-Pause (Klo gibt’s auch im Bus) oder man kann sich einen Snack kaufen. Nach Muonio müssen Reisende in Richtung Kilpisjärvi und Tromsö den Bus wechseln. Der ursprüngliche Bus fährt weiter in Richtung Pallas-Yllästunturi Nationalpark. Auch dort lässt sich eine schöne Mehrtageswanderung machen. Die Fahrt geht durch viel Landschaft: Bäume, Seen, Sümpfe. Viel Natur, wenig Mensch. Ich glaube das ist es, was mich hier oben so fasziniert. Diese fast unendliche, menschenleere Weite. Die Nadelbäume werden kleiner und mit einem Mal gibt es keine mehr. Übrig bleiben einzig die Birken, die sich in leuchtend gelbem Blätterkleid präsentieren. Nach 4,5 Stunden fährt der Bus pünktlich in Kilpisjärvi ein. Ich verabschiede mich von den Tschechen und wünsche ihnen eine gute Wandertour.
Ich laufe ein paar Meter zum Hotel Rakka und beziehe ein wunderbares Zimmer mit Blick auf den Birkenwald. Es ist nach 18:00 Uhr, im Supermarkt kaufe ich mir noch etwas zu essen, dann mache ich einen kurzen Erkundungsspaziergang. Gleich neben dem Hotel beginnt ein Wanderweg. Das mag ich an diesen kleinen Orten. Das war schon im letzten Winter in Luosto so, hier ist es genau gleich. Ich laufe eine Weile hoch und suche nach guten Ausblicken in Richtung Norden. Für den Fall, dass es auch diese Nacht Nordlichter zu sehen gibt.

Erste Erkundungstour mit Blick auf den Saana
Um 21:30 zeigt sich leichte Aktivität auf der Webcam von Kilpisjärvi und ich mache mich auf den Weg. Im Schein des hellen Mondes (51%) laufe ich hoch, Stirnlampe brauche ich keine. Die Aurora tanzt am Himmel, ein Paar läuft etwa 20 Mal mit Stirnlampe hin und her, leuchtet mir mehrere Male genau in die Linse. Gewisse Leute glauben, sie sind alleine da draussen. Von der Karte her weiss ich, dass etwas weiter oben ein See liegen muss. Ich laufe weiter im Mondschein hoch, die beiden Leuchter kommen mir entgegen. Ich schweige brav. Bald kraxle ich über grosse Steinblöcke, aber nach einer Weile sehe ich den See. Über weitere Steinböcke finde ich zum Ufer. Na, da hat es auch einen Weg. Der Mond spiegelt sich hell im See, das ist nicht ideal. Dafür ist der Blick auf den Saana ganz schön. Die Nordlichter tanzen weiter, aber sie werden schwächer. Ich mache noch ein Bild, und noch eins. Ach und nochmals eins. Dann ist aber gut. Langsam beschlägt sich auch die Kamera-Linse immer wieder. Auf dem Weg laufe ich zurück, das ist viel einfacher. Es ist mittlerweile 01:20 und kalt. Vor mir sehe ich die Milchstrasse und mache noch ein Foto. Die Milchstrasse ist hier eher eine Nebendarstellerin.

Erste gute Aurora-Aktivität

Aurora über dem Saana

Scheues Nordlicht über dem Saana
Es ist 01:30 und irgendwie explodiert plötzlich der Himmel. Ich stehe ganz verdutzt da und schaue nur noch hoch. Wahnsinn! Ich habe die Nordlichter schon ein paar wenige Male gesehen, aber das ist jetzt etwas ganz anderes. Ein sehr expressiver Künstler hat den Nachthimmel übernommen. Ich steige auf einen nahen, kleinen Hügel. Die Lichter sind überall. Ich komme aus dem Fotografieren und Staunen nicht mehr heraus. Ich weiss auch nicht, wo ich hinschauen soll, denn die Lichter tanzen überall. Was für ein absolut geniales Erlebnis! Eigentlich kann man es nicht mit Worten beschreiben. Immer wieder jauchze ich in dem Himmel. Das stört wohl niemanden, denn ich bin ganz alleine hier draussen.

Die Explosion beginnt!






Waaaaahnsinn!











Es dämmert langsam
Das erste Mal sehe ich auch die berühmte Korona über mir am Himmel. Etwas mehr zu Schaffen macht mir die Linse der Kamera, diese kondensiert immer wieder. Das heisst, putzen, Foto schiessen, repetieren. Die Show geht lange weiter und der Tag beginnt langsam zu dämmern. Die Lichter sind nicht mehr so intensiv, aber der ganze Himmel ist grün. Es ist mittlerweile 04:00 und ich mache mich nun wirklich auf den Heimweg. Mir ist kalt, aber ich bin tief bewegt!
Mehr Aurora-Bilder von dieser Nacht (swipe, um durch die Galerie zu scrollen oder klicke, um die Bilder in einer Lightbox anzuschauen):
Diejenigen, die den Sonnenwind lesen, wussten, dass ein Sonnensturm kommen würde. Ein Sturm der Stärke G1, allenfalls G2 wurde vorhergesagt. Da ich nicht zu diesen Leuten gehöre, hatte ich keine Ahnung. Ich ging einfach mal raus. Und hatte ganz viel Glück, dass ich in den frühen Morgenstunden immer noch draussen war. Hier die Erklärung von space.com:
Ursprünglich sagte die Wettervorhersage leichte bis mässige Stürme (G1-G2) voraus, aber eine versteckte Insel verwandelte sie in einen starken G3-Sturm.
Eine versteckte magnetische «Insel» in einem koronalen Loch auf der Sonne löste in der Nacht von Sonntag auf Montag (14. bis 15. September) einen überraschenden geomagnetischen Sturm der Stärke G3 aus. Dieser unerwartete Sturm löste weit über sein übliches Gebiet hinaus beeindruckende Polarlichter aus.
Die Weltraumwetterphysikerin Tamitha Skov enthüllte, dass die Ursache des Sturms nicht grosse Eruptionen waren, sondern eine subtile magnetische Verdrehung – eine «Insel» mit positiver Polarität innerhalb eines Koronalochs mit negativer Polarität.
«Diese positive Polarität hat uns letztendlich einen etwa sechs Stunden andauernden, wirklich intensiven Sturm beschert», sagte Skov. «Kleine Dinge wie diese können wirklich einen grossen Unterschied machen und einen harmlosen Sturm in einen Sonnensturm der Stufe G3 verwandeln.»
Die Sonne sendet ständig Strahlung und geladene Teilchen in den Weltraum. Diesen stetigen Teilchenstrom bezeichnet man als Sonnenwind. Wenn dieser Strom für kurze Zeit und in einem begrenzten Gebiet deutlich stärker ist als sonst, spricht man von einer Sonneneruption. Dabei wird eine Wolke aus Plasma und geladenen Teilchen ins All geschleudert, die auch die Erde erreichen kann. Dies bezeichnet man als Koronalen Massenauswurf, kurz CME (Coronal Mass Ejection).
Das Erdmagnetfeld reagiert auf das Eintreffen des CME. Es wird verzerrt, wodurch Störungen entstehen können. Die bei uns dann in Gang gesetzten Folgephänomene nennt man Sonnensturm. Ausserdem können so Polarlichter entstehen, indem energiereiche geladene Teilchen der Sonne auf das Magnetfeld und die Atmosphäre der Erde treffen.
Nach einer sehr kurzen Nacht gibt es ein erstes sehr leckeres Frühstück im Hotel. Mir fällt auf, dass um mich herum nur Finnisch gesprochen wird. Die Ruska-Saison ist wohl auch für Einheimische ein Höhepunkt des Jahres, vom ganzen Land reisen sie in den hohen Norden, um dieses Naturschauspiel zu geniessen.
Ich lese, dass es sogar ein Wort dafür gibt: Ruskaretki. Das ist ein typisches Naturerlebnis, das bei vielen Finnen und Besuchern beliebt ist. Im Prinzip bedeutet das Wort, eine Wanderung im Wald oder in den Fjells machen, bei der man die herrlichen Herbstfarben bewundert. Je nach Begeisterung der Wanderer, kann der Ausflug zwei Stunden oder zwei Wochen dauern. Das wird wohl meine Beschäftigung für die kommenden Tage sein: Ruskaretki!
Das der Einsteig in diesen Blog-Beitrag. Das Auswählen der Bilder war eine richtige Herausforderung, denn ich konnte so viele schöne Momente erleben und einfangen. In diesem Sinne, tauch ein in die Welt rund um Kilpisjärvi mit viel Ruska, Ruskaretki, Saana tunturi, Tsahkaljärvi, Fjell-Landschaften, goldgelben Birken, buntem Mikrokosmos, leuchtenden Nordlichtern und vielen Momenten, die diese Bilder wahrscheinlich nicht wiedergeben können.

Erster Tag in Kilpisjärvi
Nach dem Frühstück ist etwas Arbeit angesagt, leider sind diese Ferien gespickt damit. Ich bin müde und nach dem Mittag würde ich einheitlich gerne eine Siesta machen. Aber ich muss an einem Meeting teilnehmen, danach ist mein persönliches Siesta-Fenster vorbei. Stattdessen laufe ich wieder hoch, zuerst zu den Tsahkal-Fällen, dann weiter zum See, dem Tsahkaljärvi. Bei Tageslicht sieht es dort oben ganz anders aus. Ich geniesse die Stimmung, trinke einen heissen Tee und laufe wieder runter. Abends zeigt sich auf der Webcam wieder leichte Aurora-Aktivität, der Himmel ist aber auch ziemlich bewölkt. Ich ignoriere das Grün einfach, denn nun bin ich wirklich müde.

Bei den Tsahkal-Fällen

Der Hauptwasserfall

Herbstfarben und der verhangene Saana


Stille beim Tsahkaljärvi

Die offene Grillhütte beim Tsahkaljärvi

Zeit für eine Tasse Tee
Es lohnt sich auch, auf die kleinen Dinge zu achten. Auch am Boden findet ein spektakuläres Farbenspiel statt. Sträucher, die den extremen Witterungsbedingungen und dem fehlenden Schutz durch hohe Bäume ausgesetzt sind, verwandeln sich in ein wunderbares Meer aus Farben. Beeren in allen Farben und Formen sowie Flechten tragen zum Gesamtkunstwerk bei. Kein Wunder, dass die Fjells in Lappland ein beliebtes Ziel für herbstliche Wanderungen sind.

Tautropfen in einem Spinnennetz

Wacholderbeeren

Eine Heidelbeere

Schwedischer Hartriegel

Tautropfen

Arktische Nierenflechte und Preiselbeeren
Wanderung zur Saanajärven Kota
Am nächsten Morgen ist der Himmel immer noch wolkenverhangen. Ich möchte eigentlich nur einen Spaziergang machen, aber ich laufe immer weiter hoch. Es nieselt immer wieder leicht, aber die Birken strahlen gegen den grauen Himmel. Eine einzige Wanderin mit grossem Rucksack kommt mir entgegen. Der Saana verbirgt sich im Nebel. Der 1029 m hohe Fjell (tunturi) erhebt sich 556 m über Kilpisjärvi und gehört wie der Halti zum Skandinavischen Gebirge.

Bohlensteg auf dem Weg nach oben

Blick in die Moorlandschaft

Die Birken leuchten

Liquid Sunshine, es nieselt leicht

Tautropfen auf Heidelbeerblättern

Heidelbeeren

Eine glückliche Wanderin

Blick auf Kilpisjärvi

Es geht weiter rauf

Wacholder

Die einsame Birke
Es weht ein kühler Wind, es nieselt leicht. Nach einer Weile erreiche ich den Saanajärvi. Den Saana-See. Auf den Namen «Järvi» werde ich noch oft treffen, es gibt hier sehr viele davon. Ich laufe zur Saanajärven Kota, das sind frei zugängliche Schutzhütten am See.
In jeder der zwei Hütten gibt es eine Feuerstelle, Platz zum Schlafen und Sitzen. In einem weiteren Häuschen stehen Trockentoiletten zur Verfügung und in einem weiteren gibt es Brennholz. Solche Hütten gibt es überall Finnland, Schweden und Norwegen, oft braucht man einen Schlüssel, den es über lokale Wandervereine zu beziehen gibt. Ich trinke in einer der Hütten windgeschützte einen Tee.

Der Saana im Nebel, rechts der Saanajärvi

Die zwei Saanajärven Kotas

Die Hütte lädt zur windgeschützten Rast

Im Inneren der Hütte
Dann ziehe ich die Regenjacke an und mache mich auf den Rückweg. Ich hatte eigentlich nicht geplant, so lange zu wandern und ich habe Hunger. Snack habe ich Profi keinen eingepackt. Tssss! Es geht zurück durch all die wunderbaren Herbstfarben, die auch bei dem trüben Wetter strahlen.

Bohlensteg und Wandern in Herbstfarben

Auf Ruskaretki
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Ich habe Hunger und gönne mit im Hotel ein Nachessen. Nun, die finnische Speisekarte ist nicht gerade meine. Rentier, Elch, Fisch. Viel davon. Mag ich alles nicht. Das einzige vegetarische Gericht ist ein Vegiburger mit Pommes. Den nehme ich. Das Essen ist sehr lecker, aber es ist viel. Da der Regen nachgelassen hat, mache ich einen Verdauungsspaziergang hoch zum Tashkaljärvi. Auch zur blauen Stunde ist es da oben wunderschön!

Blue Hour bei den Tsahkal-Fällen

Abendstimmung beim Tsahkaljärvi

Der Tsahkal-Fluss entspringt dem Tsahkaljärvi
In der Nacht beginnt es im Hals zu kratzen. Die lange erste Aurora-Nacht in Kilpisjärvi hat wohl ihre Spuren hinterlassen, eine Erkältung ist im Anmarsch. Nun, wen wundert’s?
Kilpisjärvi
Kilpisjärvi, benannt nach dem See Kilpis (Kilpisjärvi = Kilpis-See), besteht aus ein paar Häusern, einem gut sortierten Supermarkt, einem kleinen Outdoorshop, einer Tankstelle inklusive Post und diversen Übernachtungsmöglichkeiten. Ca. 4 km weiter nordwestlich liegt das Kilpisjärvi-Wanderzentrum. Von dort verkehren die Boote zum Dreiländereck. Sehenswürdigkeiten hat Kilpisjärvi keine zu bieten, trotzdem ist der Ort ein beliebtes Touristenziel, vor allem für Ausflüge zum gerade erwähnten Dreiländereck und Wanderungen zum Halti, mit einer Höhe von 1324 Metern der höchsten Erhebung Finnlands. Jetzt im September ist eher wenig los, Touren z. B. kann man keine buchen.
Das Dorf Kilpisjärvi ist sehr jung, aber die Gegend hat eine jahrtausendealte Geschichte menschlicher Besiedlung, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Schon die prähistorischen Bewohner sahen die Mündung des Flusses Tsahkaljoki als angenehmen Aufenthaltsort. In der Nähe der Hütten und Unterstände wurden Steinsplitter, Abfallprodukte aus der Herstellung von Steinwerkzeugen, gefunden. Die Steinwerkzeuge stammen aus der Steinzeit und der frühen Metallzeit und sind zwischen 10.000 und etwa 1500 Jahre alt.
Auf den umliegenden Wanderwegen sind die Chancen gross, Rentiere sehen. Das liegt daran, dass Kilpisjärvi und die Käsivarsi Wilderness Area zu einem speziellen Rentierzuchtgebiet gehören, in dem sich die Rentiere frei bewegen und weiden dürfen. Ebenfalls leben in Enontekiö etwa 20’000 Rentiere.
Wanderung auf den Salmivaara
Rund um Kilpisjärvi gibt es ein paar schöne kurze Wanderungen. Heute steht der Salmivaara auf dem Programm. Die kleine Erhebung liegt auf der Halbinsel im See. Bald beginnt der steile Aufstieg, etwa 180 Meter geht es nach oben. Ich komme sogar ins Schwitzen. Nach dem Regen liegen auf allen Pflanzen Wassertropfen, das sieht einfach wunderbar aus. Bis jetzt war ich immer alleine unterwegs, aber auf dem Weg zum Salmivaara treffe ich auf einige andere Wanderer. Auch oben ist viel los. Ich geniesse die 360-Grad-Aussicht auf Kilpisjärvi, den Saana, Schweden auf der anderen Seeseite und in Richtung Dreiländereck. Danach mache ich mich auf den Runterweg und bald bin ich wieder im Hotel.

Tautropfen auf Heidelbeerblättern

Beeren- und Farbenvielfalt

Tautropfen auf einer Heidelbeere

Ausblick vom Salmivaara in Richtung Saana

Blick auf den Alanen (unteren) Kilpisjärvi

Krähenbeeren

A place with a view

Blick auf den Ylinen (oberen) Kilpisjärvi


Blick in Richtung Schweden

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Nach einer kurzen Pause im Hotel geht’s auf den nächsten Spaziergang. Wieder hoch in Richtung Saana, dann biege ich nach rechts in Richtung Tsahkaljärvi. Ich wandere über eine Art Hochebene. Auch hier ist es relativ warm und es ist total windstill. Es ist wunderschön hier oben. Total still. Ich lasse mir viel Zeit.

Auf der Ebene
Eine andere Wanderin in Gummistiefeln läuft an mir vorbei. Es folgt ein Redeschwall in Finnisch. «Anteeksi», aber ich verstehe kein Finnisch. Ich werde immer wieder auf Finnisch angesprochen. Wie schon erwähnt, suchen wohl auch die Finnen den Zauber der Ruska im hohen Norden. Mein Standard-Gruss ist mittlerweile «Hei!» oder «Hei! Hei!». Auf Englisch unterhalte ich mich noch eine Weile mit der Frau. Englisch wird hier oben ja meist verstanden und gesprochen. Ich habe versucht, ein bisschen Finnisch zu lernen, aber ich tue mich schwer. Und ich spreche ja einige Sprachen, inkl. ein bisschen Russisch. Aber Finnisch hat irgendwie keine Gemeinsamkeiten mit einer anderen mir bekannten Sprache.

Rot, Gelb, Grau

Heidelbeer-Mikrokosmos

Trompetenflechte

Auf der Farbpalette

Saana mit Nebelkappe

Windstille und Herbstfarben


Windstille beim Tsahkaljärvi
Der Tsahkaljärvi ist spiegelglatt, es weht kein Lüftchen. Nochmals werde ich von einer Frau auf Finnisch angesprochen. Auch hier muss ich sagen, dass ich es nicht verstehe. Die Frau wohnt in Kilpisjärvi und ist zum See hochgekommen, weil es windstill ist. Das ist anscheinend selten der Fall. Wir unterhalten uns noch eine Weile, sie bleibt beim See, ich mache mich auf den Weg ins Hotel und in mein sehr gemütliches Zimmer. Dieses ist skandinavisch modern eingerichtet und sehr ruhig. Die hohen Fenster bieten einen schönen Blick auf den Saana und den Birkenwald.

Das Hotel Rakka zur blauen Stunde

Das gemütliche Café

Das Restaurant mit den riesigen Fensterfronten

Mein Zimmer mit Ausblick
Wanderung auf den Saana
Den Saana habe ich nun schon von einigen Perspektiven gesehen, heute will ich den Tunturi (Fjell) besteigen. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint. Ich laufe den mittlerweile bekannten Weg wieder hoch. War es am Vortag schön warm, ist es heute kühl und es weht ein kalter Wind. Beim Saanajärvi muss ich die Jacke wieder anziehen, der Wind weht eiskalt entlang des Sees. Immer wieder führt der Wanderweg durch sumpfige Abschnitte. Am anderen Ende des Sees geht es hoch zu weiteren kleinen Seen. Ich laufe über eine Kuppe und es tut sich die Sicht auf die andere Seite und den Siilasjärvi auf. Wunderschön! In der Ferne sieht man in die Schwedische und Norwegische Bergwelt. Ich mag die Landschaft hier oben. In Luosto waren die Tunturis klein, hier sind die kargen Fjells höher, in der Ferne erheben sich richtige Berge. Das gefällt mir sehr gut! Wie schon zuvor sehe ich auch hier viele Pfosten mit einem roten x. Das sind die Markierungen für die Schneemobilpisten im Winter. Es ist es extrem ruhig hier, bis auf den Wind höre ich nichts. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das im Winter ist, wenn da die Schneemobile durchbrettern. Auf Land dürfen sie mit 80 km/h fahren, auf Eis mit 60 km/h.

Das Goldgelb der Birken

Beerenwelt

Wandern durch die Bergtundra

Blüten der Blauheide

Es ist kühl beim Saanajärvi

Heidelbeerfarben

Bergsicht auf der anderen Seite des Saana

Markierungen für Schneemobilpisten

Moorschneehühner

Blick auf den Pikku-Malla, den Iso-Malla und den Siilasjärvi
Der Weg führt eine Weile nach unten, in der Ferne sehe ich schon viele Menschen-Shilhouetten beim Aufstieg auf den Saana. Ich begegne zwei Moorschneehühnern. Wilde Tiere habe ich bis jetzt fast keine gesehen, interessanterweise auch keine Insekten. Nun, zwei Mücken, mehr aber nicht. Bald erreiche ich den Abzweig auf den Saana. Auf dem ersten Abschnitt wurde ein breiter Weg erstellt, dann folgen Treppenstufen. 25’000 Menschen steigen jedes Jahr auf den Saana, mit 1029 m der zweithöchste Berg in Finnland. Früher hat jeder seinen eigenen Weg gesucht, das hat der fragilen Pflanzenwelt geschadet. Weiter oben gibt es nur noch Stein, da versucht man, dem Wanderweg zu folgen. Die Sonne steht tief am Himmel und scheint mir genau ist Gesicht. Es ist schwierig, so immer den richtigen Pfad zu treffen. Aber ich bin ja nicht allein hier oben. Es pilgern wirklich viele Menschen nach oben.

Blick auf den Pikku-Malla

Im Aufstieg auf den Saana mit Blick ins Dreiländereck (links)

Blick auf Kilpisjärvi
Es weht ein kalter Wind, doch ich laufe so zügig hoch, so dass mir warm wird. Der Weg zum Gipfel zieht sich dahin. Dort oben weht ein eiskalter, kräftiger Wind. Nun, ich hatte gelesen, dass es hier oben windig sein kann, doch Handschuhe und Mütze habe ich im Hotel gelassen. Die hätte ich mal besser eingepackt. Nach 11 km erreiche ich den Gipfel des Saana. Ich verzichte auf ein Gipfelfoto – da ist mir zuviel los – und laufe etwas runter, wo der Ausblick noch etwas besser ist. Ich blicke auf Kilpisjärvi, den Salmivaara, in Richtung Norwegen und nach Schweden. Von hier oben sieht man die ganzen Seen, Bäche und den ganzen Sumpf sehr gut. Und vom letzteren gibt es viel in Finnland. Ich suche mir einen windgeschützen Ort und esse einen Riegel und trinke meinen heissen Tee.

Beim Saana-Gipfel

Mein Gipfelfoto

Järvi-Blick

Eine windgeschützte Pause
Danach folgt der Abstieg auf gleicher Strecke. Eigentlich würde ein Wanderweg rund um den Saana herumführen, doch im Sommer darf der Weg durch den Saana Herb-rich Protected Forest nicht mehr benutzt werden. Die fragilen Pflanzenarten in diesem Schutzgebiet können der Abnutzung durch einen Wanderweg nicht standhalten. Eine Umleitung führt um die Nordseite des Saana-Fjells herum. Für mich heisst das, auf dem gleichen, langen Weg wieder zurück.

Auf gleichem Weg zurück

Wollgras beim Saanajärvi
Ich laufe wieder hoch, weiter zum Saanajärvi. Der Rückweg zieht sich dahin. Die Wanderwege hier sind meist gespickt mit vielen grossen Steinen, da ist immer Konzentration gefragt. Ich merke immer gleich, wenn ich diese verliere. Dann werden die Steine schnell zu Stolpersteinen. Ich laufe wieder durch den Sumpf entlang des Saanajärvi, der mittlerweile im Schatten des Saana liegt und auf mittlerweile bekanntem Weg weiter runter nach Kilpisjärvi.

Wanderweg mit Stolpersteinen im Herbstlicht

Perfektes Herbstwetter
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Meine Erkältung wird immer schlimmer und eigentlich bin ich nach der langen Wanderung müde, aber der Himmel ist am Abend klar und ich erkenne leichte Aurora-Aktivität auf der Webcam. Und deswegen bin ich ja hier. Also packe ich mich warm ein und laufe hoch zum Tsahkaljärvi. Bei den Hütten hat es schon einige Leute, ich laufe etwas weiter um den See herum und finde einen guten Spot. Hier ist es windstill, die Nordlichter spiegeln sich wunderbar im Wasser. Ach wie wunderschön! Irgendwann höre ich es neben mir rascheln. Ich schaue, sehe etwas rotes. Da fotografiert wohl noch jemand. Irgendwann raschelt es gleich hinter mir. Ich sage:«Hallo, du kannst schon das Licht anmachen.» Aus der Dunkelheit kommt zurück:«Nein, ich sehe in der Nacht genug ohne Licht.» Dann raschelt es wieder links von mir. Ich weiss nicht, wann der Typ gekommen und gegangen ist. Wie ein Geist. Es ist deutlich kälter geworden. Als die Aurora-Aktivität nachlässt, mache ich mich auf den Rückweg. Ich zumindest muss die Stirnlampe anschalten, ich stolpere sogar bei Tageslicht über die grossen Steine.

Nordlichter über dem Saana



Nordlichter beim Tsahkaljärvi, der helle Punkt ist Jupiter

Nordlichter beim Tsahkaljärvi

Nordlicht-Panorama beim Tsahkaljärvi
Mehr Aurora-Bilder von dieser Nacht (swipe, um durch die Galerie zu scrollen oder klicke, um die Bilder in einer Lightbox anzuschauen):
Wanderung zur norwegischen Grenze
Die Wettervorhersage zeigte Sonne für den nächsten Tag, doch als ich den Vorhang aufziehe, sehe ich einen verhangenen Himmel. Na ja, auch schön. Ich mag das Licht, wenn der Himmel verhangen ist. Es ist nicht so grell wie bei Sonnenschein. Und ganz allgemein ist das Wetter viel besser als ursprünglich erwartet. Das freut mich sehr.
Nach dem Frühstück mache ich mich wieder auf den Weg. Hoch zum Tsahkaljärvi, dann laufe ich südlich weiter entlang des Sees. Immer wieder sehe ich perfekte Zeltplätze, die den riesigen Feuerstellen nach zu urteilen auch als solche genutzt werden. Auch hier bin ich auf dem Nordkalottleden unterwegs. Der Weg verlässt den See nach der Überquerung eines Zuflussbaches, danach geht es entlang eines Rentierzauns langsam etwas hoch.



Morgenstimmung beim Tsahkaljärvi
Das östliche Ende des Tsahkaljärvi (auf Sami: Čáhkáljávri) wird seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt und genutzt. Die frühesten Spuren menschlicher Aktivität sind Steinsplitter, die entlang des Ufers gefunden wurden und aus der Steinzeit stammen. Die nächsten Spuren menschlicher Aktivität stammen aus der Zeit vor etwa 1000 Jahren, als sich frühe samische Rentierzüchter an der Flussmündung niederliessen. Samische Hirten nutzten dieses Gebiet bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts weiterhin als saisonale Behausung während ihrer jährlichen Wanderungen.

Tsahkaljärvi und Saana aus einer neuen Perspektive
Ein neuer Anblick des Saana tut sich auf. Über eine Leiter überquere ich den Rentierzaun, der Weg führt nun weiter durch Rentiergebiet. Doch ausser dem Kot ist von den Tieren nichts zu sehen. Es folgen einige Sumpfabschnitte, dann laufe ich durch die typische, kahle Fjell-Tundra. Die Herbstfarben leuchten und immer wieder blicke ich auf einen See. Auch hier gibt es viele kleine Dinge zu entdecken und immer wieder kommen mir nun Langstreckenwanderer entgegen. Die meisten sind Finnen. Steine, Blockgelände und Sumpf wechseln sich ab. Nun, vielleicht hat es es etwas mehr Sumpf. Lange Beine sind hier definitiv von Vorteil. Das macht das Tetris-Spielen mit den Steinen im Sumpf etwas einfacher. Der Weg zieht sich dahin.

Grossartiges Wandern

Komische Fundstücke am Wegrand

Ein Schuh mit Mikrokosmos

Preiselbeeren

Beeren und Blätter im Herbstkleid

Bärlapp


Zeugen des Sommers

Blockgelände

Sumpfwandern

Wo Sumpf, da Wollgras
Und dann sehe ich sie. Die Rentiere. Ganz viele davon. Ich musste also fast bis nach Norwegen gehen, um sie zu sehen. Im Gegensatz zu Kühen stehen sie nicht auf dem Weg rum und gehen nicht auf die Seite, wenn man vorbei läuft. Im Gegenteil, die Tiere sind scheu und laufen weg. Bis auf die ganz jungen, die sind neugierig und ich habe den einen oder andern Starring-Contest.

Erste Rentiere

Neugieriges Jungtier

Tunturis, Seen und Rentiere

Ein Ren und der Saana

Starring-Contest mit einem Jungtier

Pause muss sein
Ganz unscheinbar steht eine Tafel in Sumpf, die Grenze nach Norwegen. Ich überquere sie, das war mein heutiges Tagesziel. Nach dem Grenzfoto gehe ich wieder nach Finnland zurück und auf einem Stein mache ich eine Pause. Einige neugierige Rentiere kommen immer näher und begutachten mich. Auf dem gleichen Weg geht’s wieder zurück. Es ist kühl, ich laufe den ganzen Tag in der Jacke. Absolut perfekte Wandertemperatur!

An der Grenze Finnland-Norwegen

Auf gleichem Weg zurück
Meine Erkältung entwickelt sich, mein Kopf schmerzt bei jeder Bewegung und einige seltsame Muskeln schmerzen. Der untere Rücken und beide Pobacken. Erkältungsmedikamente habe ich keine mitgenommen und im winzigen Kilpisjärvi gibt es keine Apotheke. Im grossen Supermarkt gibt es zwei Reihen mit Gummibärchen und Lakritze aller Art, aber Eukalyptusbonbons finde ich keine. Geschweige denn Pfefferminztee. Kamille tut’s auch. Immerhin finde ich ein Panadol in meiner eigenen Apotheke.
Doch auch dieser Abend wird nicht ruhig, der Himmel klart auf und bald befinde ich mich wieder beim Tsahkaljärvi. Diesmal laufe ich noch etwas weiter dem See entlang. Die Grüne Lady zeigt ein weitere, etwas sanftere Show. Doch es ziehen immer mehr Wolken auf, irgendwann sieht man nichts mehr viel von den Lichtern. Zeit für Wärme und etwas Schlaf. Doch so einfach ist das nicht. Meine Nebenhöhlen schmerzen und es brennt im Inneren meiner Nase. Ganz seltsam und sehr unangenehm. So etwas hatte ich noch nie. Ich hoffe einfach, dass all diese Dinge nicht zur neuen Realität werden. Auf der Velotour im Frühling hatte ich mit eine Hautinfektion und eine Gürtelrose eingefangen, jetzt eine komische Erkältung. Diese Operation im Frühling hatte vielleicht weitaus grössere Auswirkungen, als mir lieb sind. Oder vielleicht ist es einfach das Alter. Wer weiss?!

Nordlichter über dem Saana, auch schön zu sehen der grosse Wagen

Nordlichter spiegeln sich im Tsahkaljärvi

Wolken ziehen auf
Nach etwas Schlaf und dem Frühstück fühle ich mich nicht wirklich gut und um 09:30 gehe ich einfach wieder ins Bett. Um 13:30 wache ich auf. Mein Körper brauchte wohl dringend etwas Ruhe. Danach fühle ich mich besser und ein Spaziergang und frische Luft rufen.

Ruhen mit Ausblick

Graue Herbststimmung beim Tsahkaljärvi
Die grösseren Wanderungen konnte ich alle machen. Einzig der Besuch beim Dreiländereck würde noch anstehen. Aber es ist nicht so einfach, dahin zu kommen und zum Laufen ist es viel zu weit. Zudem wird es auch dort sicher viele Leute haben. Ich möchte noch viel von der Ruhe aufnehmen und mir bleiben noch ein paar gemütliche Tage, um die Ruska hier oben noch in vollen Zügen zu geniessen. Ich habe das Gefühl, dass die Birken jeden Tag weniger Blätter tragen und dass die bunten Farben langsam schwinden.

Tsahkaljärvi und der Saana
Zu entdecken gibt es bei jedem Spaziergang viel, jedes Mal ist das Licht anders, ich entdecke neue kleine Dinge. Der Himmel ist meist bewölkt, aber ich mag das Licht. Es passt zum Herbst. Auroras würde man im Moment in jeder Nacht sehen, aber dafür ist natürlich auch ein klarer Himmel notwendig. Ich nehme die Dinge wie sie kommen. Beklagen kann ich mich absolut nicht, ich wurde ja gut verwöhnt mit den Nordlichtern, vor allem in der ersten Nacht hier in Kilpisjärvi.

Früchte des Siebensterns

Schwedischer Hartriegel

Wacholderbeeren

Schwedischer Hartriegel

Sackflechte

Tropfenstimmung

Preiselbeeren

Krähenbeeren

Flechtenwelt

Trompetenflechte

Bärlapp
An meinem letzten Abend mache ich mich nochmals auf den Weg in die Dunkelheit. Es windet sehr stark, der Himmel ist bewölkt und es regnet oder schneit sehr feucht. Doch die Lichter tanzen zwischen den Wolkenfetzen. Das Fotografieren ist etwas herausfordernd, denn die Regentropfen und/oder Schneeflocken werden von allen Seiten auf die Linse geblasen. Und bald gibt es auch keine Wolkenlöcher mehr.

Nordlichter beim Hotel


Wind, Regen, Schnee und Nordlichter

Wolken und Nordlichter über dem Saana
Am nächsten Morgen liegt ein Hauch Schnee, es ist kalt. Nach einem letzten leckeren Frühstück im Hotel Rakka mache ich einen letzten Spaziergang hoch zum Tsahkaljärvi. Ich werde diesen wunderbaren See und die Spaziergänge in der stillen Natur vermissen. Sehr sogar!

Krähenbeeren mit etwas Schnee

Herbst trifft Winter

Die Birkenblätter fallen

Herbst trifft Winter

Morgenstimmung bei der Grillhütte

Der Saana im Morgenlicht



Herbst trifft Winter
Um 10:50 fährt der Bus in Richtung Kittilä und Rovaniemi. Auch diesmal fährt er absolut pünktlich ab. Die Landschaft hat sich in der letzen guten Woche verändert. Die Birken haben viele Blätter verloren, die Herbstfarben strahlen nicht mehr so intensiv. Nach einer Weile gesellen sich wieder Nadelbäume zu den Birken und die Wälder werden dichter. Immer wieder sehe ich ein Rentiere. Ab und zu führt eine kleine Schotterstrasse in den Wald zu einem Häuschen. Jedes Mal denke ich, dass das absolut etwas für mich wäre. Ein kleines Häuschen irgendwo im Nichts, ein kleiner Hügel in der Nähe, der mir ein 360 Grad-Panorma verschafft, um die Nordlichter gut zu sehen. Vielleicht noch ein kleiner See in der Nähe. Ich würde dann Herbst und Winter dort verbringen. Im Sommer hat es zu viele Mücken.
Der Bus hält wieder zweimal, und um 15:25 erreicht er pünktlich Kittilä. Ich beziehe wieder ein Zimmer im Hotelli Kittilä, es ist das genau gleiche wie bei meiner Ankunft hier. Der Kreis schliesst sich. Ich laufe in den nahen Supermarkt und trinke dort einen Kaffee. Abends zeigen die Webcams in Levi leichte Aurora-Aktivität. Ich packe mich ein letztes Mal warm ein. Bald liefert die grüne Lady eine richtig gute Show, hell tanzen die Lichter über den Himmel. Auch hier windet es ziemlich stark und nach einer Weile mache ich mich auf den Rückweg ins Hotel. Das war ein sehr angemessener Abschied. Aber ich glaube, wenn einem die Nordlichter einmal in ihren Bann gezogen haben, muss man sie immer wieder suchen. Ich auf jeden Fall weiss, dass ich nicht das letzte Mal im hohen Norden war.




Nordlichter über dem Ounasjoki
Mehr Aurora-Bilder von dieser Nacht (swipe, um durch die Galerie zu scrollen oder klicke, um die Bilder in einer Lightbox anzuschauen):
Am nächsten Tag habe ich noch Zeit für einen langen Spaziergang. Um 11:00 holt mich das Taxi ab, das mich zum kleinen Flughafen von Kittilä bringt. Dort ist nicht viel los, der Flug der Finnair nach Helsinki ist der einzige Flug an diesem Tag. Bald kommt die Nachricht, dass der Flug Verspätung hat. Das heisst, es wird in Helsinki eng werden, ich habe nur eine Stunde Zeit, wenn der Flug pünktliche wäre. So ist es dann auch, in Helsinki renne ich von Gate 11 zu Gate 26. Meine Lunge brennt, nun spüre ich die Erkältung so richtig. Aber ich schaffe es. Als letzte Person lauf ich durch das Gate. Ich suche meine Reihe 13, davor sind die zwei Notausgangsreihen 11 und 12. Und da muss mindestens eine Person sitzen. Ich werde gefragt, ob ich das für eine Reihe sein möchte. Klar, das gibt mir etwas mehr Beinraum. Der Flug nach Zürich hebt pünktlich ab. Ich frage mich, ob es mein Gepäck geschafft hat. Hat es, meine Tasche ist eines der ersten Stücke, die in Zürich auf dem Gepäckband erscheinen. Ich laufe durch den Flughafen und jetzt wird mir bewusst, wie laut und hektisch es hier ist. Ein Gefühl von Wehmut überkommt mich und ich vermisse jetzt bereits die Stille des hohen Nordens.
Fazit:
Für alle, die es bis hierhin geschafft haben: der Besuch in Kilpisjärvi war ein fantastisches Erlebnis für meine visuellen Sinne, wie man anhand der riesigen Anzahl an Bildern erkennen kann.
Kilpisjärvi ist ein sehr kleiner Ort, in dem die wunderbare Natur gleich vor der Zimmertüre des Hotels beginnt. Die Fjell-Landschaft ist mit Moor durchsetztem Birkenwald und vielen Seen geprägt. Die Fjells sind höher als im südlichen Lappland und gehen langsam in Berglandschaft über.
Der Herbst in Finnland ist eine ruhige Jahreszeit mit goldenen Wäldern, bunten Fells und leuchtenden Himmeln. Die Ruska ist wirklich einen Besucht wert und ich kann gut verstehen, warum die Finnen selbst in den hohen Norden reisen, um dieses Farbspektakel zu erleben. Hatte mich Finnisch-Lappland schon im letzten Winter in seinen Bann gezogen, habe ich mich auf dieser zweiten Reise noch mehr in diese Region verliebt.
Mitte September ist eine perfekte Jahreszeit für Wanderungen, vor allem wenn man keine warmen Temperaturen mag. Ich kann mir gut vorstellen, eines Tages eine Weile auf dem Nordkalottleden oder Kungsleden zu wandern. Für dieses Mal war ein Hotel die perfekte Wahl.
Eines kann ich mit viel Sicherheit sagen: Finnisch-Lappland, ich komme wieder!

Letzter Tag in Kilpisjärvi











































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